Überrenditen und Markteffizienzhypothese
Eine empirische Untersuchung der DAX-100-Unternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marc Lloret Grau
- Abgabedatum: Januar 2005
- Umfang: 116 Seiten
- Dateigröße: 517,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Worms Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8702-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8702-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8702-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lloret Grau, Marc Januar 2005: Überrenditen und Markteffizienzhypothese, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Value Investing, Kapitalmarkttheorie, Anlagestrategie, Dividendenstrategie, Investmentstrategie
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Diplomarbeit von Marc Lloret Grau
Einleitung:
Der Wertpapiermarkt unterliegt makroökonomischen Gesetzen, Schwankungen und Einflüssen wie alle anderen Märkte auch. Auf dem Marktplatz, der Börse, treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Die Portfoliomanager, Vermögensverwalter, Institutionellen oder Privatinvestoren, welche man als die „Einkäufer“ oder Nachfrager betrachten könnte, stehen hier vor einer ganz essentiellen Frage: Sie müssen entscheiden welche Produkte, Aktien, usw. sie am Markt nachfragen bzw. ins Portfolio nehmen.
Die Globalisierung der Finanzmärkte, gefördert durch die Deregulierungen an den nationalen Märkten, die immer schneller fortschreitenden Informationstechnologien und die zunehmende Verzahnung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen förderten eine Vielzahl neuer Finanzanlageprodukten und Assetstrategien. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der Suche nach den richtigen und besten Produkten des Marktes eine zentrale Rolle zukommt.
Nicht zuletzt aufgrund des Performancedrucks der Portfoliomanager, ausgelöst durch medial publizierte Hitlisten und Benchmarks, müssen Kapitalanlagegesellschaften und deren Geldverwalter für das anvertraute Geld ihrer Anleger eine möglichst hohe Performance bzw. Rendite erwirtschaften. Die Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Versicherer und andere haben sich diese Trends zunutze gemacht, um ihrerseits daran geschäftlich zu partizipieren. Immer mehr ist in der Presse von angeblich sicheren und mit Höchstrenditen behafteten Finanzprodukten zu lesen.
Die große und weitgehend undurchschaubare Produktlandschaft in der modernen Finanzwelt macht einfache, leicht nachvollziehbare und funktionierende Anlagestrategien zunehmend sowohl für den Privatanleger als auch für den institutionellen Anleger interessanter. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Welche Anlagestrategien waren ex-post unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten am vielversprechendsten?
Das von Graham/Dodd konzipierte umfassende Instrumentarium zur Analyse und Bewertung von Aktien verspricht Antworten auf die essentiellen Fragen der Investoren nach dem wahren Wert einer Aktie. Der Vergleich des inneren Wertes mit dem tatsächlichen Preis als Ergebnis der Bewertung durch die Börse soll zeigen, ob eine Aktie fair, unter- oder überbewertet ist.
Die Fundamentalisten verfolgen verschiedene Ansätze zur Erzielung von Überrenditen. Diverse Anlagestrategien, mit denen Anleger versuchen, antizyklisch zu handeln, beruhen auf dem Glaubenssatz, dass man konträr zur großen Masse investieren sollte, um Überrenditen erzielen zu können („Contrarian Investing“).
Eine dieser antizyklischen Strategien besteht darin, dass man Aktien mit tiefen Preisen bzw. Kursen im Verhältnis zu Fundamentalgrößen wie Gewinn, Cashflow, Buchwert oder Dividenden ins Portfolio aufnimmt. Solche Strategien nennt man Value-Strategien.
Erfolgsversprechende, einfach nachvollziehbare Anlagestrategien haben in den letzten Jahren vor dem Hintergrund volatiler Kurse an den internationalen Kapitalmärkten und dem abnehmenden Vertrauen der Anleger in Fonds, Assetmanager und Analysten an Bedeutung gewonnen.
Auf die Euphorie in den Jahren des Internethypes und der New Economy folgten mit dem Platzen der Spekulationsblase für einen Großteil der Kleinanleger, aber auch für institutionelle Anleger, enorme Vermögensverluste. Als unmittelbare Folge dessen wurde der Ruf nach konservativen Anlagestrategien wieder laut, die sich auf quantitative bzw. empirische Erfolge der Finanzanalyse in der Vergangenheit stützen konnten und eine gute Performance auch in schwierigen Zeiten versprechen.
Aufgrund der bekannten Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten und dem einhergehenden Kursverfall in den Wachstumssegmenten in den vergangenen vier Jahren sind manche Akteure verunsichert, welche Anlagestrategien langfristig den besseren Erfolg zeigen: Value-, Growth- oder Style-Investing. Der Börsenhype und die einsetzende Korrektur der Übertreibungen an den Wertpapiermärkten bedeuteten z.T. enorme Vermögensverluste, für private wie institutionelle Anleger. In diesen volatilen und etwas schwierigeren Zeiten stellt sich für Investoren die Kernfrage, mit welchen Anlagestrategien sich langfristig die besten Performance-Ergebnisse, unter Berücksichtigung angemessener Risiken, erzielen lassen.
Wachstumsstrategien haben in Depots von Versicherungen als auch von Anlegern einen enormen Flurschaden angerichtet, der manche gar in arge Bedrängnis gebracht hat. Vor diesem Hintergrund erscheinen wertorientierte, konservative Anlagestrategien in neuem, attraktivem Licht. Value muss nicht unbedingt weniger Performance bedeuten und Growth nicht unbedingt ein Mehr an Ertrag versprechen. Das allgemein höhere Risikoprofil von Wachstumsunternehmen muss bei der Titelselektion mitberücksichtigt werden.
Inwiefern die empirischen Untersuchungen renommierter Wissenschaftler dazu dienen, den Anliegen informationssuchender Anleger Rechnung zu tragen, um verlorenes Terrain im Depot zurückzugewinnen und nachhaltig bessere Performance-Ergebnisse zu erzielen, soll nachfolgend analysiert werden. Ob dies mit den vorgestellten Faktorenmodellen bzw. fundamentalanalytischen Instrumenten der Aktienanalyse gelingen kann, soll mit den folgenden Ausführungen eruiert werden.
Der Schwerpunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit liegt in der Vorstellung der Ideen des Value Investings und der Implikationen für die Anlagepraxis. Dabei beschäftigt sie sich mit den verschiedenen Aspekten der Finanztheorie wie Markteffizienzhypothese (Fama), der Existenz von Überrenditen und den grundsätzlichen Modellen wie CAPM und APT. Insbesondere die Existenz umfangreicher empirischer Studien zur Performance-Messung und der langfristige Erfolg von Anlagestrategien sind hierbei von besonderem Interesse. Die speziellen Ergebnisse dieser sind in die einzelnen Kapitel eingeflossen (insb. Kapitel 3).
Darauf aufbauend wurde die eigene empirische Untersuchung konzipiert und Strategien abgeleitet. Dabei wurden verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen hinsichtlich diverser Anlagestrategien vorgestellt und berücksichtigt.
Die Zielsetzung der Diplomarbeit lässt sich mit Hilfe folgender Fragen eingrenzen:
Welche Rolle spielt die Markteffizienzhypothese in der Praxis?
Welche Kennzahlen, Faktoren bzw. Determinanten sind zur Selektion vielversprechender Aktienstrategien geeignet?
Welche Kennzahlen sind am aussagekräftigsten für eine überdurchschnittliche Performance?
Zu welchem Ergebnis kommt die eigens konzipierte empirische Studie?
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, einen Überblick über ausgewählte Konzepte der Finanztheorie zu vermitteln und Strategien zur Erzielung von Überrenditen vorzustellen. Momentane Trends werden gleichzeitig durchleuchtet. Teilweise wird theoretisches Wissen unter Einbringung praktischer Erfahrungen in den vorgestellten konzeptionellen Aufbau der Arbeit integriert.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 2 | |
| Abbildungsverzeichnis | 4 | |
| Formeln | 5 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 1.1 | Motivation und Zielsetzung | 7 |
| 1.2 | Aufbau und Methodik | 9 |
| 2. | Grundlagen der Finanztheorie | 11 |
| 2.1 | Einführung | 11 |
| 2.2 | Markteffizienz-Hypothese | 11 |
| 2.2.1 | Kritik an der Markteffizienz-Hypothese | 14 |
| 2.2.2 | Zusammenfassung | 16 |
| 2.3 | Portfoliotheorie und -management | 17 |
| 2.3.1 | Asset Allocation | 22 |
| 2.3.1.1 | Passives Portfoliomanagement | 23 |
| 2.3.1.2 | Aktives Portfoliomanagement | 23 |
| 2.4 | Moderne Portfoliotheorie | 24 |
| 2.4.1 | Normative Kapitalmarktmodelle | 29 |
| 2.4.1.1 | Das Markowitz-Modell | 29 |
| 2.4.1.2 | Das Single-Index-Modell | 31 |
| 2.4.1.3 | Das Multi-Index-Modell | 32 |
| 2.4.2 | Deskriptive Kapitalmarktmodelle | 33 |
| 2.4.3 | Modellvergleich | 38 |
| 3. | Fundamentalanalyse und Kennzahlen | 39 |
| 3.1 | Die Begründer der Fundamentalanalyse - Graham/Dodd | 39 |
| 3.1.1 | Der philosophische Ursprung des Value Investings | 39 |
| 3.1.2 | Fundamentalanalyse als Instrument zur Filterung unterbewerteter Aktien | 39 |
| 3.2 | Bedeutung von Kennzahlen bei der Aktienbewertung (Screening) | 44 |
| 3.3 | Die gängigsten Value-Strategien | 46 |
| 3.3.1 | Ausgewählte Ergebnisse empirischer Studien | 46 |
| 3.3.2 | Contrarian-Strategien | 46 |
| 3.3.3 | Dividenden- und gewinnorientierte Strategien | 49 |
| 4. | Anlagestrategien im deutschen Aktienmarkt - eine empirische Studie | 52 |
| 4.1 | Methodisches Vorgehen | 52 |
| 4.2 | Aktienstrategien | 55 |
| 4.2.1 | Einfaktorenmodell | 55 |
| 4.2.1.1 | Dividendenrendite (DAX / MDAX) | 55 |
| 4.2.1.2 | Kurs-Umsatz-Verhältnis (DAX) | 60 |
| 4.2.1.3 | Kurs-Cashflow-Verhältnis (DAX) | 62 |
| 4.2.1.4 | Kurs-Gewinn-Verhältnis (DAX) | 64 |
| 4.2.1.5 | Kurs-Buchwert-Verhältnis (DAX) | 66 |
| 4.2.1.6 | Eigenkapitalrendite (DAX 100) | 69 |
| 4.2.1.7 | Nettomarge (Dax 100) | 71 |
| 4.2.1.8 | Nettocashflow/Umsatz (DAX 100) | 73 |
| 4.2.1.9 | Nettocashflow/Eigenkapital (DAX 100) | 75 |
| 4.2.2 | Mehrfaktorenmodell | 77 |
| 4.2.2.1 | Kurs-Umsatz-Verhältnis und Dividendenrendite (DAX 100) | 77 |
| 4.2.2.2 | Kurs-Umsatz-Verhältnis und Eigenkapitalrendite (DAX 100) | 80 |
| 4.3 | Fazit der empirischen Ergebnisse | 82 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick: Schlussfolgerungen für die deutsche Aktienanlage | 84 |
| Literaturverzeichnis | 87 | |
| Anhang | 91 | |
| Ehrenwörtliche Erklärung | 115 |
eines Wertpapiers. Ein Vergleich mit dem Preis an der Börse soll die drängende Frage beantworten, ob eine Aktie fair, unter- oder überbewertet ist. Bei dem Versuch, Aktien zu bewerten, versucht man, die wertbestimmenden Determinanten von Aktien zu identifizieren. Dabei ist der Wert eines Wertpapiers Ausdruck bzw. Funktion des Gewinns, des Cash Flows, der Dividenden, des Risikos und der zukünftigen Wachstumsraten. Das inhärente Problem der Im plementierung dieser Wertdeterminanten innerhalb von Bewertungsmethoden, welche den wahren Wert einer Aktie bestimmt, ist hingegen eine schwierige Aufgabe – für Analysten als auch für Asset Manager. Die Ermittlung der Wertdeterminanten ist nur ein Problem, ein anderes liegt darin begründet, dass die fundamentale Aktienanalyse avisiert, einen wahren Wert zu ermitteln, der den zukünftigen Aktienkurs prognostiziert. Prognosen sind immer mit Unsicherheit behaftet, ebenso wie die Ermittlung von zukünftigen Wertdeterminanten (wie zukünftige Erträge, Dividendenzahlungen, usw.). Grundidee von Graham/Dodd zur Fundamentalanalyse von Wertpapieren ist ein wertorientierter Ansatz zur Filterung unterbewerteter Aktien, indem der gegenwärtige Preis einer Aktie bzw. der Marktwert (Marktkapitalisierung) eines Unternehmens mit seinem sog. inneren Wert („Intrinsic Value“) 75 verglichen wird. Der innere Wert baut auf Fakten eines Unternehmens wie Gewinne, Vermögen, Dividenden, Zukunftsaussichten und das Management. [...]
Benjamin Graham und David Dodd können als Begründer der Aktienanalyse und geistige Väter des Value Investings angesehen werden. Die sog. Value-Strategien basieren im wesentlichen auf den Forschungsschriften und Publikationen von Benjamin Graham (18941976), ehemaliger Professor an der renommierten Columbia University (New York), Verfasser von bahnberechenden Büchern wie „Security Analysis“ (1932)69 und „The Intelligent Investor“ (1949) 70. Das Werk „Security Analysis“ wurde zur Bibel der Fundamentalisten. Das Investieren nach G raham/Dodd ist inzwischen in den USA zu einer bekannten Bewegung für konservatives, langfristiges Investment geworden. 71 Bekannte Anhänger bzw. Schüler der traditionellen Ansätze von Graham/Dodd zur Filterung unterbewerteter Aktien sind der US-Milliardär Warren Buffett72 und die von ihm gemanagte Investmentholding Berkshire Hathaway, der Investmentmanager John Templeton mit seinem bekannten Templeton Growth Fund 73, Charles T. Munger oder Tom Knapp von der Investmentgesellschaft Tweedy Browne.74 Die langfristigen wertorientierten Aktienanalyse sprechen für sich. positiven PerformanceErgebnisse der Protagonisten bzw. Anhänger der traditionellen Lehren von Graham zur [...]
Die verschiedenen Modellansätze wurden zur Beschreibung des Renditegenerierungsprozesses von mehreren Kapitalmarktforschern empirisch getestet. Trotz dieser diversen Studien kann man noch kein eindeutiges Urteil fällen. Grundsätzlich problematisch für beide Modelle ist, dass die Resultate stark vom verwendeten Datenmaterial und – bei den MultiIndex-Modellen – von der Auswahl der Faktoren abhängen. 65 Neben der unsicheren e mpirische Aussage des CAPM kommt beim CAPM-Modell noch erschwerend hinzu, dass die Wertpapierrenditen nicht nur von den Marktrenditen abhängen. Die APT versucht reale Renditegenerierungsprozesse zu erklären, ist aber zur Kapitalanlageentscheidung nicht geeignet, da es bislang nicht gelingt, eine Antwort auf die Frage nach den maßgeblichen Faktoren für die Wertpapierrenditen zu finden. 66 Hiervon ausgenommen wäre die Bildung von Arbitrageportfolios.67 Die noch ungenau definierten Modelle, aber auch die Schwäc hen in dem Portfolio-SelectionAnsatz haben den Weg geebnet für weitere Modelle (Nicht-Lineare-Modelle) wie bspw. die Chaostheorie.68 Weitere Lösungen in Bezug auf die hohen Informationsanforderungen und Schätzprobleme des Kapitalmarktes für die Portfoliotheorie könnte auch der Ansatz der Asset Allocation liefern, der unter 2.3.1 aufgeführt wurde. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832487027
Arbeit zitieren:
Lloret Grau, Marc Januar 2005: Überrenditen und Markteffizienzhypothese, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Value Investing, Kapitalmarkttheorie, Anlagestrategie, Dividendenstrategie, Investmentstrategie



