Untersuchung ausgewählter sportwissenschaftlicher Führungsmodelle aus betriebswirtschaftlicher Sicht - Eine kritische Studie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Nina Falkenhain
- Abgabedatum: August 2008
- Umfang: 48 Seiten
- Dateigröße: 258,9 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- Bibliografie: ca. 59
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2272-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Falkenhain, Nina August 2008: Untersuchung ausgewählter sportwissenschaftlicher Führungsmodelle aus betriebswirtschaftlicher Sicht - Eine kritische Studie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sport, Führung, Team, Charisma, Führungsmodell
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Diplomarbeit von Nina Falkenhain
Einleitung:
Die folgende Arbeit ist eine Diplomarbeit, die im Bereich Wirtschaftswissenschaften für den Lehrstuhl Personalführung und Organisation angefertigt wurde. Betriebswirtschaftliche Führungsfragen sind in Unternehmen allgegenwärtig und der Umgang mit ihnen kann maßgeblich über den Organisationserfolg entscheiden. Die zentrale Herausforderung für Führung besteht darin, die Geführten zu einem den Unternehmenszielen entsprechenden Verhalten zu bewegen.
Doch Führung ist auch eine Erscheinung unserer Alltagswelt und vollzieht sich nicht nur im Unternehmenskontext. Sie existiert auf vielen gesellschaftlichen Ebenen und verschiedene Wissenschaftsdisziplinen beschäftigen sich mit Führungsfragen. Über den Tellerrand der Betriebswirtschaftslehre hinaus kann der Blick zum Beispiel auf die Sportwissenschaften gerichtet werden. Zahlreiche Autoren beschäftigen sich mit Führungsfragen im Sportzusammenhang: Weibler et al., Kryzewski sowie Chelladurai und Quek untersuchen den Basketballsport, Bar-Eli und Schack konzentrieren sich auf Handball, Westerbeek und Smith auf den Motorsport sowie Peters , Sprenger und Eisenberg und Schulte auf den Fußball. Die Führung von Mannschaften und Einzelathleten ist ein zentraler Bestandteil des Alltags im Sport und für Trainer stellt sich das Problem täglich neu Athleten zu hohen Leistungen zu führen. Mit diesem Problem sehen sich auch Führungskräfte in Unternehmen konfrontiert: „Man mag es neutral betrachten, bedauern oder auch verteufeln, aber die Spielregeln lauten für Spitzenleistungen im Sport und im übertragenden Sinne auch in den meisten Bereichen des Wirtschaftslebens der Industriegesellschaften: schneller, höher, weiter!“.
Abseits der bekannten, betriebswirtschaftlich geprägten Führungsforschung sind im Bereich der Sportwissenschaften Führungsmodelle entwickelt worden, die speziell den strukturellen Begebenheiten im Sportgeschehen Rechnung zu tragen versuchen. Die Autoren Westerbeck und Smith gehen davon aus, dass ein interdisziplinärer Blick in die sich ständig und schnell wandelnde Sportwelt durchaus Hilfestellungen geben kann beim Umgang mit der Dynamik heutiger Unternehmen.
Ziel dieser Diplomarbeit ist ein Zugang zu ausgewählten betriebswirtschaftlichen und sportwissenschaftlichen Führungsmodellen und die Nutzung sportwissenschaftlicher Erkenntnisse für die Betriebswirtschaftlehre. Dadurch soll ein erweiterter Blick auf das Führungsphänomen ermöglicht werden und schlussendlich konkrete Handlungsempfehlungen für Führungskräfte in Unternehmen abgeleitet werden, die die betriebswirtschaftlichen Vorstellungen ergänzen. Hauptfrage dieser Arbeit ist folglich:
Inwieweit sind die Erkenntnisse der Sportwissenschaften übertragbar auf Führungsbeziehungen in unternehmerischem Kontext?
Zur strukturierten Bearbeitung dieser Fragestellung erfolgt zunächst der inhaltliche Einstieg ins Thema durch eine Bestimmung des Führungsbegriffes und -verständnisses aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Darauf aufbauend werden ausgewählte betriebswirtschaftliche Führungstheorien vorgestellt. Die Wahl fiel auf zwei wertorientierte Führungstheorien: der Ansatz der charismatischen Führung der Autoren House und Shamir sowie die Theorie der transformationalen Führung von Bass. Darauf aufbauend werden Handlungsempfehlungen für Führungskräfte im unternehmerischen Kontext vorgestellt.
Dann folgt der Blick auf die Sportwissenschaft, und es werden Führungsbegriff und -verständnis aus sportwissenschaftlicher Perspektive dargestellt. Nach einer darauf aufbauenden Darstellung bedeutender Führungsmodelle der Sportwissenschaften von Smith, Smoll und Hunt sowie von Chelladurai und Horn erfolgt eine ausführliche Darstellung wichtiger Dimensionen des Führungsverhaltens im Sport in Form von Handlungsempfehlungen, die hohe Leistung und Zufriedenheit fördern.
Im folgenden vierten Kapitel wird erörtert, inwieweit Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den betrachteten Führungsansätzen bestehen und ob beziehungsweise inwieweit die Führungsforschung der Sportwissenschaften positive Erkenntnisse für die Betriebswirtschaftslehre bereitstellen kann.
Den Abschluss der Arbeit bildet eine kritische Würdigung des Themas. Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse und Thesen werden weitere Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven aufgezeigt.
Die Autorin merkt an, dass ihr die Beschäftigung mit einem sportwissenschaftlichen Thema zur Zeit der Fußball-Europameisterschaft besondere Freude bereitet hat. Aus diesem Grund erlaubt sie sich auch an einzelnen Stellen Zitate und Anmerkungen aus populärwissenschaftlichen Zeitschriften. Denn am an den USA orientierten Führungskonzept des Trainers der deutschen Nationalmannschaft, Jogi Löw, lassen sich einige der dargestellten theoretischen Annahmen an einem praktischen Beispiel verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Führung aus betriebswirtschaftlicher Sicht | 3 |
| 2.1 | Führung im betriebswirtschaftlichen Kontext | 3 |
| 2.2 | Ausgewählte betriebswirtschaftliche Führungstheorien | 6 |
| 2.2.1 | Die charismatische Führungstheorie von Robert House und Boas Shamir | 6 |
| 2.2.2 | Die Theorie der transformationalen Führung von Bernard Bass | 9 |
| 2.3 | Handlungsempfehlungen | 12 |
| 3. | Führung aus sportwissenschaftlicher Sicht | 15 |
| 3.1 | Führung im sportwissenschaftlichen Kontext | 16 |
| 3.2 | Ausgewählte sportwissenschaftliche Führungsmodelle | 17 |
| 3.2.1 | Das Mediationsmodell der Führerschaft von Ronald Smith und Frank Smoll | 17 |
| 3.2.2 | Das mehrdimensionale Führungsmodell von Packianathan Chelladurai | 20 |
| 3.2.3 | Das Arbeitsmodell der Führungseffektivität von Thelma Horn | 22 |
| 3.3 | Handlungsempfehlungen | 23 |
| 4. | Übertragung der sportwissenschaftlichen Erkenntnisse auf Führungsbeziehungen im unternehmerischen Kontext | 29 |
| 4.1 | Führender | 31 |
| 4.1.1 | Charisma und Inspiration: Führung braucht Leidenschaft | 31 |
| 4.1.2 | Vision und Gewinnorientierung: Das Ziel nicht aus den Augen verlieren | 32 |
| 4.1.3 | Selbstvertrauen, Respekt und Konsequenz: Gegenseitiger Respekt geht vor Sympathie | 32 |
| 4.2 | Geführter | 33 |
| 4.2.1 | Individuum | 33 |
| 4.2.1.1 | Intellektuelle Stimulanz: Wettbewerbsvorteile durch Know-How | 33 |
| 4.2.1.2 | Sensibilität gegenüber den Geführten: Das Beste aus sich heraus holen | 33 |
| 4.2.1.3 | Training und Umgang mit Niederlagen: Ohne Training keine Leistung | 34 |
| 4.2.2 | Gruppe | 35 |
| 4.2.2.1 | Partizipation: Den Ball direkter spielen | 35 |
| 4.2.2.2 | Identitätsstiftung: Wir sind ein Team | 35 |
| 4.2.2.3 | Teamaufbau und Wechselseitigkeit: Gemeinsam sind wir stark | 35 |
| 4.3 | Führungssituation | 36 |
| 4.3.1 | Management der Infra- und Kommunikationsstruktur: Jeder kann seine Ideen einbringen | 36 |
| 4.3.2 | Konfliktarbeit: Mit Konflikten offen umgehen | 37 |
| 5. | Kritische Würdigung und Ausblick | 37 |
| Anhang | 41 | |
| Literaturverzeichnis | 42 |
Textprobe:
Kapitel 4, Übertragung der sportwissenschaftlichen Erkenntnisse auf Führungsbeziehungen im unternehmerischen Kontext: Die Autorin untersucht nun, ob die unternehmerische Führungslehre von den Führungsansätzen im Sportbereich lernen kann. Zunächst einmal kann festgestellt werden, dass sich viele Dinge, die in Unternehmen geschehen, auch im Sportbereich beobachten lassen. Letzter hat den Vorteil, dass er eine auch im Wirtschaftsleben allgegenwärtige Sprache spricht, die die ganze Welt versteht: Liegt ein Unternehmen im Wettbewerb weit vorne, dann „spielt es in einer anderen Liga“, einige Unternehmen wähnen sich im „Abstiegskampf“ oder stehen „im Abseits“. Westerbeek und Smith identifizieren als Gemeinsamkeiten von Sport und modernen Unternehmen:
Komplexität und Dynamik (teilweise Unberechenbarkeit), große Bedeutung von Training, Streben nach hohen Leistungen sowie nach Loyalität der Konsumenten (Fans beziehungsweise Kunden).
Auch Peters beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen dem Sport- und dem Unternehmensbereich und sieht in Trainern und Athleten Symbole der modernen Arbeit, da es in Unternehmen keine Arbeitsplatzsicherheit mehr gibt: Trainer/Führende übernehmen kurzfristig eine Aufgabe und wechseln anschließend zu einem neuen Verein/Unternehmen. Gleichzeitig können die Spieler/Mitarbeiter selbst nach einem guten Wettkampf/Projekt nicht mehr sicher sein, dass sie das nächste Mal wieder aufgestellt werden. In beiden Wissenschaftsbereichen zielt das Führungsverhalten zudem auf eine Erhöhung der Leistung und Zufriedenheit der Athleten/Geführten ab.
In den vorangegangenen Kapiteln wurden verschiedene Führungsmodelle aus dem betriebswirtschaftlichen und dem sportwissenschaftlichen Bereich vorgestellt. Ergebnisvariablen sind Zufriedenheit und Leistung der Athleten/ Geführten. Zwar lassen sich grundsätzliche Ähnlichkeiten feststellen, jedoch unterscheiden sich die Modelle in ihrer Komplexität, insbesondere darin wie viele verschiedene Einflussvariablen sie differenzieren. Wichtig und allen Modellen inhärent ist die Berücksichtigung der Einflussvariablen Situations-, Trainer-/Führer- und Athleten-/Geführtenmerkmale. Neben diesen Merkmalen werden auch die Zuschreibungen, Erwartungen und Bewertungen des Trainers/Führenden sowie der Athleten/Geführten berücksichtigt. Im betriebswirtschaftlichen, charismatischen Führungsmodell berücksichtigen House und Shamir die Visionsartikulation des Führers, seine Leistungserwartungen, den Ausdruck von Vertrauen sowie seine Sozial- und Werteidentifikation. Von den Geführten werden Motive, Selbstengagement, Wertigkeiten und Erwartungen berücksichtigt. Bass betont im transformationalen Führungsmodell den Einfluss des Führers auf die Bedürfnisse und Werte der Geführten, die von ihm auf ein höheres Wertigkeitsniveau gehoben werden.
Im sportwissenschaftlichen mediationalen Führungsmodell werden die Wahrnehmungen und Erinnerungen sowie die Bewertungsreaktionen der Athleten berücksichtigt, sowie neben dem direkten Trainerverhalten auch dessen Wahrnehmungen bezüglich der Athleteneinstellungen. Im mehrdimensionalen Modell liegt der Betrachtungsschwerpunkt auf einer Übereinstimmung des erforderlichen, realen und erwünschten Verhaltens. Das Arbeitsmodell der Führungseffektivität berücksichtigt auf der einen Seite die Persönlichkeit, Erwartungen, Werte, Ziele sowie das Verhalten des Trainers. Auf der anderen Seite werden die Persönlichkeit, Wahrnehmungen, Interpretationen und Bewertungen sowie Niveau und Art der Athletenmotivation berücksichtigt.
Man kann feststellen, dass Führungspersönlichkeiten im Sportbereich genauso wie in Unternehmen neben den messbaren Anforderungen auch die Persönlichkeit, den Charakter, das private Umfeld und nicht zuletzt die Gefühle der ihnen anvertrauten Menschen berücksichtigen sollten. Die Geführten sollen gefordert und gefördert, angetrieben, aber auch begleitet werden. Gleichzeitig sollten situationale und Merkmale des Führers berücksichtigt werden. Dies kann am Beispiel des Führungsverhaltens von Heiner Brand, Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft, verdeutlicht werden. Brand macht sein eigenes Führungsverhalten abhängig von den Charakteristika der Spieler und der Situation, in der das Team handelt. Damit setzt er um, was die im Rahmen dieser Arbeit vorgestellten Modelle empfehlen: Effektive Führung sollte aus angemessenen Antworten des Führenden zu variablen Gruppendimensionen (Größe, Zusammensetzung, Objekte), zu verschiedenen Gruppenprozessen (Zusammenhalt, Normen, Entscheidungsfindung und Konfliktbewältigung) und zum umfeld- und situationsbedingten Kontext bestehen.
Sportbereich auf unternehmerische Zusammenhänge übertragen. Die Autorin greift hierzu auf das in Kapitel 2.1 vorgestellte Modell der Grundstruktur einer Führungsbeziehung zurück, um die Komponenten der betriebswirtschaftlichen und sportwissenschaftlichen Führungsmodelle einander zuzuordnen. Die einzelnen in den Kapiteln 2.3 und 3.3 vorgestellten Komponenten beziehungsweise Handlungsempfehlungen lassen sich den Elementen der Führungsbeziehung auf die sie sich schwerpunktmäßig beziehen zuordnen: Führender, Geführter (Individuum oder Gruppe) und Führungssituation. Die Komponenten charismatischer, transformationaler und sportwissenschaftlicher Führung sind im Modell in unterschiedlichen Farben dargestellt.
Schon rein optisch ist zu erkennen, dass sich einige Komponenten überschneiden oder ergänzen und sich andere unterscheiden. Auffällig ist vor allem, dass die gruppenbezogenen Komponenten nur im Sportbereich Berücksichtigung finden. Im Folgenden soll insbesondere darauf eingegangen werden, inwieweit die Komponenten von Führung im Sport die betriebswirtschaftlichen Ansätze ergänzen können, weshalb nur jene Komponenten beschrieben werden, die dort wenig oder keine Berücksichtigung finden.
Kapitel 4.1, Führender: Kapitel 4.1.1, Charisma und Inspiration: Führung braucht Leidenschaft: In den betriebswirtschaftlichen Führungsansätzen wird Charisma als inspirierende Eigenschaft des Führenden beachtet. Im Sport ist Leidenschaft stark ausgeprägt: Sportveranstaltungen erwecken bei Fans, Athleten und den beteiligten Mitarbeitern ein hohes Engagement, Loyalität und Inspiration. An dieser Leidenschaft können sich unternehmerische Führungskräfte orientieren, um die Bindung von Kunden und Mitarbeitern an das Unternehmen und seine Produkte zu intensivieren. Dies geschieht durch Emotionalisierung und das Hervorrufen von Gefühlen. Der Führende sollte seine Kommunikation inspirierend und enthusiastisch gestalten, Stolz und Hingabe steigern und symbolisches Führungsverhalten zeigen. Michael Ballack, Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sagt über seinen Trainer Jogi Löw: Er „verkörpert absoluten Willen, absolute Überzeugung, denkt und wirkt positiv. Das färbt auf die Spieler ab. Sie glauben dem Trainer und folgen ihm. Joachim Löw hat die hundertprozentige Anerkennung der Mannschaft“.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836622721
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Sport, Führung, Team, Charisma, Führungsmodell



