Unterstützungsmanagement im Alter
Neue Wege des Case Management in der sozialen Arbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Olaf Wessels
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 80 Seiten
- Dateigröße: 4,2 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7695-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7695-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7695-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wessels, Olaf August 2001: Unterstützungsmanagement im Alter, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Case work, Dienstleistung, Kooperationsmodell, demografische Entwicklung, Sozialwesen
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Diplomarbeit von Olaf Wessels
Einleitung:
Die Erfahrungen aus der ambulanten Versorgung und Pflege vor allem älterer und alter Menschen und die damit verbundene sprunghafte Zunahme von privaten Pflegediensten in der Bundesrepublik haben gezeigt, dass unsere Sozialsysteme durchaus den Raum für Privatisierungen im Sozialsektor bieten. Auch die zunehmend zu beobachtenden Outsourcing-Bemühungen staatlicher Institutionen und die Übergabe ihrer Aufgaben an gemeinnützige und private Träger lassen vermuten, dass sich dieser Privatisierungstrend zukünftig noch weiter fortsetzen wird.
Im Rahmen dieser Diplomarbeit soll deshalb geklärt werden, ob - wie bereits in den USA oder in Großbritannien - auch in der Bundesrepublik eine freiberufliche Tätigkeit als Case Manager/-in denkbar ist und in wie weit diese eine Alternative zu einem Beschäftigungsverhältnis in öffentlichen Institutionen, freien Wohlfahrtsverbänden oder anderen Non-Profit-Organisationen im Gesundheits- bzw. Sozialsektor darstellt. Es soll untersucht werden, ob die Arbeit als Freiberufler den Sozialpädagogen und Sozialarbeitern realistische Zukunftsperspektiven hinsichtlich ihrer beruflichen Selbstverwirklichung und der eigenen finanziellen und sozialen Absicherung bietet. Nicht zuletzt soll auf die Frage eingegangen werden, welche Vor- bzw. Nachteile sich für die Adressaten unterstützender Sozialarbeit aus diesem veränderten Berufsbild ergeben.
Da mein Studienschwerpunkt der erwachsene und ältere Mensch ist, soll sich diese Betrachtung schwerpunktmäßig auf dieses Klientel als Adressaten der Unterstützungsleistung beziehen. Gleichwohl gibt es in der Sozialen Arbeit viele weitere Arbeitsfelder in denen Case Management Konzepte zum Einsatz kommen bzw. eingesetzt werden können.
Gang der Untersuchung:
Im zweiten Abschnitt dieser Arbeit soll auf die vielfältigen gesellschaftlichen Entwicklungen und Prozesse eingegangen werden, die die allgemein zu beobachtende, zunehmende Professionalisierung von sozialen Beratungs-, Unterstützungs- und Hilfeleistungen beeinflussen und vorantreiben. Hierbei soll der Schwerpunkt der Betrachtung auf den demographischen und soziologischen Entwicklungen in den Bereichen ältere und alte Menschen, sowie Frauen und Familien liegen.
In Abschnitt drei sollen dann die Begriffe Unterstützungs- bzw. Case Management genauer betrachtet werden. Es werden eine genauere Begriffsbestimmung und verschiedene Begriffsdefinitionen versucht, sowie die Ziele und Funktionen von Case Management benannt. Zudem werden die Adressaten bzw. die Zielgruppen von Case Management Konzepten bestimmt. Weitergehend werden verschiedene Case Management Konzepte aufgelistet und anhand der Bereiche in denen sie eingesetzt werden klassifiziert und unterschieden. Diesen Abschnitt abschließend wird das Arbeitsverhältnis zwischen Case Manager und Klient genauer betrachtet und die verschiedenen Phasen des Unterstützungsprozesses werden beschrieben.
Im vierten Abschnitt dieser Diplomarbeit soll dann ein Ausblick auf eine mögliche freiberufliche Tätigkeit des Sozialpädagogen als selbstständiger Case Manager gewagt werden. Es soll geklärt werden, ob sich hier ein neues Berufsprofil für zukünftige Sozialarbeiter und Sozialpädagogen erschließt, in wie weit sich die freiberufliche Tätigkeit des Case Managers von einem Anstellungsverhältnis unterscheidet und welche Vor- und Nachteile sich für Helfer und Hilfeempfänger aus dieser Selbstständigkeit ergeben.
Weiterhin werden die konkreten Aufgaben, die dem Case Manager im Umgang mit älteren und alten Menschen als Adressaten seiner Unterstützungsleistung zukommen, genauer benannt. Auch der Frage der Finanzierung einer freiberuflichen Tätigkeit im Sozialsektor soll in diesem Abschnitt nachgegangen werden. Hierzu wird ein sich am Beispiel der Berufsbetreuung orientierendes Finanzierungskonzept diskutiert. Zudem soll geklärt werden, welche Rechtsform als im Sozialsektor tätiger Freiberufler sinnvoller Weise zu wählen ist.
Darüber hinaus soll die Kooperation des selbstständigen Case Managers mit anderen im Sozial- oder Gesundheitssektor lokalisierten Freiberuflern diskutiert werden. Hierzu werden von mir drei mögliche Kooperationsmodelle des Sozialpädagogen als Case Manager mit anderen Professionen, z.B. den Allgemeinmedizinern, Hausärzten, Berufsbetreuern oder Psychologen entwickelt, beispielhaft vorgestellt und deren Vor- bzw. Nachteile für die Beteiligten gegenüber gestellt und abschließend bewertet.
Der fünfte Abschnitt fasst die im Rahmen dieser Diplomarbeit gemachten Beobachtungen und Überlegungen bzw. die erzielten Ergebnisse noch einmal kurz zusammen.
Im sechsten und damit diese Arbeit abschließenden Abschnitt erfolgen dann die Gesamtbewertung und die Beurteilung der untersuchten Sachverhalte, sowie ein Ausblick auf zukünftige Perspektiven, die sich durch die Einführung von Case Management Konzepten im bundesdeutschen Sozial- und Gesundheitssektor, für freiberuflich arbeitende Sozialarbeiter und Sozialpädagogen ergeben könnten.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 2 | |
| Abbildungsverzeichnis | 4 | |
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Gesellschaftliche Entwicklungen in der Bundesrepublik | 8 |
| 2.1 | Die Entwicklung unserer Bevölkerung | 8 |
| 2.1.1 | Geburtenhäufigkeit | 9 |
| 2.1.2 | Bevölkerungsstruktur und Altersverteilung | 10 |
| 2.1.3 | Aus- und Zuwanderungen | 13 |
| 2.1.4 | Familien- und Hauhaltsstrukturen | 15 |
| 2.1.5 | Einstellung und Wertorientierung in unserer Gesellschaft | 18 |
| 2.1.6 | Frauen zwischen Erwerbstätigkeit und Familienarbeit | 19 |
| 2.2 | Die Konsequenzen dieser Entwicklung | 20 |
| 3. | Was ist Unterstützungs- bzw. Case Management | 21 |
| 3.1 | Begriffsbestimmung | 21 |
| 3.2 | Definition | 22 |
| 3.3 | Warum brauchen Menschen einen Unterstützungsmanager ? | 25 |
| 3.3.1 | Externe Behinderungen | 25 |
| 3.3.2 | Eigenes Unvermögen | 25 |
| 3.3.3 | Interne Hemmungen | 25 |
| 3.4 | Ziele und Funktionen von Unterstützungs- oder Case Management | 26 |
| 3.4.1 | Der Unterstützungsmanager als „Anwalt“ des Klienten | 27 |
| 3.4.2 | Der Unterstützungsmanager als „Vermittler“ | 28 |
| 3.4.3 | Der Unterstützungsmanager als „Torwächter“ | 29 |
| 3.5 | Case Management Konzepte und ihre Klassifizierung | 31 |
| 3.6 | Die verschiedenen Stadien des Unterstützungsmanagements | 34 |
| 3.6.1 | Stadium 1: Verpflichtung oder Engagement | 35 |
| 3.6.2 | Stadium 2: Einschätzung oder Assessment | 35 |
| 3.6.3 | Stadium 3: Planung | 37 |
| 3.6.4 | Stadium 4: Erschließung der Ressourcen | 37 |
| 3.6.5 | Stadium 5: Koordination | 37 |
| 3.6.6 | Stadium 6: Entpflichtung oder Disengagement | 38 |
| 4. | Der Sozialpädagoge als selbstständiger Unterstützungsmanager | 39 |
| 4.1 | Berufliche Selbstständigkeit versus Anstellung in einer Organisation | 39 |
| 4.1.1 | Anstellung oder Selbstständigkeit - eine Gegenüberstellung | 40 |
| 4.2 | Der Unterstützungsmanager als freiberuflicher Dienstleister | 42 |
| 4.2.1 | Das Arbeitsfeld und die Zielgruppe der Unterstützungsleistung | 44 |
| 4.2.2 | Aufgaben des Unterstützungsmanagers | 45 |
| 4.2.3 | Zusätzliche Qualifikationen des Unterstützungsmanagers | 48 |
| 4.3 | Die Finanzierung der freiberuflichen Unterstützungsleistung | 51 |
| 4.3.1 | Die Privatisierung sozialer Dienstleistungen | 52 |
| 4.3.2 | Die Berufsbetreuung als Vorbild eines Finanzierungskonzeptes für freiberufliches Unterstützungsmanagement | 54 |
| 4.4 | Rechtsformen für Freiberufler im Sozialsektor | 56 |
| 4.5 | Der Hausarzt als Ansprechpartner bei gesundheitlichen Problemen und psychosozialen Krisen | 57 |
| 4.5.1 | Kooperation des Hausarztes mit anderen Berufsgruppen | 59 |
| 4.6 | Unterschiedliche Kooperationsmodelle | 60 |
| 4.6.1 | Der Unterstützungsmanager als Angestellter des Hausarztes | 60 |
| 4.6.2 | Der Unterstützungsmanager als selbstständiger Partner des Hausarztes | 63 |
| 4.6.3 | Die Kooperation des Unterstützungsmanagers mit anderen Berufsgruppen und Institutionen | 64 |
| 4.6.4 | Gegenüberstellung der einzelnen Modelle | 67 |
| 5. | Zusammenfassung | 69 |
| 6. | Resümee | 73 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 76 |
• Familie und Wohnen Der Case Manager berät und unterstützt seine Klienten bei Problemen in den Bereichen Familie und Wohnen. Er führt Wohnberatungen mit den Schwerpunkten alten- und behindertengerechtes Wohnen durch und ermöglicht und überwacht, wenn vom Klienten gewünscht, die Umsetzung baulicher Maßnahmen oder unterstützt und organisiert den Umzug in eine altengerechte Wohnung. Er berät bei innerfamiliären Problemen und Spannungen. Diese treten häufig auf wenn Familienmitglieder - zumeist die Kinder alter Menschen - nicht mit der Versorgung und Lebenssituation der Eltern einverstanden bzw. nicht ausreichend darüber informiert sind. Hierbei stehen zumeist finanzielle Aspekte (Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern, Erbproblematiken, etc.) im Vordergrund. [...]
4.2.1 Das Arbeitsfeld und die Zielgruppe der Unterstützungsleistung In diesem Abschnitt soll nun der Kontext genauer bestimmt werden, in dem der Case Manager seine Unterstützungsleistung erbringt. Es soll definiert werden, welche Dienstleistungen der freiberuflich arbeitende Unterstützungsmanager konkret anbieten kann und wer die Adressaten seiner Arbeit sind. Die Dienstleistung des Unterstützungsmanagers soll sich in der Hauptsache an ältere und alte Menschen als Adressaten seiner Arbeit richten. Hier sind vor allem ältere Menschen gemeint, die im privathäuslichen Kontext leben und dort im Rahmen ambulanter Altenhilfe versorgt werden. Dem Unterstützungsmanager fällt hierbei allgemein die Aufgabe zu, den Wünschen seiner Klienten entsprechend, deren längstmöglichen Verbleib in ihrem gewohnten Umfeld sicher zu stellen. Er soll sie bei der selbstständigen Lebensführung unterstützen und falls notwendig auf die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen hin wirken. Denkbar ist es aber auch, dass die Aufgabe des Unterstützungsmanagers darin besteht, alten und älteren Menschen den Umzug in eine altengerechte Wohnung, ein Altenwohn- oder Pflegeheim zu ermöglichen und bei der Umsetzung beratend und unterstützend behilflich zu sein. Auch eine direkte Kooperation des Unterstützungsmanagers mit Trägern und Institutionen der stationären Altenhilfe oder sogar der Kranken- und Pflegekassen selbst ist denkbar. Auch in Alten–, Wohn- und Pflegeheimen oder im Bereich Betreutes Wohnen besteht ein ständiger Bedarf der Bewohner an Beratung, Hilfe und Unterstützung bei privaten oder sozialen Problemen und Krisen, der von den dortigen Mitarbeitern, die in der Regel auf medizinischpflegerische Fragen spezialisiert sind, häufig nur ungenügend befriedigt werden kann. Hier wäre eine Kooperation mit einem externen Case Manager denkbar, der z.B. auf Honorarbasis oder im Auftrag der Kranken- bzw. Pflegekassen arbeitend, zu festgelegten Zeiten den Bewohnern und Mitarbeitern der Institution beratend und unterstützend zur Seite steht. Die Komplexität der oben genannten Bereiche, die gesundheitliche, pflegerische und soziale Aspekte umfassen und die Vielfalt der damit verbundenen Aufgaben erfordern seitens des Unterstützungsmanagers ein ausgeprägtes Expertenwissen auf vielen Gebieten. [...]
Einige Berufgruppen, zu denen auch die selbstständigen Sozialpädagogen und Sozialarbeiter gehören, befinden sich noch immer in einem fortschreitenden Prozess der Professionalisierung. Sie sind weder als Katalogberufe benannt, noch durch die Rechtsprechung als ähnliche Berufe oder Tätigkeitsberufe anerkannt. Trotzdem ist davon auszugehen, dass die überwiegende Mehrheit der Berufsangehörigen aufgrund ihrer Ausbildung, der Arbeitsfelder in denen sie tätig sind und ihrer Berufsbilder den Freien Berufen zuzuordnen ist. Ein anerkanntes Beispiel hierfür ist der Bereich der Berufsbetreuung. Nahezu die Hälfte der bundesdeutschen Berufsbetreuer hat ein Hochschulstudium in Sozialpädagogik oder Sozialarbeit absolviert.23 Das im Rahmen dieser Diplomarbeit diskutierte Konzept einer freiberuflichen Tätigkeit des Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiters als Unterstützungsmanager für ältere und alte Menschen ist sowohl hinsichtlich der beruflichen Ausbildung, des Berufsbildes, als auch des z.T. identischen Arbeitsfeldes mit einem selbstständigen Berufsbetreuer vergleichbar. Ein Großteil der unter Betreuung stehenden Personen sind alte Menschen. Unterschiede zwischen Case Management und einer Betreuung älterer und alter Menschen bestehen lediglich in zwei Bereichen. Erstens ist Case Management - im Gegensatz zur Betreuung - ein befristeter Prozess. Während eine Betreuung in der Regel bis zum Ableben des zu Betreuenden besteht, endet der Unterstützungsprozess mit der erfolgreichen Lösung einer komplexen Problemsituation. Der zweite Unterschied zwischen Betreuer und Unterstützungsmanager besteht hinsichtlich ihrer Kompetenzen gegenüber dem zu Betreuenden bzw. dem Klienten. Hier ist der Betreuer von Amts wegen ermächtigt, im Namen des Betreuten und zu dessen Wohle bestimmte Entscheidungen zu treffen. Demgegenüber hat der Unterstützungsmanager die Aufgabe, seinem Klienten bei der Lösung einer Problemsituation behilflich zu sein, ihm zu helfen sich selbst zu helfen, um dadurch die Eigenkompetenzen des Klienten zu fördern. Betreuung ist im Gegensatz zum Case Management eher ein Entlastungsprozess, der den zu Betreuenden von Aufgaben entbindet, wenn er diese selbstständig nicht mehr lösen kann. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832476953
Arbeit zitieren:
Wessels, Olaf August 2001: Unterstützungsmanagement im Alter, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Case work, Dienstleistung, Kooperationsmodell, demografische Entwicklung, Sozialwesen



