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Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen und der Einfluß kultureller Aspekte auf die gesundheitliche Situation und Betreuung von Migranten

Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen und der Einfluß kultureller Aspekte auf die gesundheitliche Situation und Betreuung von Migranten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anja Stein, geb. Zimmermann
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7969-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7969-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7969-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stein, geb. Zimmermann, Anja September 2003: Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen und der Einfluß kultureller Aspekte auf die gesundheitliche Situation und Betreuung von Migranten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ethnomedizin, Gesundheit, Migration, Ausländer, alternative Medizin

Diplomarbeit von Anja Stein, geb. Zimmermann

Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit will Krankheit und Kultur aus zwei verschiedenen Perspektiven beleuchten. Zum einen wird der Blick nach außen gerichtet auf das Krankheitsverständnis und den Umgang mit Krankheit in anderen Kulturen. Zum anderen soll der Blick nach innen klären, wie sich dieses fremde Krankheitsverständnis von Menschen anderer Kulturen auf die Situation und Betreuung von Einwanderern in unserem Gesundheitssystem auswirkt.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll zunächst untersucht werden, ob außerhalb unseres Kulturkreises dasselbe Krankheitsverständnis herrscht oder ob dieses möglicherweise von unserem abweicht. Dabei wird der Umgang mit Krankheit und die angewandten Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit in anderen Kulturen betrachtet. Des weiteren wird beleuchtet, welche Vorstellungen von Krankheitsursachen existieren und auf welche Weise in anderen Völkern Erkrankungen geheilt werden. Hierbei soll die Auswertung ethnomedizinischer Ergebnisse behilflich sein. Das Forschungsfeld der Ethnomedizin untersucht weltweit Medizinsysteme fremder Kulturen und prüft, in welcher Weise Krankheit mit Kultur verknüpft ist. Ferner sollen im ersten Teil der Arbeit Heilerpersönlichkeiten anderer Völker und ihre Art mit auftretenden Erkrankungen umzugehen betrachtet werden.

Durch die Wanderung von einer in eine andere Gesellschaft geschieht nicht selten ein vollständiger Bruch mit dem bisherigen sozialen Umfeld. So soll im zweiten Teil dieser Arbeit zunächst geklärt werden, welche Auswirkungen der Migrationsprozess auf die körperliche und seelische Verfassung der Wandernden hat. In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass der Prozess der Wanderung und das Leben im Aufnahmeland ungewohnte Stresssituationen beinhalten, welche unter Umständen gesundheitsbeeinträchtigend sein können. Diese Annahme soll unter Zuhilfenahme vorliegender Studien zum Thema Gesundheit und Migration geprüft werden, des weiteren wird untersucht, in welcher Weise sich dieser Migrationsstress äußert.

Auf Grundlage der Annahme, dass sowohl Krankheitsverständnis als auch Heilmethoden in anderen Kulturen von dem hiesigen Verständnis und Behandlungssystem abweichen, interessiert als nächstes die Frage, wie Angehörige anderer Kulturen, welche aus verschiedenen Gründen nach Deutschland einwandern, mit dem Medizinsystem unserer Kultur zurechtkommen. In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, in welchen Bereichen Probleme auftreten können, wie diese sich darstellen und vor allem aber auch, wie im hiesigen Gesundheitswesen Tätige mit Angehörigen fremder Kulturen umgehen. Selbstverständlich wird ebenfalls untersucht, welchen Einfluss das fremdkulturelle Krankheitsverständnis und die Erfahrungen aus anderen Gesundheitssystemen bei Umgang und Behandlung von und mit Erkrankungen im hier vorherrschenden System haben. In diesem Teil der Arbeit werden u.a. die vordringlichsten Probleme herausgearbeitet und ihre Handhabung seitens der im Gesundheitswesen Beschäftigten dargestellt.

Im dritten Teil der vorliegenden Arbeit wird untersucht, welche Maßnahmen zur Beseitigung von Schwierigkeiten und Zugangsbarrieren zum Versorgungssystem für Migranten eingeleitet werden könnten bzw. bereits in der Umsetzung begriffen sind. Einige Ansatzmöglichkeiten werden gesondert herausgegriffen und ihre Umsetzungschancen ausführlich erörtert. Es wird ebenfalls diskutiert, welche Faktoren sich bisher behindernd auf die Verwirklichung von möglichen Maßnahmen ausgewirkt haben.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
Zielstellung und Arbeitshypothesen 3
1. Wissenschaftliche Struktur der Ethnomedizin 6
1.1 Einordnung der Ethnomedizin 6
1.1.1 Begriffsklärung 6
1.1.2 Gegenstand 7
1.2 Medizinische Systeme 9
1.2.1 Charakteristika eines medizinisches Systems 9
1.2.2 Verschiedene Krankheitskonzepte und Erklärungsmodelle von Krankheit 12
1.2.3 Unterscheidung 16
1.2.3.1 Auf magisch-religiösen Vorstellungen basierende Medizinsysteme 17
1.2.3.2 Parawissenschaftliche Medizinsysteme 19
1.2.4 Der Umgang mit Krankheit in fremdkulturellen Medizinsystemen 20
1.2.5 Kulturspezifische Erkrankungen 23
1.3 Heilerpersönlichkeiten 26
1.3.1 Klassifizierung von Heilerpersönlichkeiten 26
1.3.2 Das Beziehungsgeflecht Arzt – Patient – soziales Umfeld im kulturellen Vergleich 31
2. Migration und Gesundheit in Deutschland 36
2.1 Migration 36
2.1.1 Definition des Migrationsbegriffs 38
2.1.2 Die rechtliche Position von Migranten im deutschen Gesundheitssystem 38
2.2 Auswirkungen von Migration 42
2.2.1 Das Leben vor der Migration in der türkischen, ländlichen Gesellschaft 42
2.2.2 Veränderungen durch die Migration 44
2.2.3 Psychosoziale Aspekte der Migration – Leben zwischen zwei Kulturen 46
2.2.4 Mögliche migrationsbedingte Beschwerden und Erkrankungen 49
2.3 Migranten im deutschen Gesundheitssystem 56
2.3.1 Die Inanspruchnahme gesundheitlicher Dienste durch Migranten – Erwartungen und Realität 56
2.3.2 Die Problembereiche im Einzelnen 60
2.3.2.1 Sprachbarriere 60
2.3.2.2 Informationsdefizit 62
2.3.2.3 Fremdkulturelles Krankheitsverhalten und fremdkulturelle Krankheitskonzepte 64
2.3.3 Transkulturelle Missverständnisse und ihre Folgen 68
2.4 Resümee der Gesamtsituation 71
3. Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Migranten 74
3.1 Problembilanz 74
3.2 Zusammenfassung der Vorschläge zur Berücksichtigung fremdkultureller Aspekte in der gesundheitlichen Versorgung von Migranten 75
3.3 Möglichkeiten zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Migranten 77
3.3.1 Ethnomedizinische Aspekte in der Ausbildung von medizinischem Personal und die Delegation von Aufgabenbereichen 77
3.3.2 Dolmetscherdienste 79
3.3.3 Psychosoziale Beratung und Psychotherapie 83
3.3.4 Aus- und Weiterbildungsangebote 87
3.4 Interkulturelle Kompetenz 88
3.5 Grenzen und Hemmnisse bei der Verwirklichung theoretischer Konzeptionen 91
3.6 Zwei Beispiele für Modellprojekte 94
3.6.1 Das Ethnomedizinische Zentrum Hannover e.V 94
3.6.2 Dolmetscherdienst am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf 95
3.6.3 Verifizierung der Arbeitshypothesen 96
Anhang 101

Automatisiert erstellter Textauszug:

verschieden Weise zu bewegen (...) Ich sehe keinerlei Unterschied zwischen Maschinen, die von Handwerkern hergestellt wurden, und den Körpern, die allein die Natur zusammengesetzt hat. (Descartes; zit. n. Capra, S.61) Des weiteren ist es auch Descartes, der die folgenreiche Trennung von Körper und Seele vornimmt: „Der Körper enthält nichts, was dem Geist zugerechnet werden könnte, und der Geist beinhaltet nichts, was dem Körper zugehörig wäre.“ (Descartes; zit. n. Capra 1987, S.58) Diese Unterscheidung zwischen Geist und Materie hat das abendländische Denken tief beeinflußt, wobei schlichtweg ignoriert wird, daß bei Descartes noch ein weiteres Element, nämlich Gott existiert, welches die beiden anderen Elemente verbindet. Die Art wie Descartes alle Vorgänge der Welt und des Lebens mechanisch und in seinen kleinsten Teilen betrachtet, löst eine Lawine aus, die alles vorher dagewesene überrollt. Sie macht selbstverständlich auch vor der Medizin nicht halt. Der menschliche Körper als Maschine betrachtet reduziert Krankheit zu einer Fehlfunktion biologischer Mechanismen – eine Erkrankung stellt einen Defekt der Maschine dar, den es zu reparieren gilt7. Diese Aufgabe kommt dem Arzt zu, welcher jetzt im Grunde genommen mit einem Kfz-Mechaniker vergleichbar ist8. [...]

spirituelle Umwelt ab, da sie von einem Zusammenwirken von Körper und Psyche ausgingen1. Die heutige Biomedizin hat ihren Ursprung im 17. Jahrhundert und hat damit im Vergleich zu anderen Medizinen, z.B. dem indischen Ayurveda eine relativ kurze Geschichte. Sie wird deshalb auch oftmals als moderne Medizin bezeichnet. Alles beginnt mit dem französischen Wissenschaftler René Descartes, in dessen Werk nicht nur die Biomedizin ihren Ursprung hat, sondern welcher insgesamt als Begründer unserer heutigen abendländischen Philosophie und westlichen Weltanschauung gilt. Die Grundlage von Descartes´ Philosophie ist der Glaube an die Gewißheit wissenschaftlicher Erkenntnisse2 und dieser Glaube an die wissenschaftliche Wahrheit prägt noch heute das wissenschaftliche Denken in unserer Kultur3. Descartes selbst ist ein brillanter Mathematiker und überzeugt, er könne alle Vorgänge der Welt und des Universums mathematisch erklären. In dem er alles vorher dagewesene bezweifelt, schlägt er eine gänzlich neue Richtung im wissenschaftlichen Denken ein4. Die analytische Denkmethode – ein wesentliches Charakteristikum der heutigen Wissenschaft – welche darin besteht, Gedanken und Probleme in Stücke zu zerlegen und in ihrer logischen Ordnung aufzureihen, geht auf Descartes zurück. Die heute weit verbreitete Ansicht, man könne komplexe Phänomene in ihrer Gesamtheit verstehen, in dem man ihre kleinsten Teile analysiert, ist eine Folge der Überbewertung dieser Methode5. Die Reduktion auf die Betrachtung kleinster Elemente wird von Descartes bis auf den lebenden Organismus ausgeweitet. Bewegungen und biologische Abläufe reduziert er auf mechanische Vorgänge6. „ Wir sehen Uhren, künstliche Blumen, Mühlen und ähnliche Maschinen, die, obwohl nur von Menschenhand gemacht, doch fähig sind, sich von selbst auf [...]

Im ersten Kapitel wurde an mehr als einer Stelle aufgezeigt, daß das biomedizinische System, welches den Anspruch auf Objektivität und Allgemeingültigkeit erhebt, weder das eine noch das andere für sich beanspruchen kann, da es auch Teil einer bestimmten, nämlich der westlichen, abendländischen Kultur ist. Weshalb also dieses besondere, zum Vergleich herangezogene Kapitel über Biomedizin? Erstens ist die Biomedizin in vielen Ländern der Erde Hauptbestandteil des formellen medizinischen Sektors. Manchmal ist sie Ergänzung zu den traditionellen Medizinsystemen des Landes, anderenfalls ihre Konkurrenz. Oft gilt sie als alleiniger Bestandteil des formellen Sektors, ist aber nicht von allen Menschen überall erreichbar. Sie wird allerorts ähnlich praktiziert und ein Großteil der Menschen hat schon einmal Erfahrung mit der Biomedizin gemacht. Zweitens stellt sie zwischen allen im ersten Kapitel aufgeführten Systemen quasi einen Sonderfall dar. Wie gezeigt wurde, verfügen die meisten Systeme über einen ganzheitlichen Ansatz, sowohl was die ätiologischen Vorstellungen als auch die Therapiemethoden betrifft. Das ist bei der Biomedizin nicht der Fall. Drittens ist die Biomedizin Hauptbestandteil unseres medizinischen Systems hier in Deutschland. Wir alle sind mehr oder weniger damit vertraut. Jedoch wird nicht jedermann deren Ursprung, Entwicklung und ihre ätiologische Einzelheiten bewußt sein. Dies wird hier noch einmal dargestellt, um einen plastischen Vergleich zu ermöglichen. [...]

Arbeit zitieren:
Stein, geb. Zimmermann, Anja September 2003: Umgang mit Krankheit in fremden Kulturen und der Einfluß kultureller Aspekte auf die gesundheitliche Situation und Betreuung von Migranten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ethnomedizin, Gesundheit, Migration, Ausländer, alternative Medizin

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