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Veränderungen der Persönlichkeit bei Morbus Alzheimer

Veränderungen der Persönlichkeit bei Morbus Alzheimer
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Haschka
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 182 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6440-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6440-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6440-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haschka, Thomas September 2002: Veränderungen der Persönlichkeit bei Morbus Alzheimer, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Frühdiagnostik, Persönlichkeitsveränderung, Postmorbide Veränderungen, Prämorbide Veränderung, Depression

Diplomarbeit von Thomas Haschka

Zusammenfassung:

Nach einer kurzen Darstellung der heute verwendeten neurologischen und psycho-diagnostischen Verfahren zur Diagnostik und Differentialdiagnostik der Alzheimer'schen Erkrankung und den damit verbundenen Problemen, nicht zuletzt in Hinblick auf die Mitbeteiligung depressiver Symptome und nachdem gezeigt werden kann, dass sich die wesentlichen Persönlichkeitszüge bei gesunden Menschen ab einem Alter von 25 bis 30 Jahren nicht mehr wesentlich ändern, wird auf Veränderungen der Persönlichkeit bei Morbus Alzheimer eingegangen, die nicht ausschließlich durch physiologische Umstände erklärt werden können und zeigen, dass den persönlichkeitspsychologischen Aspekten neben den relativ gut erforschten gedächtnisspezifischen Problemen in Zukunft eine bedeutende Rolle im Bedingungsgefüge eingeräumt werden sollte. Abschließend werden in diesem Zusammenhang auch psychosomatische Schädigungsmodelle erwähnt.

Hinsichtlich der hier als postmorbid bezeichneten Veränderungen der Persönlichkeit, die nach der Diagnosestellung bzw. dem Offenbarwerden einer Alzheimer-Demenz bemerkt werden, muss wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass sich die Ausprägungen dieser Eigenschaften mit zunehmender Schwere der Demenz verschlechtern. Die Patienten zeigen im Verlauf der Erkrankung insbesondere eine Abnahme der Extraversion, zunehmende Passivität und gesteigerte Neurotizismuswerte.

Im Abschnitt über das prämorbide Stadium werden die nur an einer unzureichend großen Stichprobe gemessenen Ergebnisse der Studien von Bauer, die den eigentlichen Anstoß für die vorliegende Arbeit gaben und auf eine ganz spezifische Alzheimer-Persönlichkeit hinweisen, die durch besondere Inaktivität gekennzeichnet ist und schließlich in Verbindung mit psychosozialem Stress die Entstehung der Krankheit zur Folge hat, durch zahlreiche Studien anderer Forscher insofern bestätigt, als sie einen Einfluss der Persönlichkeit auf die Entwicklung bzw. auf den Verlauf einer Demenz vom Alzheimer-Typ bezüglich einiger Eigenschaften bestätigen. Bezüglich der angeführten Schädigungsmodelle darf tatsächlich vermutet werden, dass es sich bei der Erkrankung um eine Kombination aus physiologischen und psychologischen Veränderungen handelt und das Einsetzen der Erkrankung bereits Jahre vor den ersten Zeichen dementieller Entwicklungen stattfindet.

Hinsichtlich der Risikofaktoren, die zu einer Demenz beitragen könnten, wurden in den verschiedenen Untersuchungen unter anderem Stressereignisse, psychosozialer Rückzug, Depressionen, andere psychiatrische Erkrankungen, hohe Neurotizismus-Werte, geringe Emotionalität, niedrige Schul- und Berufsbildung, sowie geringe Intelligenz oder Lebensenergie wahrscheinlich im Sinne geringer Interessen genannt. Die gefundenen frühen Veränderungen in wesentlichen Eigenschaften der Persönlichkeit von Alzheimer-Kranken sprechen jedenfalls für die bereits angesprochene Überalterungstheorie, die in Verbindung mit meist erhöhten physiologischen Schädigungen einhergehen, widersprechen aber eigentlich auch nicht wirklich den von Bauer gefundenen Faktoren bzw. Ansichten, sondern begründen sie vielmehr - je nach individueller Sichtweise - nur etwas unterschiedlich, denn Bauer gibt zusätzlich zur herkömmlichen Idee der Veränderung von Persönlichkeitseigenschaften, die üblicherweise durch den kognitiven Abbau erklärt werden, noch zu bedenken, dass auch andere, beispielsweise eben psychosoziale Geschehnisse ihren Anteil am Ausbruch einer dementiellen Entwicklung haben können, was z. B. auch etwa durch die Folgen psychischer Krankheiten, im Besonderen der Depression bereits nachgewiesen wurde. Ob die angesprochenen Veränderungen etwa infolge einer Häufung von Stressereignissen bzw. inadäquaten Copingreaktionen auf diese Ereignisse, durch eine eher neurotische Persönlichkeitsstruktur oder durch psychosoziale Einflüsse die Krankheit nun begründen, das Gehirn für kognitive Ausfälle vulnerabel machen oder lediglich erste Symptome darstellen, ist grundlegende Fragestellung der nachfolgenden Untersuchung der Veränderungen der Persönlichkeitseigenschaften von rund 80 Alzheimer-Patienten unter Einbeziehung einer Kontrollgruppe gesunder Personen im Anschluss an die theoretische Aufarbeitung der angeführten Literatur.

Inhaltsverzeichnis:

VERÄNDERUNGEN DER PERSÖNLICHKEIT BEI MORBUS ALZHEIMER
1. Entwurf der Problemstellung 1
2. Darstellung der theoretischen Grundlage 2
2.1 Einleitung 2
2.2 Möglichkeiten der Frühdiagnostik 6
2.2.1 Probleme der Differentialdiagnostik 6
2.2.2 Möglichkeiten der Frühdiagnostik 8
2.2.2.1 Neuropsychologische Begutachtungsverfahren 10
2.2.2.2 ADL- und IADL-Skalen 10
2.2.2.3 Der Testing-the-Limits-Ansatz 11
2.2.3 Die altersassoziierten Gedächtnisbeeinträchtigungen 13
2.2.4 Differentialdiagnostik der depressiven Symptome 16
2.3 Altersassoziierte Veränderungen der Persönlichkeit 19
2.3.1 Psychologische Veränderungen im Alter 19
2.3.2 Physiologische Veränderungen des Gehirns 23
2.3.3 Faktoren für „gutes“ Altern 26
2.4 Postmorbide Veränderungen der Persönlichkeit 30
2.4.1 Abnahme der Extraversion 31
2.4.2 Weitere häufig beobachtbare Persönlichkeitsveränderungen 32
2.4.3 Depressionen und depressive Verstimmungen 35
2.4.4 Weitere Veränderungen der Stimmungslage 42
2.5 Prämorbide, krankheitsfördernde Veränderungen der Persönlichkeit 46
2.5.1 Physiologische Unterschiede zum „normalen“ Altern 46
2.5.2 Schädigungsmodelle 49
2.5.3 Stress als krankheitsförderndes Ereignis 54
2.5.4 Depressive Störungen und andere psychische Krankheiten 57
2.5.5 Psychosoziale Einflüsse 61
2.5.6 Beschreibung der Studien von Bauer (1994, 1995) 69
2.6 Zusammenfassung der Literatur 75
3. Beschreibung der empirischen Methode 79
3.1 Versuchsplan - Die Methode des Fremdratings 79
3.1.1 Vorteile des Fremdratings 83
3.1.2 Versuchsdesign 85
3.1.3 Statistische Hypothesen 87
3.2 Die Stichprobe 89
3.2.1 Alter 90
3.2.2 Geschlecht 91
3.3 Untersuchungsmaterialien 92
3.4 Untersuchungsdurchführung 93
4. Ergebnisse der Untersuchung 95
4.1 Zusammenhänge der Fremd-Fremd- und Selbst-Fremd - Beurteilungen 95
4.2 Zusammenhänge der Doppelbeurteilungen 99
4.3 Faktorenanalyse der Fragebogenitems 102
4.4 Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe 110
4.4.1 Unterschiede 10-15 Jahre vor der Untersuchung 110
4.4.2 Unterschiede zum Zeitpunkt der Untersuchung 112
4.4.3 Unterschiede zwischen den Lebenspartnern der Beurteilten 115
4.5 Veränderungen der Persönlichkeit zwischen den Einschätzungszeitpunkten 116
4.5.1 Veränderungen der Persönlichkeit bei Alzheimer - Patienten 116
4.5.2 Veränderungen der Persönlichkeit der Kontrollgruppe 118
4.6 Zusammenhänge der Persönlichkeitsmerkmale bei Alzheimer-Kranken und Gesunden 120
4.7 Unterschiede zwischen den Einschätzungszeitpunkten und den Versuchsgruppen 124
4.8 Sonstige Unterschiede 126
4.8.1 Unterschiede zwischen den erlebten Stressepisoden 127
4.8.2 Unterschiede zwischen den Hobbies der Beurteilten 128
4.8.3 Unterschiede zwischen den Hobbies der Lebenspartner 130
5. Diskussion 132
5.1 Zusammenfassung 132
5.2 Evaluation der Hypothesen 136
5.2.1 Zusammenhänge der Fremd-Fremd- und Selbst-Fremd- Beurteilungen 136
5.2.2 Zusammenhänge der Doppelbeurteilungen 137
5.2.3 Faktorenanalyse der Fragebogenitems 139
5.2.4 Unterschiede zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe 139
5.2.5 Unterschiede zwischen den Zeitpunkten 141
5.2.6 Zusammenhänge der Persönlichkeitsmerkmale bei Alzheimer- Kranken und Gesunden 142
5.2.7 Unterschiede in den Veränderungen der Persönlichkeit zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe 144
5.2.8 Sonstige Unterschiede zwischen Versuchs- Und Kontrollgruppe 144
5.3 Integration der Ergebnisse mit der Forschungsliteratur 145
5.3.1 Altersassoziierte Veränderungen der Persönlichkeit 145
5.3.2 Ergebnisse zum „guten“ Altern 146
5.3.3 Postmorbide Veränderungen der Persönlichkeit durch Morbus Alzheimer 146
5.3.4 Prämorbide, krankheitsfördernde Veränderungen der Persönlichkeit 147
5.3.5 Die Methode des Fremdratings 148
5.4 Grenzen der vorliegenden Studie 149
5.5 Empfehlungen für zukünftige Forschungen und Konklusion 150
6. Literaturverzeichnis 151
7. Anhang
Der Fragebogen mit den Deckblattversionen

Automatisiert erstellter Textauszug:

Reding, Haycox und Blass (1985) verweisen in diesem Zusammenhang auf 57% der Untersuchten hin, die ursprünglich als depressiv eingestuft wurden, bei denen in Nachfolgeuntersuchungen allerdings statt der Depression eine Demenz festgestellt wurde und Jost und Grossberg (1996) stellten sogar bei 72% der untersuchten Alzheimer-Kranken bereits mehr als 26 Monate vor der Diagnose Depressionen, Veränderungen der Stimmung, sozialen Rückzug und suizidale Ideen fest. Jorm und Mitarbeiter (1991) fanden in ihrer Untersuchung zusätzlich heraus, dass frühere depressive Episoden häufig bei Alzheimer – Kranken vorgefunden werden können und zwar nicht unbedingt nur in der Dekade vor Einsetzen der Demenzsyndrome, sondern auch bereits früher im Leben, wodurch ausgeschlossen werden kann, dass die depressiven Symptome lediglich als ein prodromales Zeichen der Demenz auftreten und auch Bauer (1998) berichtet ebenfalls von einem statistisch vermehrt beobachteten Auftreten von Depressionen im Zehnjahreszeitraum vor Beginn der Alzheimer-Krankheit, weist aber darauf hin, dass die Depression weder zwingend noch typisch in die AlzheimerErkrankung führen muss. Er vermutet allerdings, dass eine depressive Erkrankung, die sich bei älteren Patienten übrigens durch erhebliche Konzentrations- und Gedächtnisstörungen äußert, mit den erheblichen Veränderungen von Neurotransmittern und Hormonen für die Betroffenen ein extremes Stressereignis darstellen kann, das den Beginn der dementen Entwicklung zur Folge haben kann. Reding, Haycox und Blass (1985) räumen allerdings ein, dass beginnende [...]

2.5.4 Depressive Störungen und andere psychische Erkrankungen Im Zusammenhang mit der Entstehung der Alzheimerkrankheit werden insbesondere depressive Störungen häufig als möglicherweise (mit-)verursachend angesehen, wie aus den Erkenntnissen mehrerer Forscher hervorgeht, die zeigen, dass depressive Störungen nicht nur häufig in frühen Stadien der Erkrankung zu finden sind, sondern relativ oft schon bei erst später an Alzheimer Erkrankten beobachtet werden können: Lazarus, Newton, Cohler, Lesser und Schweon (1987) fanden bei ihrer Untersuchung an Alzheimer – Patienten beispielsweise bei 20% Symptome einer leichten Depression, bei 9% milde und bei 11% schwere Depressionen und vertreten die Meinung, dass, aufgrund der ebenfalls vorgefundenen prämorbiden Veränderungen der Persönlichkeit bei den betroffenen Patienten – nämlich depressiven Verstimmungen, Angst, Gefühlen der Hilfund Hoffnungs-, sowie der Wertlosigkeit – von einer grundsätzlichen prämorbiden Störung der Selbstwahrnehmung, der Stimmung und der Zukunftssicht bei den Betroffenen ausgegangen werden muss, die schließlich infolge der Wahrnehmung des kognitiven Abbaus in einer sekundären depressiven Reaktion mündet; das bedeutet, die davon betroffenen Personen zeigten bereits prämorbid Anzeichen depressiver Störungen, die eine Alzheimererkrankung möglicherweise mitverursachen könnten. Rovner und Mitarbeiter (1989) berichten in ihrer Untersuchung von einem Drittel der untersuchten Personen, die ebenfalls bereits vor der Alzheimer-Erkrankung psychiatrische Erkrankungen zeigten, in den meisten Fällen eben Depressionen, was auch mit den Erkenntnissen von Kral (1983; nach Rovner et al., 1989), sowie Agbayewa (1986; nach Rovner et al., 1989) vereinbar ist, die nachweisen, dass später an Alzheimer Erkrankte häufiger an psychiatrischen Erkrankungen leiden als Personen ohne spätere Demenz. [...]

Bauer räumt in seinem Artikel 1995 ebenfalls ein, dass solche stressassoziierten pathophysiologischen Veränderungen nicht durch das Auftreten äußerer “live events“ determiniert werden, sondern vielmehr durch die jeweils individuelle persönliche Einschätzung dieser Umstände und die internen und externen Copingmöglichkeiten für diese Ereignisse. Shanan konnte in diesem Zusammenhang bereits 1993 zeigen, dass besonders innerlich inkongruente Typen, die sich den Lebensbedingungen bestenfalls anpassen und passiv auf sie reagieren können, größere Veränderungen der Intelligenz und Persönlichkeit im Lauf des Alters zeigen. Übereinstimmend mit diesen Ergebnissen fand auch Bauer (1995) bei der Untersuchung der Biographien ein prämorbid vorhandenes Konfliktvermeidungsund Unterordnungsverhalten bei später Erkrankten, was durch dieses nur passive Reagieren auf Umweltreize erklärt werden könnte. Besonders gefährdet für dementielle Entwicklungen scheinen laut Persson, Berg, Nilsson und Svanborg (1991) auch Personen zu sein, die über geringe Lebensenergie – eben im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Passivität beziehungsweise einer unzureichenden Anpassungsfähigkeit – und geringe emotionale Einbindung verfügen. Diese emotionale Bindung wird in Verbindung mit einer erhöhten Tendenz zu Neurotizismus besonders dann von Chatterjee und Mitarbeitern (1992) als krankheitsfördernd bezeichnet, wenn sie instabil ist. Wie wir später sehen werden, scheint aber nicht nur das Ausmaß der Aktivität im Allgemeinen entscheidend für die Entwicklung im Alter zu sein. Insbesondere dürften auch Faktoren wie die Bildung bzw. die beruflichen Herausforderungen während des Lebens, sowie das Ausmaß der psychosozialen Aktivität diese Reservekapazität im Sinne eines lebenslangen Trainings beziehungsweise einer lebenslangen Gewöhnung an Herausforderungen die Gefahr einer Entstehung dementieller Prozesse positiv zu beeinflussen vermögen. Eine vermehrte interindividuelle Vulnerabilität könnte in der Folge dann auch in diesem Zusammenhang ausschlaggebend für die Entstehung einer senilen Demenz vom Alzheimer-Typ sein. [...]

Arbeit zitieren:
Haschka, Thomas September 2002: Veränderungen der Persönlichkeit bei Morbus Alzheimer, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Frühdiagnostik, Persönlichkeitsveränderung, Postmorbide Veränderungen, Prämorbide Veränderung, Depression

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