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Untersuchungen zur Sorption von TNT-Metaboliten an Ringpolymeren

Untersuchungen zur Sorption von TNT-Metaboliten an Ringpolymeren
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Francis Hilscher
  • Abgabedatum: April 2003
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7892-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7892-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7892-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hilscher, Francis April 2003: Untersuchungen zur Sorption von TNT-Metaboliten an Ringpolymeren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: RGS-Polymere, TNT, Sanierung, Altlasten, Rüstung

Diplomarbeit von Francis Hilscher

Zusammenfassung:

Mit der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung und der Politik für Umweltprobleme gewinnt die Entsorgung und Vernichtung von Militärchemikalien immer mehr an Bedeutung. Seit Mitte der achtziger Jahre entstand ein immer größeres Spektrum von Aufgaben, angefangen bei der abrüstungs- oder altersbedingten Vernichtung von Kampfmitteln und der Reinigung von Produktionsabfällen bis zur Sanierung von Rüstungsaltlasten aus vergangenen Kriegen.

In der Bundesrepublik Deutschland liegt die Hauptproblematik bei den Rüstungsaltlasten aus den beiden Weltkriegen, deren häufigster und persistentester Kontaminant das 2,4,6-Trinitrotoluol (TNT) ist. Seine Giftigkeit ist beträchtlich, aber nicht so gravierend wie die Giftigkeit der Kampfgase.

Allein während des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland ca. 0,8 Millionen Tonnen an TNT produziert. Da die Produktion vorwiegend unter Kriegsbedingungen stattfand, wurden Sicherheitsmaßnahmen weitgehend vernachlässigt. Dies hatte eine erhebliche Kontamination der Produktionsanlagen und deren Umgebung mit TNT und den Nebenprodukten seiner Herstellung zur Folge. Im Deutschen Reich gab es neun große Sprengstoffwerke mit einer TNT-Monatsproduktion von mehr als 1000 Tonnen. Daneben gab es noch 60 weitere Werke, die TNT erzeugt oder verfüllt haben.

Ehemals militärisch genutzte Liegenschaften und Produktionsstätten können u. U. eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere Umwelt und unser Grundwasser darstellen. Diese Altlasten werden u. a. dann zu einer konkreten Gefährdung der menschlichen Gesundheit, wenn sie in Frischgewässer eindringen und dieses für die Gewinnung von Trinkwasser verwendet wird.

Bei der Produktion von TNT wurden zur Kühlung des Reaktionsprozesses und zur Reinigung des Endproduktes ca. 260-300 Kubikmeter Wasser pro Tonne TNT benötigt. Davon fiel etwa 40 Kubikmeter als stark belastetes Abwasser aus der Reinigung der Zwischenprodukte und der Sulfitwäsche an. Wegen des hohen Wasserbedarfs lagen diese Werke in Gebieten mit hohem Grundwasservorkommen, die noch heute zur Trinkwassergewinnung genutzt werden.

Die Belastung dieses Abwassers war z.T. so groß, dass sich die Schadstoffe nach Neutralisation der sauren Lösung als Schlamm abschieden. Dieser sogenannte Neutralisationsschlamm wurde überwiegend auf ungesicherten Halden deponiert. Das kontaminierte Wasch- und Kühlwasser wurde ohne weitere Behandlung in nahegelegene Gewässer geleitet oder versickert. Nebenbei kam es darüber hinaus bei Unfällen, Zerstörung durch Bombardierungen und Demontage der Betriebsanlagen zur weiteren Freisetzung erheblicher Schadstoffmengen.

Auch heute noch sind an den ehemaligen Produktionsstandorten wegen der hohen Persistenz der eingetragenen Schadstoffe Boden und Grundwasser mit großen Mengen an TNT und anderen nitroaromatischen Verbindungen (sog. STV: Sprengstofftypische Verbindungen) belastet. Wegen der geringen Flüchtigkeit von TNT erfolgt die Ausbreitung in der Umwelt hauptsächlich über den Wasserpfad. Die Trinkwasserversorgung ist seit Beginn der Produktion von TNT durch den Eintrag in das Grundwasser gefährdet.

Die ersten Versuche, das Gefährdungspotential der Rüstungsaltlasten zu verringern, waren Maßnahmen zur Verringerung des Schadstoffaustrags in das Grundwasser. Anfangs beschränkte man sich auf das Abdecken hochkontaminierter Flächen, um eine Auswaschung der Schadstoffe durch Regenwasser zu verhindern. Diese sehr einfachen Methoden zur hydraulischen Sicherung von Altlasten sind in der Zwischenzeit durch aufwendigere Verfahren ersetzt worden. In Standorten wie z. B. Stadtallendorf, Hessisch-Lichtenau oder Elsnig/Torgau wird über Drainageleitungen das Grundwasser aus kontaminierten Bereichen abgepumpt und durch Filter aus Aktivkohle gereinigt. Der Austrag von TNT aus der Oberfläche wird durch die geringe Wasserlöslichkeit und die Sorption an Bodenbestandteilen limitiert und erfolgt nur sehr langsam, weshalb diese z.T. sehr kostenintensiven Maßnahmen zur Sicherung der Standorte auch langfristig fortgesetzt werden müssen, um die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung weitestgehend zu minimieren.

Heute geschieht die Reinigung von sprengstoffkontaminierten Wässern hauptsächlich mit Hilfe von Adsorption an Aktivkohle. Die Verfahren müssen dabei folgenden Anforderungen genügen:

- Eliminierung aller im Wasser befindlichen Schadstoffe.

- Niedrige Investitions- und Betriebskosten.

- Wartungsarmer Betrieb bei hoher Zuverlässigkeit.

Um diese Anforderungen besser zu erfüllen, wird rezent auch der Einsatz von Polymeren Räumlich Globularer Struktur (RGS-Polymere, engl. SGS-Polymers, russ. PGS) zur Reinigung von sprengstoffkontaminierten Wässern untersucht. Aufgrund von Vorversuchen zur Adsorption von STV stellten sich RGS-Polymere zur Reinigung von Grundwässern grundsätzlich als sehr vielversprechend heraus. Die Herstellung und Nutzung von Polymerfiltermaterial räumlich globularer Struktur erfolgte erstmalig Ende der siebziger Jahre Aufgrund der Struktur der Polymere und deren hohen Porösität kann im Vergleich zur Aktivkohle mit höheren Durchflussgeschwindigkeiten bei der Beseitigung von STV aus kontaminierten Wässern sowie mit einer guten Regenerierbarkeit gerechnet werden.

In einem Verbundvorhaben („GRURUS“, BMBF, Projektträgerschaft: Wassertechnologie, Projekt: „Verfahren zur Reinigung schadstoffbelasteter Wässer am Beispiel einer TNT-Kontamination (FKZ 02 WT 0152-55)), im Rahmen dessen die vorliegende Arbeit durchgeführt wurde, soll die Reinigung von Grund- und Oberflächenwässern mit Hilfe einer alternativen Technik auf der Grundlage dieser RGS-Polymere untersucht werden.

Mit dem Ziel der Verfahrensentwicklung und optimalen Gestaltung des Aufbaus und Betriebs einer Pilotanlage sind Sorptionsuntersuchungen (Adsorption- und Desorption) an RGS-Polymeren unter Berücksichtigung verschiedener Einflussgrößen erforderlich. Die Ermittlung dieser Datenbasis setzt zudem eine zuverlässige, schnelle und nachweisstarke Bestimmung der Schadstoffe in den Modelllösungen voraus. Zu diesem Zweck sollen in der vorliegenden Diplomarbeit die erforderlichen analytischen Verfahren erarbeitet, in ihren Güteziffern optimiert und abgesichert werden. Anhand von Sorptionskurven (Durchbruchskurven) soll das Sorptionsverhalten sprengstofftypischer Verbindungen an RGS-Polymeren untersucht werden. Detailuntersuchungen sollen zudem klären helfen, ob auch solche Sprengstoffe und sprengstofftypischen Verbindungen selektiv aus dem Wasser entfernt werden können, die bei einer Aktivkohlebehandlung nicht oder nur ungenügend erfasst werden. Nach erfolgter Adsorption der Schadstoffe soll zudem die Regenerierbarkeit der RGS-Polymere untersucht und optimiert werden, um letztendlich die Schadstoffkonzentrate einem mikrobiologischen Abbauverfahren zuführen zu können.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis iii
Abkürzungen 1
1. Einleitung und Problemstellung 2
2. Allgemeiner Teil 5
2.1 Polymere räumlich globularer Struktur (RGS-Polymere) 5
2.1.1 Vorteile der RGS-Polymere gegenüber herkömmlichen Adsorbentien 7
2.1.2 Wirkungsprinzip der RGS-Polymere 7
2.1.3 Verwendete Typen von RGS-Polymeren 10
2.1.4 Adsorbate: Sprengstoffe der „15er-Liste Elsnig“ 11
2.2 Rüstungsaltlasten 13
2.3 2,4,6-Trinitrotoluol 13
2.3.1 Herstellung 14
2.4 Umweltchemie von TNT 15
2.4.1 Emissionen am Rüstungsaltlastenstandort WASAG Elsnig 15
2.4.2 Exposition: Persistenz und Reichweite 16
2.4.3 Wirkung: Toxikologie 18
2.4.4 Mikrobieller Abbau 19
2.4.5 Photolyse 20
2.5 Sanierungsmethoden 21
2.5.1 Die Sanierung von TNT-belasteten Böden 22
2.5.2 Die Aufreinigung von TNT-belasteten Abwässern 23
2.6 Bestimmung von sprengstofftypischen Verbindungen 24
2.6.1 Laboranalytische Methoden 25
2.6.2 Analysen im Feld / Schnellmessmethoden 29
2.7 Theoretische Grundlagen zu Adsorptionsfiltern 30
2.7.1 Adsorptionsgleichgewichte 30
2.7.2 Adsorptionsisothermen 30
2.7.3 Adsorptionskinetik 32
2.7.4 Durchbruchskurven 35
2.8 Statistische Grundlagen 36
3. Untersuchung der Sorption von TNT-Metaboliten an Ring- polymeren 38
3.1 Voruntersuchungen 39
3.1.1 Auswahl der RGS-Polymere und der zu untersuchenden sprengstofftypischen Verbindungen 39
3.1.2 Adsorptionskapazitäten im dynamischen Regime: Fließversuche im Kreislauf 42
3.1.3 Validierung der Messmethoden zur quantitativen Bestimmung der ausgewählten sprengstofftypischen Verbindungen 45
3.1.4 Nachweisgrenzen der verwendeten Methoden 55
3.2 Sorptionsuntersuchungen von sprengstofftypischen Verbindungen an RGS-Polymeren 57
3.2.1 Durchführung der Fließversuche mit anschließender Regenerierung 58
3.2.2 Reproduzierbarkeit der Fließversuche 59
3.2.3 Fließversuche mit unterschiedlichen Durchflussraten 61
3.2.4 Fließversuche mit unterschiedlichen Adsorbatkonzentrationen 63
3.2.5 Fließversuche mit unterschiedlichen sprengstofftypischen Verbindungen 67
3.2.6 Fließversuche mit der Modelllösung 71
3.2.7 Konkurrierende Adsorption 72
3.2.8 Optimierung der Fließversuche 73
3.3 Desorptionsversuche 77
3.3.1 Auswahl des Lösungsmittels zur Regeneration 77
3.3.2 Durchführung der Elution im Batch-Verfahren 78
3.3.3 Optimierung der Elution 79
3.3.4 Ergebnisse der Elutionsversuche 80
4. Diskussion der Ergebnisse 81
4.1 Beurteilung der Ergebnisse 81
4.1.1 Güteziffern der verwendeten Analysenmethoden 81
4.1.2 Reproduzierbarkeit der Fließversuche 82
4.1.3 Fließversuche mit unterschiedlichen Durchflussraten 83
4.1.4 Fließversuche mit unterschiedlichen Konzentrationen 84
4.1.5 Fließversuche mit unterschiedlichen sprengstofftypischen Verbindungen 85
4.1.6 Fließversuche mit Modelllösungen 86
4.1.7 Konkurrierende Adsorption. 87
4.1.8 Untersuchung der Patronen auf lokale Durchbrüche 87
4.1.9 Desorptionsversuche 88
4.2 Ausblick 89
5. Verwendete Materialien 91
5.1 Geräte 91
5.2 Chemikalien und Adsorbentien 91
6. Zusammenfassung 93
7. Literaturverzeichnis 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

Für die voltammetrischen Untersuchungen wurde ein Polarograph Typ Computrace 757 mit Dosimat 765 der Fa. Metrohm eingesetzt. Die Messungen wurden am hängenden Quecksilbertropfen im Square-Wave-Modus in einem 0,1 molaren Acetatpuffer bei pH 4,5 durchgeführt. Bei diesem pH-Wert ergab sich die größte Steigung (Empfindlichkeit) der Kalibriergeraden. Zur Entfernung des gelösten Sauerstoffes wurde vor jeder Bestimmung die Messlösung 5 min im Stickstoffstrom gespült. Bei jeder neuen Messreihe musste eine Kalibrierkurven mittels externen Standards aufgenommen werden. Bei Matrixstörungen wurde auch ein Standardadditionsverfahren eingesetzt. Dazu war es erforderlich, von jeder STV eine Strom-Spannungskurve mit ihren Reduktionspeaks aufzunehmen. Wurde ein hinreichend großes Signal erhalten, so wurden zur Basislinienkorrektur die Start und Endpunkte des Peaks manuell berücksichtigt, wobei beide nach Möglichkeit etwa die gleichen Stromstärken haben sollten. Die eingeschlossene Fläche zwischen der Basislinie und dem Peak wurde dann zur Konzentrationsbestimmung herangezogen. Die Absolutkonzentration in einer Probe wurde durch den Vergleich mit den Signalen externer Standardproben bestimmt. Durch schrittweise Zugabe einer konzentrierten Standardlösung mit Hilfe des Dosimaten in die Messlösung wurden die benötigten Kalibrierlösungen hergestellt. In Abb. 14 werden die bei verschiedenen Konzentrationen aufgenommenen Strom-Spannungskurven mit den drei Reduktionspeaks von 2,4,6-TNT und [...]

durchgeführt. Dabei wurde eine bestimmte Menge an Wasser jeweils mit einem Analyt in größerer Konzentration dotiert und im Kreislauf bei konstanter Durchflussrate für längere Zeit durch eine RGS-Hohlpatrone gepumpt, wobei sich ein Adsorptionsgleichgewicht auf der Patronenoberfläche bzw. eine Gleichgewichtskonzentration in der Lösung einstellte. Ziel dieser Versuche war es, eine Überladung des Polymerharzes zu erhalten, um so die Maximalkapazität des Polymers zu bestimmen. Die Frage, ob eine Änderung der Durchflussrate beim Arbeiten im Kreislauf zu Unterschieden in der Maximalkapazität führte, wurde von Kind untersucht und dahingehend beantwortet, dass die Einstellung des Adsorptionsgleichgewichtes innerhalb eines Fließgeschwindigkeitsbereichs von 200-1000 spez. Vol./ Stunde hinreichend konstant ist [5]. [...]

Da die Löslichkeiten der untersuchten STV z.T. sehr gering sind, wurden diese zuvor in einem Kölbchen mit möglichst wenig Acetonitril (2,4-DNT in Methanol) gelöst. Mit Hilfe einer Eppendorf-Pipette wurde eine berechnete Menge dieser Lösung aufgenommen und in einem mit Leitungswasser gefüllten Kolben gegeben, wobei bei hohen Konzentrationen feine Kristalle wieder ausfielen. Bis zur vollständigen Lösung wurde der Kolbeninhalt in einem Ultraschallbad homogenisiert. Der Anteil von Acetonitril wurde möglichst gering gehalten, um störende Matrixeffekte bei der anschließenden voltammetrischen Konzentrationsbestimmung zu vermeiden. Zur Kalibrierung wurde Wasser in Tridest-Qualität verwendet, allerdings traten auch mit Leitungswasser keine signifikanten Störungen auf, so dass bei Fließversuchen Leitungswasser verwendet werden konnte . Zudem ließ man das Wasser aus der Leitung vorher 4-5 Minuten lang fließen, um Verunreinigungen aus der Wasserleitung wie z. B. ausgefallene Eisenhydroxide zu verwerfen. Diese lagerten sich immer wieder an der Patronenoberfläche an und verstopften die Poren. [...]

Arbeit zitieren:
Hilscher, Francis April 2003: Untersuchungen zur Sorption von TNT-Metaboliten an Ringpolymeren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
RGS-Polymere, TNT, Sanierung, Altlasten, Rüstung

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