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Unternehmerische Frühwarnsysteme

Unternehmerische Frühwarnsysteme
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frank Hoffmann
  • Abgabedatum: Juli 1998
  • Umfang: 129 Seiten
  • Dateigröße: 5,7 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1749-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1749-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1749-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hoffmann, Frank Juli 1998: Unternehmerische Frühwarnsysteme, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Frühwarnsysteme, Frühaufklärungssysteme, Früherkennungssysteme, Prognoseverfahren

Diplomarbeit von Frank Hoffmann

Einleitung:

Was waren das noch für Zeiten? Wenn man sich an das von vielen Nationen hoch gepriesene "Wirtschaftswunder" Deutschland in der Nachkriegszeit zurückerinnert. Die 50'er und 60'er Jahre waren in Deutschland, wie auch in anderen westlichen Industrieländern, von hohen Wachstumsraten der Wirtschaft, gekoppelt mit stabilen politischen Verhältnissen und nahezuer Vollbeschäftigung geprägt. Dadurch, daß es kaum Veränderungen gab, und wenn, diese aber kalkulierbar blieben, bediente sich die Mehrheit der Unternehmen der einfachen Trendextrapolation, um ihre Entwicklung vorherzusagen. Diese, für Unternehmer, beinahe problemlosen Zeiten fanden jedoch Anfang der 70'er Jahre ein (jähes) Ende.

Bis dahin war der Begriff Frühwarnung in Wirtschaftskreisen kein allzu großes Thema. In anderen Bereichen wie dem Militär (z.B. AWACS), der Technik, der Medizin, der Biologie oder bei Wettervorhersagen ist die Frühwamung / Früherkennung dagegen schon seit längerem Gegenstand des Interesses. Wie vielfältig das Spektrum an Methoden sein kann, zeigt sich am Beispiel Wettervorhersage sehr gut: Die Bandbreite reicht von "... komplexen meteorologischen Analyseverfahren und satellitengestützten Informationssystemen bis hin zu einfachen Bauernregeln oder Fröschen." Jüngstes und sehr anschauliches Beispiel in diesem Resort ist das Phänomen "El Nino", durch das sich die Wetterforscher Aufschlüsse über mögliche Gefährdungen, verursacht durch die ungewöhnlich warme Meeresströmung vor der Westküste des amerikanischen Kontinents, erhoffen. Man will hier frühzeitig erkennen, wie sich der Faktor "EI Nino" auf das Klimasystem des Globus Erde auswirken wird, um rechtzeitig Maßnahmen, wie z. B. das Errichten von Dämmen zum Schutz vor Überschwemmungen, einleiten zu können.

Ähnlich verhält es sich mit der betrieblichen Frühwarnung / Früherkennung, die nun zu Beginn der 70'er Jahre in das Rampenlicht der Unternehmenswelt rückte. Auch dort gibt es unzählige Ausgestaltungsformen und Methoden, auf die aber an späterer Stelle noch ausführlicher eingegangen wird.

Abgesehen davon kann sich auch eine Klimaveränderung auf eine Unternehmung auswirken. Es ist z.B. vorstellbar, daß eine Überschwemmung die Ernte zerstört und infolgedessen der Rohstofflieferant nicht mehr zur Verfügung steht und Engpässe entstehen, was sich negativ auf das Unternehmensergebnis niederschlagen kann.

Die 70'er Jahre aber nun bescherten den meisten Betrieben einen schnellen und spürbaren Wandel der Rahmenbedingungen.

Zum einen ist eine deutlich komplexere Unternehmensumwelt festzustellen, gepaart mit gleichzeitig immer rascher verlaufenden Umweltveränderungen, die zudem erschwerend oft diskontinuierlich in Erscheinung treten.

Am besten läßt sich Komplexität durch die Merkmale Varietät und Konnektivität charakterisieren.

Varietät drückt sich durch die Anzahl und Verschiedenartigkeit der Umweltfaktoren aus, sowie deren Verteilung auf die Umweltkomponenten (vgl. Abb. 1). Je größer also die Anzahl der unternehmensrelevanten Faktoren ist, und je verschiedenartiger sich die Komponenten der Umwelt gestalten, desto komplexer erweist sich die Situation für ein Unternehmen. Ein Handelsbetrieb, der sich z.B. auf ein Produkt spezialisiert hat, dürfte einer wesentlich geringeren Varietät gegenüberstehen wie ein Großunternehmen, da für den Handelsbetrieb hauptsächlich die Faktoren aus dem Kunden- und Lieferantenbereich entscheidend sind, während Großunternehmen mit vielen Geschäftsfeldern und einer großen Produktpalette viel weitreichendere Aspekte wie beispielsweise den Absatzmarkt, F&E-Aktivitäten, Produktion, Fertigung oder Logistik zu berücksichtigen haben.

Fast zwangsläufig mit der Varietät ist die Konnektivität verbunden, mit der die Anzahl möglicher Beziehungen innerhalb eines Systems und auch zwischen Systemen gemeint ist. Je mehr Faktoren und Umweltkomponenten entscheidungsrelevant für ein Unternehmen sind, desto mehr Beziehungen sind auch zwischen Einzelelementen möglich. So sind bei drei Faktoren (theoretisch) drei Beziehungen zwischen den Faktoren möglich, bei vier Faktoren schon sechs und bei fünf Faktoren sind bereits zehn Beziehungen vorstellbar, was sich an einem Netz leicht nachvollziehen läßt.

Zum anderen mangelt es den Unternehmen an Flexibilität. Schwerfällige Betriebsstrukturen behindern die Anpassung an veränderte Bedingungen signifikant. Paradebeispiel für den Wandel ist die Energie- bzw. Ölkrise. Rieser nennt weitere Gründe, wie z.B.:

-politische: wachsender Einfluß des Staates auf die Wirtschaft.

-sozioökonomische: veränderte Wertvorstellungen (z. B. erhöhtes Umweltbewußtsein).

-wirtschaftliche: abnehmende Wachstumsraten, sowie zunehmende Trendschwankungen.

-technologische: mehr Erfindungen und kürzere Innovationsintervalle, neue Kommunikationssysteme.

Die zwei erläuterten Hauptprobleme lassen sich am besten mit der Darstellung der "Zeitschere" illustrieren.

Die gegenläufige Beziehung von benötigter und verfügbarer Zeit macht das Problem deutlich. Der Faktor Zeit tritt als Engpaß in den Vordergrund. Vordringlichste Aufgabe der Unternehmen muß deshalb sein, durch frühzeitiges und systematisches Erkennen von relevanten Veränderungen der Unternehmensumwelt, Überraschungen zu vermeiden und Zeit für geeignete Strategien zu gewinnen. Aber auch Chancen können früher wahrgenommen werden, abgesehen davon, daß man eine verpaßte Chance auch als Gefahr bzw. Risiko interpretieren kann.

Mittels Frühwarnung soll durch den erzielten Zeitgewinn das Informations- und Entscheidungsverhalten verbessert werden. Mit der Wahrnehmung dieser neuen Aufgabe wuchs der Wunsch nach der Institutionalisierung eines Systems, welches sich in Wirtschaftstheorie und -praxis schließlich unter dem Terminus "Frühwarnsystem" durchsetzte.

Erste Ansätze stammen von Aguilar (1967), der schon früh die Wichtigkeit einer ständigen Überwachung und Systematisierung der relevanten Unternehmensumwelt erkannte. Von Aguilar's Grundideen motiviert, lassen sich in den darauffolgenden Jahren zahlreiche Ansätze zum Thema Frühwarnung in der Literatur finden. Impulse im deutschsprachigen Raum gingen mit etwas Verzögerung als erstes von Autoren wie Szyperski oder Hahn aus.

Einstimmigkeit besteht in der Frage, wer der Wegbereiter betriebswirtschaftlicher Frühwarnung ist. Der Amerikaner Igor Ansoff sorgte 1976 mit seinem Konzept der schwachen Signale (weak-signals) für Aufsehen und gab damit den entscheidenden Antrieb für weiteres Arbeiten und Forschen auf diesem Gebiet.

Die Notwendigkeit eines Instrumentariums wie dem Frühwarnsystem zeigt sich an Zeitungsmeldungen wie dieser:

1997 abermals Insolvenzrekord in Deutschland.

FRANKFURT, 6. Februar. Im sechsten Jahr hintereinander hat die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen diejenige des Vorjahres übertroffen. Das geht aus soeben veröffentlichten Zahlen für Januar bis November 1997 hervor. Hochgerechnet auf das ganze Jahr ergibt das mehr als 27000 Konkurse und Vergleiche; Das entspräche einem Zuwachs binnen Jahresfrist von etwa 7,5 Prozent. Die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche hätte sich damit gegenüber 1991 verdreifacht. Wegen der in der Wirtschaft vorerst nur verhalten erkennbaren Erholungstendenzen wird auch für 1998 damit gerechnet, daß sich die Konkurswelle fortsetzt, der Verband der Vereine Creditreform erwartet rund 30000 Insolvenzen.

Sieht man sich die Entwicklung der Insolvenzen an, so erkennt man die immer stärker werdenden Alarmsignale. Unternehmen müssen versuchen ihre Existenz zu sichern und einen Unternehmenszusammenbruch zu verhindern, in dem sie frühzeitig agieren und nicht erst reagieren, wenn Gegenmaßnahmen nicht mehr greifen. Namen konkursgegangener ehemals renomierter Unternehmen wie Bauknecht, Dual oder der Maxhütte sollten symbolisch als Warnschilder vor Augen stehen.

Frühwarnsysteme, wie sie in dieser Arbeit behandelt werden, könnten eine Möglichkeit sein, einen Ausweg aus dieser Misere zu finden.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 4
Abkürzungsverzeichnis 6
1. Einleitung 7
1.1 Problemstellung 7
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit 12
2. Grundlagen 14
2.1 Geschichtliche Entwicklung der Frühwarnung 14
2.1.1 Phase der Kennzahlensysteme 14
2.1.2 Phase der indikatorgestützten Früherkennung 16
2.1.3 Phase der strategischen Frühaufklärung 22
2.1.3.1 Der "weak-signals-Ansatz" von Ansoff 23
2.1.3.2 Praktische Erprobung des Battelle-Instituts 27
2.1.4 Fazit 30
2.2 Ausgestaltungsformen und Multi-Paradigma-Problem 32
2.3 Systemtheoretische Basis 39
3. Aufbau und Funktionsweise von Frühwarnsystemen 45
3.1 Komponenten und Anforderungen / Voraussetzungen 45
3.2 Der Frühwarnprozeß im Überblick 50
3.3 Problemerkennung und Zielbestimmung 52
3.3.1 Festlegung der Frühwarnziele 52
3.3.2 Bestimmung und Abgrenzung von Beobachtungsfeldern 53
3.3.3 Erfassung relevanter Einflußfaktoren 55
3.3.4 Entwicklung eines Modells - Das Netzwerk 56
3.4 Analyse von Ursachen und Wechselwirkungen 58
3.4.1 Analyse des Zeitverlaufs 58
3.4.2 Analyse der Einflußintensitäten 59
3.4.3 Analyse der Art der Wirkungsverläufe 62
3.4.4 Fehlfunktionenerkennung durch Alarmsignale 63
3.4.5 Der Umgang mit schwachen Signalen 64
3.6 Prognose möglicher Entwicklungen und Auswirkungen auf das Unternehmen 69
3.7 Abweichungsbeurteilung durch Bestimmung von Kontrollgrößen 69
3.8 Entscheidungsfindung und Strategieformulierung 70
4. Verfahren zur Durchsetzung von Frühwarnsystemen 77
4.1 Übersicht 77
4.2 Darlegung der bedeutsamsten Verfahren 82
4.2.1 Die Szenario-Technik 83
4.2.2 Die Cross-Impact-Analyse 89
4.2.3 Die Delphi-Methode 92
4.2.4 Kreativitätstechniken 96
4.2.4.1 Das Brainstorming 97
4.2.4.2 Die Synektik 98
4.2.4.3 Die Morphologische Methode 100
4.3 Die Beurteilung der Verfahren 104
4.4 Die Eignung für Kleinbetriebe 107
5. Zusammenfassung und Ausblick 110
Anhang 113
Literaturverzeichnis 123

Arbeit zitieren:
Hoffmann, Frank Juli 1998: Unternehmerische Frühwarnsysteme, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Frühwarnsysteme, Frühaufklärungssysteme, Früherkennungssysteme, Prognoseverfahren

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