Untersuchungen zur Nutzung von EGNOS und GPS
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Dominik Müller
- Abgabedatum: September 2004
- Umfang: 64 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Mainz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8286-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8286-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8286-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Müller, Dominik September 2004: Untersuchungen zur Nutzung von EGNOS und GPS, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: ESTB, Satellitennavigation, DGPS, Positionsbestimmung, System Test Bed
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Diplomarbeit von Dominik Müller
Einleitung:
Mitte der siebziger Jahre begann die Entwicklung von Satellitennavigationssystemen. Insbesondere hat sich das NAVSTAR GPS (NAVigation System with Timing and Ranging Global Positioning System) des amerikanischen „Department of Defense“ (DOD) etabliert und findet in vielen Bereichen Anwendung. Auch heute noch öffnet es neue Möglichkeiten der Nutzung, und längst ist das ursprünglich für das Militär gedachte System auch im zivilen Umfeld nicht mehr wegzudenken. GPS hat sich im Laufe der Jahre zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt, und in der Geodäsie ist die Navigation als auch die Positionsbestimmung mit Satellitennavigationssystemen fester Bestandteil der praktischen Arbeit. So werden in der Landvermessung über große Entfernungen wirtschaftlich und hoch genau Positionen bestimmt. Zur Navigation wird GPS im Automobil-, Flugzeug- und Schiffsverkehr genutzt.
Neben den USA hat die damalige UDSSR das sogenannte GLONASS (GLObal‘naya Navigatsionannaya Sputnikovaya Sistema) entwickelt. Aufgrund der eingetretenen politischen Veränderungen und bedingt durch finanzielle Schwierigkeiten spielt GLONASS heute nur eine untergeordnete Rolle.
Zur Positionsbestimmung werden die Satellitensignale ausgewertet, wobei grundsätzlich zwei Arten von Signalen unterschieden werden [vgl. hierzu Seeber (1989), Abschnitt. 7.1.4], nämlich das Codesignal (1-1a) und das Phasensignal . (1-1b).
Vom Prinzip her liefert die Auswertung der Signale die Entfernungen zwischen Satelliten und Empfänger, die so genannte Pseudoentfernungen. Diese Pseudoentfernungen sind kein geradliniger Abstände, da die Signale (1-1) auf ihrem Weg vom Satelliten zum Empfänger verschiedenen Einflüssen unterworfen sind. Nach Wanninger (1994) wird nachstehender Fehlerhaushalt aufgestellt, wobei mit den numerischen Beträgen der Einfluss auf die Pseudodistanz angegeben ist. - Satellitenbahn: 10 – 100m (1-2a).
- Satellitenuhr: 10 – 100m (1-2b).
- Ionosphäre: 2 – 100m (1-2c).
- Troposphäre: 0,1 – 1m (1-2d).
- Mehrwegeeffekte: mehrere Meter (1-2e).
- Phasenzentrum der Antenne: ≤ 0,02m (1-2f).
- Empfängerrauschen: 1 – 3m . (1-2g).
Durch die genannten Fehler (1-2) wird die Position etwa um den Faktor zwei bis vier verschlechtert. Zur Verringerung bzw. Elimination der Fehler (1-2a-d) werden insbesondere folgende Verfahren angwand:
- DGPS (Differenzielles GPS): Es werden Pseudostreckenkorrekturen für eine Referenzstation berechnet und dem Nutzer direkt zur Verfügung gestellt. Die erreichbaren Genauigkeit liegen im Meterbereich.
- PDGPS (Präzises Differenzielles GPS) als Einzelstationslösung: Es werden Rohdaten (Code- und Trägerphasenbeobachtungen) von einer Referenzstation zum Rover gesendet und der Rover wertet diese Daten als Basislinie in Echtzeit aus. Hierbei werden cm-Genauigkeiten und besser erreicht. Der Nutzungsbereich sollte einen Abstand von 10 km zur Referenzstation nicht überschreiten.
- PDGPS als Netzlösung: Bei diesem Verfahren werden einzelne Referenzstationen zu einem Netz zusammengefasst und dann für die einzelnen Netzmaschen so genannte Flächenkorrekturparameter (FKP) bestimmt, die in Echtzeit an den Rover übertragen werden. Auf diese Art und Weise können die Fehleranteile (1-2a-d) großräumig verringert werden. Die FKP können auch dazu verwendet werden, eine Virtuelle Referenzstation (VRS) zu erzeugen.
DGPS liefert allerdings nur eine Genauigkeit im Meterbereich. Das PDGPS als Einzelstationslösung ist mehr oder minder überholt und wird lediglich bei autonomen Messungen praktiziert. Das letztgenannte Verfahren, PDGPS als Netzlösung, hat sich etabliert und wird als Dienstleistung durch SAPOS (Landesvermessungsverwaltungen der BRD) oder ASCOS (Ruhrgas AG) bereitgestellt.
Neben SAPOS und ASCOS gibt es alternative Systeme, die Korrekturdaten zur Verbesserung der Positionsbestimmung übermitteln. Solche Systeme werden auch als DGPS-Dienste oder als SBAS (Satellite Based Augmentation Systems, Satellitengestützte Erweiterungssysteme) bezeichnet. Genannt seien:
- Wide Area Augmentation Service (WAAS) der USA für den nordamerikanischen Raum (vgl. Abbildung 1.1).
- European Geostationary Navigation Overlay Service (EGNOS) der Europäischen Union für Europa (vgl. Abbildung 1.1).
- Multi-Functional Satellite Augmentation System (MSAS) der Japaner für den asiatischen Raum (vgl. Abbildung 1.1).
- Canada Wide Area Augmentation Service (CWAAS) der Kanadier für Kanada.
- INMARSAT zur weltweiten Nutzung.
Weitere Systeme sind in der Planung, zum Beispiel :
- Quasi Zenith Satellite System (QZSS) der Japaner.
- BEIDOU der Chinesen.
- GAGAN der Inder.
Zusätzlich gibt es noch die beiden privaten Systeme der Firmen Racal SkyFix und Fugro Omnistar, die weltweit genutzt werden können, aber nicht über eine so hohe Referenzstationsdichte wie die vorgenannten Systeme verfügen.
Bei der Abdeckung großräumiger Gebiete ist in der Regel nicht die Referenzstationsdichte gegeben wie bei ASCOS oder SAPOS, so dass auch die Korrekturparameter entsprechend ungenauer bestimmt sind.
Grundsätzlich arbeiten WAAS, CWAAS, EGNOS, MSAS und INMARSAT nach dem gleichen Prinzip. Es werden Korrekturwerte aus einem Netz von Bodenstationen, die in den Koordinaten genau bestimmt sind, berechnet und diese senden die gewonnenen Parameter über Erdfunkstellen zu geostationären Satelliten. Von dort werden die Daten zum Nutzer übertragen.
In dieser Arbeit wird die Nutzung von EGNOS behandelt. Neben der Darstellung des Aufbaus und der prinzipiellen Funktionsweise dieses modernen DGPS-Systems wird vor allem die Qualität der Positionsbestimmung und Navigation mit EGNOS untersucht. Konkret muss also die Richtigkeit der EGNOS-Korrekturdaten geprüft werden. Zu diesem Zweck wurden mit einem EGNOS-fähigen Empfänger der Firma LEICA Echtzeitmessungen durchgeführt. Bei Echtzeitmessungen im single point positioning (SPP) muss davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse sämtliche Fehlerkomponenten (1-2a-d) beinhalten. Insofern lassen diese Messungen nur grundsätzliche Aussagen zu. Da EGNOS auch im Postprocessing verwendet werden kann, werden hier differenzierte Analysen vorgenommen, so dass eine Einschätzung der Qualität der einzelnen Korrekturparameter möglich ist.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 8 |
| 1.1 | Vorbemerkungen | 8 |
| 2. | EGNOS | 12 |
| 2.1 | Allgemeines zu EGNOS | 12 |
| 2.2 | Systemaufbau | 12 |
| 2.2.1 | Weltraum-Segment | 12 |
| 2.2.2 | Kontroll-Segment | 14 |
| 2.2.3 | User-Segment | 14 |
| 2.3 | Funktionsweise von EGNOS | 15 |
| 3. | Festpunktfeld für die EGNOS Tests | 22 |
| 3.1 | Übersichtsplan der Festpunkte | 23 |
| 3.2 | Auswertung der Festpunktbestimmung | 24 |
| 3.3 | Ergebnisse der Festpunktbestimmung | 24 |
| 4. | EGNOS in Echtzeitanwendungen | 26 |
| 4.1 | Messungsaufbau | 26 |
| 4.2 | Sekundenmessungen EGNOS und GPS | 28 |
| 4.3 | 30-Sekundenmessungen EGNOS und GPS | 36 |
| 4.4 | 2-Minutenmessung EGNOS | 41 |
| 4.5 | 6-Minutenmessung EGNOS | 43 |
| 4.6 | Ergebnisse Echtzeitmessungen | 45 |
| 5. | EGNOS im Postprocessing | 46 |
| 5.1 | Auswerteverfahren | 47 |
| 5.2 | GPS SPP-Lösung | 49 |
| 5.3 | GPS ESTB-Lösungen | 51 |
| 5.4 | Zusammenfassung ESTB-Postprocessing Auswertung | 56 |
| 5.5 | Vergleich ESTB-/EGNOS-Lösung | 57 |
| 6. | Fazit | 59 |
| 6.1 | Qualität von EGNOS | 59 |
| 6.2 | Zukunft des EGNOS Systems | 61 |
| Literatur / Quellenverzeichnis | 63 | |
| Lebenslauf / Dank | 64 |
Abb. 4.12: Höhenabweichung (4-1c) Ein Vergleich der Höhenabweichungen von (4-1a), Abbildung 4.10, und (4-1bc), Abbildung 4.11 und 4.12, zeigt die Verbesserung der Höhe durch die ESTBKorrekturdaten. So ist bis Mittags bei (4-1a) Abbildung 4.10 lediglich eine mittlere Abweichung von 0,270 m zum Mittelwert gegeben. Am Nachmittag wird die Höhenabweichung größer, und es resultiert eine mittlere Abweichung von 0,995 m. Die große Höhenabweichung nachmittags auf Abbildung 4.10 ist nicht mit sich ändernden meteorologischen Einflüssen am Messpunkt zu erklären, da keine sprunghaften Änderungen (Temperatur, Luftdruck, relative Luftfeuchte) in den Daten der Wetterstation des GIBSBw (GPS Informations- und Beobachtungssystems der Bundeswehr) zu erkennen sind. Die meteorologischen Daten der Messung (4-1a) haben auch den selben Schwankungsbereich wie die Daten der Messungen (4-1d,f,g) dies beweist, dass die Höhenabweichungen nicht auf die meteorologischen Einflüsse am Messpunkt zurück zu führen sind. Auch der Index I95 weist für (4-1a) keine anderen Einflüsse wie bei (4-1d,f,g) auf und somit können die [...]
Korrekturdatenbestimmung für den deutschen Raum maßgeblich sind, in Norwegen, Italien und den Niederlanden angesiedelt. Zusammenfassend wird für die Ergebnisse der Messungen (4-1a-c) in den Lagekoordinaten festgehalten, dass die Nutzung von EGNOS-ESTB Korrekturdaten gegenüber GPS-SPP, sowohl im L1-Modus als auch in der ionosphärenfehlerfreien Variante eine deutliche Steigerung der Richtigkeit in der Lage erreicht. Konkret bedeutet dies, dass bei Anwendung der ESTB Korrekturdaten alle Messungen eine Abweichung von weniger als 1,30 m besitzen. Die Messung (4-1b,c) liefert eine Richtigkeit, die bei normalen atmosphärischen Verhältnissen unter drei Metern liegt. Abschließend werden die Ergebnisse der Höhenbestimmung betrachtet. Dabei ist anzumerken, dass die Bestimmung der Vertikalkomponente besonders durch die troposphärische Refraktion beeinflußt wird. Die nachfolgenden Diagramme stellen die Abweichungen von der Sollhöhe für die einzelnen Messungen (4-1a-c) dar. [...]
Die Resultate der Messung (4-1c), bei welcher die aus L1 und L2 resultierende L3 zur Ionosphärenfehlerbeseitigung genutzt wurde, sind in den Abbildungen 4.7 bis 4.9 widergegeben. Optisch erscheint die Messung (4-1c) besser, allerdings liegt der Mittelwert aller Beobachtungen 1,884 m südöstlich der Festpunktfestlegung. Auch bei (4-1c) zeigt sich ein systematischer Fehler, insbesondere in den Graphen der Abbildungen 4.8 und 4.9. Grundsätzlich gelten auch hier die Aussagen zu den Messungen (4-1a,b), d.h. der Mittelwert zeigt eine Ablage vom Sollwert, die Einzelmessungen manifestieren eine Systematik und die Beobachtungen sind binomialverteilt. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Einfluss der Ionosphäre einen systematischen Fehler, in diesem Fall in Richtung Osten, in der Lage verursacht, was der Vergleich zwischen (4-1b) Abbildung 4.3 und (4-1c) Abbildung 4.7 zeigt. Bei der Messung (4-1a) war es nur bei einem Drittel der gesamten Messzeit möglich, ESTB-Korrekturdaten zu empfangen, obwohl die Korrekturdaten am Messtag durchgehend ausgestrahlt wurden. Dies dürfte einmal an der niedrigen Elevation des ESTB-Satelliten mit der GPS PNR 131 liegen, da das Signal so einen längeren Weg durch Ionosphäre und Troposphäre zurück legt und damit größeren Störungen unterliegt. Zum Anderen dürfte dies an der Verfügbarkeit der GPS-Satelliten liegen. Das meint, dass für eine ESTB-Lösung Korrekturdaten für mindestens vier Satelliten vorliegen müssen. Bei einer großen Anzahl von Satelliten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Bedingung erfüllt ist, wohingegen bei einer geringen Anzahl von Satelliten dies nicht mehr der Fall sein muss. Denn morgens waren immer mehr als 10 GPSSatelliten zu empfangen und so wurde zu dieser Zeit immer sehr schnell eine Lösung mit ESTB-Korrekturdaten berechnet. Nachmittags, wenn teilweise nur 6 GPS-Satelliten zu empfangen waren, standen öfters schon einmal 15-20 Minuten keine Korrekturdaten zur Verfügung. Dieser Sachverhalt ist darauf zurück zu führen, dass an den RIMS nicht immer die gleichen GPS Satelliten zu empfangen sind wie auf dem Messpunkt. So sind die RIMS, die für die [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832482862
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