Untersuchung der Entwicklung und Chrakteristik der Wohnmobilität in Dresden von 1990 bis 2000 unter der besonderen Problematik des Überganges von Wohnungsmangel zum Wohnungsüberangebot
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Holger Oertel
- Abgabedatum: April 2002
- Umfang: 150 Seiten
- Dateigröße: 6,0 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Dresden Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6360-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6360-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6360-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Oertel, Holger April 2002: Untersuchung der Entwicklung und Chrakteristik der Wohnmobilität in Dresden von 1990 bis 2000 unter der besonderen Problematik des Überganges von Wohnungsmangel zum Wohnungsüberangebot, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Migration, Bevölkerung, Stadtentwicklung, Sozialgeographie, Wohnungsmarkt
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Diplomarbeit von Holger Oertel
Gang der Untersuchung:
Mit über 140 innerstädtischen Umzügen je 1000 Einwohner gehörte Dresden im Jahre 1998 zu den Großstädten mit der höchsten Wohnmobilität in Deutschland, obwohl hier zu DDR-Zeiten und noch zu Beginn der 1990er Jahre eine extrem niedrige Umzugsintensität vorherrschte. Dieser „Mobilitätssprung“ in der Mitte der 1990er Jahre und die seit dem bis heute anhaltende hohe Umzugsdynamik ist ein signifikantes sozialgeographisches Merkmal ostdeutscher Städte geworden.
Die vorliegende Diplomarbeit versucht die rasante Wohnmobilitätsentwicklung in Dresden im ersten Jahrzehnt der deutschen Einheit näher zu durchleuchten. Einen wesentlichen Teil der Arbeit nehmen dabei die theoretischen Grundlagen zur Wanderungsforschung und die Beschreibung der Transformationsprozesse des Wohnungswesens in Ostdeutschland ein, welche einen faktenreichen theoretischen Hintergrund darstellen und schließlich das Vorgehen im analytischen Teil begründen.
Im analytischen Teil werden, neben der empirischen Beschreibung des Umzugsgeschehens, Zusammenhänge zwischen Wohnmobilität, Stadt- sowie Wohnungsmarktentwicklung auf Stadt- und Stadtteilebene nachgewiesen.
Als problematisch wird im Ergebnis der Arbeit v.a. gesehen, dass es im Laufe des Jahrzehnts zunehmend zu einer Polarisierung hinsichtlich der Wanderungsbilanzen in bestimmten Stadtteilen gekommen ist und dies eng in Verbindung mit möglichen Auf- und Abwertungsprozessen sowie der Wohnungsleerstandsentwicklung steht. Des Weiteren zeigt sich anhand der Umzugsströme bis zum Jahr 2000 eine Verschiebung der Präferenzen der Umziehenden zunehmend weg vom Baustrukturtyp „Plattenbau“, welcher einen beträchtlichen Teil der Wohnungen in Dresden einnimmt, hin zum (nun sanierten) Altbau. Ebenso zeigen die innerstädtischen Umzugswerte, dass sich der Suburbanisierungsprozess nach 1998 wieder abschwächte.
Zur Ergänzung des eher quantitativ-empirischen Hauptteils werden die Ergebnisse einer Befragung in ausgewählten Zuzugsgebieten (Striesen-Ost, Äußere Neustadt, Nickern, Löbtau-Süd) vorgestellt, welche zeigen, dass alle vier Zuzugsgebiete heute eine unterschiedliche Klientel an Zuziehenden ansprechen und sich somit zunehmend Segregationstendenzen innerhalb Dresdens abzeichnen.
Inhaltsverzeichnis:
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Heranführung an das Thema | 1 |
| 1.2 | Vorgehensweise, Methoden und Umsetzungsprobleme im Überblick | 3 |
| 2. | Wohnmobilität als Gegenstand der Migrationsforschung | 5 |
| 2.1 | Begriffliche und statistische Grundlagen | 5 |
| 2.1.1 | Begriffsabgrenzung und -bestimmung | 5 |
| 2.1.2 | Wichtige Maßzahlen der Wanderungsanalyse | 8 |
| 2.2 | Forschungsansätze der allgemeinen Migrationsforschung | 10 |
| 2.2.1 | Die Untersuchungsebenen in der Migrationsforschung im Überblick | 10 |
| 2.2.2 | Zur Geschichte der Migrationsforschung | 12 |
| 2.3 | Innerstädtische Umzüge als Teil intraregionaler Wanderungen | 16 |
| 2.3.1 | Charakteristik und Typologie | 16 |
| 2.3.2 | Typische Raumstrukturen von Wanderungen in der Stadt - allgemeine Forschungsergebnisse | 20 |
| 2.3.3 | Effekte innerstädtischer Wohnmobilität | 21 |
| 2.3.4 | Ausgewählte Theorie- und Erklärungsansätze zur innerstädtischen Wohnmobilität | 25 |
| 2.3.4.1 | Das Lebenszykluskonzept als grundlegender Erklärungsansatz | 25 |
| 2.3.4.2 | Lebensstile und Wohnmobilität | 28 |
| 2.3.4.3 | Die Mikroansätze von ROSSI und BROWN/MOORE | 30 |
| 2.3.4.4 | Zusammenhänge zwischen Wohnmobilität und Wohnungsmarkt | 32 |
| 2.3.4.5 | Push-/Pull-Faktoren und Motivbefragungen | 34 |
| 2.3.4.6 | Anwendbarkeit der Theorieansätze in dieser Arbeit | 36 |
| 3. | Zur Situation in Ostdeutschland | 37 |
| 3.1 | Stadtentwicklung und Migration in der DDR | 38 |
| 3.1.1 | Städtebau und Wohnungswesen | 38 |
| 3.1.2 | Möglichkeiten und Formen von Wohnungswechseln in der DDR | 41 |
| 3.2 | Strukturwandel im Bereich des Wohnens in den 1990er Jahren | 44 |
| 3.2.1 | Transformationsprozesse des Wohnungswesens in der ehemaligen DDR seit 1990 und deren Auswirkungen auf die Wohnmobilität | 44 |
| 3.2.2 | Konzept der Mobilitätstransformation in den Städten der neuen Bundesländer | 47 |
| 4. | Charakterisierung Dresdens als Untersuchungsgebiet | 49 |
| 4.1 | Zur Siedlungsgenese Dresdens vor 1945 | 49 |
| 4.2 | Wohnungsbau in Dresden zwischen 1945 und 1989 | 51 |
| 4.3 | Entwicklung des Wohnungsbestandes nach 1989 - Entstehung eines Wohnungsmarktes | 53 |
| 4.4 | Die räumliche Gliederung Dresdens | 58 |
| 4.4.1 | Die administrative Gliederung - Grundlage der amtlichen Statistik | 58 |
| 4.4.2 | Gebietsgliederung nach Baustruktur | 60 |
| 5. | Innerstädtische Wanderungen in Dresden in den 1990er Jahren | 63 |
| 5.1 | Besonderheiten der Auswertung und methodisches Vorgehen | 63 |
| 5.2 | Innerstädtische Umzüge auf gesamtstädtischer Betrachtungsebene | 65 |
| 5.2.1 | Zur Größenordnung der innerstädtischen Umzüge in den 1990er Jahren | 65 |
| 5.2.2 | Vergleich innerstädtischer Wohnmobilität mit anderen deutschen Großstädten | 67 |
| 5.2.3 | Unterteilung der innerstädtischen Umzüge nach Altersklassen | 68 |
| 5.3 | Analyse und Typisierung der Wanderungsvorgänge auf Stadtteilebene | 71 |
| 5.3.1 | Analyse nach Wanderungskennziffern | 71 |
| 5.3.1.1 | Entwicklung des innerstädtischen Wanderungsvolumen/-intensität | 71 |
| 5.3.1.2 | Entwicklung der innerstädtischen Zuzugsraten nach Stadtteilen | 73 |
| 5.3.1.3 | Entwicklung der innerstädtischen Fortzugsraten nach Stadtteilen | 74 |
| 5.3.1.4 | Innerstädtischer Wanderungssaldo | 75 |
| 5.3.1.5 | Zusammenfassende Betrachtung und absehbare Trends | 79 |
| 5.3.2 | Wanderungsströme innerhalb Dresdens | 81 |
| 5.3.2.1 | Zur Untersuchung von Wanderungsströmen in Dresden | 81 |
| 5.3.2.2 | Analyse der Wanderungsströme | 82 |
| 5.3.2.2.1 | Allgemeine Trends | 82 |
| 5.3.2.2.2 | Wanderungsverflechtungen nach Baustrukturtypen | 84 |
| 5.4 | Direkte Zusammenhänge zwischen Wanderungsstatistik und anderer Aggregatdaten | 86 |
| 5.5 | TeilstandardisierteErgänzungsbefragung | 87 |
| 5.5.1 | Auswahl der Untersuchungsgebiete | 87 |
| 5.5.2 | Ergebnisse der Befragung | 88 |
| 6. | Stadtplanung und innerstädtische Wanderungen - Besteht Handlungsbedarf? | 94 |
| 7. | Fazit und Ausblick | 96 |
| Quellenverzeichnis | 106 | |
| Anhang |
Angefangen hatte die Geschichte Dresdens als kleiner deutscher Handelstützpunkt im 13. Jahrhundert neben einem schon vorhandenen sorbischen Dorf namens Drežd’ane. Mit der Entscheidung 1485 Dresden als Residenzstadt auszubauen wurde der Grundstein für eine bevorzugte Entwicklung hinsichtlich der Landespolitik gelegt.174 In der Mitte des 18. Jahrhundert zur Hochzeit des Absolutismus begann Dresden zunehmend an Größe und Bedeutung zu gewinnen. „Die Geschichte Dresdens in den Jahrzehnten nach 1850 ist vor allem eine Geschichte der Industrialisierung, der weiteren flächenmäßigen Ausdehnung der Stadt, des rapiden Anwachsens der Bevölkerungszahl und der Verschärfung sozialer Spannungen und Konflikte gewesen. Dresden entwickelte sich unaufhaltsam zur Großstadt.“175 Das Anwachsen der Bevölkerung war v.a. das Ergebnis intensiver Land-Stadt-Wanderungen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte Dresden zu den vier größten Städten in Deutschland (noch einwohnerstärker als z.B. Köln), der Zuwanderungsgewinn um 1900 [...]
GÖLER (1999) formulierte die eben grob beschriebene Entwicklung in ein Phasenmodell zur Transformation der Wohnmobilität in Ostdeutschland, dabei handelt es sich um eine Anlehnung an das Konzept des Mobilitätsüberganges von ZELINSKY (1971). Leitgedanke des Modells ist es allerdings, dass es sich in Ostdeutschland um eine einmalige Entwicklung handelt (Entwicklung im Zeitraffer), die sich zeitlich sehr exakt bestimmen und untergliedern lässt (zur räumlichen Verdeutlichung siehe Abbildung 7).172 Das Modell, welches speziell die Transformation in Mittelstädten beschreibt, wird von GÖLER in drei Phasen unterteilt. Die prätransformative Phase (1), der angepassten Immobilität, entspricht den Verhältnissen in der DDR bis zum Herbst 1989. Wie oben [...]
2000 annähernd gleich zufrieden mit Wohnungsausstattung, Miethöhe, Gebäudezustand und Wohnumfeldbedingungen wie die Haushalte in Westdeutschland.168 Mit der starken Bau- und Sanierungstätigkeit setzte eine allgemeine Mobilisierung der Haushalte hinsichtlich der Umzüge ein, damit verbunden dürfte auch eine relativ starke Verdrängung von Mietern durch Restitution und Sanierung in Altbauten gewesen sein.169 Schon ab 1995 wurden erste hohe Leerstände beklagt, durch weiteren Neubau und allgemeinen Bevölkerungsrückgang wurde daraus ein drückendes Strukturmerkmal ostdeutscher Städte ab der 2. Hälfte der 1990er Jahre. Seit dem Jahre 2001 versucht man von staatlicher und kommunaler Seite und zahlreichen gesellschaftlichen Akteuren mit groß angelegten Stadtumbauprogrammen und integrierten Stadtentwicklungskonzepten das Problem von über 1,2 Mio. leerstehenden Wohnungen in Ostdeutschland verstärkt zu lösen. Der Rückbau von nicht mehr benötigten Wohnungen gehört ebenso dazu wie Wohnumfeldverbesserungen in den Städten.170 Das Überangebot an bewohnbaren Wohnungen führte u.a. dazu, dass im Jahr 2001 die Mieten in Ostdeutschland generell ca. 28% unter dem Preisniveau in Westdeutschland lagen171, zu bedenken sei allerdings dabei auch, dass das Durchschnittseinkommen der ostdeutschen Haushalte noch nicht dem der westdeutschen Haushalte entspricht. 3.2.2 Konzept der Mobilitätstransformation in den Städten der neuen Bundesländer [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832463601
Arbeit zitieren:
Oertel, Holger April 2002: Untersuchung der Entwicklung und Chrakteristik der Wohnmobilität in Dresden von 1990 bis 2000 unter der besonderen Problematik des Überganges von Wohnungsmangel zum Wohnungsüberangebot, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Migration, Bevölkerung, Stadtentwicklung, Sozialgeographie, Wohnungsmarkt



