Ursachen und Folgen von Kommunikationsstörungen in Teams sozialer Einrichtungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christoph Haarbeck
- Abgabedatum: Oktober 2001
- Umfang: 128 Seiten
- Dateigröße: 537,8 KB
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Bielefeld - University of Applied Sciences Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4592-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4592-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4592-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Haarbeck, Christoph Oktober 2001: Ursachen und Folgen von Kommunikationsstörungen in Teams sozialer Einrichtungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Körpersprache, Gruppendynamik, Lösungsansätze, Kommunikationsmodelle, Wahrnehmung
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Diplomarbeit von Christoph Haarbeck
Einleitung:
Ein Mitarbeiter einer sozialen Einrichtung ist wegen des breiten Aufgabenspektrums häufig nicht in der Lage, alle Anforderungen, die an ihn gestellt werden, alleine zu bewältigen. Er ist darauf angewiesen, mit seinen Kollegen zusammen zu arbeiten. Hier setzt die Idee der Teamarbeit an. Ein Team sollte sich dadurch auszeichnen, dass unterschiedliche Kompetenzen aller Teammitglieder so aufeinander abgestimmt sind, dass es zu synergetischen Effekten kommt. Dies wiederum bedarf der Absprache, mithin der Kommunikation untereinander.
Gerade in der Sozialen Arbeit ist Kommunikation eines der Hauptthemen überhaupt, stellt sie doch unserer Meinung nach das wichtigste Handwerkszeug eines Sozialarbeiters- oder Pädagogen dar. Über das Medium Sprache sollte dieser dazu in der Lage sein, Zugang zu seinen Klienten zu finden. Er muss sich mit Ämtern, Behörden, Kostenträgern und anderen Kooperationspartner austauschen. Dem professionellen Helfer werden oft Problemlagen geschildert, die mitunter vielschichtiger sein können als es auf den ersten Blick zu sein scheint. In Beratungsgesprächen ist Kommunikationskompetenz besonders wichtig.
Auch einzelne Methoden der Sozialen Arbeit basieren in erster Linie auf Kommunikationsfertigkeiten. Man stelle sich vor, dass ein Casemanager, der die zentrale Stellung innerhalb eines Hilfeprozesses einnimmt, das kleine einmaleins der Kommunikation nicht beherrscht. Wie sollte er dann dazu in der Lage sein, die unterschiedlichen Fäden des Hilfenetzwerkes aufeinander abzustimmen bzw. sinnvoll miteinander zu verknüpfen? Wie sollte ein Sozialarbeiter- oder Pädagoge dazu in der Lage sein, den Empowermentansatz umzusetzen, wenn er nicht Personen mit gleichen oder ähnlichen Problemlagen zusammenbringen kann? Wie sollte er es schaffen, Individuen und deren jeweilige Potentiale zu fördern, wenn er nicht motivierend einwirkt, was sehr häufig kommunikativ geschieht?
Und nicht zuletzt ist die Soziale Arbeit auch politische und öffentliche Arbeit. Man denke zum Beispiel an Stadtteilarbeit. Wie oft kommt es vor, dass mit Vertretern der Politik oder der öffentlichen Verwaltung das Gespräch gesucht werden muss, wenn es darum geht, Projekte zu verwirklichen.
Soweit die Theorie. Was aber haben wir des öfteren in der Praxis erlebt, im Rahmen von Praktika oder Festanstellungen? Teambesprechungen dienen einzelnen Mitgliedern als Bühne für Selbstdarstellung, andere reagieren darauf mit Rückzug usw. Man hört sich nicht zu, fällt sich ins Wort bzw. geht nicht aufeinander ein. Somit sind Wege der Absprache zumindest erschwert. Dies legt den Gedanken nahe, dass Kompetenzen auf dem Gebiet der Kommunikation nicht besonders ausgeprägt sind.
Unserer Meinung nach ist eine Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen dazu geeignet, zu einer zufriedenstellenderen Teamsituation zu kommen, den Grad der gegenseitigen Informiertheit zu erhöhen, individuelle Motivation zu fördern und persönliche wie fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten zu erweitern. Damit gewinnt nicht nur jedes einzelne Mitglied, sondern das Produkt der Sozialen Arbeit wird verbessert.
Der Titel dieser Diplomarbeit ergibt sich aus unserer Annahme, dass Kommunikation grundsätzlich gestört ist. Es hat uns interessiert, herauszufinden, wie Störungen dieser Art entstehen. Daher stellen wir zunächst in Kapitel eins dieser Arbeit Kommunikationsmodelle vor. Im weiteren Verlauf befassen wir uns mit dem "Inneren Team" Schulz von Thuns, nonverbaler Kommunikation und der Aufnahme von Kommunikationseinheiten, mithin mit sozialer Wahrnehmung.
Gang der Untersuchung:
In Kapitel zwei unserer Arbeit befassen wir uns mit dem Einfluss der Kommunikation auf die Gruppen und den Arbeitsablauf.
Um zu überprüfen, ob wir die theoretischen Erkenntnisse aus den ersten beiden Kapiteln auch in der Praxis wiederfinden, haben wir in einer sozialen Institution mit Sitz in Bielefeld mittels eines standardisierten Fragebogens offene Einzelinterviews und anschließend eine Gruppendiskussion geführt, auf die wir in Kapitel drei näher eingehen werden.
Abschließend stellen wir in Kapitel vier ausgewählte Lösungsansätze vor, mit deren Hilfe Kommunikationsabläufe in Teams positiv beeinflusst werden können.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 5 | |
| 1. | Ausgewählte Theorien der Kommunikation und sozialer Wahrnehmung | 8 |
| 1.1 | Einführung | 8 |
| 1.2 | Ausgewählte Kommunikationsmodelle | 9 |
| 1.2.1 | Das Organon-Modell | 9 |
| 1.2.2 | Das Kommunikationsmodell nach Claude E. Shannon | 11 |
| 1.2.3 | Das Kommunikationsmodell nach J. C. McCroskey | 12 |
| 1.2.4 | Das Kommunikationsmodell der Schule von Palo Alto | 12 |
| 1.2.5 | Das Kommunikationsmodell nach F. Schulz von Thun | 14 |
| 1.3 | Schulz von Thuns „Inneres Team“ | 17 |
| 1.4 | Körpersprache | 20 |
| 1.4.1 | Masken, hinter denen wir uns verstecken | 23 |
| 1.4.2 | Andere Orte und weitere Körperhaltungen | 25 |
| 1.4.3 | Bewegung und Botschaft | 27 |
| 1.4.4 | Einige Körperhaltungen in Gruppen | 29 |
| 1.4.5 | „Schau mir in die Augen, Kleines“ | 31 |
| 1.4.6 | Kann der Körper doch lügen? | 33 |
| 1.4.7 | Kritischer Blick auf die Kinesik | 35 |
| 1.5 | Ausgewählte Theorien sozialer Wahrnehmung | 36 |
| 1.5.1 | Attribution | 36 |
| 1.5.2 | Die sich selbst erfüllende Prophezeiung | 38 |
| 1.5.3 | Die Kognitive Dissonanztheorie | 39 |
| 1.6 | Zwischenüberlegung | 41 |
| 1.7 | Zusammenfassung | 42 |
| 2. | Das Team | 45 |
| 2.1 | Einleitung | 45 |
| 2.2 | Gruppendifferenzierung | 46 |
| 2.3 | Arbeitsgruppen | 48 |
| 2.4 | Kommunikation in Arbeitsgruppen | 50 |
| 2.5 | Gruppendynamik | 51 |
| 2.5.1 | Gruppenphasen | 52 |
| 2.5.2 | Konformität | 54 |
| 2.5.3 | Rollen und Rollenstruktur | 55 |
| 2.6 | Die Hawthorne - Studie | 58 |
| 2.6.1 | Kommunikationsstrukturen und ihre Auswirkungen | 61 |
| 2.6.2 | Einfluss auf Effektivität | 62 |
| 2.6.3 | Einfluss auf Zufriedenheit | 64 |
| 2.6.4 | Einfluss auf Flexibilität | 65 |
| 2.6.5 | Die Macht der Gruppe | 66 |
| 2.7 | Zusammenfassung | 68 |
| 2.8 | Zwischenüberlegung | 69 |
| 3. | Praxisbeispiel | 71 |
| 3.1 | Einleitung | 71 |
| 3.2 | Die Institution | 71 |
| 3.3 | Der Fragebogen | 72 |
| 3.4 | Von Frage zu Frage | 73 |
| 3.5 | Inhaltliche Betrachtung der Interviews | 76 |
| 3.6 | Die Gruppendiskussion | 78 |
| 3.7 | Abschließende Anmerkungen | 79 |
| 4. | Ausgewählte Lösungsansätze in Fällen gestörter Kommunikation | 81 |
| 4.1 | Einleitung | 81 |
| 4.2 | Supervision | 81 |
| 4.2.1 | Methoden der Supervision | 84 |
| 4.3 | Themenzentrierte Interaktion nach R. Cohn | 89 |
| 4.3.1 | Interdependenz | 93 |
| 4.3.2 | Gründe für gestörte Kommunikation | 97 |
| 4.3.3 | Wie vermeide ich Kommunikationsstörungen | 100 |
| 4.3.4 | Konflikt-Management | 101 |
| 4.4 | Metakommunikation | 103 |
| 4.4.1 | Kommunikationsstörungen und Metakommunikation | 105 |
| 4.4.2 | Bedingungen für Metakommunikation | 106 |
| 4.4.3 | Ziele der Metakommunikation | 107 |
| 5. | Persönliches Resümee | 108 |
| Anhang | 110 | |
| Literaturverzeichnis | 120 | |
| Erklärung | 123 |
Communicatio meint ursprünglich nicht nur die Mit-Teilung, sondern das Gemeinschaftlichmachen des Mitgeteilten. Kommunikation setzt die Fähigkeit des Teilens als Bedingung des Mit-Teilens voraus“ ( Krähe, Koeppe in: Voß 1995, S.126). Ebenso wie es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren, ist es unmöglich, das eigene Sein aus der Beziehung, aus der Kommunikation herauszunehmen. Dies hat auch mit der Intensität der Wahrnehmung zu tun. Ich kann mich so wahrnehmen, als würde ich nicht kommunizieren, aber faktisch kommuniziere ich immer. „Diese Rückbindung der Kommunikation an das Sein der Person“ ( Krähe, Koeppe in: Voß 1995, S.127 ) hat weitreichende Konsequenzen für die Arbeit im Team. Erst so wird Gemeinsames ermöglicht, was für jede soziale Einrichtung von großer Bedeutung ist. „Kommunikationsblockaden wurzeln demnach vor allem in einem WahrnehmungsDefizit, d.h. auch in einem Bewusstseins-Defizit über die wirkliche Dimension von Kommunikation als Sein-in-Beziehung-zu [...]“ ( Krähe, Koeppe in: Voß 1995, S.128 ). [...]
Was dieser Student, dessen Meinung von der der anderen abweicht, nicht weiß ist, dass Ash alle übrigen Studenten vor dem Experiment sorgfältig instruierte, von einem bestimmten Punkt an dieselbe falsche Antwort zu geben. Dieser Student ist also die einzige Versuchsperson und befindet sich in einer höchst beunruhigenden und ungewöhnlichen Lage. „Entweder muss er der einstimmig abgegebenen Meinung der anderen widersprechen und ihnen daher in seiner Wirklichkeitsauffassung merkwürdig gestört vorkommen, oder er muss der Evidenz seiner eigenen Wahrnehmungen misstrauen. [...]. Ash führte dann gewisse Modifikationen in den Verlauf des Versuchs ein und konnte nachweisen, dass das Ausmaß der Opposition, d.h. die Zahl der Personen, die den Antworten der Versuchsperson widersprechen, von ausschlaggebender Bedeutung ist. [...]. Umgekehrt erweist sich die Gegenwart eines Partners, der dieselbe ( richtige ) Meinung vertrat, als wirksame Hilfe gegen den Druck der Gruppenmeinung und für die Aufrechterhaltung der eigenen Urteilsfähigkeit“ ( Watzlawick 1989, S.94 ). [...]
Aufgabenstellungen können sich während des Problemlösungsprozesses verändern, wenn z.B. Arbeitsziele von außen an eine Gruppe herangetragen werden, die bis zu ihrer Lösung eine gewisse Zeit benötigen, und wenn sich die externen Anforderungen und Notwendigkeiten wandeln. So ist dies im Bereich der Sozialen Arbeit im Laufe des Jahres 1999 geschehen. Wir kommen an dieser Stelle erneut auf die Änderung der §§93 ff. BSHG zu sprechen, die eine hohe Anforderung an stationäre Hilfeeinrichtungen bedeutete. So war es damals notwendig, dass sich Qualitätszirkel bildeten, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, in dem Konzeptionen, Standards und ähnliches entwickelt wurden. Ein Lösungsprozess selbst kann die Problemstellung, in unserem Beispiel die Hilfe für Personen in besonderen sozialen Schwierigkeiten ( Wohnungslose ) gemäß §72 BSHG, verändern, insbesondere dann, wenn es mehr und detailliertere Informationen über die Aufgabe gibt. Die im ganzen recht effektive zentrale Gruppenstruktur konnte sich an eine solche Situationsänderung nur schlecht anpassen. Ein Beispiel dafür sei die leitungszentriert geführte Mitarbeiterschaft einer Einrichtung der Wohnungslosenhilfe in Detmold, die durch die neuen Anforderungen erhebliche interne Schwierigkeiten bekam, was bis dazu führte, dass die Mitarbeiterschaft untereinander zerstritten war und die Heimleitung wechselte. Sie waren nur schwer dazu in der Lage, sich den neuen, von außen gesetzten Anforderungen anzupassen. In dieser Einrichtung galt für die Kommunikation die bereits erwähnte Sternstruktur. Es gab also eher lange und indirekte Kommunikationswege. Demgegenüber zeigen Befunde aus Untersuchungen über die Flexibilität von Gruppen, dass die dezentrale Kreisstruktur am flexibelsten reagieren kann. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832445928
Arbeit zitieren:
Haarbeck, Christoph Oktober 2001: Ursachen und Folgen von Kommunikationsstörungen in Teams sozialer Einrichtungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Körpersprache, Gruppendynamik, Lösungsansätze, Kommunikationsmodelle, Wahrnehmung




