Ursachen der Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Harm Sönksen
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 76
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9947-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9947-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9947-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Sönksen, Harm Februar 2006: Ursachen der Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Berufsausbildung, Garten- und Landschaftsbau, Obstbauer, Ausbildung, Gärtner
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Staatsexamensarbeit von Harm Sönksen
Einleitung:
Ein nicht zu vernachlässigender Anteil der deutschen Wirtschaft stellt der Sektor Agrarwirtschaft dar. Mit rund 21,65 Mrd. Euro hatten Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei im Jahre 2004 einen Anteil von 1,1 % an der gesamten Bruttowertschöpfung der Bundesrepublik Deutschland von 1995 Mrd. Euro. Die Erzeugung von Garten- und Obstbauprodukten machte 2004 mit rund 4,96 Mrd. Euro 11,5 % des Produktionswertes der Landwirtschaft aus. Allein der Wert der Obstbauprodukte betrug 1.026 Mrd. Euro. Und auch im Hinblick auf die Ausbildungsleistung steht der Sektor Agrarwirtschaft, in den Forderungen des Ausbildungspaktes, sehr gut da. Laut Berufsbildungsbericht liegt die Ausbildungsquote der Betriebe mit agrarwirtschaftlicher Produktion bei 6,6%.
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge konnte 2005 bei den Gärtnern um 4,2 % erhöht werden. Mit bundesweit rund 20.000 Ausbildungsverhältnissen stellt der Gärtner den bedeutendsten Ausbildungsberuf im Berufsfeld Agrarwirtschaft dar. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte werden in vielen Bereichen des Gartenbaus gesucht und haben gute Berufschancen und Zukunftsperspektiven. Die Branche Gartenbau gliedert sich in 7 Fachrichtungen: Baumschule, Zierpflanzenbau, Gemüsebau, Garten- und Landschaftsbau, Staudengärtner, Friedhofsgärtner und Obstbau. Für jede Fachrichtung gibt es entsprechend auch einen Ausbildungsberuf. Die stärkste Fachrichtung ist der GaLaBau mit rund 12000 Betrieben gefolgt vom Zierpflanzenbau und dem Obstbau mit rund 9200 Betrieben.
Wenn man die Ausbildungsstatistik der 7 Fachrichtungen des Gartenbaus jedoch genauer betrachtet, bildet sich für den Obstbau ein deutliches Alleinstellungsmerkmal heraus. Es besteht eine enorme Diskrepanz zwischen der Anzahl der Obstbaubetriebe und der Anzahl der Auszubildenden im deutschen Obstbau. Die Ausbildungsquote im Gartenbau ist so hoch, weil der größte Teil der Auszubildenden aus der Fachsparte GaLaBau (Dienstleistungssektor) kommt, zwischen 1990 und 2000 stieg die Lehrlingszahl im GaLaBau um 115 %.
Der Produktionsgartenbau hat hingegen mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, vor allem der Obstbau findet kaum Bewerber, 2004 gab es 262 Auszubildende zum Gärtner/in in der Fachrichtung Obstbau. Und das in einer Zeit in der seit Jahren das Problem Jugendarbeitslosigkeit immer wieder ganz oben auf der politischen Agenda steht.
Wie in der Einleitung bereits festgestellt wurde, besteht eine enorme Diskrepanz zwischen der Anzahl der Obstbaubetriebe und der Anzahl der Auszubildenden im deutschen Obstbau. Auf 35 Obstbaubetriebe kommt nur ein Auszubildender, in den anderen Fachrichtungen ist dieses Verhältnis wesentlich enger.
Betrachtet man die Zahl der Auszubildenden im Obstbau im Vergleich der letzten Jahre von 1982-2004, wird keine große Veränderung deutlich. Die Anzahl pendelt um den Wert 240, die geringste Anzahl betrug 159 im Jahr 1991, die höchste Anzahl betrug 317 im darauf folgenden Jahr 1992. Doch es gibt auch Stimmen die einen Auszubildenden-Mangel feststellen. „Der Vorsitzender der Prüfungskommission Obstbau in Brandenburg Hans Eckert, sprach von Nachwuchssorgen in der Branche: Landesweit gibt es noch 6 bis 7 geprüfte Obstbaugärtner jährlich. „Das wäre früher nicht mal eine Lehrgruppe gewesen“. Da die Verteilung von Obstbau Betrieben in Deutschland regional stark variiert, kann die Annahme, dass Nachwuchssorgen in der Branche bestehen, nicht pauschal für Gesamtdeutschland geltend gemacht werden. Eine Analyse der Ausbildungsmarktsituation muss immer regional spezifisch erfolgen.
Eine Ausnahme stellt das Bundesland Sachsen dar, es gibt in Sachsen nur 60 Obstbaubetriebe, die Anzahl der Auszubildenden mit 63 im Jahr 2004 übersteigt diesen Wert. In allen anderen Bundesländern besteht eine starke Diskrepanz im Verhältnis Obstbaubetriebe zu Auszubildenden.
Sehr deutlich wird die Diskrepanz am Beispiel Schleswig-Holstein. Es gibt in Schleswig-Holstein ca. 130 Betriebe die Obstbau im Haupterwerb betreiben, von diesen 130 Betrieben sind lediglich 7 anerkannte Ausbildungsbetriebe, im Jahr 2004 gab es nur einen Aus zubildenden mit der Fachrichtung Obstbau in ganz Schleswig-Holstein, 2005 hat kein Jugendlicher eine Ausbildung begonnen. Wo liegen die Ursachen für dieses Missverhältnis? Gesamtwirtschaftlich werden oft die schleppende Konjunktur, und die mangelhafte Schulbildung der Jugendlichen als Hauptursachen genannt, doch so pauschal kann dies wohl für keinen Beruf und auch nicht für den Obstbau angenommen werden.
Bei der Betrachtung der Ausbildungssituation muss zunächst unterschieden werden in Betriebe die ausbilden dürfen „anerkannte Ausbildungsbetriebe“ und in Betriebe, die nicht ausbilden dürfen. Die für Deutschland insgesamt gültigen Anforderungen für die Anerkennung zum Ausbildungsbetrieb sind im Anhang unter (Anlage 1) einzusehen.
Eine umfassende Analyse der Ursachen für eine mangelnde Ausbildungsbereitschaft seitens der Betriebe, die noch nie ausgebildet haben, ist aufgrund der hohen Anzahl der Betriebe im Rahmen dieser Arbeit nicht zu bewältigen. Daher konzentriert sich die weitere Bearbeitung nur auf die Analyse der Ausbildungssituation anerkannter Ausbildungsbetriebe.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, Ursachen zu analysieren, die einer höheren Ausbildungsquote im Obstbau entgegenwirken. Auf das Thema der Arbeit bezogen heißt dies, Ursachen zu finden, zu analysieren und zu evaluieren, welche die große Diskrepanz erklären, zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau.
Nur wenn die Ursachen für die geringe Anzahl von Auszubildenden im deutschen Obstbau bekannt sind, können gezielte Maßnahmen ergriffen werden um zu einer höheren Ausbildungsquote im Obstbau zu kommen. Aus dem Ergebnis der Ursachen-Analyse ergeben sich eventuell Möglichkeiten, für die an der Ausbildung beteiligten Seiten (Betriebe, Schule und Politik), auf diese Ursachen mit gezielten Maßnahmen zu reagieren.
Für die Überprüfung der Hypothesen ist es notwendig, einen systematisch aufgebauten, untersuchungsmethodischen Weg einzuschlagen. Die beschriebenen Positionen werden nachfolgend unter Punkt 5 theoretisch überprüft.
In der anschließenden Untersuchung wird ein Fragebogen entwickelt (Punkt 6.1), um die theoretisch geprüften Hypothesen mittels einer Repräsentativbefragung aller anerkannten Ausbildungsbetrieben im Obstbau empirisch zu überprüfen.
Die Befragung der Ausbildungsbetriebe soll repräsentative Informationen erheben, die über das Ausbildungsverhalten und Ausbildungsentscheidungen der Betriebe Auskunft geben. Die aktuelle Ausbildungssituation und Ursachen für die geringe Zahl Auszubildender in den Betrieben werden abgefragt. Darüber hinaus wird ein aktuelles Meinungsbild darüber angestrebt, wie Entscheidungsträger ausbildender Betriebe (Inhaber bzw. Personal- und Ausbildungsleiter) die Ursachen von Ausbildungshemmnissen einschätzen.
Die Darstellung des Verfahrens der Repräsentativbefragung erfolgt unter dem Punkt 7.2. Die Grundgesamtheit der Untersuchung bilden die rund 215 anerkannten Ausbildungsbetriebe für den Beruf Gärtner/in in der Fachrichtung Obstbau in Deutschland.
Grundlage für den Kontakt zu den Betrieben bilden Adressenlisten der anerkannten Ausbildungsbetriebe Fachrichtung Obstbau aus den jeweiligen Bundesländern. Diese wurden bei der jeweilig zuständigen Stelle angefordert. (je nach Bundesland unterschiedlich: Landwirtschaftskammer, Gartenbaukammer, Senatsverwaltung, Ministerium für Landwirtschaft) (siehe Anlage 2). Den Abschluss der Untersuchung bildet die Auswertung der Ergebnisse der durchgeführten Repräsentativbefragung (Punkt 6.3 und 6.4).
Als Abschluss der wissenschaftlichen Hausarbeit werden mögliche Handlungsoptionen, auf Basis der erbrachten Ergebnisse, für eine Erhöhung der Ausbildungsquote im Obstbau aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Verzeichnis der Abbildungen | 3 | |
| Verzeichnis der Tabellen | 4 | |
| Verzeichnis der Anlagen | 5 | |
| Verzeichnis der Abkürzungen | 6 | |
| Begriffsklärung | 7 | |
| Einleitung | 8 | |
| 1. | Problematik und Zielstellung | 10 |
| 2. | Fragestellung und Hypothesen | 14 |
| 3. | Untersuchungsmethodischer Weg | 17 |
| 4. | Darstellung der Ausgangssituation | 18 |
| 4.1 | Faktoren der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft | 9 |
| 4.2 | Der Obstbau in Deutschland | 20 |
| 4.2.1 | Die Obstanbaugebiete in Deutschland | 20 |
| 4.2.2 | Größenstrukturen der deutschen Obstbaubetriebe | 25 |
| 4.2.3 | Strukturwandel im Obstbau | 26 |
| 4.3 | Ausbildungskosten im Obstbau | 29 |
| 4.4 | Saison Arbeitskräfte im Obstbau | 32 |
| 4.5 | Trends für die Ausbildung im Gartenbau in Deutschland | 33 |
| 4.6 | Demografische Entwicklung | 34 |
| 5. | Theoretische Auseinandersetzung mit den Hypothesen | 35 |
| 5.1 | Fachkräftebedarf im Obstbau | 35 |
| 5.2 | Die wirtschaftlichen Lage im Obstbau | 37 |
| 5.3 | Image und Berufsinformation | 39 |
| 5.3.1 | Das Image des Berufs Gärtner/in | 39 |
| 5.3.2 | Informationen zum Ausbildungsberuf Gärtner/in im Obstbau | 42 |
| 5.4 | Die geforderte ‚Ausbildungsreife’ für den Beruf Gärtner/in | 43 |
| 5.5 | Negativen Erfahrungen mit Auszubildenden als Ausbildungshemmnis | 47 |
| 5.6.1 | Berufschule als Ausbildungshemmnis | 49 |
| 5.6.2 | Durchschnittsalter der Lehrer in Deutschland | 49 |
| 5.6.3 | Anpassung der Lerninhalte an Veränderungen in der beruflichen Praxis | 50 |
| 5.6.4 | Zweiter Berufsschultag | 50 |
| 5.6.5 | Schulstandort | 51 |
| 6. | Überprüfung der Hypothesen durch eine Befragung | 53 |
| 6.1 | Fragebogenkonstruktion | 53 |
| 6.2 | Auswahlverfahren und Befragungsdurchführung | 56 |
| 6.3 | Ergebnisse der Befragung | 57 |
| 6.4 | Diskussion der Untersuchungsergebnisse | 70 |
| 7. | Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen | 73 |
| 8. | Zusammenfassung | 76 |
| 9. | Quellenverzeichnis | 77 |
| Anlage 1 | Merkblatt zur Anerkennung von Ausbildungsbetrieben im Ausbildungsberuf Gärtner/Gärtnerin | 83 |
| Anlage 2 | Zuständige Stellen für die Berufsausbildung im Gartenbau | 84 |
| Anlage 3 | Faktoren der betrieblichen Ausbildungskosten | 85 |
| Anlage 4 | Image des Berufs Gärtner/-in | 86 |
| Anlage 5 | Anforderungen an Jugendliche für den Eintritt in eine Berufsausbildung im Bereich Agrarwissenschaft | 88 |
| Anlage 6 | Anschreiben an die Ausbildungsbetriebe per e-Mail | 92 |
| Anlage 7 | Umfrage zur Ausbildungssituation im Obstbau | 93 |
| Anlage 8 | Anschreiben zum Fragebogen | 95 |
Kapitel 4.3 Ausbildungskosten im Obstbau: Die Brutto Ausbildungsvergütung im Gartenbau in Deutschland weist Unterschiede im Hinblick auf Alter, Ausbildungsdauer, gärtnerische Fachrichtung und Bundesländer auf. Ein Auszubildender, 1. Lehrjahr im Obstbau, der unter 18 Jahre alt ist bekommt in Bayern 434 Euro Ausbildungsvergütung im Monat, in Sachsen lediglich 214 Euro im Monat.
Bei der Ermittlung der Ausbildungskosten werden zwei verschiedene Berechnungsmethoden angewendet. Bei der Vollkostenrechnung ist der gesamte, für die Ausbildung erfolgte Einsatz an Personal und Sachmitteln zu erfassen.
Einen Überblick darüber, welche Kostenarten bei der betrieblichen Ausbildung im Einzelnen zu berücksichtigen sind, gibt die Anlage 3. Bei dieser Berechnungsart ist zu bemängeln, dass über die unmittelbar durch die Ausbildung verursachten zusätzlichen Kosten hinaus der Ausbildung fixe Kosten anteilig zugerechnet werden, d. h. Kosten, die der Betrieb auch dann zu tragen hätte, wenn er nicht ausbildete. Bei der Teilkostenrechnung bleiben darum die Kosten der nebenberuflichen Ausbilder, d. h. der Mitarbeiter, die neben ihren eigentlichen Aufgaben zeitweise auch in der Ausbildung tätig sind, unberücksichtigt. Die nebenberuflich für die Ausbildungsverwaltung eingesetzten Mitarbeiter werden in die Teilkostenbetrachtung ebenfalls nicht einbezogen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Personalkosten für diese Mitarbeiter dem Betrieb in der Regel auch unabhängig von der Ausbildung entstehen würden, diese (fixen) Kosten also nicht entscheidungsrelevant für die Ausbildung sind.
Da landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe nicht so viele Auszubildende beschäftigen, dass für die Ausbildung ein hauptberuflicher Ausbilder beschäftigt werden muss, ist hierfür die Teilkostenrechnung realistischer. Um nun die tatsächlichen Kosten (Nettokosten) zu ermitteln die auf einen Betrieb durch einen Auszubildenden zukommen, werden die Erträge aus den produktiven Leistungen der Auszubildenden von den Ausbildungskosten (Bruttokosten) abgezogen. Allerdings ist die genaue Ermittlung der Erträge schwierig. Es wird dabei von der Überlegung ausgegangen, dass die produktiven Arbeiten der Auszubildenden für den Betrieb so viel wert sind, wie er alternativ einer normalen Arbeitskraft für die Verrichtung der gleichen Arbeiten zahlen müsste.
Das BIBB hat 2002 auf der soeben dargestellten Basis die Ausbildungskosten verschiedener Berufe ermittelt. Demnach kostet die Ausbildung in der Landwirtschaft pro Auszubildender und Jahr nach der Vollkostenrechnung 6183 Euro, und nach der Teilkostenrechnung lediglich 327 Euro.
Das BIBB hat im September 2005 eine Expertenbefragung zum Thema „Ausbildungsreife“ durchgeführt, um über die Frage der Bedeutung des Begriffs „Ausbildungsreife“ beinhaltet zu einer Einschätzung zu gelangen, ob sich die Bewerberqualifikationen wirklich verändert haben, und welche Handlungsoptionen sich ergeben. Alles in allem sehen die Fachleute die Entwicklung der letzten 15 Jahre eher skeptisch. Sie gehen von der Annahme aus, dass die Leistungsfähigkeit der Lehrstellenbewerber gesunken sei. Dies gilt insbesondere für das durch die Schule vermittelte Wissen. Fast alle (mehr als vier Fünftel) sind davon überzeugt, dass die schriftliche Ausdrucksfähigkeit, die Beherrschung der deutschen Rechtschreibung und die Fähigkeit zum einfachen Kopfrechnen in den letzten 15 Jahren nachgelassen hätten. Immerhin zwischen zwei Drittel und [...]
die Mahnungen aus der Wirtschaft eine neue Bedeutung erlangt und Bestätigung aus der Bildungsforschung erfahren. Da wundert es nicht, dass Ausbildungsbetriebe auf die Frage, welche Maßnahmen als Konsequenz aus den PISA–Ergebnissen am dringendsten seien, mit überwältigender Vehemenz eine stärkere Förderung der Grundqualifikationen wie Rechnen, Schreiben und Lesen einfordern. Nicht für alle der beklagten Defizite sind jedoch die Schulen allein verantwortlich zu machen. So stellen Ausbilder zunehmend Schwächen bei den sozialen und persönlichen Kompetenzen der Lehrstellenbewerber fest, z. B. im persönlichen Verhalten (Ehrlichkeit, Höflichkeit, Freundlichkeit), in ihrer Motivation (Fleiß, Zielstrebigkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit) oder bei den sozialen Kompetenzen (Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit) (Heintz 2003: 2). Diese beklagten Defizite, die alle unter dem Begriff „Ausbildungsreife“ zusammengefasst werden, lassen sich folgendermaßen strukturieren. 1. Der Begriff „Ausbildungsreife“ lässt sich definieren als „Stand in einem Entwicklungsprozess, den junge Menschen erreicht haben sollen, um für eine Berufsausbildung qualifiziert zu sein“ (Mutscheller 1998: 113). Hierbei wird unterschieden in a) Grundlegende Kenntnisse und fachliche Fähigkeiten: Mündliche und schriftliche Beherrschung der deutschen Sprache, mathematische Kenntnisse und Fähigkeiten, Einsichten in wesentliche wirtschaftlich-technische, soziale und haushälterische Zusammenhänge, Berufswahlfähigkeit, Grundlagen in der Beherrschung moderner Informations- und Kommunikationstechniken, Grundlagen im Bereich der naturwissenschaftlichen, der historisch-politischen und der kulturellen Bildung, grundlegende Beherrschung einer Fremdsprache. b) Arbeitstugenden Zuverlässigkeit, Lernwilligkeit, Konzentrationsfähigkeit, Genauigkeit, Sauberkeit, Ordnung, Ausdauer, Belastbarkeit, möglichst hohes Maß an Fehlerfreiheit und Selbstkorrektur, Aufgeschlossenheit, positive Einstellung, positives Kontaktverhalten und Auftreten. c) Schlüsselqualifikationen Ausgegangen wird von folgender Definition: Schlüsselqualifikationen sind Fähigkeiten, die die Bewältigung künftiger, veränderter, nicht vorhersehbarer Situationen ermöglichen und damit diese Situation erschließen. We- [...]
5.3.2 Informationen zum Ausbildungsberuf Gärtner/in im Obstbau Der Ausbildungsberuf Gärtner/in ist einer der „350 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe“ (BIBB, 2005d, Stand 1.10.2004) die zurzeit zur Auswahl stehen. Die Berufsbilder der 7 Fachrichtungen im Gartenbau werden in der Regel unter dem Beruf Gärtner/in zusammengefasst und gleichberechtigt dargestellt. Informationen zum Beruf Gärtner/in erhält man in erster Linie über das Arbeitsamt (Berufsbildungszentrum), über das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und über die jeweiligen Landwirtschaftskammern oder Ministerien für Landwirtschaft (Gartenbau). Im Internet gibt es ebenfalls zahlreiche Informationsquellen über den Beruf Gärtner/in im Obstbau. Die Hauptquellen sind: - der Zentralverband für Gartenbau, (www.g-net.de), (http://beruf-gaertner.de) - die Aktion Top Ausbildung Gartenbau (T.A.G.), (www.gaertnerwerden.de) - Zentralstelle für Agrardokumentation und -information, (www.zadi.de) und die verschiedenen Landwirtschaftskammern, wobei sich die Informationen bei den Landwirtschaftskammern stark unterscheiden. Der Aufbau der Informationen zum Beruf Gärtner/in gestaltet sich noch oftmals gleich; Berufliche Tätigkeit, das Vorstellen der Fachrichtungen, Ausbildungsdauer, Ausbildungsstätten, Ausbildungsinhalte, Prüfungen und Fortbildungsmöglichkeiten. In den meisten Fällen werden die Ansprechpartner für die Berufsausbildung noch genannt und im besten Fall gibt es Listen mit Ausbildungsbetrieben. Die Darstellung der einzelnen Fachrichtungen gestaltet sich jedoch extrem unterschiedlich. - In Bayern (www.stmlf.bayern.de), werden die Fachrichtungen nur mit 2 Sätzen beschrieben. - In Baden-Württemberg (www.landwirtschaft-mlr.baden-wuerttemberg.de), steht ein Satz pro Fachrichtung. Die Fachrichtung Obstbau wird folgendermaßen beschrieben: „In modernen Anlagen wird Kern-, Stein- sowie Beerenobst erzeugt und über verschiedene Absatzwege vermarktet“ (Ministerium für Ernährung und ländl. Raum, Baden-Württemberg, 2005a). Für genauere Informationen wird auf die Internetseite des Arbeitsamtes verwiesen. - Im Saarland (www.lwk-saarland.de) wird die Fachrichtung Obstbau ganz weggelassen. - In Rheinland-Pfalz werden die Fachrichtungen durch 5-6 Haupttätigkeiten des Berufs vorgestellt. - Schleswig-Holstein (www.lwk-sh.de), und Niedersachsen (www.lwk-hannover.de) bieten keine Berufsinformationen über die einzelnen Fachsparten. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832499471
Arbeit zitieren:
Sönksen, Harm Februar 2006: Ursachen der Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Betrieben und der geringen Anzahl Auszubildender im deutschen Obstbau, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Berufsausbildung, Garten- und Landschaftsbau, Obstbauer, Ausbildung, Gärtner



