Umweltbelastungen und Umweltschutz bei Olympischen Sommerspielen
Anspruch und Wirklichkeit an den Beispielen Sydney 2000 und Athen 2004
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Westerberg
- Abgabedatum: August 2007
- Umfang: 174 Seiten
- Dateigröße: 8,4 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
- Bibliografie: ca. 180
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1279-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Westerberg, Michael August 2007: Umweltbelastungen und Umweltschutz bei Olympischen Sommerspielen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Umweltschutz, Olympische Spiele, Sydney 2000, Athen 2004, Green Games
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Diplomarbeit von Michael Westerberg
Einleitung:
Der Umweltschutz hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dies zeigen unter anderem die aktuellen Diskussionen in Politik und Gesellschaft über die Ursachen des Klimawandels, die Zunahme an Medienbeiträgen über diese Thematik und neue Ordnungs- und Rechtsregelungen, welche die Umwelt schützen und bewahren sollen. Die Auswirkungen der unterschiedlichsten, teils irreversiblen Umweltschädigungen in der Vergangenheit führten insbesondere in den westlichen, wohlhabenden Nationen der Erde zu einer Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung für diese Problematik. Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen für heutige und künftige Generationen nimmt dabei als langfristiges Ziel eine zentrale Stelle ein und wurde mit dem Schlagwort der Nachhaltigkeit verbalisiert.
Ökologische Probleme sind nicht durch eine einzig national ausgerichtete Umweltpolitik zu lösen, sondern erfordern internationale, politische Grundlagen. In nationalen wie auch transnationalen Gesetzen und Vereinbarungen verankerte Handlungsrichtlinien sind jedoch noch kein Garant für den Erfolg von Umweltschutzmaßnahmen. Der Erfolg angestrebter Umweltschutzmaßnahmen verlangt neben einer ökologischen Effektivität und ökonomischer Effizienz insbesondere soziale Akzeptanz. Nur durch Akzeptanz und Unterstützung, nicht nur auf lokaler, sondern auch auf globaler Ebene können effektive, nachhaltige Lösungen gefunden und durchgeführt werden. Umweltwissen und praktische, vorbildhafte Beispiele, in allen gesellschaftlichen Teilbereichen, so auch im Sport, fördern soziale Akzeptanz und helfen, Umweltbewusstsein zu verbreiten.
Zentrales Thema dieser Arbeit ist es, Umweltbelastungen und Umweltschutz bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney 2000 und Athen 2004 zu untersuchen und zu prüfen, inwieweit der ökologische Anspruch der Olympischen Bewegung mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
Gemäß der Olympischen Charta, der Satzung der Olympischen Bewegung, gehören alle Organisationen wie auch Personen der Olympischen Bewegung an, die nach den Regeln der Olympischen Charta unter der Leitung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geführt werden wollen (IOC 2004a, 10). Das IOC als global agierende Non-Governmental-Organisation, und somit die Olympische Bewegung, hat 1994 den Schutz der natürlichen Umwelt zu einem ihrer Ziele erklärt. Sie versucht durch den Sport, insbesondere in Gestalt der Olympischen Spiele, weltweit ihre pädagogischen und humanitären Ziele zu realisieren. Das weltweite Interesse am Sport, die alle zwei Jahre wiederkehrende öffentliche Aufmerksamkeit durch die Olympischen Spiele und das weltumspannende Netzwerk der Olympischen Bewegung bieten gute Voraussetzung für die Vermittlung der olympischen Werte, zu denen nun auch der Schutz und die Erhaltung der natürlichen Umwelt gehören. Seit über einem Jahrzehnt werden nachhaltige Umweltschutzmaßnahmen im Sportbereich durch das IOC gefordert und gefördert (IOC 1996, Regel 2). Die Entwicklung des IOC im Bereich des Umweltschutzes ist von großem Interesse, da dessen Bemühungen für viele Sportorganisationen und -verbände eine immense Vorbildfunktion aufweisen.
Daher stellt sich die grundlegende Frage, welchen Anspruch sich die Olympische Bewegung in Belangen des Umweltschutzes selbst auferlegt hat und ob die Bewegung diesem Anspruch gerecht wird. Neben den ideologischen Grundsätzen ist die praktische Umsetzung von entscheidender Bedeutung. Dies betrifft die Informationspolitik, die Olympische Erziehung und vor allem die Ausrichtung Olympischer Spiele, da durch das Ereignis Olympischer Spiele die anthropogenen Umweltbelastungen kurzzeitig um ein Vielfaches verstärkt werden.
Die Interaktionen der Olympischen Bewegung mit den Ausrichterstädten, bereits bei der Vergabe der Spiele wie auch Informations-, Kontroll- und auch Sanktionsmechanismen, sind maßgeblich für eine konsequente Umsetzung der Ansprüche an die Ausrichterstädte.
Eingriffe in Natur und Landschaft sind insbesondere bei Olympischen Winterspielen offensichtlich. Sie werden von der Öffentlichkeit und den Medien kritisch beobachtet und wurden in der Sportwissenschaft ausführlich untersucht. Die Offensichtlichkeit aufgrund der Größe der Eingriffe und der Auswirkungen auf das Landschaftsbild durch Olympische Winterspiele, die damit einhergehende Begünstigung alpiner Naturgefahren, bspw. von Lawinen, sowie der direkte Kontakt des Sports mit der Natur fördern eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Belange des Umweltschutzes. Bei Olympischen Sommerspielen ist der ökologische Aspekt jedoch nicht derart offensichtlich. Die Spiele finden zumeist in städtischen Gebieten statt und die Wettkämpfe werden zu einem Großteil in Hallen und Stadien ausgetragen. Die Wettkampfanlagen stellen zwar ebenfalls einen großen Eingriff in Natur und Landschaft dar, verändern das Landschaftsbild allerdings nicht derart vehement wie dies bei Olympischen Winterspielen der Fall ist. Durch das städtische, oft dicht besiedelte Umfeld tritt der ökologische Aspekt eher in den Hintergrund, da Konfliktbereiche des Umweltschutzes weniger ersichtlich sind und findet folglich weniger Beachtung. Daher werden Olympische Winterspiele wie auch die Paralympischen Spiele, welche dieselben Einrichtungen und Ressourcen nutzen wie die Olympischen Spiele, nicht eingehender behandelt.
Um die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen bei Olympischen Sommerspielen beurteilen zu können, muss jedoch zuvor die Frage geklärt werden, welche wesentlichen Umwelteinwirkungen durch Olympische Sommerspiele entstehen.
Die ersten Olympischen Sommerspiele mit besonderer Berücksichtigung der Umwelt fanden im Jahr 2000 in Sydney statt. Diese standen unter dem Motto ökologischer, "grüner", Spiele und sind international auch als Green Games bekannt. Sie sollten eine "Vorzeigeolympiade" im ökologischen Sinne darstellen und neue Maßstäbe im Bereich des Umweltschutzes etablieren. Ein Vergleich der Umweltschutzmaßnahmen in Sydney mit den Maßnahmen bei den nachfolgenden, der derzeit jüngsten Ausrichtung Olympischer Sommerspiele in Athen 2004 soll zeigen, ob die in Sydney erreichten Umweltstandards weitergeführt und möglicherweise sogar weiterentwickelt wurden.
Bei Umfragen der Forschungsgruppe Olympia der Universität Mainz während der Paralympischen Spiele 2004 in Athen wurden 128 Besucher des Deutschen Hauses sowie 823 griechische Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren zu ihren Einstellungen über Olympische und Paralympische Spiele befragt, welche auch Umweltschutzmaßnahmen betrafen. Knapp drei Viertel der Befragten des Deutschen Hauses (71,55%) sahen das ökologische Gleichgewicht nicht durch den Verbrauch der Olympischen Spiele an Boden und Energie beeinträchtigt. Die bei den Spielen praktizierte Mülltrennung, die es in Griechenland so noch nicht gibt, wurde von allen Befragten mit hoher Zustimmung bejaht. 80% der Befragten des Deutschen Hauses und 90% der griechischen Schüler stimmten der Aussage zu, dass das bei den Olympischen Spielen und Paralympics praktizierte System der Mülltrennung ein Vorbild für viele Länder ist und in Griechenland generell eingeführt werden sollte. Die Ergebnisse der Umfragen sind zwar nicht repräsentativ, legen jedoch die Vermutung nahe, dass die Olympischen Spiele in Athen Umweltmaßnahmen kommunizierten. Die Olympischen Spiele in Athen vermittelten dem Zuschauer vor Ort den Ergebnissen der Umfrage nach ein positives ökologisches Bild. Die Besucher der Veranstaltung können jedoch einzig nach den ihnen zur Verfügung stehenden Informationen urteilen. Ob dieser Eindruck den Tatsachen entspricht, kann nur mittels einer Betrachtung der zugehörigen Infrastrukturen und Verarbeitungswege entschieden werden.
Die bei Olympischen Spielen umgesetzten Umweltschutzmaßnahmen dürfen nicht nur einem "grünen" Image zuträglich sein, sie müssen effizient arbeiten und den Schutz und Erhalt der natürlichen Umwelt unterstützen. Für eine umfassende Bewertung der Umweltschutzmaßnahmen sind zudem die langfristigen Effekte von entscheidender Bedeutung, da diese auf die Entwicklung der Stadt und der Region starken Einfluss nehmen. Daher werden die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen vor, während und nach den Spielen in den unterschiedlichen Kategorien Bauwesen, Verkehrskonzept, Ressourcenverbrauch, der Nachhaltigkeit und Olympische "Umwelterziehung" dieser beiden Olympischen Sommerspiele analysiert. Es soll dargelegt werden, ob der Umweltschutzanspruch der Olympischen Bewegung umgesetzt werden konnte. Die Betrachtung der Nachhaltigkeit beschränkt sich dabei hauptsächlich auf die ökologische Dimension. Die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit können im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| Anhangverzeichnis | VII | |
| Danksagung | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Forschungsstand | 4 |
| 3. | Aufbau und Methodik der Arbeit | 5 |
| 4. | Terminologische Abgrenzungen | 7 |
| 5. | Umweltbewusstsein, umweltgerechtes Verhalten und ökologische Kommunikation | 9 |
| 6. | Entwicklung des Umweltschutzes und dessen Problemfelder | 13 |
| 7. | Der Umweltschutz der Olympischen Bewegung | 17 |
| 7.1 | Der Umweltschutz in der Olympischen Bewegung | 18 |
| 7.2 | Die Entwicklung des Umweltschutzes in der Olympischen Bewegung | 21 |
| 7.3 | Die Umsetzung des Umweltschutzanspruches in der Olympischen Bewegung | 23 |
| 8. | Umweltproblematik und Umweltschutzmöglichkeiten Olympischer Sommerspiele | 27 |
| 8.1 | Planung und Organisation | 28 |
| 8.2 | Bauliche Maßnahmen | 31 |
| 8.3 | Transport und Verkehr | 33 |
| 8.4 | Ressourcen- und Abfallmanagement | 34 |
| 8.5 | Zusammenfassung | 37 |
| 9. | Die Olympischen Spiele in Sydney 2000 | 38 |
| 9.1 | Bewerbungs- und Vorbereitungsphase der XXVII. Olympischen Sommerspiele | 39 |
| 9.2 | Umweltschutz und Umweltbewusstsein in Australien | 43 |
| 9.3 | Das Sportstätten- und Umweltschutzkonzept in Sydney 2000 | 44 |
| 9.3.1 | Bauliche Maßnahmen und die Umsetzung der Umweltschutzmaßnahmen | 46 |
| 9.3.2 | Transport und Verkehr | 48 |
| 9.3.3 | Ressourcen- und Abfallmanagement | 48 |
| 9.3.4 | Zentrale Umweltprojekte: Homebush Bay und das Olympische Dorf | 52 |
| 9.3.5 | Umweltbildungsmaßnahmen und -effekte der Spiele in Sydney | 55 |
| 9.4 | Die Zeit nach den Spielen - Nachhaltigkeit in Sydney | 58 |
| 9.5 | Beurteilung der Olympischen Spiele in Sydney | 62 |
| 10. | Die Olympischen Spiele in Athen 2004 | 65 |
| 10.1 | Bewerbungs- und Vorbereitungsphase der XXVIII. Olympischen Sommerspiele | 66 |
| 10.2 | Umweltschutz und Umweltbewusstsein in Griechenland | 69 |
| 10.3 | Das Sportstätten- und Umweltschutzkonzept in Athen 2004 | 73 |
| 10.3.1 | Bauliche Maßnahmen und die Umsetzung der Umweltschutzmaßnahmen | 76 |
| 10.3.2 | Transport und Verkehr | 79 |
| 10.3.3 | Ressourcen- und Abfallmanagement | 80 |
| 10.3.4 | Zentrale Umweltprojekte: Schinias und Markopoulo | 83 |
| 10.3.5 | Umweltbildungsmaßnahmen der Spiele in Athen | 85 |
| 10.4 | Die Zeit nach den Spielen - Nachhaltigkeit in Athen | 88 |
| 10.5 | Beurteilung der Olympischen Spiele in Athen | 91 |
| 11. | Umweltschutz in Sydney 2000 und Athen 2004 - Parallelen und Gegensätze | 95 |
| 12. | Umweltschutz - Dritte Säule der Olympischen Bewegung? | 103 |
| 13. | Ausblick | 111 |
| 14. | Zusammenfassung | 122 |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 125 | |
| Internetquellen- und E-Mailverzeichnis | 133 | |
| Anhang | 138 |
Textprobe:
Kapitel 8, Umweltproblematik und Umweltschutzmöglichkeiten Olympischer Sommerspiele:
Die Olympischen Spiele sind die weltweit größte Veranstaltung des Sports. Neben organisatorischen, strukturellen und wirtschaftlichen Problemen sehen sich die Veranstalter zudem mit dem immer bedeutenderen Problem einer mit dem Ausmaß der Spiele anwachsenden Belastung der natürlichen Umwelt konfrontiert. Olympische Spiele stellen für die Umwelt ein kurzzeitiges Belastungsmaximum dar. Die auftretenden Belastungen der Umwelt entstehen direkt durch die Ausübung der Sportarten und das öffentliche Interesse an ihnen sowie indirekt durch die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur. Konflikte mit der Umwelt entstehen bei allen Wettkämpfen, egal ob in Wettkampfhallen und Stadien, in temporären Anlagen oder unter freiem Himmel. Es müssen große Sportkomplexe erbaut und der Transport, die Versorgung wie auch die Kommunikation von mehreren hunderttausend Personen ermöglicht werden. Die Belastungen der Umwelt sind weitaus größer als im alltäglichen Leben.
Bereits die Tatsache, dass die Olympischen Spiele alle vier Jahre an einem anderen Ort veranstaltet werden, bedeutet einen hohen Ressourcenverbrauch für die neu zu bauenden Wettkampfstätte. Dies betrifft nicht nur die Wettkampfanlagen, sondern auch die Außenanlagen zwischen den Veranstaltungsorten, die für kurze Zeit eine enorme Zahl an Besuchern aufnehmen müssen, für die Nachnutzung aber meist überdimensioniert sind. Die Betrachtung der durch Olympische Spiele auftretenden ökologischen Probleme darf zudem nicht einzig auf den Zeitpunkt der Wettkämpfe beschränkt sein, sie muss auch die Vorbereitungsphase und die Zeit nach den Olympischen Spielen berücksichtigen. Ebenso wie in der Phase der Wettkämpfe finden in den beiden anderen Phasen erhebliche Eingriffe in und Auswirkungen auf die Natur statt. In der Vorbereitungsphase auf die Olympischen Spiele sind dies vor allem Flächenverbrauch, Bodenversiegelung und der durch den Bau olympischer Anlagen verursachte Ressourcenverbrauch sowie Schadstoffbelastungen. In der Durchführungsphase wirkt sich vor allem die Anzahl der an Olympischen Spielen Beteiligten auf die Umwelt aus und schließlich sind Belastungen in und durch die Nachnutzung zu bedenken.
Bereits SCHEMEL und ERBGUTH machen darauf aufmerksam, dass die wichtigsten umweltrelevanten Konfliktbereiche, die Autoren nennen diesbezüglich Verkehrs- und Abfallproblematik sowie die Standortfrage, gleichzeitig perfekte Ansatzpunkte zur Vermeidung von Umweltbelastungen durch Sportgroßveranstaltungen darstellen.
Planung und Organisation:
Olympische Spiele in ihren heutigen Dimensionen sind mit großen städtebaulichen Projekten verbunden. Viel wird sich von der Ausrichtung Olympischer Spiele versprochen, wie bspw. wirtschaftliche Prosperität, ein glänzendes Image, eine Verbesserung des Stadtbildes und der Bauten. Die Anforderungen an finanzielle, personelle sowie planerische Leistungen und die zu erbringenden Investitionen, selbst schon der Anwärterstädte in der ersten Bewerbungsphase, sind enorm. Für ein relativ kurzzeitiges Ereignis von wenigen Wochen werden Jahre der Planung und Bauzeit benötigt. Zwischen 15 (Winterspiele) und 40 (Sommerspiele) Bauten werden durchschnittlich für Olympische Spiele errichtet sowie zahlreiche bauliche Veränderungen an der Versorgungs- und Verkehrsstruktur der Ausrichterstadt vorgenommen. Rund 1 000 Hektar Fläche werden für den Olympischen Sport benötigt, welche in städtischen Gebieten wie auch in der Natur nicht problemlos zur Verfügung stehen. Bei diesen umfassenden Eingriffen konkurrieren viele Interessen miteinander und stehen nicht selten in einem Zielkonflikt.
Die Olympischen Projekte genießen politische Priorität in der Stadt, der Region und der Nation, Planungs- und Entscheidungsprozesse werden verkürzt und ein umfassender Stadtumbau vollzogen. Die städtische Entwicklung wird beschleunigt, aber auch für die nächsten Jahre festgelegt und beeinflusst so die Lebensbedingungen zukünftiger Generationen. Nach dem Leitbild der Nachhaltigkeit sollen keine dauerhaften Strukturen geschaffen werden, die nach den Spielen nicht sinnvoll weiter genutzt werden. Werden die Planungen eng mit dem bestehenden Stadtentwicklungskonzept verknüpft, können durch die Ausrichtung Olympischer Spiele Defizite der Stadt gezielt behoben werden. HEGGER bestätigt die Wichtigkeit dieses Aspektes, da Stadien in der Unterhaltung sehr kostenintensiv sind und insbesondere in Großstadien keine beständige Auslastung möglich ist. Teilweise haben Austragungsorte von der Durchführung der Spiele mit Stadien für Spitzen- und Breitensport sowie Großveranstaltungen wie Konzerten profitiert, andere wiederum leiden noch heute an den negativen Folgen ihres Geltungsbedürfnisses, indem sie nicht ausgelastete Anlagen unterhalten, umbauen oder entfernen müssen. Ein positives Beispiel bietet der Olympiapark in München, durch den ein wichtiger Grünzug im Nordwesten der Stadt geschaffen wurde. Zudem erfolgte an dieser Stelle eine Vernetzung zwischen Erholung, Breiten- und Spitzensport sowie Kultur.
Die stadtplanerischen Möglichkeiten sind vielfältig, es müssen jedoch Langzeiteffekte beachtet werden. Speziell in ökologischer Hinsicht bieten sie die Möglichkeit, einen höheren Umweltstandard zu erreichen und diesen auch zu halten. Zukunftsgefährdende Tendenzen einer Kurzfrist-Orientierung des alltäglichen, ökonomischen und politischen Handelns müssen vermieden werden. Dies setzt allerdings einen respektvollen Umgang und Kompromissbereitschaft aller Beteiligten voraus, ohne die Belange in Bereichen wie der Ökologie für unwichtig zu erachten.
Sportliche Großveranstaltungen umweltfreundlich zu gestalten, ist problematisch und erfordert ein hohes Maß an Planung und umweltrelevantem Wissen. Es müssen Kurz- und Langzeiteffekte, die Komplexität des Ökosystems, regionale Besonderheiten, direkte und indirekte Auswirkungen der Veranstaltung auf die Umwelt, als auch nationale und internationale Bestimmungen und Gesetzgebungen bedacht werden. Umweltaspekte dürfen nicht nur punktuell Berücksichtigung finden. Sie müssen konsequent und planmäßig angewandt werden. Dies kann nur erreicht werden durch ein Umweltkonzept mit systematischem Umweltmanagement, welches fester Bestandteil des Masterplans der Gesamtveranstaltung ist. Ein wesentliches Element eines effizienten Umweltkonzepts ist der Einbezug von Umweltexperten oder Umweltorganisationen in die Gesamtorganisation. Somit ist gewährleistet, dass alle Maßnahmen möglichst objektiv auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft und im Sinne des Umweltschutzes abgeändert werden können. Die Einrichtung einer Umweltabteilung als Vermittler zwischen den Interessen der einzelnen Gruppen und den beteiligten Unternehmen ist zudem notwendig.
Um eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten, sind konkrete Zielvorstellungen über die Art und den Zeitraum der späteren Verwendung bereits in der Planungsphase notwendig. Dies erspart Zeit und Kosten, da Maßnahmen und Investitionen bereits im Sinne der Folgenutzung durchgeführt werden können und die Anlagen so später mit minimalem Aufwand der Nachnutzung zuzuführen sind. Nutzungsverknüpfungen erleichtern eine wirtschaftliche Tragfähigkeit und können die Kernnutzung in sinnvoller Weise ergänzen.
Die Standortwahl ist zudem in vielfacher Hinsicht von entscheidender Bedeutung. Sie hat Auswirkungen auf die Ökologie und Biodiversität des Standorts und des angrenzenden Raumes, das Landschaftsbild, die Verkehrswege und die nachhaltige Nutzung der Anlage. Die Sportstätten und Unterkünfte benötigen häufig weiträumige geeignete Flächen und Nebenflächen. Gerade in verdichteten urbanen Gebieten stehen diese nicht unbegrenzt zur Verfügung und die vorhandenen konkurrieren nicht selten mit ökologisch bedeutsamen Flächen. Die Wahl des Standorts hat entscheidenden Einfluss darauf, ob die negativen Auswirkungen der Anlage intensiviert oder minimiert werden. Die Einrichtungen können zentral in der Innenstadt, in städtischen Randgebieten oder außerhalb des Siedlungsraumes angelegt werden.
Bei Veranstaltungen im Freien sind zusätzliche Aspekte zu beachten. Bestehende Ökosysteme dürfen nur soviel wie unbedingt nötig und so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Die Errichtung von Sportanlagen in der freien Natur kann wertvolle Biotope und Habitate bedrohter Tierarten zerstören. Ökologisch sensible Räume sollten daher gemieden und Wechselwirkungen der Tier- und Pflanzenwelt mit den verschiedenen Auswirkungen der Veranstaltung bedacht werden. So sollten auch die Zuschauer auf dem Veranstaltungsgelände durch Anweisungen, Regeln und infrastrukturelle Maßnahmen wie Zäune oder Grünanlagen wie auch bei An- und Abreise derart gelenkt werden, dass diese keine zusätzlichen Belastungen verursachen. Ein wirklicher Ausgleich vor Ort ist oft nicht möglich, wohingegen ein großzügiger Ausgleich an anderer Stelle Natur auch stärken kann.
Ein enormes Wirkungsgeflecht muss bedacht und nicht nur den Bedürfnissen der Olympischen Spiele, sondern auch denen der Stadt angepasst werden. Bereits in der Vorbereitungsphase können Probleme, gleich welcher Art, vermieden werden, indem sie schon in der Planung bedacht werden und so erst gar nicht entstehen können. Auch aus ökonomischen Gründen sind präventive Maßnahmen korrektiven vorzuziehen. "Eine weit verbreitete Annahme unter Managern ist, dass Umweltinitiativen zwar sehr ehrenwert, jedoch teuer und zeitaufwändig sind". Dies liegt meist darin begründet, dass Folgekosten durch umweltschädliche Produktion nicht bedacht werden und vorrangig die Aufmerksamkeit nur auf den Investitionskosten liegt. Zahlreiche Beispiele zeigen jedoch, dass ein gutes Umweltmanagement Zeit- und Kostenersparnis bringen kann. Aufgrund der hohen Einspareffekte durch den Einsatz ressourcenschonender Technik amortisieren sich die Investitionen häufig bereits innerhalb kurzer Zeit. Der Nutzen liegt zudem in verstärkter öffentlicher, nationaler wie auch internationaler Unterstützung, einer frühzeitigen Planungssicherheit, einem positiveren Erscheinungsbild, insbesondere in Hinblick auf Sponsoren und Partner, einer frühzeitigen Erkennung von Risiken, z.B. hinsichtlich Hochwasser oder Altlasten und damit verbundene Kostenersparnis für Versicherungen und Krisenmanagement sowie besseren Bedingungen für Sportler und Besucher und einem positiven Image.
Diese Vorteile können gesichert werden, indem in der eigenen Institution wie auch bei Partnern eine entsprechende Aufklärungsarbeit erfolgt und entsprechende Anweisungen gegeben werden. Insbesondere in der Vorbereitungsphase ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten zur Schonung von Ressourcen und der Vermeidung umweltbelastender Baustoffe. Alle Ausschreibungen, Planungs- und Architekturwettbewerbe müssen daher schon im Ausschreibungstext Umweltkriterien enthalten. Die Wahl der Baufirmen, Zulieferer und allgemein aller benötigten Dienstleister sollte ebenfalls unter Umweltgesichtspunkten erfolgen.
Die Organisation einer Großveranstaltung ist mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden, der ebenfalls hohe Anforderungen an die Infrastruktur stellt. Zu einer umweltfreundlichen Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen gehört auch eine umweltfreundliche Organisation. Nicht nur die Wettkampfstätten, auch die Verwaltungsgebäude müssen umwelt-schonend mit der entsprechenden Gebäudetechnik ausgestattet sein und nach der Veranstaltung einer dauerhaften Nutzung zugeführt werden. Die Verwaltungsarbeiten können ebenso in vielfältiger Weise umweltfreundlich und ressourcenschonend ausgelegt werden. Möglichkeiten hierfür sind bspw. energiesparende Maßnahmen bei Beleuchtung und technischen Geräten, wassersparende Installationen im Sanitärbereich, Mülltrennung und ein sinnvolles Abfallmanagement, wie auch der Einsatz wiederverwend- und nachfüllbarer Büromaterialien. Ebenso sollte die Nutzung von Umweltpapier, recycelt oder chlorfrei, das doppelseitige Beschriften von Dokumenten und grundsätzlich sparsamer Verbrauch und Einsatz von Materialien alltäglich sein.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836612791
Arbeit zitieren:
Westerberg, Michael August 2007: Umweltbelastungen und Umweltschutz bei Olympischen Sommerspielen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Umweltschutz, Olympische Spiele, Sydney 2000, Athen 2004, Green Games



