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Unterrichtsstörungen - Formen, Ursachen und Handlungsperspektiven

Unterrichtsstörungen - Formen, Ursachen und Handlungsperspektiven
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Claudia Weber
  • Abgabedatum: Oktober 2009
  • Umfang: 157 Seiten
  • Dateigröße: 9,6 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 44
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4072-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Weber, Claudia Oktober 2009: Unterrichtsstörungen - Formen, Ursachen und Handlungsperspektiven, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Trainingsraum, Prävention, Intervention, Unterrichtsgestaltung, Schüler

Staatsexamensarbeit von Claudia Weber

Einleitung:

Viele Referendare und Referendarinnen beginnen ihren Beruf voller Enthusiasmus. Sie freuen sich mit Kindern arbeiten zu dürfen und ihnen Wissen vermitteln zu können, doch häufig werden sie auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die meisten hoffen ein freundschaftliches Verhältnis mit der Klasse aufbauen können und möchten die Schüler und Schülerinnen vom Unterrichtsstoff begeistern. Wie man aber von vielen Erzählungen und Berichten hört, gelingt dies in den seltensten Fällen nur mit Liebe, Verständnis und Freiheit. Die Kinder brauchen Regeln und Vorbilder, an denen sie sich orientieren. Viele Referendare und Referendarinnen, wie auch Lehrer und Lehrerinnen haben Bedenken, dass sie bei ihrer Klasse nicht gut ankommen, wenn sie streng sind. Natürlich ist eine autoritäre Erziehung keine Lösung, da die Schüler und Schülerinnen sich nur anständig benehmen, weil sie Angst vor Konsequenzen haben aber nicht weil sie einsichtig sind. Die Klasse braucht jedoch eine Lehrkraft die sich durchsetzen kann und konsequent ist und konsequent eine Beeinträchtigung des Unterrichts nicht toleriert. Häufig stecken Lehrkräfte viel Arbeits- und Kraftaufwand in die Vorbereitung der Unterrichtsstunden hinein und trotz dieser Mühen sind die Resultate meist enttäuschend und demotivierend. Es gibt einige Handlungen, die den Unterricht unterbrechen können, wie Unkonzentriertheit, Ungenauigkeit, Faulheit, motorische Unruhe, mangelndes Interesse, verbale und physische Aggressionen, mangelndes Selbstvertrauen, Ungehorsamkeit, Kontaktprobleme, unterrichtsfremde Tätigkeiten, Überempfindlichkeit, Clownerien, Wutanfälle, übertriebener Ehrgeiz, Schulangst, psychosomatische Störungen, Beschädigung von Eigentum anderer Personen oder Gegenständen, starke Abhängigkeit, Depressivität, Druck auf Mitschüler und Mitschülerinnen, unregelmäßiger Schulbesuch, Provokation des Lehrers bzw. der Lehrerin, Stehlen, Alokoholmissbrauch, sexuelle Auffälligkeiten, Drohungen mit Selbstmord, Drogenmissbrauch, Selbstmordversuche. Unzufriedenheit, Enttäuschung, Frust und Resignation bei Lehrern und Lehrerinnen können die Folge sein.

Meine Erfahrungen:

Ich habe mir lange überlegt über welches Thema ich meine Zulassungsarbeit schreiben möchte und habe mich schließlich für das Thema ‘Unterrichtsstörungen’ entschieden. Meine Motivation, mich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen, war, dass ich Lehramt auf Hauptschule studiere und von Familie und Freunden immer wieder zu hören bekam, ob ich mir das antun möchte. Auch von den Medien werden die Schüler und Schülerinnen der Hauptschule häufig ins schlechte Bild gerückt. Einige Leute meinen, dass die Kinder schlicht dumm sind, kein Interesse für die Schule haben und kein Benehmen zeigen. Die äußeren Umstände werden aber meist nicht beachtet. Als ich meine Praktika in den Schulen absolviert habe, kamen öfters erfahrene Lehrer und Lehrerinnen zu mir und fragten mich ob ich mir sicher sei diesen Beruf ausüben zu wollen. Zum Glück gab es aber auch engagierte Lehrpersonen, die mir meine Bedenken nahmen. Sie mögen ihren Beruf, auch wenn er manchmal stressig und nervenaufreibend ist. Es stellt sich die Frage, was die Ursachen für solche verschiedene Meinungen sind. Liegt dies an der Persönlichkeit der Lehrkräfte, der Unterrichtsgestaltung oder den subjektiven Einstellungen?

Ein Großteil meines Bekanntenkreises hat selbst die Hauptschule besucht und mir immer wieder erzählt, wie sie Lehrkräfte geärgert und sogar zur Verzweiflung getrieben haben. Nach ihren Aussagen kam es öfters vor, dass Lehrkräfte, überwiegend Frauen, weinend aus den Klassenzimmern gerannt sind. Die Schüler und Schülerinnen bewarfen die Lehrkraft beispielsweise mit Papierkügelchen, liefen im Klassenzimmer umher oder beleidigten sie. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass manche Lehrkräfte in die Verzweiflung getrieben werden und die Motivation verlieren, die Klasse freundlich und mit Engagement zu unterrichten.

Als ich meine Bekannten fragte was die Ursache war, dass sie Lehrer und Lehrerinnen provoziert haben, bekam ich zur Antwort , dass ihnen langweilig war und sie die Lehrkräfte nicht ernst nahmen. Sie unterstellten den Lehrkräften, dass sie unfaire Methoden anwandten und die Schüler und Schülerinnen nicht gleich behandelten. Meine Bekannten räumten jedoch ein, dass sie nicht alle Lehrer und Lehrerinnen ärgerten. Es gab in ihrer Schulzeit auch Lehrkräfte, die sie geachtet und geschätzt haben.

Meine Ziele:

Mein Ziel dieser Zulassungsarbeit ist es herauszufinden, welche Eigenschaften eine Lehrkraft haben muss, um ein gutes Verhältnis zu den Schülern und Schülerinnen aufbauen zu können und einen motivierenden Unterricht zu ermöglichen. Auch ist mir wichtig welche äußeren Eigenschaften, wie Familie, Schule und Gesellschaft sich auf das Verhalten der Kinder auswirken kann. Gründe von Unterrichtsstörungen sind jedoch auch beim Schüler bzw. der Schülerin selbst zu finden. Es ist wichtig zu wissen, wodurch die Unterrichtsstörungen entstehen, um mit Präventions- und Interventionsmaßnahmen entgegen steuern zu können. Die Lehrkräfte sollten nicht gleich verzweifeln, wenn nicht alles so klappt wie sie es sich vorgestellt haben. Vor allem unerfahrene Lehrer und Lehrerinnen brauchen erst Übung in ihrem Beruf, um erfolgreich zu sein. Sie müssen jedoch bereit sein an dieser Situation etwas ändern zu wollen, denn nur dann sind sie in der Lage mit den hohen Anforderungen und der Vielseitigkeit des Berufes zurecht zu kommen. Die Lehrkräfte müssen lernen, wie sie mit Unterrichtsstörungen umgehen können. Es gibt zahlreiche pädagogische Maßnahmen, um mit den Problemen in der Klasse klar zu kommen. Das Trainingsraumprogramm ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Einbindung des Schülers und der Schülerin in den Klassenverband. Die Idee ist, dass Schüler und Schülerinnen welche stören, nach der zweiten Ermahnung in einen Trainingsraum geschickt werden, um dort über ihr Verhalten nachzudenken. Falls sie dort erneut auffallen, können sie sogar nach Hause geschickt werden. Ich habe mich entschieden dieses Projekt ausführlich vorzustellen, da ich mich interessiere, wie diese Idee in der Praxis umsetzbar ist. Es stellte sich bei mir die Frage, ob die Schüler und Schülerinnen nicht froh sind aus dem Klassenzimmer oder sogar nach Hause geschickt zu werden. Außerdem fand ich es aufschlussreich, wie man Kinder zu einem eigenverantwortlichen Denken und Handeln anregen kann.

Ich erhoffe mir durch diese Zulassungsarbeit Informationen zu gewinnen, die ich in meiner Referendariatszeit und im Lehrerberuf bei Unterrichtsstörungen selbst anwenden kann um Unterrichtsstörungen von vornherein zu verhindern bzw. wirksam entgegen treten zu können. Ich denke, dass viele Referendare und Referendarinnen Probleme haben, wenn sie das erste Mal vor der Klasse stehen. Wie sollen sie sich verhalten? Welche Konsequenzen sind effektiv? Sind sie verantwortlich für die Beeinträchtigungen im Unterricht? Wie können sie Unterrichtsstörungen bekämpfen?

Ich würde mich freuen, wenn diese Arbeit auch anderen Studenten und Studentinnen, Referendaren und Referendarinnen sowie Lehrern und Lehrerinnen eine Hilfestellung, bei der Bewältigung ihrer Probleme, sein kann. Ich denke, dass sie auf jeden Fall eine Hilfestellung sein kann, um das Problem von Beeinträchtigungen des Unterrichts erkennen und bekämpfen zu können.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Zulassungsarbeit gliedert sich in zwei Teile, und zwar dem theoretischen und dem praktischen Teil.

Im theoretischen Teil werde ich zunächst in ‘Kapitel 2.1’ auf theoretische Fundierungen von Unterrichtsstörungen eingehen. Mir ist wichtig, dass das Verständnis von Unterrichtsbeeinträchtigungen erkennbar wird, welches von Person zu Person verschieden sein kann. Vertieft werde ich auf die Wünsche, Vorstellungen und subjektive Empfindungen eingehen. Anschließend werde ich einige Definitionen von Unterrichtsstörungen wiedergeben und veranschaulichen, dass es keine einheitlichen Merkmale gibt, ab wann der Unterricht gestört wird. Außerdem werde ich berichten, wie sich Unterrichtsstörungen im Laufe der Zeit entwickelt und verändert haben.

Um über Unterrichtsstörungen sprechen zu können, muss klar sein welche Typen es gibt. Ich möchte in ‘Kapitel 2.2’ deutlich machen, dass Störungen sowohl vom Schüler und von den Schülerinnen, den Lehrkräften als auch den äußeren Bedingungen verursacht werden können.

Bevor man nach Möglichkeiten sucht, diese Störungen zu bekämpfen, muss klar sein, wodurch sie verursacht werden. Gründe dafür kann man hier ebenso bei den Schülern und Schülerinnen, den Lehrern und Lehrerinnen und den äußeren Bedingungen finden, diese Ursachen beschreibe ich in ‘Kapitel 2.3’ Die vorangegangenen Kapitel sind entscheidend um effektiv gegen die Unterrichtsbeeinträchtigungen ankämpfen zu können. Um Störungen erst gar nicht aufkommen zu lassen, sind Präventionen von Bedeutung. Falls jedoch bereits Beeinträchtigungen des Unterrichts statt finden, ist eine Intervention wichtig. Diese Handlungsperspektiven habe ich in ‘Kapitel 2.4’ ausführlich dargestellt.

Schließlich möchte ich in ‘Kapitel 2.5’ über mein gewonnenes Verständnis von Unterrichtsstörungen berichten. Anhand dieser Erkenntnisse werde ich beurteilen, ob der Trainingsraum, welchen ich im praktischen Teil vorstelle, wirksam ist.

Im praktischen Teil werde ich, wie bereits erwähnt, den Trainingsraum konkretisieren.

Es ist für mich bedeutungsvoll, dass man die Ziele und die Umsetzung dieses Projekts versteht, worauf ich in ‘Kapitel 3.1’ eingehen werde.

Schließlich werde ich in ‘Kapitel 3.2’ Evaluationsergebnisse anführen, um in der Praxis die Wirksamkeit der Trainingsraummethode zu veranschaulichen.

Da ich mir ein eigenes Bild dieses Konzepts machen wollte, machte ich eine Woche lang ein Praktikum in der Dr.-Albert- Liebmann Schule in Kleinostheim, welche dieses Programm erfolgreich, wenn auch etwas abgeändert, umsetzt. In Kapitel ‘3.3’ werde ich zunächst allgemein auf die Schule eingehen, anschließend andere Methoden der Bekämpfung von Unterrichtsstörungen vorstellen und letztlich auf die Realisierung des Programms in der Dr.Albert-Liebmann-Schule eingehen.

In ‘Kapitel 3.4’ werde ich schließlich positive, wie auch negative Aspekte des Trainingsraumprogramms anführen. Mein Ziel ist es, dass der Leser oder die Leserin sich ein eigenes Urteil bilden kann und nicht wie in den Büchern das Thema verherrlicht wird.

In ‘Kapitel 3.5’ werde ich die Trainingsraummethode reflektieren und bewerten, wie effektiv ich diese in der Theorie und der Realisierung finde. Hierzu ziehe ich Informationen aus Büchern und aus Erfahrungen meines Praktikums heran.

Im Schlussteil, ‘Kapitel 4’ möchte ich meine Arbeit reflektieren und beurteilen. Ich werde einige Vorschläge anführen, wie sich Schulen weiterentwickelt und gegen die Unterbrechungen des Unterrichts angehen können.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Thematische Relevanz und Zielsetzungen 1
1.2 Aufbau der Arbeit 4
2. Theoretischer Teil 7
2.1 Theoretische Fundierung von Unterrichtsstörungen 7
2.1.1 Unterschiedliches Verständnis von Unterrichtsstörungen 7
2.1.2 Der Begriff „Unterrichtsstörung“ 9
2.1.3 Die Schulgeschichte und der heutige Diskussionsstand 12
2.2 Formen von Unterrichtsstörungen 20
2.2.1 Durch Schüler verursachte Arten 20
2.2.1.1 Aktive Unterrichtsstörungen 20
2.2.1.2 Passive Unterrichtsstörungen 21
2.2.1.3 Interaktionen zwischen Schülern 22
2.2.2 Durch Lehrer verursachte Arten 24
2.2.2.1 Persönlichkeit 24
2.2.2.2 Unterrichtsgestaltung 26
2.2.3 Durch das Umfeld verursachte Arten 27
2.2.3.1 Schulart 27
2.2.3.2 Gemeindegröße der Schulorte und Wohngebiete der Schüler 28
2.2.3.3 Schulische Bedingungen 29
2.3 Gründe von Unterrichtsstörungen 30
2.3.1 Schülerbezogene Ursachen 31
2.3.1.1 Der einzelne Schüler 31
2.3.1.2 Die Zusammensetzung der Klasse 33
2.3.1.3 Ermittlung von Ursachen durch Lehrer- und Schülerbefragungen 34
2.3.2 Lehrerbezogene Ursachen 35
2.3.2.1 Persönlichkeit 35
2.3.2.2 Unterrichtsgestaltung 38
2.3.2.3 Ermittlung von Ursachen durch Lehrer- und Schülerbefragungen 39
2.3.3 Äußere Bedingungen 41
2.3.3.1 Familie 41
2.3.3.2 Schule 44
2.3.3.3 Sozioökonomische Verhältnisse 47
2.3.3.4 Gesellschaftsstruktur 48
2.3.3.5 Lehrervariablen 50
2.4 Handlungsspektrum 52
2.4.1 Eine Umfrage unter Lehrkräften 53
2.4.2 Prävention bei Konflikten 54
2.4.2.1 Jacob Kounins Befunde 54
2.4.2.2 Regeln und Organisation 56
2.4.2.3 Breite Aktivierung 59
2.4.2.4 Unterrichtsfluss 64
2.4.2.5 Präsenz- und Stoppsignale 65
2.4.3 Intervention bei Konflikten 67
2.4.3.1 Lehrerzentrierte Strategien 68
2.4.3.2 Kooperative Strategien 77
2.5 Eigenes Verständnis zu Unterrichtsstörungen 92
3. Praktischer Teil 94
3.1 Trainingsraummethode 94
3.1.1 Ursprung 94
3.1.2 Ziel 94
3.1.3 Einführung 97
3.1.4 Verwirklichung des Programms 100
3.1.5 Umsetzung im Trainingsraum 104
3.2 Evaluationsergebnisse 108
3.2.1 Wirksamkeit in der Praxis 108
3.2.2 Befunde von Umfragen 110
3.3 Umsetzung in der Schule 117
3.3.1 Ziele der Dr.Albert-Liebmann-Schule und der Tagesstätte 117
3.3.2 Methoden der Bekämpfung von Unterrichtsstörungen 119
3.3.3 Die Realisierung des Trainingsraumprogramms 123
3.4 Fazit 129
3.4.1 Kritische Aspekte 129
3.4.2 Positive Effekte 133
3.5 Reflexion der Trainingsraummethode 137
4. Ausblick 139
4.1 Verbesserung des Lehramtstudiums 139
4.2 Weiterentwicklung von Schulen 141
5. Literaturverzeichnis 145
6. Abbildungsverzeichnis 150
7. Abkürzungsverzeichnis 152

Textprobe:

Kapitel 3.2, Evaluationsergebnisse:

Es stellt sich die Frage ob die Trainingsraum Methode wirklich so effektiv ist wie sie von den Autoren und vielen Schulen dargestellt wird. Es gibt leider keine experimentelle Studie die dies bestätigen könnte. In Kapitel 5.2.1 möchte ich eine praktische Umsetzung des Programms von Balke anführen, wobei er in zwei Klassen das Trainingsraum Programm drei Jahre lang studierte. Er versuchte den Erfolg durch unterschiedlich konsequente Durchführung zu ermitteln. In Kapitel 5.2.2 werde ich Befunde von Umfragen unter Lehrkräften anführen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht empirisch belegbar.

Wirksamkeit in der Praxis:

Neben der Theorie ist es natürlich auch wichtig, die Trainingsraum Methode in der Praxis zu realisieren und zu bewerten. Balke führte hierfür in drei Klassen der gleichen Jahrgangsstufe für drei Jahre das Trainingsraumprogramm ein und verglich zum Schluss den Erfolg bzw. Misserfolg. In der einen Klasse wurden die Bedingungen des Programms konsequent durchgesetzt, die Schüler und die Schülerinnen wussten ab wann sie die Grenze überschritten und welche Folgen es für sie hatte. Mit der Zeit entwickelte sich bei der Klasse ein eigenverantwortliches Verhalten und sie unterstützt die Gesetzmäßigkeiten, indem sie die Mitschüler und Mitschülerinnen, bei Nichteinhaltung der Ziele, daran erinnerten oder sogar bei der Umsetzung des Plans halfen. Die Atmosphäre und das Klassenklima veränderte sich zusehends, störungsfreier Unterricht wurde zum Alltag. Die Lehrkraft musste deutlich weniger ermahnen, den Unterricht seltener unterbrechen, sie konnte sich somit intensiver mit ihrem Unterrichtsstoff beschäftigen und fühlte sich nicht so unter Druck gesetzt. Der Unterricht sowie die Leistungen der Klasse verbesserten sich indem die Schüler und die Schülerinnen selbstbewusst und eigenverantwortlich handelten.

Bei den beiden anderen Klassen wurden die Regeln nicht so konsequent durchgesetzt, wodurch die Klasse den Eindruck bekam, dass die Regeln willkürlich und veränderbar sind. Viele Schüler und Schülerinnen testeten die Grenzen aus und diskutierten über die Maßnahmen. Das Arbeitsklima war nicht ruhig, respektvoll und einwandfrei, die Ziele wurden oftmals nicht umgesetzt. Die Lehrer und die Lehrerinnen hatten weniger Zeit für den Unterrichtsstoff, erzielten weniger Lernerfolg und waren unzufrieden mit ihrem eigenem Unterricht und ihrem Handeln.

Durch dieses Beispiel wird sichtbar, dass Ausdauer und Zielorientierung für den Unterrichtserfolg und die Arbeitsatmosphäre unumgänglich sind. Die Trainingsraum Methode trägt dadurch bei, dass klare Regeln aufgestellt sind und ein Regelverstoß schnell wahrnehmbar wird. Ein wichtiger Punkt des Trainingsraumprogramms ist die Entlastung des Lehrers bzw. der Lehrerin. Wenn Kinder zu oft auffallen und provozieren, kann der Lehrer oder die Lehrerin sich und den Mitschüler und Mitschülerinnen eine Auszeit geben, um die Geduld nicht zu strapazieren und sachlich, respektvoll und entspannt weiter agieren zu können. Sowohl die Schüler und die Schülerinnen als auch die Lehrer und Lehrerinnen entwickeln ein neues Verständnis von Normalität durch das Trainingsraumprogramm sowohl im Unterricht als auch in der zwischenmenschlichen Beziehung. Es muss jedoch eine Zusammenarbeit beider Seiten bestehen um das Gelingen des Programms sicherzustellen. Die Lehrkraft muss für die Klasse ein Vorbild sein und respektvolles Handeln vorleben und in ruhiger Weise ihre Bedürfnisse und Regeln übermitteln. Durch das entspannte Arbeiten kann der Lehrer und die Lehrerin nicht nur den Unterrichtsstoff besser vermitteln sondern auch methodische Vielfalt anbieten.

Häufig tritt der Fall ein, dass viele Personen an dem Konzept zweifeln, da sie nicht nachvollziehen können, welches Streben die Schüler und die Schülerinnen haben am selben Strang zu ziehen. Balke begründet dies mit dem Wirkungsprinzip. ‘Jeder Mensch ist bestrebt, seine Ziele, Absichten und Wünsche zu erreichen und ist bereit, Ziele, die ihm wichtig sind, gegen Störungen zu verteidigen’. Den Schülern und Schülerinnen ist es wichtig in der Klasse zu sein und nicht ausgeschlossen zu werden, dies gilt sowohl für lernbereite als auch für auffällige Kinder. Jedoch haben die Schüler und die Schülerinnen auch das Ziel in der Klasse machen zu können, was sie wollen. Diese zwei Ziele kollidieren allerdings, weswegen die Schüler und die Schülerinnen sich entscheiden müssen, welche Absichten ihnen bedeutungsvoller sind. Entweder können sie immer wieder in den Trainingsraum gehen und von der Klassengemeinschaft ausgeschlossen werden oder das Ziel verteidigen, wie die anderen in der Klasse zu bleiben und die Störungen zurück zustellen. Natürlich würden die störenden Schüler und Schülerinnen am liebsten beides machen, aber hier fängt die Aufgabe des Lehrers an, die Regeln zu nennen und sie umzusetzen.

Befunde von Umfragen:

Wenn man Lehrkräfte nach der Zufriedenheit der Trainingsraummethode befragt, wird sie meistens als eine effektive Maßnahme bewertet, um Unterrichtsstörungen zu mindern. Die Schüler und Schülerinnen finden das Programm ebenso angenehm, sie sind froh, dass ein friedliches Klassenklima und eine angenehme Lernatmosphäre entsteht und sie dem Unterrichtsgeschehen störungsfrei folgen können. Lehrkräfte, die Probleme mit der Verwirklichung einer guten Klassenführung haben, sind vor allem von dem Programm begeistert. Allerdings kann man durch diese Ergebnisse nicht empirisch belegen, dass das Konzept wirklich zu einer größeren Lernwirksamkeit führt, noch ob das Verhalten der Klasse sich tatsächlich verbessert. Es stellt sich die Frage ob es nicht andere Projekte gibt, welche effektiver, langfristiger und kostengünstiger sind. Um dies aber herauszufinden bedarf es einer empirischen Untersuchung.

Im folgenden Abschnitt werde ich einige Umfrageergebnisse anführen, wobei acht Schulen befragt wurden, darunter sind fünf Hauptschulen, eine Gesamtschule, eine Realschule und eine Sonderschule. Bei der Evaluationsstudie wurden 234 Fragebogen von Lehrern und Lehrerinnen ausgefüllt und 1807 Fragebogen von Schülern und Schülerinnen der 5. bis 10. Klasse. Bevor man ein neu eingeführtes Programm bewerten kann, muss dieses bereits längere Zeit durchgeführt werden. Häufig tauchen Schwierigkeiten auf, die man erst nach einiger Zeit entdeckt und lösen kann. Probleme können beispielsweise Durchführungsfehler, mangelnde Organisation oder andere ungeplante Effekte sein. Bei Untersuchungen soll heraus gefunden werden, ob sich die Mühe der Schule, die Vorbereitungen, die Organisation und der zeitliche Aufwand der Lehrkräfte lohnt. Es muss ersichtlich werden, ob die Ergebnisse des Konzepts in Relation zu den zusätzlichen Bemühungen stehen. Um die Evaluationsstudie durchführen zu können muss man sich vorher einige Gedanken machen. Wie soll überhaupt gemessen werden? Werden häufige Besuche im Trainingsraum als Erfolg oder Misserfolg angesehen? Wird das Durchsetzungsvermögen und die Konsequenzen der Lehrkräfte eh verstärkt, da sie intensiver auf Unterrichtsstörungen achten? Kann man überhaupt die Anzahl der Störungen im Unterricht vor und nach Einführung des Trainingsraumprogramms vergleichen? Die Fragebogen der Lehrpersonen beinhalteten 19 Fragen, welche sie mit einem sechsstufigen Ranking beantworten konnten. Folgende Fragen standen im Vordergrund: ‘Wie zufrieden sind Lehrerinnen und Lehrer mit dem Programm? Hat sich die Anzahl der Unterrichtsstörungen verringert? Hat sich die Qualität des Unterrichts verbessert? Ist das Unterrichtsklima angenehmer geworden? Glauben die Lehrerinnen und Lehrer, dass die Schülerinnen und Schüler durch das Programm lernen, verantwortlich zu denken und zu handeln?’.

Arbeit zitieren:
Weber, Claudia Oktober 2009: Unterrichtsstörungen - Formen, Ursachen und Handlungsperspektiven, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Trainingsraum, Prävention, Intervention, Unterrichtsgestaltung, Schüler

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