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Der Umgang mit Immigranten im deutschen Schulsystem

Konsequenzen für die Sonderpädagogik

Der Umgang mit Immigranten im deutschen Schulsystem
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Daniel Bick
  • Abgabedatum: Dezember 2006
  • Umfang: 57 Seiten
  • Dateigröße: 305,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe Universität Deutschland
  • Bibliografie: ca. 17
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0293-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bick, Daniel Dezember 2006: Der Umgang mit Immigranten im deutschen Schulsystem, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Benachteiligung, Institutionelle Diskriminierung, Ausländer, Ungleichbehandlung, Soziale Ungleichheit

Staatsexamensarbeit von Daniel Bick

Einleitung:

Am 21. September 2006 hielt Bundespräsident Horst Köhler an der Kepler Oberschule im Berliner Stadtteil Neukölln eine Rede zum Thema Bildung in Deutschland. In dieser stellte er fest, dass es in Deutschland 80.000 Schulabgänger ohne Abschluss gebe. Es fehle außerdem an Ausbildungsplätzen. Von den 51 Schülern der Kepler-Oberschule, die dieses Jahr ein Abschlusszeugníss bekamen, habe bis dahin nur ein Schüler eine Lehrstelle gefunden. Eine schockierend geringe Zahl. Kinder aus Facharbeiterfamilien hätten nur ein Viertel der Chancen eines Akademikerkindes, auf ein Gymnasium zu kommen. Er thematisierte weiterhin, dass das Fehlen von Disziplin und die Gewaltbereitschaft den Alltag an vielen Schulen bestimme.

Der Bundespräsident hob auch hervor, wie wichtig Bildung für ein erfolgreiches Leben sei. Eine Demokratie sei darauf angewiesen, dass ihre Bürger über eine gute Bildung verfügen. Die Bildung in Kindergärten, Schulen, Lehrwerkstätten und Universitäten habe großen Anteil an der Gesellschaft in der wir leben. Bildung sei der wichtigste Rohstoff in einer globalisierten Welt, insbesondere in einem Land ohne nennenswerte Bodenschätze. Es sei in der globalisierten Welt wichtig, dass dieses Land seinen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften selbst abdecke.

Von den vielen Immigrantenkindern in Deutschland blieben überproportional viele ohne einen Schulabschluss. Im Vergleich zu Deutschen erreichten nur halb so viele Migranten einen qualifizierten Berufsabschluss. Eine gelungene Integration von Immigranten verlange, dass diese Missstände behoben werden. Deutschland müsse allen Menschen und somit auch Immigranten, gute und faire Bildungschancen bieten und jene müssten sie im Gegenzug mit ihren Mitteln fördern.

Diese Rede verdeutlichte mir noch einmal die Brisanz meines Themas. Ist die Organisation Schule, in der zu arbeiten mein Ziel ist, Teil dieser Problematik? Ich möchte als Lehrer die mir anvertrauten Schüler doch so gut, wie es mir möglich ist, fördern und auf ein erfolgreiches Leben vorbereiten. Sie sollen ein Teil dieser Gesellschaft werden. Dieses Ziel möchte ich auch dem Großteil meiner Kommilitonen und späteren Kollegen unterstellen.

Bei meinen Recherchen fand ich ein wohl maßgebliches Werk zu dieser Thematik: Gomolla und Radtke– Institutionalisierte Diskriminierung im Deutschen Schulsystem (Gomolla, Radtke, Opladen 2002). Die beiden Autoren versuchen die Mechanismen, welche ihrer Meinung nach, innerhalb der Organisation Schule zu einer Benachteiligung von Immigranten führen, zu beleuchten.

Die Autoren begreifen die Organisation Schule als Organismus, welcher als natürliches Ziel die Selbsterhaltung und damit verbunden die Reduzierung von Problemen in der Lehrtätigkeit habe. Der Organismus und damit auch die Arbeitsplätze müssten unabhängig von den einzelnen Beschäftigten fortbestehen können. Es sei also notwendig, dass die einzelnen Menschen in ihrer Funktion austauschbar blieben. Die persönliche Haltung und Einstellung des Lehrers dürfe also nicht allein die Erfüllung der Aufgaben bestimmen. Gleichzeitig solle den Lehrkräften ermöglicht werden, mit ihrer Arbeit zurecht zu kommen. Das heißt, das analoge Verhalten der Schüler müsse in Kategorien gefasst werden können und die entsprechenden Maßnahmen ebenfalls. Dies ermögliche eine Reduzierung der Unterschiedlichkeit der Schüler und der Probleme auf die sich die Lehrer, Studienräte und so weiter einstellen müssten. Die vom Organismus erlernten Strategien der Problemreduzierung würden institutionalisiert, das heißt im System verankert und darüber hinaus als implizites Wissen den Lehrkräften zur Verfügung gestellt. So würden zum Beispiel Förderklassen eingerichtet um die Heterogenität in den Schulklassen zu reduzieren. Parallel dazu würden den Lehrern Entscheidungskriterien und Begründungen an die Hand gegeben um Kinder für diese schulzeitverlängernden Maßnahmen zu rekrutieren.

An diesen Organismus würden nun von außen, das heißt, vor allem durch Staat und Gesellschaft, Ansprüche gestellt. Zum Beispiel die Erzeugung von Chancengleichheit bei und mit der Verteilung von Bildung und den damit eng verbundenen Zukunftsperspektiven. Das System Schule müsse diese Ziele nun vor dem Hintergrund der eigenen Bestrebungen erfüllen. Um den eigenen Fortbestand zu legitimieren, sei es nötig, die möglichen Misserfolge bei der Erfüllung dieser Ansprüche zu rechtfertigen.

Hierbei greife man auf Deutungsangebote zurück, die diesem Zweck dienlich seien. Zum Beispiel, die angeblich ethnisierende Zuschreibung, dass Eltern mit Immigrationshintergrund und mangelnden Deutschkenntnissen Anteil an der ebenfalls mangelnden Sprachkompetenz ihrer Kinder hätten. Gomolla und Radtke behaupten, dass dieser und ähnliche Sachverhalte nicht die Ursachen für Probleme in der Schule seien. Diese würde im Gegenteil nur genutzt, um das Versagen der Schule bei der Beschulung dieser Kinder im Nachhinein zu legitimieren.

Die beiden Autoren versuchen nun die Strategien zur Problemvermeidung, zur Eigensicherung und deren Legitimierung seitens der Schule, mit Hilfe von Interviews mit Lehrern und Schulleitern zu rekonstruieren. Hierbei betrachten sie hauptsächlich, die wohl entscheidenden, Schnittstellen in der Schulkarriere. Diese seien vor allem die Einschulung, die Versetzungsempfehlung der Grundschule, die Empfehlung nach Beenden der Förderstufe, die Versetzung an eine Sonderschule und die geringe vertikale Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems. Weiterhin spielten schulzeitverlängernde Fördermaßnahmen eine Rolle.

Der Sachverhalt, dass Kinder von Immigranten bei der Verteilung der Bildungsabschlüsse statistisch gesehen nicht fair behandelt würden, müsse nun legitimiert werden. Die positive wie auch negative Diskriminierung der Kinder sei jedoch weder Selbstzweck noch Ursache, sondern nur ein Produkt der Problemreduzierung der Organisation und der Legitimierung von Schulhandeln vor der Gesellschaft. Grundlegende Erklärungsmuster seien hier Defizite in der Sprache, Passungsprobleme bezüglich den Kulturen, Notwendigkeit von Alters- und Leistungshomogenität für eine optimale Förderung. Weiterhin müsse der unterschiedliche soziale Hintergrund, wie von Bourdieu in seinen Thesen vom kulturellen Kapital dargelegt, auch zur Legitimierung des Versagens seitens der Schule, bei der Herstellung von Chancengleichheit, herhalten.

Wenn aber diese Gründe nun nicht Ursache, sondern nur nachgetragene Rechtfertigungen sind, warum versagt die Schule dann bei der Erfüllung, der von Gomolla und Radtke formulierten Ansprüche? Salopp ausgedrückt: Wenn etwas nicht kaputt ist, muss man es nicht reparieren. Ich möchte also nun einige der von Gomolla und Radtke als reine Entschuldigungsmuster angeführten Konstrukte darauf hin überprüfen, in wie weit sie, trotz der formulierten Vorwürfe an das System Schule, als legitime Ursachen für Probleme in der Bildungskarriere der Kinder gelten dürfen. Die Autoren der institutionellen Diskriminierung Gomolla und Radtke kritisieren z.B. den monolingualen Habitus der Schulen. Dieser ist aber durch eine einfache pragmatische Überlegung zu legitimieren. In einem Land, wie Deutschland, in dem Menschen aus so vielen Ländern miteinander und nicht nebeneinander leben müssen, ist es aus Gründen der Rationalität wichtig, dass eine Sprache von allen beherrscht wird. Da die meisten Menschen hier Deutsch sprechen und diese Nation auch historisch auf einer gemeinsamen Muttersprache gründet, muss diese Sprache die Landessprache sein. Weiterhin bedarf eine Gesellschaft zentraler Grundsätze, in Deutschland sind diese im Grundgesetz verankert und stehen außer Frage.

Nachdem ich die Bedeutung von Gomollas und Radtkes Thesen von der Institutionalisierten Diskriminierung dann dargestellt und hinterfragt habe, möchte ich im letzten Teil meiner Arbeit versuchen einige Möglichkeiten zur Verbesserung des Schulsystems aufzuzeigen. Hierbei behalte ich die Auffassung von der Organisation Schule als Organismus bei. Diese Metapher scheint mir sinnvoll und als Ausgangspunkt für Verbesserungen geeignet. Da der Organismus Schule getrieben ist von Selbsterhaltung und Problemreduzierung, und dies in Einklang mit äußeren Forderungen bringen muss, sollten Verbesserungsmaßnahmen sich dieses Streben des Wesens Schule zu Nutze machen. Durch bessere Finanzierung und andere Rahmenbedingungen für die Schule sollten die externen und internen Anforderungen an das Schulsystem zu größerem Einklang gebracht werden. Beispielsweise würde die Pflicht zur Einrichtung von Sprachförderklassen an allen Schulformen bewirken, dass Kinder mit Sprachproblemen nicht so häufig auf Haupt- oder Sonderschulen für Lernhilfe verwiesen werden, da zur Zeit nur diese die entsprechende Förderung anbieten. Dies würde beispielsweise gleichzeitig Arbeitsplätze an Gymnasien sichern und die Lehrer der Regelklassen entlasten. Allerdings bedarf diese Schule dann entsprechender Kapazitäten, wie Räumlichkeiten und Personal. Diese Maßnahmen kosten Geld. Es ist jedoch billiger, als die Probleme, entstanden aus mangelnder Integration, im Nachhinein zu beheben.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 3
1. Hintergründe der Diskriminierung von Migrantenkindern 7
1.1. Begriff der Institutionellen Diskriminierung 8
1.2. Diskriminierung als Begriff 9
1.3. Motive für Diskriminierung in Institutionen 10
1.4. Pädagogische Erklärungsmuster 12
1.4.1. Inkorporiertes Kulturkapital 14
1.4.2. Objektiviertes Kulturkapital 15
1.4.3. Institutionalisiertes Kulturkapital 15
1.4.4. Soziales Kapital 16
1.4.5. Kapitalumwandlung 17
2. Erhaltung von Ungleichheit 18
2.1. Rekonstruktion einer Schlussregel 22
2.2. Der Wissenshaushalt der Schule 23
2.2.1. Schlussregeln für die Einschulung 25
2.2.2. Schlussregeln für die Überweisung auf die Sonderschule für Lernbehinderte 29
2.2.3. Schlussregeln für den Übergang in die Sekundarstufe 33
2.3. Gemeinsamkeiten der Schlussregeln 36
3. Weitere Einflüsse auf den Schulerfolg 39
3.1. Einfluss von Sprachschwierigkeiten auf den Schulerfolg 39
3.2. Einfluss der Eltern auf den Schulerfolg 42
3.3. Einfluss einer fremden Kultur auf die Schulkariere 45
4. Möglichkeitenfür mehr Chancengleichheit 47
4.1. Was kann der Staat zu mehr Chancengleichheit beitragen 48
4.2. Weitere Maßnahmen für eine gerechtere Chancenverteilung 50
Literaturverzeichnis 53

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 3
1. Hintergründe der Diskriminierung von Migrantenkindern 7
1.1. Begriff der Institutionellen Diskriminierung 8
1.2. Diskriminierung als Begriff 9
1.3. Motive für Diskriminierung in Institutionen 10
1.4. Pädagogische Erklärungsmuster 12
1.4.1. Inkorporiertes Kulturkapital 14
1.4.2. Objektiviertes Kulturkapital 15
1.4.3. Institutionalisiertes Kulturkapital 15
1.4.4. Soziales Kapital 16
1.4.5. Kapitalumwandlung 17
2. Erhaltung von Ungleichheit 18
2.1. Rekonstruktion einer Schlussregel 22
2.2. Der Wissenshaushalt der Schule 23
2.2.1. Schlussregeln für die Einschulung 25
2.2.2. Schlussregeln für die Überweisung auf die Sonderschule für Lernbehinderte 29
2.2.3. Schlussregeln für den Übergang in die Sekundarstufe 33
2.3. Gemeinsamkeiten der Schlussregeln 36
3. Weitere Einflüsse auf den Schulerfolg 39
3.1. Einfluss von Sprachschwierigkeiten auf den Schulerfolg 39
3.2. Einfluss der Eltern auf den Schulerfolg 42
3.3. Einfluss einer fremden Kultur auf die Schulkariere 45
4. Möglichkeitenfür mehr Chancengleichheit 47
4.1. Was kann der Staat zu mehr Chancengleichheit beitragen 48
4.2. Weitere Maßnahmen für eine gerechtere Chancenverteilung 50
Literaturverzeichnis 53

Textprobe:

Kapitel 1.4, Pädagogische Erklärungsmuster:

Die Routinen im Umgang mit den, von der Schule im Vorhinein definierten, Problemen führten laut Gomolla und Radtke unter anderem dazu, dass Kinder mit Migrationshintergrund im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen statistisch schlechter abschnitten.

Das Schulsystem sei durch seine Abhängigkeit von öffentlichen Ressourcen dazu gezwungen, diesen Missstand zu rechtfertigen. Primär zöge man hierzu ätyologische Sichtweisen heran. Diese seien übergeordnete Faktoren außerhalb des Einflussbereiches der Schule, wie zum Beispiel der Intelligenzquotient oder das soziale Milieu aus dem ein Schüler stamme. Der restringierte Code der Mitgliedern unterer Schichten zur Verfügung stehe, sei eben nicht geeignet für eine gute Schullaufbahn. Es bedürfe eines elaborierten Codes, wie Kinder ihn sich in einem bildungsbürgerlichen Elternhaus aneignen könnten um in der Schule bis ins Gymnasium zu gelangen, ohne große Probleme zu verursachen. Weiter ausformuliert findet sich dieses Deutungsmuster bei Bourdieu. Seine Sichtweise möchte ich etwas ausführlicher an dieser Stelle darstellen, beinhaltet sie doch im Wesentlichen die Argumente, welche nur von der Schule noch heute angeführt werden.

Bourdieu sieht Gesellschaft als einen fortlaufenden Prozess, man könne sie nicht verstehen, oder gezielt Einfluss auf sie nehmen ohne Kenntnisse ihrer Geschichte. „Die gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte.“ (Bourdieu, Hamburg 1997, Seite 49). Ihre Mitglieder seien einzigartig und nicht beliebig austauschbar wie Teile einer Maschine. Zum Verständnis der Gesellschaft und ihrer Reproduktionsmechanismen, besonders dem der Bildung, benutzt Bourdieu ein Modell der Kapitalakkumulation. Er kennt mehrere Arten des Kapitals, dazu gehören soziales und kulturelles Kapital.

Kapital existiere nicht nur, wie von Wirtschaftstheoretikern verkürzt angenommen in ökonomischer, beziehungsweise finanzieller Form. Bourdieu bezieht sich hier auf die Tradition der Erklärung des ökonomischen Kapitals nach Marx. Kapital bestehe auch noch in anderer Form in unserer Gesellschaft. Am wichtigsten für die Beschreibung der Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das Schulsystem sei das Kulturkapital. Bourdieu unterscheidet hier vier Formen des Kulturkapitals. Es gebe Kulturkapital in inkorporierter, objektivierter, institutionalisierter Form und weiterhin soziales Kapital. Im Folgenden werde ich diese Formen des Kapitals erläutern.

Er definiert Kapital wie folgt, „...Kapital ist akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Material oder in verinnerlichter, „in inkorporierter Form“. Die Gesellschaft funktioniere nicht wie ein Laplace Instrument, wie zum Beispiel ein Würfel; bei jedem Wurf ist jede Augenzahl mit der gleichen Wahrscheinlichkeit zu erwarten, unabhängig von den vorausgegangenen Würfen. Menschen sind jedoch nicht austauschbar wie Würfel. Jeder Mensch sei bereits mit einem Kapitalkonto ausgestattet, welches von seiner Familie gefüllt würde, oder auch nicht, bevor er auf die Schule geht. Hätten die Schüler verschiedene Startbedingungen, die vom Schulsystem nicht berücksichtigt würden, sei es nicht verwunderlich, dass sie nach dem Besuch der Schule auch nicht gleichmäßig mit Kapital ausgestattet seien. Diejenigen, die mit Kapital in die Schule kämen, können von der Schule in Deutschland weit mehr profitieren, als Kinder mit niedrigem Anfangssaldo.

Die Schule sei nicht in der Lage auf Kinder mit einem geringen Besitz an kulturellem Kapital einzugehen. Sie schaffe es nicht, solche Kinder soweit zu unterstützen, dass sie ihr Defizit an kulturellem Kapital ausgleichen könnten und somit einen wirklich chancengleichen Start in das Leben bekämen. Hier soll ein kleines Beispiel zum besseren Verständnis dienen. Ein Kind einer aus dem Ausland zugewanderten Familie, welches mit sprachlichen Defiziten in die Schule kommt, verfüge über einen Mangel an Kapital, beziehungsweise ist mit der falschen „Währung“ ausgestattet. Wird von der Schule oder einer anderen Institution nun nicht ausreichend Unterstützung zum Angleichen des Kapitals an den Durchschnitt geleistet, ist die Schullaufbahn extrem beeinträchtigt. Versteht ein Kind den Lehrer, die Texte und die Mitschüler nicht, wird es unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit Probleme mit der Bewältigung der Anforderungen haben.

Kapitel 1.4.1, Inkorporiertes Kulturkapital:

Diese Form des Kapitals sei an die biologische Einzigartigkeit des Körpers gebunden, eine Delegation somit ausgeschlossen. Das verhalte sich wie mit Muskeln, diese kann man nur selber trainieren und ist nicht in der Lage sie weiterzugeben. Zeit, so Bourdieu, sei als Maß für diese Form des Kapitals am wenigsten ungenau. Um sich zu bilden benötige man Zeit in der man sich auf die Anneignung von Wissen und Verarbeitungstechniken konzentrieren könne. Eine wohlhabende Familie sei eher in der Lage ihre Kinder dahingehend effektiv unterstützen. Das Kind habe die Möglichkeit sich voll und ganz der Schule zu widmen. Finanzielle Unterstützung während des Studiums seitens der Familie ermögliche es Studierenden mehr Zeit und Energie in das Studium zu investieren. Kinder aus finanziell schwachen Familien hätten hier ganz deutlich Nachteile.

Die Aneignung des inkorporierten Kulturkapitals hinterlasse Spuren, zum Beispiel, die einer Region, Klasse oder Religion. Menschen ordnen andere Menschen anhand von Aussprache, Wortschatz und so weiter, bestimmten gesellschaftlichen Kreisen zu. Die Herkunft des Kapitals bestimmt den ihm zugebilligten Wert mit und dient als Schlüssel zu bestimmten Gruppen. Dies liege zum Beispiel an der Solidarität von Mitgliedern sozialen Gruppen untereinander. Dieser Sachverhalt wird im Teil über soziales Kapital weiter erläutert. Eine der wichtigsten Quellen für Kulturkapital, vor allem am Anfang des Lebens, sei die eigene Familie. Manche Kinder haben gebildete Eltern, andere wiederum nicht, es gibt arme und reiche Elternhäuser, was zu unterschiedlicher Ausstattung mit Kapital führt.

Arbeit zitieren:
Bick, Daniel Dezember 2006: Der Umgang mit Immigranten im deutschen Schulsystem, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Benachteiligung, Institutionelle Diskriminierung, Ausländer, Ungleichbehandlung, Soziale Ungleichheit

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