Umweltbildung an Schulen in Ghana
Realisierung einer nationalen Umweltbildungskampagne im Entwicklungsland Ghana
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Udo Nauber
- Abgabedatum: August 2010
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Bauhaus-Universität Weimar Deutschland
- Bibliografie: ca. 41
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0701-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Nauber, Udo August 2010: Umweltbildung an Schulen in Ghana, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Nachhaltigkeit, Schulbuch, Abfallwirtschaft, Schulsystem, Afrika
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Diplomarbeit von Udo Nauber
Einleitung:
Der Mensch verändert seine Umwelt quantitativ und qualitativ. Bei alltäglichen Prozessen wie der Güterproduktion, Kommunikation oder auch Mobilität werden durch den Menschen Stoffe an die Umwelt abgegeben und entzogen. In diesen Prozessen werden größtenteils natürlichen Ressourcen der Erde zunehmend abgebaut und schädliche Emissionen der Luft, den Boden und dem Wasser zugeführt. Aus den Gütern, die bei Produktion und Konsum anfallen, entstehen Abfallprodukte. Diese Produkte müssen gelagert werden, solange man sie nicht zur Verwertung oder energetischen Nutzung dem Wirtschaftskreislauf zurückführen kann. Die notwendigen Lagerflächen können nur bedingt zugewiesen werden, da sie in Konkurrenz mit anderen Nutzungsarten des Bodens stehen. Dies bedeutet, dass Lagerflächen sehr begrenzt sind. Zusätzlich müssen die angrenzenden Flächen in die Planung mit einbezogen werden.
Im industriellen Bereich wird durch steigenden Konsum die Produktion erhöht. Dabei fällt mehr Abfall mit teilweise neuartigen Inhaltsstoffen an. Sobald er nicht mehr verwertet werden kann, wird er als Reststoff der Umwelt zugeführt. Dabei ist es wichtig, dass entsprechende Regelungen der Lagerung weltweit durchgesetzt sind, um dem Konzept einer nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden.
Insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, welche den Großteil der Bevölkerung der Erde ausmachen, wird Abfall in vielen Regionen ohne Barrieren und entsprechender Vorbehandlung gelagert oder im öffentlichen Raum verteilt. Die derzeitige Infrastruktur kann der starken Bevölkerungszunahme in den Megastädten und den damit wachsenden Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Lager- und Sammelkapazitäten reichen nicht aus, um eine hygienisch unbedenkliche Lebensumgebung zu schaffen. Oft fehlt es an den nötigen Vorraussetzungen wie Gesetzen, Technologien und dem Umweltbewusstsein in der Bevölkerung.
Aus eigener Kraft ist es diesen Ländern, aufgrund ihrer weit reichenden Probleme, nur schwer möglich zu handeln. Institutionen haben sich zum Ziel gesetzt, solange auf finanzieller, technischer und institutioneller Ebene mit den Betroffenen zusammen zu arbeiten, bis es den Entwicklungsstaaten möglich ist eigenständig zu handeln.
In den folgenden Kapiteln werden die Auswirkungen einer unzureichenden Abfallwirtschaft in Entwicklungsländern erläutert und anhand eines Umweltbildungsvorhabens am Beispiel Ghanas dargelegt. Mit dem Ausbau von Infrastruktur und der Anschaffung neuer Technologien für eine erfolgreiche Abfallwirtschaft, ist die Sensibilisierung für eine saubere und nachhaltige Umwelt für die Menschen des Landes eine wichtige Voraussetzung.
Auch in Regionen oder Stadtteilen in denen weiterhin kein unbedenklicher Lebensraum gewährleistet werden kann, müssen vor allem die Kinder und Jungendlichen ein Bewusstsein für die Gefahren und Chancen ihrer Umgebung entwickeln. Bis zum Jahr 2015 ist die UN Weltdekade zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in deren Mitgliedsstaaten ausgerufen. Unterstützend zur Dekade soll in einem Pilotvorhaben in Ghana für Westafrika die Grundlage für eine nationale Umweltbildungskampagne mit dieser Arbeit gelegt werden.
Es wird dabei ein Kernproblem Ghanas - der Flut von Abfall aus Kunststoffen im öffentlichen Raum betrachtet. Anhand eines Schulbuches für die Kampagne wird dessen Inhalts- und Gestaltungskonzept erläutert. Abweichend von herkömmlichen Schulbüchern konnte eine neuartige Bildungsstrategie erprobt werden.
Als Vorbereitung für einen nationalen Schulbuchdruck in Ghanas Basisschulen wurde das Kampagnenbuch in vier repräsentativen Basisschulen in einem Probeunterricht evaluiert. Vor und nach dem Unterricht mussten die Schüler statistische sowie Umweltbildungsfragen beantworten. Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen Erkenntnisse zur Anpassung der aktuellen Umweltbildungsmaterialien aber auch für weitere Projekte eine Grundlage bilden. Abschließend möchte die Arbeit eine mögliche nationale Kampagne skizzieren. Dabei wird das derzeitige Vorhaben mit einem langfristigen organisatorischen sowie finanziellen Konzept für die Realisierung einer nationalen Kampagne erläutert.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | I | |
| Abstract | II | |
| Zusammenfassung | III | |
| Inhaltsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | IX | |
| Abkürzungsverzeichnis | X | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Problematik Abfallwirtschaft in Ghana | 3 |
| 2.1 | Abfallwirtschaft in Entwicklungsländern | 3 |
| 2.2 | Problematik Abfallwirtschaft in Ghana | 7 |
| 2.2.1 | Umweltbildungsdefizit | 9 |
| 2.2.2 | Exemplarische Auswirkungen für unzureichende Abfallwirtschaft | 10 |
| 2.2.3 | Hygiene- und Abfallwirtschaftsstrategie der Entscheidungsträger | 12 |
| 3. | Internationale Umweltbildung | 14 |
| 3.1 | Hintergrund | 14 |
| 3.2 | Bildung für nachhaltige Entwicklung | 14 |
| 3.3 | Umweltbewusstsein | 18 |
| 3.3.1 | Achtlose Entsorgung – ‘Littering’ | 18 |
| 3.3.2 | Beispiel einer Umweltschule in Lingen-Bramsche | 21 |
| 3.4 | Schulsystem in Ghana | 22 |
| 4. | Umweltbildungskampagne | 25 |
| 4.1 | Ziel | 25 |
| 4.2 | Konzept | 26 |
| 4.2.1 | Umweltsiegel | 26 |
| 4.2.2 | Interdisziplinäres Wirkungsdreieck | 27 |
| 4.2.3 | Zielgruppe | 28 |
| 4.2.4 | Gestaltungskonzept | 32 |
| 4.2.5 | Inhaltliches Konzept | 36 |
| 4.3 | Evaluierung vor Ort | 39 |
| 4.3.1 | Befragungsformulare | 39 |
| 4.3.2 | Befragungskonzept | 42 |
| 4.3.3 | Probeunterricht in den Schulen | 42 |
| 4.3.4 | Besuchte Schulen zur Evaluierung | 44 |
| 4.3.4.1 | Wasserschule der ‘Bokemi Initiative’ bei Kokrobite | 44 |
| 4.3.4.2 | St.Peters School im ländlichen Ghana | 46 |
| 4.3.4.3 | St.Barnabas School im Zentrum Accras | 47 |
| 4.3.4.4 | Dansoman Four School im westlichen Accra | 48 |
| 4.4 | Auswertung der Evaluierungsergebnisse | 48 |
| 4.4.1 | Allgemeiner Teil | 48 |
| 4.4.2 | Basisfragen | 61 |
| 4.4.3 | Spezialfragen | 72 |
| 4.4.4 | Resonanzfragen | 78 |
| 4.4.5 | Gesamtergebnisse im Vergleich | 81 |
| 4.4.6 | Fehlerquellen der Befragung | 85 |
| 4.4.7 | Optimierungspotential der Befragung | 87 |
| 4.4.8 | Erkenntnisse und Thesen der Auswertung | 88 |
| 4.4.9 | Anpassung des Schulbuchs | 90 |
| 5. | weitere mögliche Schritte | 91 |
| 5.1 | Entwurf für eine nationale Kampagne | 91 |
| 5.2 | Realisierung des Vorhaben | 95 |
| 5.2.1 | Organisation | 95 |
| 5.2.2 | Finanzierung | 98 |
| 6. | Zusammenfassung | 101 |
| Quellenverzeichnis | XI | |
| Anhang | XV |
Textprobe:
Kapitel 4.3.3, Probeunterricht in den Schulen:
Der allgemeine Ablauf der Evaluation in den Schulen wurde mit einer Präsentation der verfügbaren Lehrer begonnen. Anhand dieser Präsentation wurden die Materialien sowie das Projektvorhaben vorgestellt.
Nach der Präsentation konnten die Lehrer Fragen stellen und aus ihren Erfahrungen über das Thema Umweltbildung berichten. Aufgrund der Schwierigkeit der zeitlichen Organisationen eines solchen Lehrertreffens war dies nicht an allen Schulen möglich. Alternativ wurden der Direktor und mindestens ein Mitarbeiter in das Vorhaben eingewiesen. Zweck der Präsentation vor den Lehrern, ist der Multiplikator-Effekt um soviel wie möglich Menschen für das Mama-Ghana Vorhaben zu erreichen.
Ein weiterer guter Aspekt ist die direkte Nutzung der Evaluationsauflage in den Schulen. Den Lehrern ist das Buch damit vertraut um es für den Unterricht besser nutzen zu können. Der jeweilige Evaluationsklassensatz wurde der Schule für weitere Unterrichtsstunden und der Schulbibliothek übergeben. Um den Unterricht in einer Schulklasse beginnen zu können wurde speziell mit jeweils einem Lehrer für das Schulfach ‘Environmental Science’, Schulklassen der höheren Primary School und Junior High School ausgewählt.
Die Auswahl wurde davon abhängig gemacht, welche Klasse an diesem Tag keine wichtigen Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen hatte.
Nach dieser Einführung und organisatorischen Absprache konnte ein Tag später mit dem Probeunterricht begonnen werden. Der Unterricht und die Befragungen für die Evaluation wurden in zwei Zeitstunden durchgeführt. Eine gewöhnliche Unterrichtsstunde in Ghana beträgt wie in Deutschland 45 Minuten. Gerade für die höheren Grundschulklassen in welchen die Schüler im Schnitt 11 bis 13 Jahre alt sind, ist es eine große Schwierigkeit die Schüler für eine sehr lange Projektstunde zu motivieren. Aufgrund der Außerordentlichkeit eines Probeunterrichts war dies jedoch durch die entsprechenden Lehrer machbar, die Kinder zu motivieren etwas länger als gewohnt unterrichtet zu werden.
Innerhalb der zwei Zeitstunden Unterricht wurden etwa 45 Minuten für die Befragung vor und nach dem Unterricht verwendet. Dabei nahm die Befragung vor dem Unterricht (pre-Interview) die hauptsächliche Zeit in Anspruch. Man kann dies begründen, durch den Mehraufwand von Erläuterungen zur Umfrage. Für die Befragung nach dem Unterricht (after-Interview) war dies kaum erforderlich. Den Schülern waren das Befragungssystem und der Großteil der Fragen nun bekannt.
Die Befragung wurde gemeinsam mit den Schülern Frage für Frage durchgesprochen, damit Missverständnisse vor allem in der englischen Sprache größtenteils verhindert werden konnten. In Ghana ist die Amtssprache Englisch und Twi. Allerdings sprechen je nach Region viele Kinder auch andere Muttersprachen wie Ga, Hausa, Ewe etc. Ihre Herkunft ist oft sehr unterschiedlich und somit auch ihre Kenntnisse in der englischen Sprache. Einige haben bereits früh im Kindergarten und ihrer Familie Englisch erlernt, während andere erst seit drei Jahren in der Grundschule Englisch lernen müssen. Daraus ergibt sich ein starkes Leistungsgefälle im Verständnis der englischen Sprache, in welcher die Fragebögen ausgegeben wurden. Es ist also von großer Bedeutung in einigen Schulen vorher das Leistungsniveau zu erfragen oder gegebenenfalls einen Lehrer für die einheimischen Muttersprachen als Hilfe für den Unterricht oder Seminaren von NGOs mit einzubinden. Genauso wurde es in der St.Peters School gehandhabt. Die Fragen wurden in Englisch vorgelesen und in Twi erklärt. Die Volkssprache Twi wird von Geburt an in der Central Region, dem Standort der Schule, in Ghana gesprochen. Nach dem Ausfüllen der Fragebögen durch die Schüler wurde das Kampagnenbuch in der jeweiligen Schulklasse ausgeteilt. Gemeinsam mit einem Lehrer aus der Schulklasse und einem Vertreter des Mama Ghana Vorhabens wurde der Unterricht eingeleitet und in etwa 1h und 15 Minuten durchgeführt.
Der konzeptionelle Ablauf für den komprimierten Unterricht zur Evaluation wurde wie folgt gestaltet: Das Buch ist in Kapiteln mit einem Textteil, welcher eine fortlaufende Geschichte im gesamten Buch erzählt, gegliedert.
Zu jedem thematischen Kapitel ist im Kampagnenbuch auch ein Faktenteil mit kurzen Infos, Fragen und Experimenten zugeordnet. Ein Schüler aus der Klasse wurde je nach Kapitel ausgewählt um den Textteil vor seinen Mitschülern vorzulesen. Danach konnte durch den Lehrer der Text nochmals durch die zentralen Illustrationen wieder gegeben werden. Der Lehrer hat dann entschieden in wie weit der Faktenteil gemeinsam bearbeitet wird. Zeitaufwendige Experimente und Fragen wurden durch den Lehrer lediglich erläutert. Für einen durchgängigen Unterricht im herkömmlichen Schulbetrieb mit diesem Buch, sollten die Schulen etwa eine Woche mit täglich einer Unterrichtsstunde einplanen. Dabei kann jedes Experiment, Aufgaben und Fragen anschaulich durch die Schüler durchgeführt und beantwortet werden. Zudem sollte mehr Unterrichtszeit für die Illustrationen sowie authentischen Fotos aus dem dazugehörigen Fotobuch genutzt werden. Nachdem die Erkenntnisgeschichte des Buches abgeschlossen ist wurde das Schulbuch wieder eingesammelt. Die Befragungsformulare zum ‘after-Interview’ konnten danach ausgeteilt werden. Jeder Schüler hatte nun die Chance sein erworbenes Wissen, sowie seine Haltung zur Umwelt auf die Probe zu stellen. Sie haben zu dem die Möglichkeit eröffnet, direkte Kommentare zum Buch zu geben.
In jeder der vier besuchten Schulen wurde jeweils ein Klassensatz von etwa 35 Büchern dem Schulleiter übergeben. Die Evaluationsbücher können in der Schulbibliothek oder im ‘Environmental Science – Unterricht’ bzw. in den Projektwochen weiter genutzt werden.
4.3.4, Besuchte Schulen zur Evaluierung:
4.3.4.1, Wasserschule der ‘Bokemi Initiative’ bei Kokrobite:
Kokrobite/Langma liegt geographisch etwa 30 km entfernt in der ländlichen Umgebung von Accra. Das Gebiet um Kokrobite wird vor allem durch die Amtssprache Ga durchdrungen. Viele Investoren erwarten an den Küsten um Kokrobite in den nächsten Jahren einen Wachstumsschub durch Touristen, unterstützt durch die direkt an der Küste entlang geplante Verkehrsanbindung nach Accra.
Der Name der Bokemi Schule bedeutet: ‘Du und Ich’. Damit wird besonders der gastfreundliche und innovative Gedanke von moderner Schulbildung zum Ausdruck gebracht. Denn die Bokemi Schule verbietet beispielsweise den Stock als Bestrafung im Unterrichtsgeschehen, wie es in weiten Teilen Ghanas noch üblich ist. Diese Initiative ist offen gegenüber nachhaltigen neuen Konzepten, die die Probleme des Landes vermindern können.
Die Schule wurde durch die deutsche Jutta Krahnenburg mit Hilfe von Spenden und pädagogischen Kooperationen aus Deutschland errichtet. Die Schule hat aus einer privaten Schule mittlerweile den Status einer öffentlichen Schule bekommen. Die besuchte Schule zeichnet sich durch kleine Schulklassen trotz einer erheblichen Überbelegung aus. In Absprache mit Frau Krahnenburg war es möglich in dieser Schule die erste Lehrerpräsentation und den ersten Probeunterricht für das Mama Ghana Vorhaben durchzuführen. Enorm wichtig war in diesem Zusammenhang die wesentliche Zeitersparnis aufgrund geringerer Verwaltungswege zur Erlaubnis des Unterrichts.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842807013
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Nauber, Udo August 2010: Umweltbildung an Schulen in Ghana, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Nachhaltigkeit, Schulbuch, Abfallwirtschaft, Schulsystem, Afrika



