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Unternehmensbewertung mithilfe des Realoptionsansatzes

Unternehmensbewertung mithilfe des Realoptionsansatzes
Über dieses Buch
  • Art: Lizentiatsarbeit
  • Autor: Lukas Haas
  • Abgabedatum: Oktober 2004
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Basel Schweiz
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8413-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8413-2 P
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haas, Lukas Oktober 2004: Unternehmensbewertung mithilfe des Realoptionsansatzes, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Realoptionen, Unternehmensbewertung, Realoptionsansatz, Binomialmodell, Discounted Cash Flow

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Lizentiatsarbeit von Lukas Haas

Einleitung:

Es gibt viele Motive eine Unternehmensbewertung durchzuführen, sei es nun aufgrund von Fusionen, Übernahmen oder eines Initial Public Offering (IPO). Die Bewertung des Unternehmens ist jedoch kein Vorgang, welcher lediglich bei einem vollständigen oder teilweisen Eigentümerwechsel vorkommt. Vielmehr ist sie ein wichtiges Instrument zur Messung unternehmerischen Handelns und gewinnt als Beurteilungsmassstab im Zuge einer verstärkten Ausrichtung der Unternehmenspolitik im Sinne des Shareholder Value zusehends an Bedeutung.

Zum Zweck der Unternehmensbewertung wurde in der Vergangenheit eine Vielzahl von Verfahren entwickelt. Als häufigstes Bewertungsverfahren hat sich seit den neunziger Jahren die Discounted Cash Flow (DCF)-Methode etabliert.

In der Praxis kann beobachtet werden, dass oft erhebliche Unterschiede zwischen dem bezahlten Preis bei Unternehmenstransaktionen bzw. dem Börsenwert und dem durch die DCF-Methode berechneten Unternehmenswert (UW) bestehen. Diese Wertunterschiede erscheinen oft als fantasievolle Spekulationsblasen. Bei genauerer Analyse hingegen zeigt sich, dass bei der DCF-Methode der Umgang mit Risiko nur unzureichend berücksichtigt wird, da ein höheres Risiko immer einen tieferen UW zur Folge hat. Dabei stellt sich die Frage, ob mit höheren Risiken nicht auch Chancen verbunden sind, die in Zukunft zu einem höheren Wert führen können.

Die Grundlage für die Unternehmensbewertung nach der DCF-Methode bilden Businesspläne, welche zum Zeitpunkt der Bewertung erstellt werden. Mithilfe der zu dieser Zeit vorhandenen Plandaten und Informationen werden unwiderrufliche Unternehmensentscheide gefällt. Diese Vorgehensweise impliziert ein passives Unternehmensmanagement, was auf das Management moderner Unternehmen nicht zutrifft. Es wird dabei nicht berücksichtigt, dass das Unternehmen in Zukunft über umfangreichere Informationen verfügen wird und die Businesspläne anpassen kann. So kann es auf unvorhergesehene äußere Einflüsse reagieren und z.B. die Produktion ausdehnen, einschränken oder gar stilllegen. Oder wie es Copland/Antikarov formulieren, führt die DCF-Methode zu einer systematischen Unterbewertung, da der Wert der Handlungsflexibilitäten nicht berücksichtigt wird.

Der hohe UW kann somit mit strategischen Wertkomponenten, die aus den Handlungsflexibilitäten der Unternehmung in der Zukunft resultieren, begründet werden. Dabei stellt sich jedoch die Frage nach deren Quantifizierbarkeit.

Solche Handlungsflexibilitäten können als Optionsrechte für das Management interpretiert werden. Zur wertmäßigen Erfassung dieser Handlungsflexibilitäten versucht man deshalb, die Methoden der Optionspreisbewertung für die Zwecke der Unternehmensbewertung nutzbar zu machen. In diesem Fall spricht man von Realoptionen.

Gang der Untersuchung:

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über das Konzept der Realoptionen zu geben und ein praxisnahes Bewertungsmodell aufzuzeigen wie Realoptionen in der Unternehmensbewertung eingesetzt werden können.

Der erste Teil widmet sich ganz der grundlegenden Betrachtung von Realoptionen. So wird der Begriff der Realoption sowie dessen Herleitung aus der Finanzoptionstheorie näher erläutert. Als zentraler Punkt wird auf die Bewertungsansätze von Realoptionen eingegangen. Um die theoretischen Ansätze zu illustrieren, werden anhand von Beispielen einige Realoptionsarten berechnet.

Im zweiten Teil wird versucht, die Realoptionen in die Unternehmensbewertung zu integrieren. Demzufolge wird ein Bewertungsprozess erläutert, welcher eine Unternehmensbewertung unter Einbezug von Realoptionen ermöglicht. Zur Abrundung soll anhand eines theoretischen Beispiels eine Unternehmensbewertung durch den vorgestellten Realoptionsansatz (ROA) vorgenommen werden.

Im dritten Teil wird der ROA einer kritischen Würdigung unterzogen. So werden die Stärken und Einsatzmöglichkeiten der Realoptionen in der Unternehmensbewertung aufgezeigt. Doch auch auf die Grenzen, insbesondere bei der Implementierung in der Praxis, wird eingegangen. Um die Anwendung des Ansatzes in der Praxis zu illustrieren, wird eine Unternehmensbewertung am Beispiel von amazon.com durchgeführt. Zum Abschluss des dritten Teils werden in einem letzten Punkt mögliche Modellerweiterungen diskutiert. Die Arbeit wird mit einem Fazit abgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 5
Einleitung 6
A. Grundlagen zu Realoptionen 8
I. Wesensmerkmale der Realoptionen 8
a) Unsicherheit und Flexibilität als Determinanten der Realoptionen 8
b) Von der Finanzoption zur Realoption 10
c) Klassifizierung von Realoptionen 11
1) Aktivische Realoptionen 12
2) Passivische Realoptionen 14
II. Bewertungsansätze von Realoptionen 15
a) Grundprinzipien der Optionspreisbewertung 15
1) Replikationsportfolioansatz 15
2) Prinzip der risikoneutralen Wahrscheinlichkeiten 17
b) Binomialmodell 19
c) Black-Scholes-Bewertungsmodell 21
III. Bewertung von Realoptionen 23
a) Bewertung einfacher Optionen 23
1) Abbruchoption 24
2) Einschränkungsoption 25
3) Erweiterungsoption 25
b) Bewertung zusammengesetzter Optionen 26
1) Zusammengesetzte Optionen paralleler Art 26
2) Zusammengesetzte Optionen sequentieller Art 27
c) Bewertung von Wechseloptionen 28
B. Integration der Realoptionen in die DCF-Unternehmensbewertung 31
I. Von den DCF-Bewertungsverfahren zum Realoptionsansatz 31
a) DCF-Ansätze zur Unternehmensbewertung 31
b) Grenzen der Behandlung von Flexibilität durch Entscheidungsbäume 33
c) Lösung durch den Realoptionsansatz 34
1) Additiver Realoptionsansatz 35
2) Equity Realoptionsansatz 36
II. Bewertungsprozess unter Einbezug von Realoptionen 36
a) Struktur des Bewertungsprozesses 36
b) Besonderheiten bei der Modellierung der Volatilität 39
1) Bündelung der Unsicherheiten mittels Monte-Carlo-Analyse 39
2) Berechnung der Volatilität der Unsicherheiten 40
c) Bestimmung der weiteren Werttreiber 42
III. Unternehmensbewertung anhand eines Beispiels 43
a) Ausgangslage der Unternehmung 43
b) Berechnung des Unternehmenswertes 44
C. Kritische Würdigung des Realoptionsansatzes in der Unternehmensbewertung 49
I. Stärken und Schwächen des Realoptionsansatzes 49
a) Stärken des Realoptionsansatzes in der Unternehmensbewertung 49
b) Schwächen des Realoptionsansatzes 50
1) Theoretische Grenzen des Ansatzes 50
2) Schwierigkeiten der Implementierung in der Praxis 51
II. Kritische Analyse am Beispiel von "amazon.com" 53
a) Ausgangslage für die Berechnung 53
b) Berechnung des Unternehmenswertes 54
c) Kritische Würdigung der Ergebnisse 55
III. Möglichkeiten zur Erweiterung des Realoptionsmodells 56
a) Lockerung der restriktiven Annahmen 56
b) Einbezug der Spieltheorie in den Realoptionsansatz 57
Fazit 59
Anhang 60
Literaturverzeichnis 70

Automatisiert erstellter Textauszug:

Es wurde gezeigt, dass das starre DCF-Verfahren die Komponente der Flexibilität bei der Unternehmensbewertung nicht berücksichtigt. Der UW nach dem additiven ROA setzt sich aus zwei Wertkomponenten zusammen. Einerseits aus dem durch die DCF-Methoden ermittelten UW und andererseits aus dem Wert der Realoptionen.66 Der DCF-UW wird auch als passiver UW bezeichnet, welcher den Wert der Unternehmung auf Basis der eingeschlagenen Strategie wiedergibt, aber keine Handlungsmöglichkeiten des Managements berücksichtigt. Als aktiver UW wird der Wert aller im Unternehmen vorhandenen Realoptionen bezeichnet. Der Realoptionswert umfasst somit den Wert sämtlicher Handlungsmöglichkeiten des Managements. Der passive und der aktive UW bilden zusammen den erweiterten UW: [...]

Der Wert der Flexibilität wird erneut aus der Differenz zwischen dem Projekt mit Flexibilität und ohne Flexibilität berechnet. Somit ergibt sich $29.90 (=23.4-(-6.5)). Der berechnete Wert der Flexibilität ist jedoch nicht mit dem mittels ROA berechneten Wert kongruent. Das Problem besteht darin, dass die Aufschuboption anhand der Kapitalkosten für das Projekt ohne Flexibilität bewertet wird.61 Der risikoadjustierte Diskontierungssatz eignet sich für Auszahlungen von $170 bzw. $65 und für alle sonstigen CF-Muster, die damit vollkommen korrelieren.62 Dies trifft auf die CF der Aufschuboption von $55 und $0 nicht zu, deshalb darf der Diskontierungssatz nicht verwendet werden. Der DTA-Ansatz führt zu einer Überbewertung der Flexibilität, weil er die CF der Aufschuboption anhand des risikoadjustierten Diskontierungssatzes abzinst, obgleich diese CF ein deutlich höheres Risiko aufweisen.63 Es kann festgehalten werden, dass der DTA-Ansatz die Flexibilität erfasst, diese jedoch nicht adäquat bewertet. Denn für alle Äste des Baumes müssen die Wahrscheinlichkeiten geschätzt werden und diese Schätzungen unterliegen oft subjektiven Kriterien.64 Zudem besteht das angesprochene Problem der Diskontierungssätze, da für alle Äste individuelle Sätze bestimmt werden müssen. Der dritte Kritikpunkt spricht die Tatsache an, dass der Baum bei einer grossen Anzahl von äusseren Gegebenheiten schnell unübersichtlich wird.65 Aus den genannten Gründen wird im Folgenden versucht, den im Teil A ausführlich behandelten ROA zur Bewertung der Flexibilität in die Unternehmensbewertung zu integrieren. [...]

Auf die Bestimmung des β-Faktors und die teilweise sehr restriktiven Prämissen des CAPM gehe ich an dieser Stelle nicht ein und verweise auf die reichlich vorhandene Fachliteratur.56 Mit den gezeigten Formeln und Ansätzen können alle relevanten Faktoren für die Berechnung des UW nach der DCF-Methode ermittelt werden. Der DCF-Ansatz weist jedoch eine gravierende Schwäche auf, welche die Relevanz dieses Ansatzes relativiert. So kann die Unsicherheit der CF nicht explizit modelliert werden, es wird vielmehr von einer starren Planung ausgegangen und darauf aufbauend die erwarteten CF diskontiert. Auch nicht berücksichtigt wird, dass das Unternehmen über Handlungsflexibilitäten verfügt, welche die zukünftige CF-Struktur, gegenüber der in der Planung angenommenen, verändert.57 Weiter kann aufgrund der sich ändernden CF-Struktur nicht von einem konstanten β bzw. von konstanten WACC ausgegangen werden. [...]

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Arbeit zitieren:
Haas, Lukas Oktober 2004: Unternehmensbewertung mithilfe des Realoptionsansatzes, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Realoptionen, Unternehmensbewertung, Realoptionsansatz, Binomialmodell, Discounted Cash Flow

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