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Unternehmensberatung als Sortiereinrichtungen im Humankapitalmarkt

Auswirkungen auf die Karriereverläufe Schweizer Top-Manager

Unternehmensberatung als Sortiereinrichtungen im Humankapitalmarkt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Manuel Vetsch
  • Abgabedatum: November 2002
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 627,6 KB
  • Note: 1,2
  • Institution / Hochschule: Universität Zürich Schweiz
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7211-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7211-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7211-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Vetsch, Manuel November 2002: Unternehmensberatung als Sortiereinrichtungen im Humankapitalmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Consulting, Schweizer Blue-Chips, Geschäftsführung, Karriere, Ausbildung

Diplomarbeit von Manuel Vetsch

Einleitung:

In der vorliegenden Arbeit sind die Selektions- und Auswahlprozedere des Humankapitals und ihre Signalisation von Interesse. Die Auswahl des geeigneten Humankapitals ist für eine Unternehmung außerordentlich wichtig. Der Fokus der Arbeit liegt auf dem Erkennen der wichtigsten Anforderungen und Qualifikationen an die Kandidaten für eine Aufnahme in eine Konzernleitung. Um möglichst gutes Humankapital in der Unternehmung zu haben, muss es geprüft, bewertet und ausgewählt werden. Eine erste Selektion der Kandidaten sind die Schulen und Hochschulen. So werden Abgänger von Gymnasien denen von Realschulen vorgezogen, und denen wiederum die Absolventen von Universitäten. Es existiert aber auch noch eine Reihe ganz anderer Selektions- und Sortiereinrichtungen.

Darunter befinden sich Unternehmensberatungen. Immer mehr Unternehmen beauftragen sie bei kritischen Entscheidungssituationen oder bei speziellen Phasen in der Unternehmensgeschichte. Dabei holen sich die Manager zusätzliches Humankapital in die Unternehmung, welches sie zeitlich flexibel und gezielt abfragen können. Wichtige Entscheidungen des Managements werden von den Unternehmensberatern kontrolliert und begutachtet.

Beratungsunternehmen sind bei Studierenden als Arbeitgeber besonders beliebt. Sie stehen im Ruf, extrem strenge Aufnahmebedingungen für Studienabgänger zu haben. Es heißt, nur die besten Studenten würden Berater. Außerdem tragen spektakuläre Karrieren von früheren Beratern zum Ruf als elitären Arbeitgeber bei. Nur die Besten werden ausgewählt, und nur die Besten wiederum dürfen im Beratungsunternehmen bleiben. Beratungsfirmen werden oft als die graue Eminenz im Wirtschaftsgeschehen betrachtet. Prägend sind hierfür die großen internationalen Strategieberatungsunternehmen der Branche wie zum Beispiel McKinsey, PriceWaterhouseCoopers oder The Boston Consulting Group.

Gang der Untersuchung:

Diese Arbeit versucht die Gründe der Beliebtheit der Beratungen zu evaluieren und soll erklären, warum sie einen solch hervorragenden Ruf geniessen. Die Arbeit widmet sich diesem Problem im speziellen in der Schweiz, und in allgemeiner Form im Ausland.

Die Schweizer Hochschullandschaft muss differenziert betrachtet werden. Sie ist grob zweigeteilt in Universitäten und Fachhochschulen. Diese sind faktisch einander gleichgestellt und sind alle öffentlich, wobei sie vom Bund bzw. den Kantonen subventioniert werden. Die Differenzierung unter den Hochschulen ist in der Schweiz äußerst gering, und oft wird Schweizer Universitäten vorgeworfen, sie selektierten nicht genug, um Spitzenuniversitäten zu werden. Es stellt sich die Frage, welche Anreize es für die Universitäten gibt, die besten Studenten auszuwählen und aus was für Kandidatenbeständen dies geschieht.

Die Schweizer Universitäten haben keinen Anreiz stark zu selektieren, da sie vom Resultat der Selektionsleistung nicht profitieren können. Universitäten erhalten von der öffentlichen Hand ihr Budget leistungsunabhängig, oftmals sogar gemessen an der Anzahl immatrikulierter Studenten. Daraus folgt, dass sich alle Studienanfänger über alle Universitäten und Kantone gleichmäßig verteilen. Damit verfügt auch keine Hochschule über einen besseren Kandidatenpool als die andere, aus dem sie selektieren könnte.

Dieses schweizerische Ausbildungssystem steht im Gegensatz zu Ausbildungssystemen anderer Länder mit großen Niveauunterschieden, wie wir es in Frankreich oder in den USA antreffen. Dort existieren weitgehende Unterschiede in der Qualität der Hochschulausbildungen. Diese Differenzierung lässt eine gezieltere Aufteilung der Bewerber zu.

In Frankreich etwa existieren öffentliche wie auch private Hochschulen. Die besten Hochschulen sind staatlich. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Staat die Qualität seiner Hochschulen damit garantiert, dass er der Hauptarbeitgeber der besten Studienabgänger ist. In den USA ist dies wiederum anders. Dort existieren öffentliche und private Universitäten, und von beiden gibt es Hochschulen mit sehr hohem Ausbildungsniveau, sogenannte Spitzenuniversitäten. Zum Beispiel ist die Stanford University privat geführt, während Harvard öffentlich ist. Die besten privaten Hochschulen haben eine Unternehmensverfassung einer NPO. Damit fällt der Gewinnanspruch der Eigentümer der Hochschule, der Residualanspruch weg, womit glaubhaft signalisiert wird, dass man sich nicht auf Kosten der Studenten bereichern will.

Größte Finanzierungsquelle dieser Hochschulen sind Spendengelder. Hochschulen machen sich absichtlich von diesen Geldern abhängig, um so ihren Erfolg an den Erfolg ihrer Studienabgänger zu knüpfen. Denn erfolgreiche Absolventen verdienen später mehr, sind in einflussreicheren Positionen und spenden dadurch mehr. Dieses System der kompatiblen Anreize ist die beste Gewähr dafür, dass die Hochschulen an der Qualität ihrer Ausbildungsleistung interessiert sind. Es ist in den USA im hohen Maße erfolgreich. Bekannte Universitäten haben so Vermögen von mehreren Milliarden Dollar akkumuliert.

In dieser Arbeit wird zuerst auf die ökonomische Theorie der Signalisation des Humankapitals eingegangen. Danach wird die Theorie mit dem empirischen Teil der Arbeit überprüft. Dabei werden die Lebensläufe der Konzernleitungsmitglieder aller SMI-Unternehmen analysiert, um möglichst viele Erkenntnisse über die Beratungsunternehmen als Sortiereinrichtungen des Humankapitals zu gewinnen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Problem der Humankapitalsignalisation in der Schweiz 5
3. Traditionelle Sortiereinrichtungen in der Schweiz 6
3.1 Bekannte Arbeitgeber als Sortiereinrichtung 6
3.2 Promotion als Sortiereinrichtung 7
4. Unternehmensberatungen als Sortiereinrichtungen 8
4.1 Negative Auswahl 8
4.2 Relative Leistungsturniere 9
4.2.1 Inhomogene Turnierbedingungen 10
4.2.2 Charakter des Humankapitals 11
4.2.3 Signalisation 12
4.2.4 Beschränkung der Aussagekraft relativer Leistungsturniere 13
5. Empirie 16
5.1 Datenerhebung 16
5.1.1 Untersuchung 16
5.1.1.1 SMI 17
5.1.1.2 Eigenschaften SMI-Index 17
5.1.2 Methoden Datenerhebung 17
5.1.2.1 Internet, Online-Archive 18
5.1.2.2 Fragebogen 19
5.1.3 Ergebnisse 19
5.2 Analyse 19
5.2.1 Sample 19
5.2.1.1 Geschlecht 20
5.2.1.1 Nationalität 20
5.2.1.2 Durchschnittsalter 21
5.2.1.3 Bisherige Zeit in Geschäftsleitung 21
5.2.1.4 Universitätsabschluss Stufe Bachelor 22
5.2.1.5 Studienrichtung 22
5.2.1.6 Universität 23
5.2.1.7 Universitätsabschluss Stufe Masters, Lizentiat 28
5.2.1.7.1 Verteilung nach Universitätsabschluss 28
5.2.1.7.2 Höhere ökonomische Ausbildung 29
5.2.1.7.3 Art der Ausbildung 29
5.2.1.7.4 Universität 30
5.2.1.8 Arbeit bei einer Unternehmensberatung 33
5.2.2 Gruppen 37
5.2.2.1 Nationalität Manager Banken und Versicherungen 37
5.2.2.2 Lebenslauf Manager ohne Universitätsabschluss 38
5.2.2.3 Lebenslauf Manager mit Universitätsabschluss 40
5.2.2.3.1 Typischer Werdegang Schweizer Manager 40
5.2.2.3.2 Typischer Werdegang amerikanischer Manager 41
5.2.2.4 Kontinentaleuropäische Ex-Berater 42
5.2.2.5 Altersunterschiede 43
5.2.2.6 Schweizer Ex-Unternehmensberater 44
5.2.2.7 Fazit ehemaliger Schweizer Unternehmensberater 53
6. Fazit 55
Anhang 57
Literaturverzeichnis 59

Automatisiert erstellter Textauszug:

Beratungsunternehmen müssen das Signalisationsproblem ihrer Leistungsqualität anders lösen. Da nur der Inputfaktor in die Beratungsleistung, nämlich das Humankapital, von den Kunden wahrgenommen und bewertet werden kann, und nicht die eigentliche Leistung, die Beratung, vermarkten Beratungsunternehmen auf den Absatzmärkten das Ergebnis ihrer Leistungsturniere. Berater üben Einfluss auf Entscheidungen von Managern aus und verfügen somit über ein erhebliches Verstärkungspotential ihres Humankapitals. Auch Manager stehen vor dem Problem der negativen Auswahl (siehe Kap. 3.1) bei der Wahl eines Beratungsunternehmens. Diejenigen Beratungsunternehmen werden gewählt, welche die Qualität ihrer Berater durch eine konsequente Einhaltung von „up- or out rules“ am glaubhaftesten signalisieren. Dieses Signal ist von den Kunden der Beratungsunternehmen leicht zu beobachten, und ist dem Angebot anderer Qualitätssignale wie Probeberatungen oder Erfolgsgarantien überlegen.27 Beratungsunternehmen haben damit besondere Anreize zur Einhaltung von „up or out rules“ und zur Veranstaltung härterer Leistungsturniere. [...]

Bei Unternehmensberatern ist dies komplett anders. Sie arbeiten alle mit generellem Wissen, theoretischen Konzepten und Frameworks. Dieses Wissen wird von Projekt zu Projekt transferiert und mehrfach angewandt. Dabei spielen so genannte Peer- Effekte eine wichtige Rolle.23 Wird in homogenen Gruppen und mit individuellen Spezialisierungen gearbeitet, so entstehen ein produktiver Austausch und Kontrolle unter den Mitarbeitern. Das Ergebnis ist vielfach besser als in heterogenen Gruppen. Jeder Berater muss sich zudem bei jedem Projekt direkt beim Kunden bewähren, was die Bewertung durch den Markt ermöglicht. Ein Berater, der viele Aufträge akquiriert, hat grössere Chancen befördert zu werden, als ein anderer. Unternehmen müssten diese Bewertungen mühsam intern generieren. Die homogenen Turnierbedingungen, gepaart mit der Marktkomponente, bilden die Grundlage der komparativen Vorteile der Beratungsunternehmen in der Humankapitalselektion gegenüber den anderen Unternehmen. [...]

sofern die Qualität des Leistungsturniers nicht leiden soll.20 Daher operieren die besten Turnierveranstalter immer mit der „up or out rule“.21 Damit ist auch die hierarchische Struktur der Entlohnung erklärt. Die Löhne auf den unteren Stufen der Hierarchie liegen unter ihrem Wertgrenzprodukt, dem zurechenbaren zusätzlichen Gewinn pro Kopf, die der oberen darüber. Diese Struktur der Entlohnung bei Beratungsunternehmen, genannt „deferred compensation“22, ergibt sich aus den „up- or out rules“ der relativen Leistungsturniere. Wegen der Option auf Beförderung sind Einsteiger bereit weniger zu verdienen. Zusätzlich ist zu beachten, dass auch nur geringe Humankapitalunterschiede durch den direkten Vergleich der Kandidaten transparent werden. Durch Hebelwirkungen werden Personalentscheide mit steigender Hierarchiestufe erfolgskritischer. Nicht Mindestanforderungen sollen erfüllt, sondern die besten Bewerber selektiert werden. Sind die Unternehmensberatungen wirklich die besseren Veranstalter relativer Leistungsturniere als die Unternehmen, so muss es Unterschiede in der Ausrichtung geben. [...]

Arbeit zitieren:
Vetsch, Manuel November 2002: Unternehmensberatung als Sortiereinrichtungen im Humankapitalmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Consulting, Schweizer Blue-Chips, Geschäftsführung, Karriere, Ausbildung

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