Value Chain Governance in der Bio-Pharmazie am Standort Frankfurt am Main
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Rocco Zunic
- Abgabedatum: November 2007
- Umfang: 104 Seiten
- Dateigröße: 2,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
- Bibliografie: ca. 61
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1514-3
- ISBN (CD) :978-3-8366-1514-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Zunic, Rocco November 2007: Value Chain Governance in der Bio-Pharmazie am Standort Frankfurt am Main, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Biotechnologie, Pharmazie, Wertschöpfungskette, Value Chain, Frankfurt
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Diplomarbeit von Rocco Zunic
Einleitung:
Die Biotechnologie hat sich seit Anfang der 2000er Jahre zu einer der vielversprechendsten Zukunftstechnologien entwickelt. Wirtschaftspolitische Initiativen zur Förderung junger Biotech-Unternehmen oder regionale Clusterbildungen um das Thema ‚Life Sciences’ sind Zeugen der zunehmenden Bedeutung der biotechnologischen Industrie. Jedoch wird in der öffentlichen Diskussion das derzeitige Entwicklungsstadium der Biotechnologie weit überschätzt. Die Ablösung klassisch pharmazeutischer Produkte und Verfahren steht weder unmittelbar bevor noch ist sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt notwendigerweise zu erwarten.
An jene Diskussion anknüpfend bildet diese Arbeit die Verbindungen zwischen der etablierten und traditionsreichen Pharma-Industrie und der noch jungen und von staatlichen Förderungen abhängigen Biotechnologie am Standort Frankfurt a. Main ab. Besondere Bedeutung kommt dabei der Verzahnung der ursprünglich unabhängig voneinander funktionierenden Wertschöpfungsketten der Pharmazie und der Biotechnologie zu.
Zur Erreichung dieses Forschungsziels werden in einem ersten großen Abschnitt der Arbeit verschiedene Wertschöpfungsbegriffe vorgestellt und mit theoretischen Steuerungsmöglichkeiten in Beziehung gesetzt. Im zweiten Teil werden dann die wertschöpfungstheoretischen Grundlagen auf die biotechnologische und pharmazeutische Industrie übertragen und im dritten und letzten Segment der Arbeit ihre konkrete Verknüpfung am Standort Frankfurt a. Main
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | 3 | |
| VORWORT | 7 | |
| 1. | EINLEITUNG | 8 |
| 2. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN | 9 |
| 2.1 | Die Wertschöpfungskette | 9 |
| 2.1.1 | Die Wertschöpfungskette (nach PORTER) | 10 |
| 2.1.2 | Value Chain (nach GEREFFI) | 11 |
| 2.1.3 | Die Bio-Pharmazeutische Wertschöpfungskette | 12 |
| 2.2 | Der Transaktionskostenansatz | 15 |
| 2.2.1 | Definition von Transaktionskosten | 16 |
| 2.2.2 | Transaktionskosten und Wertschöpfungsketten | 18 |
| 2.2.2.1 | Hierarchie und Markt | 18 |
| 2.2.2.2 | Netzwerke | 19 |
| 2.3 | Der Competence-based approach | 21 |
| 2.3.1 | Wissen als Wettbewerbsfaktor | 21 |
| 2.3.2 | Kompetenz vs. Kosten | 21 |
| 2.3.3 | Kompetenzen und Wertschöpfungsketten | 23 |
| 2.4 | Value Chain Governance | 25 |
| 2.5 | Theoretische Grundlage der Empirie | 29 |
| 3. | GRUNDLAGEN DER BIOTECHNOLOGISCHEN UND PHARMAZEUTISCHEN INDUSTRIE | 30 |
| 3.1 | Die Biotechnologie | 30 |
| 3.1.1 | Rote Biotechnologie | 31 |
| 3.1.2 | Andere Biotechnologien | 32 |
| 3.2 | Pharmazie | 32 |
| 3.3 | Märkte | 33 |
| 3.3.1 | Biotechnologiemarkt | 33 |
| 3.3.2 | Pharmamarkt | 37 |
| 3.3.3 | Beziehung zwischen Biotech- und Pharmamärkten | 39 |
| 3.3.3.1 | Beziehung aus Sicht der deutschen Biotechnologie | 39 |
| 3.3.3.2 | Beziehung aus Sicht der deutschen Pharmazie | 42 |
| 3.4 | Fragestellungen | 44 |
| 4. | METHODISCHE GRUNDLAGEN | 46 |
| 4.1 | Fragestellung und Methoden | 46 |
| 4.2 | Interviewverlauf | 46 |
| 4.3 | Auswertungsmethoden | 47 |
| 4.3.1 | Transkriptionsregeln | 47 |
| 4.3.2 | Inhaltliche Auswertung | 48 |
| 5. | EMPIRISCHE ERGEBNISSE | 50 |
| 5.1 | Regionale Marktentwicklungen in Frankfurt a. Main | 50 |
| 5.1.1 | Entwicklung der Pharmazie am Standort Frankfurt | 50 |
| 5.1.1 | Regionalökonomische Konsequenzen für den Pharma-Standort Frankfurt | 52 |
| 5.1.2 | Entwicklung der Biotechnologie am Standort Frankfurt | 53 |
| 5.1.2.1 | FIZ-Projekt | 53 |
| 5.1.2.2 | Biotech-Unternehmen in Frankfurt | 55 |
| 5.2 | Kunden der Biotech-Unternehmen | 56 |
| 5.2.1 | Beziehungen zu öffentlichen Akteuren | 57 |
| 5.2.2 | Beziehungen zu anderen Biotech-Unternehmen | 59 |
| 5.2.3 | Beziehungen zu Pharma-Unternehmen | 60 |
| 5.3 | Entwicklung der Kundenbeziehungen | 61 |
| 5.3.1 | Idealtypischer Verlauf von Kundenbeziehungen | 62 |
| 5.3.2 | Entwicklung der Kundenbeziehungen bei Frankfurter Biotech-Unternehmen | 63 |
| 5.3.2.1 | Kundenbeziehungen von Biotech-Unternehmen der zweiten Gründungswelle | 63 |
| 5.3.2.2 | Kundenbeziehungen von Biotech-Unternehmen der ersten Gründungswelle | 65 |
| 5.4 | Entwicklung der Value Chain Governance | 68 |
| 5.4.1 | Value Chain Governance bei Unternehmen der zweiten Gründungswelle | 68 |
| 5.4.2 | Value Chain Governance bei Unternehmen der ersten Gründungswelle | 70 |
| 5.4.3 | Entwicklungen in der Value Chain Governance | 72 |
| 5.5 | Hintergrund der Value Chain Governance | 73 |
| 5.5.1 | Kostenorientierte Value Chain Governance | 73 |
| 5.5.2 | Innovationsorientierte Value Chain Governance | 74 |
| 5.6 | Bedeutung des Standortes für die Kundenbeziehungen | 76 |
| 5.6.1 | Bedeutung des Standortes der Kunden | 76 |
| 5.6.2 | Bedeutung des Standortes Frankfurt a. Main | 77 |
| 5.6.3 | Bedeutung des Standortes Riedberg / FIZ | 80 |
| 6. | SCHLUSSBEMERKUNGEN UND AUSBLICK | 85 |
| LITERATUR: | 87 | |
| ANHANG | 92 |
Textprobe:
Kapitel 2.4, Value Chain Governance: Der Begriff der Value Chain Governance beschreibt die Art der Steuerung einer bestimmten Wertschöpfungskette. Humphrey & Schmitz implizieren in ihren Governance-Begriff somit auch Beziehungen über den freien Markt. Das Besondere einer rein marktmäßigen Wertkettenbeziehung ist, dass sie ausschließlich über den Preis reguliert wird. Ein rein hierarchischer Steuerungsprozess wird hingegen nur durch Weisung und Ausführung organisiert. In realiter können zwar innerhalb einer Wertschöpfungskette durchaus rein marktmäßige oder rein hierarchische Beziehungen existieren, jedoch bestehen Wertschöpfungsketten in der Regel auch aus zusätzlichen Steuerungsformen.
Hieran schließt sich die Frage an, welche Art von Beziehungen die vorherrschende in einer bestimmten Wertschöpfungskette ist? Ein theoretisches Gerüst der Value Chain Governance steht einerseits vor der Herausforderung, verschiedene Governance-Typen zu identifizieren und andererseits, die Entstehung dieser Typen zu erklären. Gereffi et al. setzen an dieser Stelle an, indem sie die drei folgenden Variablen als wesentliche Determinanten der Value Chain Governance ausmachen:
Die Komplexität der Transaktion. Bestimmte Spezifitäten können Transaktionen verkomplizieren. Je spezifischer also ein Produkt ist, desto höher ist auch die Komplexität der Transaktion. Je standardisierter hingegen ein Produkt, desto geringer fällt auch die Komplexität aus.
Die Kodifizierbarkeit von Wissen. Kodifizierbarkeit meint in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, Wissen zu explizieren. Bei standardisierten Produkten ist eine hohe Kodifizierbarkeit des Wissens gegeben. Werden jedoch sehr spezifische Produkte hergestellt, so ist Erfahrungswissen (stilles Wissen) erforderlich. Erfahrungswissen ist in hohem Maße an Personen gebunden und daher schwer weiterzugeben.
Die Kompetenzen der supplier. Die supplier unterstützen den eigentlichen Wertschöpfungsprozess durch Zulieferung bestimmter Teile oder Dienstleistungen zu bestimmten Wertaktivitäten.
Alle drei aufgelisteten Variablen werden mehr oder weniger explizit im Transaktionskostenansatz und im competence-based approach verarbeitet. Die sich aus diesen Variablen ergebenden Governance-Typen können also als ein Versuch verstanden werden, beide Ansätze in einer Theorie über die Steuerung von Wertschöpfungsketten zu verarbeiten.
Gereffi et al. gehen davon aus, dass jeder Variablen die Werte ‚hoch‘ und ‚niedrig‘ zugewiesen werden können. In Folge dessen entstehen rein theoretisch acht verschiedene Kombinationsmöglichkeiten der Variablenwerte. Aus diesen Kombinationen identifizieren gereffi et al. die fünf folgenden Governance-Typen:
Markt: Marktbeziehungen zeichnen sich durch die größtmögliche Freiheit und Unabhängigkeit der einzelnen Akteure aus. Anweisungsstrukturen oder Hierarchieebenen existieren nicht. Sanktioniert wird das Verhalten der Akteure durch den Preis. Die Spezifitäten sind auf Märkten eher gering, die Kodifizierbarkeit des für die Transaktion notwendigen Wissens und die Kompetenz der supplier sind hingegen recht hoch. Bei derartigen Voraussetzungen ist keine explizite Koordination erforderlich, weshalb auch die Transaktionskosten auf Märkten gering gehalten werden können.
Modular Value Chain: Modulare Wertschöpfungsketten sind durch das unabhängige Arbeiten zweier über Verträge verbundener Akteure gekennzeichnet. Der Unterschied zur Marktkoordination besteht vor Allem in der hohen Spezifität des Produktes. Hierdurch ist das Produkt auf dem Markt nicht frei erhältlich, sondern muss in einem sehr konkreten Auftrag an einen bestimmten supplier weitergegeben werden. Die Kodifizierbarkeit des Wissens ist wie auf Märkten recht hoch, so dass die Transaktionspartner relativ schnell gewechselt werden können. Die Kompetenz der supplier ist so hoch, dass die Auslagerung bestimmter Aktivitäten durchaus sinnvoll erscheint. Modulare Wertschöpfungsketten sind durch geringe explizite Koordinationsformen gekennzeichnet, was die Transaktionskosten verringert.
Relational Value Chain: Relationale Wertschöpfungsketten ähneln in ihrer Struktur engen und machtsymmetrischen Netzwerkbeziehungen. Die Arbeit der Akteure ist also sehr eng miteinander verwoben und daher in hohem Maße vom jeweiligen Transaktionspartner abhängig. Relationale Wertschöpfungsketten entstehen, wenn die Spezifität der Produkte relativ hoch und die Kodifizierbarkeit des Wissens relativ gering ist. Die Kompetenz der supplier muss so hoch sein, dass große Unternehmen ein Interesse an der Auslagerung einer bestimmten Wertaktivität haben. Relationale Wertketten sind durch eine hohe explizite Koordination gekennzeichnet, was es schwer macht, Kooperationspartner zu wechseln (hohe switching-Kosten). Netzwerke dieser Art sind daher auch immer durch hohe Abhängigkeiten voneinander gekennzeichnet.
Captive Value Chain: Dieser Typ von Wertschöpfungsketten kann als eine Netzwerkbeziehung mit großen Machtasymmetrien angesehen werden. Kleine supplier stehen dabei deutlich größeren Kunden gegenüber. Solche Strukturen entstehen, wenn die Spezifität des Produktes und die Kodifizierbarkeit des Wissens sehr hoch, die Kompetenz der supplier jedoch eher gering ausgeprägt ist. In Folge dessen können die Kunden ihren supplier ohne hohe switching-Kosten wechseln. Die supplier sind also von den Entscheidungen des Kunden abhängig, können jedoch ihrerseits kaum Einfluss auf die Entscheidungen des Kunden nehmen. In der Regel sind derartige Wertschöpfungsketten durch eine explizite Koordination gekennzeichnet, bei der die größeren Kunden Kontrolle auf die supplier ausüben.
Hierarchien: Hierarchien sind durch die vollständige Integration der Wertaktivitäten gekennzeichnet. Es bestehen also extreme Machtasymmetrien zwischen denjenigen, die Anweisungen erteilen, und denjenigen, die Anweisungen entgegennehmen und ausführen. Sie entstehen immer, wenn die Spezifitäten hoch, gleichzeitig die Kodifizierbarkeit von Wissen und die Kompetenz der supplier gering ist. Hierarchien sind durch außergewöhnlich strikte Steuerungsmechanismen gekennzeichnet. Es sind starre Weisungssysteme, in denen die Unabhängigkeit der einzelnen Akteure aufgehoben ist.
Nach Gereffi et al. lassen sich mit Hilfe dieses theoretischen Rahmens empirische Analysen von realen Wertschöpfungsketten durchführen. Sie selbst analysieren sogar verschiedene Branchen auf Basis ihres theoretischen Konstruktes.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836615143
Arbeit zitieren:
Zunic, Rocco November 2007: Value Chain Governance in der Bio-Pharmazie am Standort Frankfurt am Main, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Biotechnologie, Pharmazie, Wertschöpfungskette, Value Chain, Frankfurt



