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Untersuchung zur motorischen Leistungsfähigkeit luxemburger Vorschulkinder

Untersuchung zur motorischen Leistungsfähigkeit luxemburger Vorschulkinder
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: V. Majerus
  • Abgabedatum: September 2005
  • Umfang: 150 Seiten
  • Dateigröße: 3,5 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität des Saarlandes Deutschland
  • Bibliografie: ca. 80
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4494-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Majerus, V. September 2005: Untersuchung zur motorischen Leistungsfähigkeit luxemburger Vorschulkinder, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Motorik, Leistungsfähigkeit, Vorschulkinder, Bewegungsmangel, MOT 4

Diplomarbeit von V. Majerus

Einleitung:

Gegenstand der vorliegenden Diplomarbeit ist die Untersuchung der motorischen Leistungsfähigkeit luxemburger Vorschulkinder. Die Versuche, Lern-, Leistungs- und Entwicklungsprozesse angemessen zu beschreiben, ist nach Bös so alt wie die Geschichte der Menschheit. In den letzten Jahren haben Kinder bzw. die Zeit der Kindheit für die wissenschaftliche Forschung an Attraktivität gewonnen. Besonders die Diskussion um die Aktivität und Fitness der heutigen Kindergeneration verglichen mit früheren Kindergenerationen trifft nach Bös auf eine breite Resonanz.

Bezüglich der Frage, ob die veränderten Lebensbedingungen von Kindern zu einer Verschlechterung der motorischen Lebensbedingungen geführt haben erklärt Gaschler, dass die Studien in den letzten Jahren zugenommen haben, aber immer noch nicht in ausreichender Zahl vorliegen, um konkrete Aussagen treffen zu können.

Illi betont, dass die von uns Menschen selbst erzeugte bewegungsfeindliche Umwelt und das damit im Zusammenhang stehende Arbeits- und Freizeitverhalten auf Dauer unserer Gesundheit nicht zuträglich ist. Nach Hurrelmann besteht deshalb Anlass zur Sorge um das körperliche, seelische und soziale Wohl der Kinder. Ärzte bescheinigen vielen Kindern Haltungsschwächen, Übergewicht und Bewegungsauffälligkeiten. Auch Graf, Koch, Petrasch & Dordel betonen, dass bei Bewegungsmangel im Kindesalter die gleichen negativen Folgen wie im Erwachsenalter entstehen. Dazu gehören Herzkreislauferkrankungen, Übergewicht, Überbelastung des Halte- und Bewegungsapparates und Isolation. Als Ursache für die ansteigende Zahl haltungsgeschwächter und übergewichtiger Kinder kann Bewegungsmangel angenommen werden. In Deutschland sind nach Ziroli & Doring, je nach Definition, bis zu 20 % aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Die Prävalenz der Adipositas nimmt weltweit in allen Industrienationen zu.

Sönnichsen, Weineck und Köstermeyer wiesen in ihrer Studie nach, dass bereits bei Schulanfängern zu einem hohen Prozentsatz kardiovaskuläre Risikofaktoren gefunden werden.

Bewegung ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Kinder erschließen durch Bewegung ihre Welt und gewinnen so vielfältige Einsichten über sich und ihre Umwelt. Bewegungsfähigkeit sowie seelische und kognitive Entwicklung hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Schaffner betont, dass die widersinnige Trennung von Körper, Geist und Seele in der heutigen kopflastigen Zeit erkannt und korrigiert werden muss.

Um die Ergebnisse der Untersuchung und die Entwicklung von Kindern besser nachvollziehen zu können werden im ersten, theoretischen Teil die Grundlagen der Entwicklung von Vorschulkindern dargestellt. Darüber hinaus wird im Kapitel 2.2.2 ein Vergleich zwischen der Kindheit früher mit der Kindheit heute vorgenommen. Hat sich die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder verändert? Diese Frage wird in Kapitel 2.2.3 diskutiert. Im Anschluss werden einige Studien über die motorische Leistungsfähigkeit heutiger Kinder dargestellt. Aufgrund fehlender Studien über luxemburger Vorschulkinder, wurden drei Studien aus Deutschland und eine aus Schottland ausgewählt. Des Weiteren werden die Folgen der veränderten Kindheit zusammenfassend erläutert, sowie einige Maßnahmen für eine kindgerechte Erziehung aufgelistet. Das Kapitel 2.3 stellt das Projekt ‘Kids in Bewegung’ vor und liefert erste Ergebnisse der durchgeführten Untersuchung. Weiterhin erfolgt in Kapitel 3 eine Beschreibung und Darstellung der Untersuchung. Im empirischen Teil der Arbeit wird untersucht, ob sich die motorische Leistungsfähigkeit der luxemburger Vorschulkinder verändert hat. Zusätzlich wird der Vergleich zwischen Jungen und Mädchen in den einzelnen Testaufgaben dargestellt. Die gewonnenen Daten werden anschließend mit der Normtabelle von 1980 verglichen und ausgewertet. Des Weiteren erfolgt ein Vergleich bezüglich der motorischen Leistungsfähigkeit von Stadt- und Landkindern. Da die physiologischen, motorischen, kognitiven und sozialen Funktionen in einem engen Zusammenhang stehen, werden einige Zusammenhänge im Kapitel 4.3 überprüft. Die gewonnenen Resultate der Untersuchung werden in Kapitel 5 diskutiert. Abschließend erfolgt in Kapitel 6 eine Zusammenfassung und ein Ausblick auf die zu erwartenden zukünftigen Entwicklungen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 7
2. THEORETISCHE AUFARBEITUNG DES PROBLEMFELDES 9
2.1 Grundlagen der Entwicklung im Vorschulalter 9
2.1.1 Definition von Entwicklung 9
2.1.2 Physiologische Entwicklung 11
2.1.3 Motorische Entwicklung 16
2.1.4 Kognitive Entwicklung 20
2.1.5 Soziale Entwicklung 25
2.1.6 Zusammenfassung 29
2.2 Veränderte Kindheit und ihre Folgen 31
2.2.1 Kindheit im Wandel 31
2.2.2 Verändert sich die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern? 34
2.2.3 Bisherige Studien zur motorischen Leistungsfähigkeit von Kindern 36
2.2.4 Folgen von Bewegungsmangel im Kindesalter 49
2.2.5 Maßnahmen für eine kindgerechte Entwicklung 52
2.2.6 Zusammenfassung 55
2.3 Projekt ‘Kids in Bewegung’ 58
2.3.1 Projektkonzept 58
2.3.2 Ziel: Aufwertung der Bewegungsfrühförderung 58
2.3.3 Praktische Zielsetzungen 59
2.3.4 Inhalte 59
2.3.5 Förderungsbedingungen 60
2.3.6 Untersuchung im Rahmen des Projekts ‘Kids in Bewegung’ 60
2.3.7 Zusammenfassung 63
2.4 Problematisierende Zusammenfassung 64
3. DARSTELLUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG 66
3.1 Zentrale Fragestellungen 66
3.2 Untersuchungsmethodik 67
3.2.1 Personenstichprobe 67
3.2.2 Variablenstichprobe 68
3.2.3 Ablauf der Untersuchung 95
3.3 Operationalisierte bzw. statistische Hypothesen 99
3.4 Statistik 101
4. ERGEBNISSE 102
4.1 Ergebnisse der Untersuchung 102
4.1.1 Der Summenscore der Kindergärten 102
4.1.2 Mittelwert des Standardwertes 103
4.1.3 Vergleich der Mittelwerte des Standardwertes von Jungen und Mädchen 103
4.1.4 Klassifikation der motorischen Leistung 104
4.2 Motorische Untersuchung 106
4.2.1 Ergebnisse der einzelnen Testaufgaben 106
4.2.2 Motorische Dimensionen 113
4.2.3 Ergebnisse von 1980 und 2005 121
4.2.4 Vergleich der Ergebnisse von Stadt- und Landkindern 124
4.2.5 Vergleich der motorischen Leistungsfähigkeit und der Mitgliedschaft in einem Verein 126
4.3 Motorische Untersuchung und Fragebogen 130
4.3.1 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und der Anzahl der Bewegungsaktivitäten der Kinder 130
4.3.2 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und den Sportaktivitäten des sozialen Umfeldes des Kindes 132
4.3.3 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und den allgemeinen schulischen Leistungen der Kinder 134
4.3.4 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und dem Körpergewicht der Kinder 135
4.3.5 Interesse der Kinder an Bewegungsaktivitäten 136
5. DISKUSSION 138
5.1 Ergebnisse der Untersuchung 138
5.1.1 Unterschied zwischen der durchschnittlich erreichten Punktzahl bei Jungen und Mädchen 138
5.1.2 Ergebnisse von 1980 und 2005 im Vergleich 141
5.1.3 Ergebnisse von Stadt- und Landkindern im Vergleich 142
5.1.4 Ergebnisse von Kindern, die Mitglied in einem Verein sind, und Kindern die nicht Mitglied in einem Verein sind im Vergleich 143
5.2 Überprüfung der Zusammenhangshypothesen 144
5.2.1 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und der Anzahl der Sportaktivitäten der Kinder 144
5.2.2 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und den Sportaktivitäten des sozialen Umfeldes des Kindes. 145
5.2.3 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und der allgemeinen schulischen Leistungen der Kinder 146
5.2.4 Zusammenhang zwischen der motorischen Leistungsfähigkeit und dem Körpergewicht der Kinder 147
5.2.5 Interesse an Bewegungsaktivitäten 147
6. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 149
LITERATURVERZEICHNIS 155

Textprobe:

Kapitel 2.2, Veränderte Kindheit und ihre Folgen:

Dieses Kapitel behandelt die Folgen der veränderten Kindheit. Es erfolgt zunächst ein Vergleich der Kindheit heute mit der Kindheit früher. Hat sich die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern verändert? Da keine Studien über die motorische Leistungsfähigkeit luxemburger Vorschulkinder vorliegen, werden drei Studien aus Deutschland und eine aus Schottland näher erläutert. Im Anschluss werden die Folgen der veränderten Kindheit zusammenfassend dargestellt, sowie einige Maßnahmen der kindgerechten Entwicklung beschrieben.

Kindheit im Wandel:

Seit einiger Zeit lässt sich ein zunehmendes Interesse an der veränderten Lebenswelt von Kindern feststellen. Ein Grund liegt ohne Zweifel in dem schnellen sozialen Wandel unserer Zeit. Kindheit ist nach Prenner zu allen Zeiten das Resultat gesellschaftlicher und kultureller Beeinflussung und Prägung gewesen. Wenn nach dem Wandel der Bewegungswelt gefragt wird, muss nach Schmidt der Bewegungs-Alltag von Kindern früher und heute rekonstruiert werden. Hengst berichtet, dass es wenige Untersuchungen gibt, die den historisch einmaligen Versuch der ‘Eroberung des Kindes durch die Wissenschaft’ rekonstruiert und die Selbstverständlichkeit hinterfragt haben, mit der die Verwissenschaftlichung sich entwickeln konnte. Hengst betont, dass sich in den letzten beiden Jahrzehnten eine Forschung etabliert hat, die sich intensiv mit der Kritik wissenschaftlicher Konstrukte beschäftigt. Nach Schmidt bedeutet Alltag, dass das Leben von Kindern an bestimmten Orten (im Hause, auf der Straße und der nahen Wohnumgebung) und in bestimmten Institutionen (Familie, Schule und Vereine) im Umgang mit anderen Menschen (Gleichaltrige, Erwachsene und bestimmte Erziehungspersonen) stattfindet. Im folgenden Kapitel wird näher auf die Kindheit von früher und heute eingegangen.

Kindheit früher:

Nach Schmidt hielten sich die Kinder der 50er Jahre, so lange es irgendwie ging, jeden Nachmittag, Sommer wie Winter, im Freien auf. Die wichtigste Form von Freizeit in der Nachkriegszeit, war das gemeinsame Spielen unter Nachbarskindern. Die Kinder aus der Nachbarschaft suchten Bolzplätze auf und bestimmten selbstständig über ihr Tun und ihre Spiele, ohne der Kontrolle von Erwachsenen, Erziehungspersonen oder gar Institutionen zu unterliegen. Sie wuchsen wie von selbst je nach Alter, Geschlecht und sportlichem Können in eine natürliche Spiel- und Sportspiel-’Kultur’ hinein. Zusätzlich lernten die Kinder von Älteren nicht nur vielfältige Spiele selbst kennen, sondern auch deren technische Regeln und Vereinbarungen auf Gegenseitigkeit, da die Art der Überwachung und Regeleinhaltung ihnen selbst auferlegt war. Diesen Straßenspiele können nach Schmidt aus heutiger Sicht drei verschiedene sportpädagogische Funktionen zugeschrieben werden:

- Motorischer Aspekt: Implizites Erlernen der Grob- und Feinmotorik durch körperliche Auseinandersetzung mit motorischen Alltagsanforderungen.

- Sozialer Aspekt: Entwicklung eines Regelbewusstseins, Sozialverhaltens und moralischen Urteils durch Aushandeln und Einhaltung von Spielregeln.

- Kognitiver Aspekt: Impliziter Erwerb von sinnvollen Strategien, um die Spielerrollen auszufüllen und auszugestalten.

Nach Schmidt waren in der Nachkriegs- und Wiederaufbauphase die Funktionstrennungen und Spezialisierungen von Räumen vorübergehend aufgehoben, d. h. vieles fand da statt, wo man wohnte. Familienwohnungen, Straßen und nahe Wohnungen bildeten in den 50er Jahren einen intensiv und multifunktional genutzten Raum, indem es nicht wie heute ausgegrenzte Spezialräume für Kinder gab.

Kindheit heute:

Die Lebensbereiche der Kinder waren noch nie so weitgehend gesellschaftlich vereinnahmt und durch gesellschaftliche Strukturen geprägt wie heute. Dietrich erklärt, dass das Hineinwachsen der jungen Generation nicht mehr über die Verständigung untereinander, sondern mit erwachsenen Personen in einem überschaubaren sozialen Milieu erfolgt. Geld, Technik, Recht und Massenkommunikation sind die Medien, aus denen Jugendliche ihre Weltorientierungen beziehen.

Auch Kiphard berichtet, dass sich unsere Lebensweise und die unserer Kinder in einem noch nie da gewesenem Tempo verändert hat. Wir leben mitten im Medien- und Computerzeitalter. Nach Köckenberger schauen 80 % der Kinder und Jugendlichen täglich Fernsehen und 20 % spielen jeden Tag längere Zeit Video- und Computerspiele. Schon drei- bis fünfjährige Kinder schauen im Durchschnitt täglich 80 Minuten Fernsehen und werden dadurch ohne Zweifel zu Passivität gezwungen.

Zimmer arbeitete einige Aspekte des sozialen Wandels von Kindheit heraus. Sie berichtet, dass freie Spiel- und Bewegungsräume verschwinden und durch institutionalisierte, organisierte Spiel- und Sportghettos ersetzt werden. Des Weiteren werden die Kinder von der Straße in die Häuser verdrängt, wo die engen Wohnungen ein Platz sparendes, leises, körperloses Spielen verlangen. Das führt dazu, dass viele Kinder mehr Zeit vor dem Fernseher als im freien Spiel oder bei anderen Bewegungsaktivitäten verbringen.

Die Sinne werden nach Zimmer nur noch einseitig gefordert und die Wirksamkeit des eigenen Handelns wird in der Betätigung von Hebeln, Knöpfen und Steuertasten erfahren. Der Körper wird so zunehmend aus dem Lebensalltag verdrängt. Zimmer kritisiert, dass durch diese Passivität der Kinder die Bewegungs- und Spieltraditionen verloren gehen. Das führt nach Kiphard zu Erregungs- und Gefühlsstauungen mit erhöhter Bedürfnisspannung. Die Folgen davon sind Ablenkbarkeit, Reizbarkeit, Überaktivität, Bewegungsunruhe mit Neigungen zu Störverhalten und aggressiven Kurzschlussreaktionen . Auch Zimmer erkennt, dass aufgrund von mangelnden Verarbeitungsmöglichkeiten der Reize, die auf die Kinder einströmen, es in zunehmendem Ausmaß zu Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung und zu Verhaltensauffälligkeiten kommt.

Es sind vor allem die Kinder, die den Preis der zunehmenden Technisierung zahlen. Viele Entwicklungs- und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder sind als Symptome für Stress zu verstehen.

Des Weiteren hält auch Brinkhoff fest, dass die Heranwachsenden einen hohen Preis für die fortschreitende Differenzierung und gleichzeitige Individualisierung des Alltagslebens zahlen. Sie müssen die rasche Veränderungen ihrer Lebenswelt und vorherrschender Sinn- und Wertemuster und einen gleichzeitigen Aufbau von personaler Identität, sowie umfassender Handlungskompetenz erfolgreich bewältigen.

Arbeit zitieren:
Majerus, V. September 2005: Untersuchung zur motorischen Leistungsfähigkeit luxemburger Vorschulkinder, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Motorik, Leistungsfähigkeit, Vorschulkinder, Bewegungsmangel, MOT 4

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