Die Unternehmensberichterstattung im Wirtschaftsteil der regionalen und überregionalen Tagespresse
Empirische Untersuchung über die Auswirkungen des Aktienbooms auf die Unternehmensberichterstattung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Daniel Schäfer
- Abgabedatum: Dezember 2002
- Umfang: 210 Seiten
- Dateigröße: 2,3 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7200-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7200-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7200-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schäfer, Daniel Dezember 2002: Die Unternehmensberichterstattung im Wirtschaftsteil der regionalen und überregionalen Tagespresse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wirtschaftsjournalismus, Systemtheorie, Inhaltsanalyse, Tageszeitungen, Kapitalmarkteuphorie
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Diplomarbeit von Daniel Schäfer
Zusammenfassung:
Seit dem jüngsten Börsenboom hat sich die Unternehmensberichterstattung der deutschen Tageszeitungen tief greifend gewandelt. Zwar ist die Spekulationsblase an den Aktienmärkten längst geplatzt; gleichwohl wurde die Berichterstattung über die Unternehmenslandschaft nachhaltig geprägt.
Diese Diplomarbeit bedient sich der Systemtheorie als logischem Rahmen, um die Rolle der Unternehmensberichterstattung innerhalb des medialen Teilsystems Wirtschaftsjournalismus zu bestimmen. Anschließend werden die durch den Börsenboom induzierten Veränderungen der Rahmenbedingungen (Input und Output) der Unternehmensberichterstattung aufgezeigt. Ergänzt wird dies um organisations- und akteurszentrierte Elemente, indem die Auswirkungen der Kapitalmarkteuphorie auf journalistische Organisationen, Programme und Rollen beschrieben werden.
Mit Hilfe von vier Fallbeispielen – der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung, der Stuttgarter Zeitung und der Augsburger Allgemeinen – wird im empirischen Teil der Frage nachgegangen, wie genau sich die Berichterstattung über Unternehmen durch den Kapitalmarktboom verändert hat. Mittels eines Mehrebenen- und Mehrmethodendesigns (Qualitative Expertengespräche und Quantitative Inhaltsanalyse) wurde die Leitfrage der Arbeit bestätigt: Neben der politischen und unmittelbaren, die regionalen Lebensumstände betreffenden Perspektive hat sich die Betrachtung der Firmen als Anlageobjekte in der Unternehmensberichterstattung nachhaltig etabliert. Zugleich wird die These untermauert, dass die Berichterstattung über Unternehmen in den vergangenen Jahren vielseitiger und leserfreundlicher geworden ist.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Inhaltsverzeichnis | i |
| II. | Abbildungs- und Tabellenverzeichnis | ii |
| III. | Abkürzungsverzeichnis | iii |
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Die Systemtheorie als theoretischer Hintergrund - Die Suche nach den Variablen gesellschaftlichen Wandels | 3 |
| 1.1 | Die Systemtheorie als analytischer Rahmen | 3 |
| 1.2 | Grundlagen der Systemtheorie | 5 |
| 1.3 | Journalismus als soziales System | 6 |
| 1.4 | Die Umwelt: Das Verhältnis des Journalismus zu den gesellschaftlichen Teilsystemen | 9 |
| 1.5 | Das Innenleben: Die Ausdifferenzierung des Wirtschaftsressorts | 13 |
| 1.6 | Zwischenfazit | 15 |
| 2. | Die Unternehmensberichterstattung als Teil des Wirtschaftsjournalismus | 17 |
| 2.1 | Der Wirtschaftsjournalismus | 18 |
| 2.2 | Die Rolle des Wirtschaftsjournalismus und der Unternehmensberichterstattung in der Tagespresse | 24 |
| 2.3 | Die Rahmenbedingungen der Unternehmensberichterstattung in der Tagespresse | 29 |
| 2.4 | Tendenzen in der Unternehmensberichterstattung - Zwischenfazit | 58 |
| 3. | Der Wandel der journalistischenUmwelt | 60 |
| 3.1 | Der jüngste Börsenboom im Kontext zyklischer Finanzmärkte | 60 |
| 3.2 | Veränderungen im Konkurrenzumfeld der Tagespresse | 62 |
| 3.3 | Zwischenfazit - Die Folgen für das Konkurrenzumfeld der Tageszeitungen | 66 |
| 4. | Methodik und Vorgehensweise der empirischen Untersuchung | 68 |
| 4.1 | Grundlagen der empirischen Untersuchung | 68 |
| 4.2 | Die Inhaltsanalyse | 74 |
| 4.3 | Das Interview | 76 |
| 4.4 | Hypothesen | 78 |
| 5. | Untersuchungsergebnisse | 81 |
| 5.1 | Die formalen und inhaltlichen Elemente der Unternehmensberichterstattung in den vier Tageszeitungen - Die Befunde der quantitativen Inhaltsanalyse | 81 |
| 5.2 | Die Unternehmensberichterstattung in den Fallbeispielen aus der Sicht der Kommunikatoren - die Befunde der Interviews | 91 |
| 5.3 | Zusammenführung der Ergebnisse | 100 |
| 6. | Resümee - Die Unternehmensberichterstattung in Bewegung | 103 |
| 7. | Bibliografie | 106 |
| Anhang | 116 | |
| Detaillierte Inhaltsübersicht | 204 |
So berichtete zum Beispiel 1570 ein Agent der Fugger in Antwerpen in einem Brief an sein Stammhaus in Augsburg.68 Nachdem die wirtschaftlichen Neuigkeiten zunächst als so genannte „Nova“ privaten Briefen beigefügt wurden, nahmen seit Beginn des 17. Jahrhunderts auch die Zeitungen Wirtschaftsnachrichten in ihre Blätter. Zunächst erschienen diese Wirtschafts- und Handelsnachrichten allerdings unregelmäßig und über den gesamten Zeitungsinhalt zerstreut. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts druckten die großen Zeitungen zunehmend auch Kurstabellen, Ergebnisse von Warenauktionen, Einfuhrlisten und Warenpreise. Im Jahr 1805 erschien mit der Hamburgischen Börsenhalle schließlich das erste Handelsblatt.69 Vom reinen Handelsblatt bis zum erstmals eigenständigen Handelsteil in den großen Tages- und Wochenzeitungen war es freilich noch ein langer Weg: Durch die Industrialisierung, den sich internationalisierendem Handel und die Beschleunigung der Nachrichtenübermittlung wuchs Mitte des 19. Jahrhunderts das Bedürfnis der Leser nach wirtschaftlichen Informationen. Daraufhin entschlossen sich zahlreiche Zeitungen, die Wirtschaftsberichte in separaten Handelsteilen unterzubringen. Damit ist Rudolf Stöber zuzustimmen, der Wirtschaftsberichterstattung als ein „gegenüber dem politischen Teil verspätetes Ressort“ bezeichnet.70 Mitte des vorvergangenen Jahrhunderts entstanden zugleich auch neue Zeitungen wie die 1856 von zwei Bankiers gegründete Frankfurter Handelszeitung, welche die Entwicklung der Wirtschaftsberichterstattung vorantrieben. So wurden die reinen Kurs- und Preistabellen zunehmend durch komplementäre Berichte ergänzt. Zu diesem Zeitpunkt gewann auch die Unternehmensberichterstattung in Tageszeitungen an Form, denn zu den vormals reinen Aktienkursnotizen gesellten sich in wachsendem Maße aktuelle Nachrichten über Aktiengesellschaften. Erstmals nahmen auch große Unternehmen, Handelshäuser und Banken durch eigene Pressestellen (so genannte „Literarische Büros“) Einfluss auf die Berichterstattung. Insbesondere auf die so genannten „Gründerjahre“ der Börse nach 1870 folgten einige Verbesserungen des Wirtschaftsjournalismus: Viele Zeitungen druckten ihre Handelsteile fortan in der leichter zu lesenden Antiquadruckschrift statt in der damals zeittypischen Frakturschrift.71 Außerdem setzte sich wenn auch zögerlich - die Spezialisierung von Wirtschaftsredakteuren durch.72 Erst Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde aus dem reinen Handelsteil ein dem modernen Verständnis nahezu entsprechender Wirtschaftsteil. Die Börsen-, Branchen- und [...]
Klassifizierung des Wirtschaftsjournalismus vor, auf die weiter unten im Kontext der überregionalen und regionalen Presse noch näher eingegangen wird: Wirtschaftsberichterstattungen für Laien, interessierte Staatsbürger, Spezialinteressen und Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung.63 Unabhängig von der jeweiligen Zielgruppenausrichtung wird Wirtschaftsjournalismus hier aus forschungslogischen Erwägungen nach Schöhl im engeren Sinn definiert. Wirtschaftsjournalismus umfasst demnach also die klassische Wirtschaftspolitik und die gesamte Unternehmens- und Branchenberichterstattung. Wie aber lässt sich Unternehmensberichterstattung als Teil des Wirtschaftsjournalismus begrifflich bestimmen? Auch dieser Aspekt wird in der Forschungsliteratur nur sporadisch behandelt, eigenständige Definitionen sind kaum zu finden. In Abwandlung von Emil Dovifats prägnanter Definition der Arbeit eines Journalisten64 soll hier Unternehmensberichterstattung verstanden werden als das Sammeln, Sichten und Verarbeiten von Nachrichten öffentlichen Interesses über wirtschaftlich agierende Unternehmungen und Branchen.65 Diese Begriffsbestimmung ist bewusst sehr allgemein gehalten, beinhaltet aber hierdurch alle genannten Formen des Wirtschaftsjournalismus. So mag das (teil-)öffentliche Interesse von Lesern einer Regionalzeitung ein anderes sein als das der Rezipienten einer reinen Wirtschaftstageszeitung. Ebenso wie Begriffsbestimmungen Mangelware sind, gibt es auch nur einige wenige wissenschaftliche Abhandlungen zur Historie des Wirtschaftsjournalismus.66 Auf die Literatur des frühen vorigen Jahrhunderts wird hier nicht näher eingegangen, da die Geschichte des Wirtschaftsjournalismus nur im Kontext des Stellenwerts der Unternehmensberichterstattung in Tageszeitungen relevant ist. Die historische Bedeutung von Aktionären als Zielgruppe und der Börse als Wachstumsmotor der Presse wird im nächsten Kapitel zur Sprache kommen. Die Anfänge der Wirtschaftsberichterstattung sind eng mit dem seit Ende des 15 Jahrhunderts aufblühenden [...]
Der Wirtschaftsjournalismus wird in der wissenschaftlichen Literatur nur in Ausnahmefällen exakt definiert. Oftmals wird gar nicht erst der Versuch unternommen, Wirtschaftsjournalismus oder gar Unternehmensberichterstattung begrifflich zu umschreiben und von anderen Bereichen wie zum Beispiel der Öffentlichkeitsarbeit abzugrenzen. Eine sehr umfassende Begriffsbestimmung hat aber beispielsweise Heinrich61 vorgelegt. Im Vergleich mit dem realen Wirtschaftsjournalismus erscheint diese jedoch überdehnt und ist wohl eher als eine normative Zielvorstellung anzusehen. Diese mangelnde Deckungsgleichheit zwischen Definition und Realität aufzulösen vermag der Ansatz von Wolfgang W. Schöhl, der zwischen zwei Arten von Wirtschaftsjournalismus unterscheidet: Wirtschaftsjournalismus im engeren Sinne ist demnach ausschließlich auf die Wirtschaftsteile der Tages- oder Wochenzeitungen begrenzt. Da aber Wirtschaft in wachsendem Maße auch andere Ressorts durchdringt und dort aus einer differenzierteren Perspektive durchleuchtet wird, definiert Schöhl zusätzlich Wirtschaftsjournalismus im weiteren Sinne als „Ressortfeld, das mehrere der klassischen Ressorts einer Zeitung umfasst“62. So enthält Wirtschaftsjournalismus im weiteren Sinn nach Schöhl alle Gebiete der klassischen Wirtschaftspolitik sowie die gesamte Branchen und Unternehmensberichterstattung. Außerdem sind aber auch Randgebiete der Ökonomie vertreten, wie zum Beispiel die Bildungsökonomie, Gesundheitsökonomie, Wirtschaft als Wissenschaft, Umweltökonomie, Sozialpolitik und Arbeitsbeziehungen sowie Gebiete der Rechtswissenschaften. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832472009
Arbeit zitieren:
Schäfer, Daniel Dezember 2002: Die Unternehmensberichterstattung im Wirtschaftsteil der regionalen und überregionalen Tagespresse, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Wirtschaftsjournalismus, Systemtheorie, Inhaltsanalyse, Tageszeitungen, Kapitalmarkteuphorie



