Veränderungen der Kreditvergabepraxis von Banken an mittelständische Unternehmen
Im Hinblick auf die Eigenkapitalhinterlegungsvorschriften von Basel II
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Schäfer
- Abgabedatum: August 2002
- Umfang: 132 Seiten
- Dateigröße: 2,0 MB
- Note: 1,2
- Institution / Hochschule: Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5926-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5926-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5926-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schäfer, Markus August 2002: Veränderungen der Kreditvergabepraxis von Banken an mittelständische Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Private Equity, Kreditrisiken, Finanzierungsbedingungen, Beispielfinanzierung, Bonitätsanalyse
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Diplomarbeit von Markus Schäfer
Problemstellung:
Welche grundsätzlichen Wandlungen wird es bei der Kreditvergabe von Banken an Unternehmen durch die Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht geben?
Mit dieser Frage beschäftigen sich momentan Banken, Wirtschaftsverbände und Politiker. Bundeskanzler Gerhard Schröder richtete zum Schutz der deutschen Unternehmen deutliche Worte an den Baseler Auschuss für Bankenaufsicht, die Interessen und die Besonderheiten der Finanzierungsbedingungen der deutschen Wirtschaft bei den Überlegungen zu Basel II zu berücksichtigen.
Besonders Banken und Unternehmen sind unmittelbar in die Überlegungen involviert. Ein gesteigertes Risikopotenzial bei Banken und ständig steigende Insolvenzzahlen bei Unternehmen machen eine stärkere Differenzierung der bisherigen Risikomesssysteme erforderlich. So sind in 2001 die Unternehmensinsolvenzen um 16 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Eine noch deutlichere Aussage liefert die Betrachtung der Verbraucherinsolvenzen, welche sich in 2001 gegenüber dem Jahr 2000 um 31% erhöht haben. Auch in 2002 ist keine Besserung in Sicht. Nach einem Anstieg um gut 14 Prozent in 2001 rechnet HERMES nach seiner Einschätzung für das laufende Jahr mit einer erneuten Zunahme um über 8 Prozent auf 35.000 Insolvenzen.
Die Forderungsausfälle könnten dann in 2002 deutlich um 47 Prozent auf 40 Mrd. Euro steigen - auch dies wäre ein neuer Rekord. Je insolventem Unternehmen wären dies im Durchschnitt Verbindlichkeiten von rund 1,1 Mio. Euro. Die Unternehmensinsolvenzen von Großkonzernen wie Holzmann, Babcock Borsig, Herlitz und der Kirch Media AG untersteichen den Ernst der Lage.
Eine der Hauptursachen für die gestiegenen Forderungsausfälle (nach Sicherheitenverwertung) sind zunehmende Verwertungsschwierigkeiten der Kreditinstitute, zum Beispiel bei Immobilien.
Die auf ein äußerst niedriges Niveau gesunkenen Marktpreise, lassen die Verwertungserlöse nach Abzug der Verwertungskosten schrumpfen. Die Risikovorsorge der Kreditinstitute gewinnt immer stärker an Bedeutung, um den eigenen Fortbestand und die finanzwirtschaftliche Stabilität der Volkswirtschaften langfristig zu sichern. Die Notwendigkeit einer Überarbeitung der geltenden Vorschriften zeigen die verschiedenen „Schieflagen“ von größeren Geschäftsbanken, beispielsweise der ehemaligen BfG Bank AG oder die momentan angespannte Situation der genossenschaftlichen Zentralbank DZ Bank.
Eine effektive Portfoliosteuerung ist eines der Hauptelemente der Risikovorsorge, insbesondere da bonitätsstärkere Unternehmen sich schon seit geraumer Zeit am Kapitalmarkt finanzieren, was die Qualität des Kreditportfolios der Banken verschlechtert hat. Des weiteren führt die inzwischen hohe Transparenz auf den Finanzmärkten zu einem harten Wettbewerb um gute Schuldner. Dies bewirkt sinkende Margen der Kreditinstitute. So sank die Bruttozinsspanne der Volks- und Raiffeisenbanken von 3,16% in 1993 über 3,04% in 1995 bis auf 2,56% in 1998 kontinuierlich ab. Ein Gegentrend ist aufgrund des harten Wettbewerbs um gute Kunden derzeit nicht erkennbar. Somit gewinnt eine risikogerechte Bepreisung mehr und mehr an Bedeutung, um die gestiegenen Risikokosten abzufedern und guten Kunden weiterhin attraktive Zinssätze bieten zu können.
Gang der Untersuchung:
Das Hauptaugenmerk dieser Diplomarbeit soll auf den Anpassungsprozessen der kreditgewährenden Banken und der kreditnachfragenden mittelständischen Unternehmen, hervorgerufen durch die Reform der Beschlüsse des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, liegen.
Schwerpunkt der behandelten Thematik stellt die im Rahmen von Basel II überarbeitete Eigenkapitalvereinbarung für Kreditrisiken dar.
Die grundlegenden Bestimmungen von Basel I und Basel II werden in Kapitel I zunächst erläutert, wesentliche Kritikpunkte der ersten Basler Eigenkapitalvereinbarung genannt und die Weiterentwicklungen des zweiten Baseler Akkords herausgestellt. Die Neuerungen gegenüber dem ersten Baseler Akkord und aktuelle Kritikpunkte an der zweiten Baseler Eigenkapitalempfehlung werden in den darauf folgenden Ausführungen dargelegt.
In Kapitel II werden der Begriff Rating definiert, die Informationsquellen und die bekanntesten Ratingverfahren erläutert. Daraus abgeleitet werden die Veränderungen der Rahmenbedingungen für Banken und Unternehmen in Kapitel III. Zur besseren Veranschaulichung der Neuerungen von Basel II werden die Eigenkapitalhinterlegung für Kreditrisiken nach Basel I mit den Bestimmungen bezüglich der Eigenkapitalhinterlegung nach Basel II verglichen. Dies erfolgt mithilfe verschiedener Berechnungen anhand eines Musterportfolios eines Kreditinstitutes und einer Beispielfinanzierung eines mittelständischen Unternehmens.
Aufgrund der beschriebenen theoretischen und rechnerischen Analyse der für Unternehmen und Banken in Zukunft eintretenden Veränderungen lassen sich Maßnahmen zur optimalen Nutzung der Vorschläge aus Basel II, sowohl für die Bank, als auch für das Unternehmen gewinnen.
Neben Berechnungen über die Auswirkungen verschiedener Bonitätsstufen von Kreditnehmern auf den Kreditzins nach Basel I und Basel II gehören auch Überlegungen zu einer bonitätsabhängigen Gestaltung der Kreditbearbeitungsgebühr durch das Einbeziehen der Kreditüberwachungskosten zum Inhalt der Arbeit. Desweiteren werden Ansätze eines risikobezogenen Berichtswesens aufgezeigt.
In die Investitionsüberlegungen sollten gerade auch mittelständische Unternehmen, welche sich in wachsenden Märkten befinden und somit meist auch zusätzliche Liquidität zum eigenen Wachstum benötigen, alternative Finanzierungsinstrumente einbeziehen, um in keine zu große Abhängigkeit von der Finanzierungswilligkeit und den Finanzierungskonditionen der Banken zu gelangen.
Einige Anregungen zu diesem Thema werden im Rahmen der Arbeit in Kapitel IV dargestellt.
Zukünftig werden neben dem Steuerberater und dem Kundenbetreuer der Bank auch Rating Adviser Einfluß auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens nehmen.
Die grundlegenden Aufgaben und die Vorgehensweise des Rating Advisers bilden neben einer Grobeinschätzung der zukünftigen Entwicklung, unter Berücksichtigung verschiedener Studien und eine auf die wesentlichen durch Basel II vorgeschlagenen Veränderungen beschränkte Zusammenfassung den Abschluß der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Deckblatt | I |
| II. | Inhaltsverzeichnis | II |
| III. | Abbildungsverzeichnis | VI |
| 0. | Einleitung | 1 |
| 1. | Grundlegende Bestimmungen zur Eigenkapitalunterlegung nach Basel I und Basel II | 5 |
| 1.1 | Die BIZ - Bank für internationalen Zahlungsausgleich | 5 |
| 1.2 | Die Eigenkapitalunterlegung nach der ersten Baseler Eigenkapitalvereinbarung | 5 |
| 1.3 | Die Entwicklung des zweiten Baseler Akkords - Hauptkritikpunkte an Basel I | 7 |
| 1.4 | Die Hauptbestandteile von Basel II | 11 |
| 1.5 | Die Neuerungen der zweiten Baseler Eigenkapitalvereinbarung | 13 |
| 1.6 | Kritikpunkte an Basel II | 15 |
| 2. | Rating als Mittel zur objektiven Bonitätsbeurteilung im Einklang mit den Baseler Ansätzen zur Risikomessung | 18 |
| 2.1 | Ratingdefinition und Ziele des Ratings | 18 |
| 2.2 | Durchführung des Ratingverfahrens | 19 |
| 2.3 | Adressaten des Ratings | 22 |
| 2.4 | Bestandteile der Informationsgrundlage des Ratingprozesses von Unternehmen | 23 |
| 2.5 | Unterschiede zwischen internen und externen Ratings | 25 |
| 2.6 | Anwendungsalternativen des Baseler Ausschusses bezüglich der Anwendung verschiedener Risikomessansätze | 26 |
| 2.6.1 | Anwendungsalternativen des Baseler Ausschusses | 26 |
| 2.6.2 | Der Standardansatz | 27 |
| 2.6.3 | Der IRB-Ansatz | 31 |
| 2.6.4 | Techniken zur Kreditrisikominderung | 36 |
| 2.6.5 | Aktuelle Entwicklungen bezüglich des IRB-Ansatzes - QIS II | 38 |
| 3. | Vergleich der Eigenkapitalhinterlegung nach Basel I und Basel II für Kredite an mittelständische Unternehmen | 40 |
| 3.1 | Vergleich der Eigenkapitalhinterlegung nach Basel I und Basel II für ein mittelständisches Kreditportfolio einer Bank | 40 |
| 3.1.1 | Eigenkapitalhinterlegung für das Kreditportfolio nach Basel I | 40 |
| 3.1.2 | Die Eigenkapitalhinterlegung für Kredite nach Basel II | 42 |
| 3.1.3 | Analyse der Unterschiede zwischen der Eigenkapitalhinterlegung nach Basel I und Basel II für Banken | 49 |
| 3.2 | Vergleich der Eigenkapitalhinterlegung für ein mittelständisches Unternehmen nach Basel I und Basel II | 52 |
| 3.2.1 | Die Eigenkapitalhinterlegung für eine Finanzierung eines mittelständischen Unternehmens nach Basel I | 52 |
| 3.2.2 | Die Eigenkapitalhinterlegung für eine Finanzierung eines mittelständischen Unternehmens nach Basel II | 53 |
| 3.2.3 | Analyse der Unterschiede der Finanzierungsbedingungen nach Basel I und Basel II für ein mittelständisches Unternehmen | 55 |
| 3.2.4 | Analyse der volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Veränderungen der Eigenkapitalhinterlegung für Kredite | 59 |
| 4. | Veränderungen der Rahmenbedingungen in Banken und Unternehmen durch Basel II | 62 |
| 4.1 | Veränderungen der Rahmenbedingungen in Banken | 62 |
| 4.1.1 | Anforderungen an moderne Organisationsstrukturen zur Kreditrisikosteuerung, Ratingdurchführung und Begrenzung bankbetrieblicher Risiken | 62 |
| 4.1.2 | Anforderungen an die Risikotragfähigkeit in Abstimmung mit dem Risiko-Chancen-Kalkül | 66 |
| 4.1.3 | Einführung eines Limitsystems zur Risikobegrenzung | 69 |
| 4.1.4 | Anforderungen an die risikogerechte Steuerung und aussagekräftige Segmentierung des Kreditportfolios | 69 |
| 4.1.5 | Anforderungen an ein risikoorientiertes Berichtswesen | 72 |
| 4.1.6 | Veränderungen der Komponenten des Kreditzinses und der Kreditnebenkosten - risikogerechtes Kreditpricing | 74 |
| 4.2 | Veränderungen der Rahmenbedingungen in mittelständischen Unternehmen | 77 |
| 4.2.1 | Möglichkeiten zur Optimierung der Eigenkapitalbasis in mittelständischen Unternehmen | 77 |
| 4.2.2 | Anforderungen an die Informationspolitik und an unternehmerische Entscheidungen in mittelständischen Unternehmen im Hinblick auf die Bonitätseinschätzung mittels Rating | 83 |
| 5. | Abschliessende Zusammenfassung | 86 |
| V. | Anhangsverzeichnis und Anhang | X |
| VI. | Literaturverzeichnis | XXXII |
| VII. | Ehrenwörtliche Erklärung | XLI |
50 Die Unterschiede zum bisherigen Grundsatz I ergeben sich durch die schon im Standardansatz eintretende stärkere Differenzierung nach der Bonität des Kreditnehmers, was sich im IRB-Ansatz noch drastischer bemerkbar macht. Abbildung 32 „Eigenkapitalhinterlegung pro Ratingklasse für die Baseler Ansätze“ zeigt, dass für das Bankportfolio selbst durch Stellung von werthaltigen Sicherheiten keine deutliche Verbesserung der Situation zu erreichen ist. Für Banken mit überwiegend mittelständischem Kundenklientel werden sich die Eigenkapitalbindung und damit auch die Eigenkapitalkosten erhöhen. Des weiteren ist die Stellung von Basel II-fähigen Sicherheiten nicht in jedem Fall in dem Maße möglich, wie im Beispiel angenommen, da gerade beliebte Sicherheiten mittelständischer Unternehmen, wie die Sicherungsübereignung von Mobilien, in den Vorschlägen von Basel II keine Berücksichtigung fanden. [...]
Die Grundlage für die Berechnung der Eigenkapitalanforderung bildet Abbildung 29 „Gewichtete Risikoaktiva des Mittelstandsportfolios ohne Besicherung“. Hier wird zunächst die Summe aller Risikoaktiva des Unternehmenskreditportfolios auf die Bonitätsklassen entsprechend deren Anteile am Portfolio aufgeteilt. Danach erfolgt die Gewichtung der Risikoaktiva nach obigen Risikogewichten für den Standard- und den IRBAnsatz. Im IRB-Basisansatz ist der Buchwert des Unternehmenskredites die Inanspruchnahme bei Ausfall (EAD)55. Es ist ersichtlich, dass, wie es für den Mittelstand zu erwarten war, ein Großteil der mittelständischen Unternehmen ein Rating aus dem Bereich von BBB+ bis B+ erhält. Besonders viele Unternehmen befinden sich in diesen Bonitätsklassen, insgesamt sind es 86%. Der Vergleich der anzuwendenden Risikogewichte im IRB-Ansatz aus Abbildung 29 „Gewichtete Risikoaktiva des Mittelstandsportfolios ohne Besicherung“ zeigt, dass die Mehrzahl der Unternehmen ein Risikogewicht von mehr als 100% erhalten. Die Betrachtung der gewichteten Risikoaktiva ergibt ein ähnliches Bild. Der analysierte Bereich wurde in der Tabelle blau markiert. Unternehmen einer Bonitätsklasse schlechter als BBB- werden mit einem Anstieg der Finanzierungskosten rechnen müssen. [...]
Der Vergleich der Risikogewichte54 zeigt Fehlanreize auf, durch die Banken, welche den Standardansatz anwenden, für Kunden schlechterer Bonität weniger Eigenkapital hinterlegen müssen, wie wenn sie den IRB-Ansatz anwenden würden. So könnten Banken von der Einführung des IRB-Ansatzes Abstand nehmen, da dem hohen Implementierungsaufwand höhere Eigenkapitalkosten als im Standardansatz gegenüberstehen, wo die Bank keine Implementierungskosten hat. Dies führt natürlich, in Abhängigkeit von der Höhe der Eigenkapitalhinterlegung, zu unterschiedlichen Auswirkungen auf die Finanzierungskosten der Kunden. Eine detaillierte Analyse der Unterschiede zwischen Standard- und IRB-Ansatz erfolgt unter Gliederungspunkt 3.1.3 „Analyse der Unterschiede zwischen der Eigenkapitalhinterlegung nach Basel I und Basel II für Banken“. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832459260
Arbeit zitieren:
Schäfer, Markus August 2002: Veränderungen der Kreditvergabepraxis von Banken an mittelständische Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Private Equity, Kreditrisiken, Finanzierungsbedingungen, Beispielfinanzierung, Bonitätsanalyse



