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Der Umgang mit Rückfällen während der Suchttherapie mit substanzabhängigen Jugendlichen

Welche Bedeutung hat der Rückfall während der Therapie für den weiteren Rehabilitationsprozess des suchtkranken Jugendlichen?

Der Umgang mit Rückfällen während der Suchttherapie mit substanzabhängigen Jugendlichen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Melanie Brückner
  • Abgabedatum: Januar 2006
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 640,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Jena Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9844-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9844-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9844-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Brückner, Melanie Januar 2006: Der Umgang mit Rückfällen während der Suchttherapie mit substanzabhängigen Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Abhängigkeit, Rückfallarbeit, Jugendarbeit, Sucht, Substanzabhängigkeit

Diplomarbeit von Melanie Brückner

Problemstellung:

Missbrauch und Abhängigkeit von Suchtmitteln sind das größte sozialmedizinische Problem in Deutschland. Vor allem der missbräuchliche oder abhängige Konsum legaler oder illegaler Drogen von Jugendlichen ist in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt gerückt. Oft bleibt es jedoch nicht beim jugendlichen Probierverhalten. Ein langandauernder und exzessiver Konsum kann zu persönlichen Schwierigkeiten und zum Scheitern der Lebenspläne führen (vgl. CJD, Infobroschüre - Grenzland). Dies stellt oft für die Jugendlichen eine ausweglose Situation dar, aus der sie ohne äußere Hilfe schwer wieder herausfinden. Eine stationäre Langzeittherapie kann für Jugendliche ein individuelles Hilfeangebot darstellen, das ihnen durch professionelle Unterstützung eine erfolgreiche Therapie und eine Integration in die Gesellschaft ermöglicht.

Hierbei muss man aber auch beachten, dass die Unterbringung in einer stationären Einrichtung Rückfälle oder Therapieabbrüche nicht immer verhindern kann. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Jugendliche oft mehrere Anläufe brauchen.

Dass Rückfälle während einer stationären Entwöhnungsbehandlung zum Alltag gehören, wird auch in der Literatur zum Thema mittlerweile als Tatsache anerkannt. Klienten werden häufig nicht erst nach Beendigung ihrer Therapie, sondern auch schon während der stationären Behandlung rückfällig, sowohl in den Einrichtungen selbst, auf Ausflügen oder auf Heimreisen.

Seit Mitte der 70er Jahre entbrannte eine Debatte um das Thema Rückfall im Suchthilfesystem. Dies führte zu einer veränderten Einstellung gegenüber Rückfällen und zu einer anderen Umgangsweise mit rückfälligen Klienten. Rückfälle werden nun als erklärbare Handlungen und als Entwicklungschance gesehen. Ferner wird zugestanden, dass der Weg aus der Sucht Zeit braucht. Rückfälle sind demnach eher als die Regel und nicht als Ausnahme anzusehen. Dieses neue Verständnis hat in vielen Einrichtungen zu einer neuen Umgangsweise mit rückfälligen Klienten geführt.

Während meines Studiums wurde ich innerhalb des berufspraktischen Semesters mit dieser Tatsache des öfteren konfrontiert. Im Verlaufe meines Praktikums in einem Pädagogisch- therapeutischem Zentrum für suchtgefährdete und abhängige Kinder und Jugendliche habe ich die Erfahrung gemacht, dass Rückfälle im Laufe der Therapie immer wieder an der Tagesordnung stehen. Da eine Suchterkrankung chronisch rezidivierend verläuft, ist während einer Entwöhnungstherapie und auch danach immer mit Rückfällen zu rechnen.

Für mich hat sich im Laufe meiner Studienzeit die Frage ergeben, ob der Rückfall während der Therapie als „besondere“ Chance gesehen werden kann. Man befindet sich in einem Schutzraum, hat professionelle Hilfe um sich, sodass der Rückfall umgehend bearbeitet und in die weitere Behandlung integriert werden könnte. Kann es für den Klienten deshalb nicht eine Chance darstellen, da er Rückschläge umgehend mit Fachpersonal wieder aufarbeiten kann? Ist die Gefahr eventuell innerhalb dieses Schutzraumes geringer wieder in altes Suchtverhalten zu verfallen?

Ausgehend von diesen Überlegungen werde ich in der folgenden Ausarbeitung versuchen dem Titel der Arbeit: „Der Umgang mit Rückfällen während der Suchttherapie mit substanzabhängigen Jugendlichen“ gerecht zu werden, indem ich mich intensiv mit der Frage auseinandersetzen werde: „Welche Bedeutung hat der Rückfall während der Therapie für den weiteren Rehabilitationsprozess des suchtkranken Jugendlichen?“ Mein Ziel ist es dabei, dies aus der Sicht von betroffenen suchtkranken Jugendlichen darzustellen, die Erfahrung mit Rückfällen gemacht haben. Um dies erreichen zu können wurden qualitative Interviews in einer suchttherapeutischen Einrichtung durchführen. Sowohl die Aussagen einiger Experten dieser Einrichtung, als auch die Wahrnehmungen und Erlebnisse der rückfällig gewordenen Jugendlichen sollen dazu beitragen meine Ausgangsfrage zu beantworten.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil dieser Diplomarbeit wird das theoretische Hintergrundwissen vermittelt, das zum Verstehen der anschließenden empirischen Untersuchung, sowie zum Nachvollziehen der Auswertung und Interpretation wichtig ist. Dieser theoretische Teil hat drei Schwerpunkte:

Als Ausgangspunkt werde ich mich mit der Lebensphase Jugend näher auseinandersetzen. Hier soll eine Begriffsbestimmung der Jugend gegeben werden und es werden Entwicklungsaufgaben dieses Altersabschnittes beschrieben. In der Lebens- und Entwicklungsphase des Jugendalters hat die Suchtproblematik eine ganz bestimmte Bedeutung. Deshalb wird anschließend der entwicklungspsychologischen Aspekt bei Jugendlichen mit der Suchtproblematik in Verbindung gebracht. Es soll verdeutlicht werden, dass es Besonderheiten im Jugendalter im Zusammenhang mit substanzbezogenen Abhängigkeitserkrankungen gibt. In diesem Kontext wird auch das darin eine Rolle spielende Experimentieren mit legalen und illegalen psychotropen Substanzen im Jugendalter beleuchtet.

Danach sollen einige theoretische Grundlagen über den Substanzmissbrauch und die Substanzabhängigkeit im Jugendalter verdeutlicht werden. Nachdem einige Begriffsbestimmungen gegeben wurden, werden Modelle über die Entstehung und Aufrechterhaltung süchtigen Verhaltens dargestellt. Anschließend soll noch ein Einblick in das Hilfesystem für substanzabhängige Jugendliche gegeben werden, wobei ein besonderer Fokus auf die Entwöhnungstherapie gelegt wird.

Im dritten Schwerpunkt steht das Thema „Rückfall“ im Mittelpunkt. Hier soll der Paradigmenwechsel im Umgang mit Rückfällen beschrieben werden. Anschließend soll dargestellt werden, was eigentlich ein Rückfall ist und ab wann man von Rückfall sprechen kann. Hierbei wird deutlich werden, dass es viele verschiedene Arten von Rückfällen gibt. Weiterhin soll auf Ursachen für Rückfälle eingegangen werden. Danach soll die Rückfallproblematik noch einmal auf Besonderheiten im Jugendalter bezogen werden.

Es gibt allgemein zu diesem Thema eine Fülle von Literatur, jedoch nicht zu der speziellen Problematik von Rückfällen bei Jugendlichen. Daher werde ich auch allgemeine Literatur zum Thema heranziehen, die größtenteils erst auf die besondere Situation hin bezogen werden muss.

Im empirischen Teil der Diplomarbeit liegt der Schwerpunkt auf der Befragung der Klienten, die Erfahrungen mit Rückfällen gemacht haben. Es wurden 6 Klienten einer suchttherapeutischen Einrichtung dazu ausführlich befragt. Außerdem wurde vorweg ein Experteninterview mit der Leiterin und dem pädagogischen Leiter der Einrichtung durchgeführt, in dem die Sicht- und Arbeitsweise der Therapeuten in dieser Einrichtung deutlich wird. Ich werde die Ergebnisse der Untersuchung darstellen und ausgehend von dieser Grundlage versuchen meine Ausgangsfrage zu beantworten. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Untersuchung und deren mögliche Konsequenzen für die Praxis diskutiert und interpretiert. Dabei soll ein Ausblick auf die eventuell anstehenden Aufgaben und Veränderungen in der Rückfallbehandlung der Klienten gegeben werden.

Inhaltsverzeichnis:

Teil 1 Einleitung 4
Teil 2 Theoretische Grundlagen 7
1. Lebensphase Jugend 7
1.1 Begriffsbestimmung Jugend 7
1.2 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter 8
1.3 Entwicklungspsychologische Aspekte der Suchtproblematik Jugendlicher 10
2. Sucht und Substanzabhängigkeit in der Lebensphase Jugend 13
2.1 Substanzmissbrauch und Substanzabhängigkeit 13
2.1.1 Begriffsbestimmung Drogen 13
2.1.2 Missbrauch von Drogen 14
2.1.3 Begriffsbestimmung Sucht und Substanzabhängigkeit 15
2.2 Modelle der Entstehung und Aufrechterhaltung süchtigen Verhaltens 17
2.2.1 Neurobiologische Ansätze 17
2.2.2 Psychologische Ansätze 18
2.2.3 Soziale Erklärungsmodelle 20
2.3 Das Hilfesystem für substanzabhängige Jugendliche 22
2.3.1 Grundprinzipien der Therapie 22
2.3.2 Die Entwöhnungstherapie 24
3. Der Rückfall 27
3.1 Paradigmenwechsel im Umgang mit Rückfällen 27
3.2 Rückfälle bei Abhängigkeitserkrankungen 29
3.3 Risikobereiche und Ursachen für Rückfälle 32
3.4 Rückfälle im Jugendalter 33
Teil 3 Empirischer Teil 35
4. Vorüberlegungen der Untersuchung 35
4.1 Untersuchungsziel 35
4.2 Fragestellung 36
4.3 Die Methodik 36
5. Vorstellung des Untersuchungsfeldes und der Untersuchungsgruppe 38
5.1 Untersuchungsfeld 38
5.2 Untersuchungsgruppe 39
5.2.1 Zielgruppe der Einrichtung 39
5.2.2 Soziodemographische Daten der Klienten 39
5.2.3 Daten zur Vorgeschichte und zum Konsumverhalten der Klienten 40
5.2.4 weitere wichtige Daten der Klienten 41
6. Ergebnisse der Untersuchung 42
6.1 Das Experteninterview 42
6.1.1 Verständnis von Sucht 44
6.1.2 Verständnis von Rückfall 45
6.1.3 Die therapeutische Arbeitsweise im „Grenzland“ 46
6.1.4 Der Paradigmenwechsel in der Rückfallarbeit 49
6.2 Die Klienteninterviews 50
6.2.1 Beschreibung der einzelnen Rückfälle 51
6.2.2 Individuelles Verständnis von Rückfall 55
6.2.3 Grenzsituationen und Vorboten eines Rückfalls 59
6.2.4 Die Rückfallarbeit im „Grenzland“ 60
6.2.5 Die Rückfallarbeit in anderen Einrichtungen 71
6.2.6 Die heutige Situation der Klienten und ihre Zukunft 72
7. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse 76
7.1 Auslegung der Daten 76
7.2 Mögliche Konsequenzen für die Praxis 83
8. Zusammenfassung 86
Abkürzungsverzeichnis 88
Quellenverzeichnis 89
Anhang 92
Eidesstattliche Erklärung 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

ein. Man sieht den Rückfall als ein Teil der Krankheit an. Deshalb arbeitet man immer mit dem Rückfall und die Therapie wird nicht sofort beendet. • • „Ich finde es ... gut, dass sie so auf den pädagogischen Hintergrund mit achten und auch dass ein Rückfall zur Krankheit gehört.“ „Weil es bringt nichts wenn ich dem Abhängigkeitskranken von Anfang an sage: Ihr fliegt nach nem Rückfall raus, wie es in vielen therapeutischen Einrichtungen ist. ... Wenn man dann gleich von vorn herein weiß, ach ich flieg raus wenn ich einen Rückfall baue, dann wird man immer diesen Gedanken im Hinterkopf haben. Ich baue keinen Rückfall weil ich hier rausflieg, aber das bringt nichts fürs Leben, wenn ne Therapieeinrichtung einem das aufzwingt. ... Das ist hier nicht so.“ Dieser Befragte sieht hier aber auch eine negative Seite. Es kann durchaus sein, dass zu Beginn einer Therapie der Abhängigkeitserkrankte mit diesem Standpunkt nicht richtig umgehen kann. Die Jugendlichen finden es anfangs oft ungerecht, wenn ein rückfällig gewordener Klient für diesen Vorfall nicht „bestraft“ wird. Zu diesem Zeitpunkt sieht man den Sinn einer Rückfallaufarbeitung noch nicht. • „Andererseits finde ich es glaub nicht so gut. Weil in Anfangszeiten zeigt es den Jugendlichen. Da braucht man ne sehr lange Zeitspanne um zu sehen was ich hier an Zeitraum nutzen kann in Therapie, weil anfangs habe ich mir immer gesagt, jetzt hat der wieder nen Rückfall gebaut, wurde aber nicht bestraft. Aber später dann, jetzt bin ich auf den Standpunkt: Lasst doch jeden seinen Rückfall bauen! ... und ich finds mittlerweile gut wie sie es machen. Aber anfangs als Abhängigkeitskranker hab ich halt sehr nach außen gekuckt, da war’s halt nicht egal, denn wenn der das kann , dann kann ich das doch auch! Aber prinzipiell würd ich sagen ist es ein ganz gutes Konzept von der Seite. ...“ Einige der Befragten brachten zum Ausdruck, dass die erste Reaktion der Betreuer sehr gut, ruhig und einfühlsam war. Ein Rauswurf steht erst einmal überhaupt nicht zur Debatte. Die Jugendlichen haben sich aufgehoben und unterstützt gefühlt. Es wird sofort Hilfe angeboten. • „Ich muss sagen die haben sehr kompetent reagiert, sehr ruhig. Haben Ruhe ausgestrahlt, haben sich das angehört was ich erzählt hab. Haben auch gleich ein Einzelgespräch mit mir gemacht....“ [...]

6.2.4 Die Rückfallarbeit im „Grenzland“ Um genau diese Gefahren erkennen und eventuelle Rückfälle vermeiden zu können, sollte in jeder therapeutischen Einrichtung die Rückfallarbeit in das Therapiekonzept integriert werden. Jede Einrichtung arbeitet jedoch ganz anders in dieser Richtung. Dies wurde auch durch die Aussagen der Klienten deutlich, die schon andere Therapieerfahrungen gemacht haben. Wie wird in dieser Einrichtung mit Rückfällen gearbeitet? Auf diese Frage antworteten die sechs Klienten sehr ausführlich, sodass man sich ein umfangreiches Bild über die Rückfallarbeit in dieser pädagogisch- therapeutischen Einrichtung machen kann. Ausgangspunkt für diese Arbeit ist in erster Linie die Einstellung in der Einrichtung zu Rückfällen allgemein. Die Befragten schätzten die Sichtweise des „Grenzlandes“ als gut [...]

habe vielleicht mal gedacht: o.k. es währe gut und schön, ... Das war nur ein Gedanke, den ich dann auch gleich wieder abgeworfen habe.“ • „Ich war letztes Jahr, warmer bei mir zuhause, also da war so ne Situation, war halt echt sehr knapp. Und ich war halt in der Disco, hab mir so gedacht, hab ich gefragt so, ob jemand Drogen hat, zumindest Alkohol, da hab ich mir dann aber so gedacht, ne das kannst du nicht machen, das bringt dich nicht weiter. Ich bin halt stark gewesen.“ 3. Als dritte Gefahrenquelle wurde von einem Klienten angeführt, dass es gefährlich wird, wenn man Musik hört, die man mit alten Zeiten verbindet. • „wenn man Musik hört und man wieder an die alten Zeiten zurückdenkt. Da würde man vielleicht noch mal was nehmen.“ Hierzu gehört nicht nur die Musik. Gerüche, Situationen, Empfindungen, usw., die man mit den Drogenkonsum verbindet können bei einem Abhängigkeitserkrankten Suchtdruck erzeugen. Dies hängt ganz stark mit dem Suchtgedächtnis zusammen. Wird man sich diesen Situationen jedoch bewusst, kann man versuchen, genau diese zu vermeiden, um Rückfällen vorzubeugen. Die Gefahrensituationen sind im Prinzip immer vorhanden, man muss nur lernen mit ihnen umzugehen und versuchen die Vorboten eines Rückfalls rechtzeitig zu erkennen. • „Gefahrenmomente kann man jeden Tag haben“ [...]

Arbeit zitieren:
Brückner, Melanie Januar 2006: Der Umgang mit Rückfällen während der Suchttherapie mit substanzabhängigen Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Abhängigkeit, Rückfallarbeit, Jugendarbeit, Sucht, Substanzabhängigkeit

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