Untersuchung der Möglichkeiten zur Schaffung, Bewertung und Realisierung von Synergiepotenzialen in der Logistikbranche
Dargestellt anhand von Fallbeispielen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Hoeft
- Abgabedatum: August 2006
- Umfang: 99 Seiten
- Dateigröße: 914,4 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf Deutschland
- Bibliografie: ca. 44
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9945-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9945-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9945-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hoeft, Michael August 2006: Untersuchung der Möglichkeiten zur Schaffung, Bewertung und Realisierung von Synergiepotenzialen in der Logistikbranche, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mergers, Acquisitions, Logistik, Supply Chain Management, Synergie
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Diplomarbeit von Michael Hoeft
Einleitung:
Seit einigen Jahrzehnten wird kontinuierlich zur Synergiethematik bei „Mergers & Acquisitions“ (Fusionen & Übernahmen) geforscht. Dabei wird der Begriff Synergie häufig als Hauptargument und Rechtfertigung für Unternehmenszusammenschlüsse verwendet. Auch in der Logistikbranche wächst das Streben nach positiven Verbundwirkungen stetig. Aufgrund wachsender Transportdistanzen und neuen Wettbewerbern im Rahmen der Globalisierung (Dislozierung), steigenden zeitlichen Anforderungen an den Lieferungsprozess (Supply Chain Management / Just-in-Time), sowie durch neue gesetzliche Umweltvorschriften und Regulierungen (z. B. Recycling / Umweltbelastung durch Straßenverkehr) gerät die Branche zunehmend unter Druck.
m diesem zusätzlich wachsenden Kostendruck entgegenzuwirken, schließen sich Logistikunternehmen verstärkt zusammen und erhoffen sich dadurch effiziente Kooperationsvorteile im Sinne von positiven Synergieeffekten. Der Kauf des britischen Logistikdienstleisters Exel durch die Deutsche Post, die Übernahme des Kontraktlogistikers ACR Logistics (früher Hays Logistics) durch Kühne + Nagel oder die Fusion der Reederei CP Ships mit Hapag-Lloyd im letzten Jahr sind jüngste Beispiele für die erhöhte M&A-Aktivität und stellen die Notwendigkeit dieses anhaltenden Konsolidierungsprozesses unter Beweis.
Allerdings sind Übernahmen und die damit verbundenen Synergiepotenziale besonders in der Transport- und Logistikbranche im Vorfeld schwer zu kalkulieren. Bei Logistikern herrschen komplexe Unternehmensstrukturen und der Unternehmenswert ist meist nicht maßgeblich im Anlagevermögen gebunden, sondern zeichnet sich vielmehr durch das Fachwissen der Mitarbeiter, den Spezialisierungsgrad im jeweiligen Logistiksektor sowie durch vertragliche oder mündliche Kundenbeziehungen aus.
Darüber hinaus fehlen bei vielen mittelständischen und kleinen Logistikunternehmen oftmals ausreichende Controllinginstrumente, um eine vollständige Datenbasis für eine realitätsnahe Synergiebewertung bereitzustellen. Zudem wird der Bewertungsprozess nicht nur durch politische und steuerliche Hürden, sondern auch durch kulturelle Barrieren beeinträchtigt. Logistikunternehmen, die überwiegend länderübergreifende bzw. internationale Tätigkeiten ausführen, sind oftmals durch Beteiligungen oder Joint Ventures mit Tochtergesellschaften in den unterschiedlichsten Ländern verbunden. Kommunikationsprobleme und Mentalitätseinflüsse erschweren die Situation. Aber auch Umsatzpotenziale sind kaum zu prognostizieren, denn lediglich kurzfristige mündliche Vereinbarungen mit Kunden sind die Realität und längerfristige Vertragsbeziehungen bestehen kaum.
Deshalb stellt die realistische Einschätzung der künftigen Markt- und Unternehmensentwicklung insbesondere bei Unternehmen in Schwellen- oder Entwicklungsländern die M&A Berater und Logistiker vor eine schwierige Aufgabe. Ungenaue Synergiebewertungen in der Branche sind die Folge. Daraus ergeben sich oftmals überhöhte Kaufpreise für die akquirierten Unternehmen mit gleichzeitig hohen Anforderungen an das Management. Denn ohne ein planmäßiges Handeln nach Abschluss der Kaufverhandlungen werden positive Synergiepotenziale nicht ausgeschöpft6 und die gezahlte Synergieprämie ist nicht rentabel. Beispielsweise musste der Logistikdienstleister Exel in den vergangenen Jahren mehrmals Firmenwerte abschreiben, weil sich Zukäufe – insbesondere die Übernahme von Mark VII und Tibbett & Britten – nicht so entwickelt haben wie erhofft. Als Hauptursache für die negative Geschäftsentwicklung nennt Exel vor allem unvorhersehbare Umsatzeinbußen durch Abwanderungen von Großkunden, aber auch Probleme im neu entstandenen Topmanagement. Folglich wurde das prognostizierte Marktwachstum nicht erreicht und eine effiziente Synergierealisation blockiert.
Über alle Branchen hinweg ist eine mangelnde Quantifizierung und Realisierung von Synergiepotenzialen trotz zahlreicher Untersuchungen zu der Synergiethematik mitverantwortlich für die vielen gescheiterten M&A-Transaktionen vergangener Zeit. Sowohl im Vorfeld werden Fehleinschätzungen getroffen und negative Synergien missachtet, als auch nach der Übernahme werden oft positive Synergieeffekte aufgrund einer mangelnden Realisierung nicht ausgeschöpft. So ist eine realitätsnahe Bewertung von Synergien sowie deren spätere Umsetzung entscheidend für eine Rechtfertigung der Übernahmekaufpreise, aber nicht zuletzt von einer enormen Wichtigkeit für eine erfolgreiche Profitentwicklung des weiteren Geschäfts. Um Risikoinvestitionen im Vorfeld erkennen und eingrenzen zu können, besteht gerade hier enormes Analyse- und Verbesserungspotenzial, denn auch die Literatur zeigt keine einheitlichen Vorgehensweisen zur Bewertung und Realisierung von Synergien.
Gang der Untersuchung:
Ziel dieser Arbeit ist, die angesprochene Problematik bei der Synergiekoordination schwerpunktmäßig in der Bewertungsphase aber auch während der Realisierungsphase aufzugreifen und mögliche Methoden bei Logistikunternehmen anhand von Fallbeispielen darzustellen. Dabei werden Verbesserungspotenziale aufgedeckt und gedankliche Lücken geschlossen.
Zunächst befasst sich die Arbeit, nach einer grundlegenden Definition der Begrifflichkeiten und Eingrenzung der Thematik (Kap. I.), mit einer umfassenden Darstellung der Logistikbranche (Kap. II.).
Darauf folgend werden allgemeine Synergiebegriffe und Entstehungsformen von Synergien erläutert und der betriebswirtschaftliche theoretische Standpunkt zur Synergieforschung wiedergegeben (Kap. III.).
Im nächsten Schritt werden mögliche Bewertungsmethoden zur Synergiequalifizierung und -quantifizierung unter Berücksichtigung logistischer Aspekte dargelegt (Kap. IV.). Die gesammelten Erkenntnisse werden anhand eines Fallbeispiels aus der Logistikbranche verdeutlicht (Kap. V.).
Um die prognostizierten Synergiepotenziale auch in die Realität umzusetzen, werden darauf aufbauend Realisierungsinstrumente im Rahmen eines Synergiemanagements vorgestellt (Kap. VI.). Ein abschließendes Fazit vervollständigt die Arbeit (Kap. VI.). Angesichts der Breite der umrissenen Themen bedarf es einer Eingrenzung, die sich auf die folgenden drei Felder beschränkt.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| I. | Einleitung | 1 |
| 1. | Problemstellung und Ziel der Arbeit | 1 |
| 2. | Vorgehensweise | 4 |
| 3. | Definitionen sowie Einschränkung des Untersuchungsgebietes | 4 |
| II. | Situation und Trends in der Logistikbranche | 6 |
| 1. | Branchenüberblick | 6 |
| 2. | Gegenwärtige Trends | 13 |
| 3. | M&A-Aktivitäten in der Branche | 21 |
| III. | Synergien | 24 |
| 1. | Begriff und Wesen der Synergien | 24 |
| 2. | Betriebswirtschaftliche Erklärungsansätze für Synergien | 27 |
| 2.1. | Economies of Scale | 28 |
| 2.2. | Economies of Scope | 30 |
| 2.3. | Economies of Density | 31 |
| 2.4. | Economies of Speed | 32 |
| 2.5. | Weitere Erklärungsansätze für Synergien | 33 |
| 3. | Grundlegende Synergiekonzepte | 34 |
| 3.1. | Das Konzept von Ansoff | 35 |
| 3.2. | Das Wertekettenmodell von Porter | 36 |
| 3.3. | Weitere ausgewählte Arbeiten | 37 |
| 4. | Dimensionierung von Synergien | 39 |
| 5. | Bedeutung von Synergien auf den Kaufpreis bei M&A | 45 |
| IV. | Methoden der Synergiebewertung bei M&A | 47 |
| 1. | Zusammenhänge und Einflüsse auf die Bewertung | 47 |
| 1.1. | Berücksichtigung der Transaktionsrichtung | 47 |
| 1.2. | Berücksichtigung der Informationsgewinnung | 48 |
| 1.3. | Berücksichtigung von Integrationseinflüssen | 50 |
| 2. | Identifizierung von Synergiepotenzialen | 51 |
| 3. | Messung und Bewertung von Synergien | 54 |
| 3.1. | Qualitative Bewertungsverfahren | 54 |
| 3.1.1 | Stärken-/Schwächenprofil | 54 |
| 3.1.2 | Scoring Modell | 55 |
| 3.1.3 | Szenario-Technik | 56 |
| 3.2. | Quantitative Bewertungsverfahren | 57 |
| 3.2.1 | Inkrementale vs. synoptische Methode | 57 |
| 3.2.2 | Berechnung synergetischer Teilwirkungen | 60 |
| 4. | Spezifika in der Logistik | 65 |
| V. | Anwendung eines Verfahrensmodells zur Synergiequantifizierung bei Mergers & Acquisitions in der Logistik | 69 |
| 1. | Methodische Vorüberlegungen | 69 |
| 2. | FALLBEISPIEL | 71 |
| 2.1. | Unternehmensprofile | 71 |
| 2.2. | Ist - Analyse | 74 |
| 2.3. | Qualitative Bewertung | 75 |
| 2.4. | Inkrementale Quantifizierung | 76 |
| 2.5. | Ermittlung des Synergiebarwertes | 79 |
| VI. | Synergiemanagement als Koordinationsinstrument zur Synergierealisierung | 80 |
| 1. | Strukturierter Maßnahmeplan | 82 |
| 2. | Integration und interne Anreizstrukturen | 83 |
| 3. | Synergiecontrolling | 84 |
| VII. | Fazit und kritische Würdigung | 87 |
| Quellenverzeichnis | 89 |
Kapitel 2: Im Vergleich zu früherer Zeit entwickeln sich seit den 90er Jahren insbesondere durch die Einführung des kostengünstigen Internets weltweite Informations- und Kommunikationstechnologien rasant schnell. Standardisierungen von PC-Systemen oder einheitliche Codierungsmechanismen (EAN) sowie internationale Richtmaße im Bereich Verpackungen und Ladegefäßen durch die International Standarts Organization (ISO) unterstützen diesen anhaltenden Prozess. Darüber hinaus werden politische, ideologische und zolltechnische Grenzen zwischen den Ländern und Regionen zunehmend aufgehoben.
Insbesondere durch den Zusammenbruch der sozialistischen Wirtschaftsordnungen und die Fortschritte der Integration Europas wächst die globale Wirtschaft zusammen. Vor allem aber trägt auch die zunehmende Nutzung der englischen Sprache als Weltsprache der Wirtschaft dazu bei, dass frühere Hindernisse der weltwirtschaftlichen Zusammenarbeit kontinuierlich verschwinden. Über den gesamten Globus verteilt ergeben sich dadurch neue Märkte für Hersteller und Dienstleister. Allerdings bringt dieser Prozess des weltweiten Zusammenwachsens nicht nur Vorteile für die Unternehmen mit sich, denn auch neue Wettbewerber treten auf den Märkten auf und bringen nicht selten massive Kostenvorteile aus den Heimatländern mit.
Folglich steigt zwar der Bedarf an weiträumigen Transportleistungen, sowie an Lager-, Umschlags-, Kommunikations- und Planungsdienstleistungen, jedoch entstehen auch ungekannte Verschärfungen des Wettbewerbs und ein enormer Preisdruck durch den weltweiten Waren- und Kommunikationsstrom im Rahmen der Globalisierung.
Ein weiterer Trend resultiert aus der Marktentwicklung vom Verkäufer- zum Käufermarkt. Aufgrund der Notwendigkeit, Produkte nach speziellen Kundenwünschen anfertigen und auf Sonderwünsche sofort reagieren zu müssen, werden Produktionen auf Vorrat und Lagerhaltung immer ineffizienter. Durch die schnelle Entwicklung von neuen Technologien und Innovationen, sowie durch immer kürzere Produktlebenszyklen (z.B. PC-Branche, Mobiltelefone oder Modeartikel), äußert sich die Nachfrage nach Gütern und logistischen Dienstleistungen in immer kleineren Produktions- und Auftragslosen bei höherem Termindruck und mit den Erwartungen nach größter Termintreue.
Durch den Wandel der wirtschaftlichen Situation sind heutzutage nicht mehr preisführende Unternehmen die erfolgreichsten, sondern einerseits diejenigen, die als erstes eine neue Technologie entwickeln und diese auf dem Markt realisieren können, und andererseits solche, die am schnellsten auf individuelle Bedürfnisse der Kunden reagieren können. Somit verschwindet auch für die Logistik zunehmend die Bedeutung von Massentransportsystemen. Gefragt sind schnelle, präzise und individuelle Logistikleistungen. Deshalb ergibt sich für Logistiker ein neues wichtiges Aufgabenfeld, nämlich die Reduzierung von Beständen bei gleichzeitigen intelligenten Bündelungen, Steuerungen und Mobilisierungen von Logistikaktivitäten.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832499457
Arbeit zitieren:
Hoeft, Michael August 2006: Untersuchung der Möglichkeiten zur Schaffung, Bewertung und Realisierung von Synergiepotenzialen in der Logistikbranche, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mergers, Acquisitions, Logistik, Supply Chain Management, Synergie



