Übernahmen insolventer Unternehmen
Eine Analyse aus Sicht des insolventen Unternehmens
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Schroeter
- Abgabedatum: Februar 2001
- Umfang: 91 Seiten
- Dateigröße: 325,1 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4910-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4910-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4910-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schroeter, Thomas Februar 2001: Übernahmen insolventer Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Corporate Finance, Unternehmenswert, Bewertung, Liquidation, Chapter 11
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Diplomarbeit von Thomas Schroeter
Problemstellung:
Insolvenzen und Übernahmen sind alltägliche Ereignisse in einer Marktwirtschaft. Der Erfolg eines Unternehmens, welches in einem Markt agiert, ist kein Dauerzustand, sondern muss ständig erarbeitet werden. Arbeitet ein Unternehmen nicht effizient, so wird es durch den Markt sanktioniert. Die langfristige Konsequenz für ein ineffizientes Unternehmen ist das Ausscheiden aus dem Markt, beispielsweise durch eine Insolvenz oder eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen. Somit stellen diese beiden Ereignisse Konsequenzen der Selbststeuerungskraft des Marktes dar, welche zum Erhalt und zur Effizienz einer funktionstüchtigen Marktwirtschaft beitragen.
Die Bedeutung von Insolvenzen und Übernahmen hat in den letzten Jahren in den meisten marktwirtschaftlich organisierten Ländern zugenommen. Darüber hinaus lässt sich eine zunehmende Verknüpfung der beiden Ereignisse beobachten. Dieser Trend, der vor allem in den USA erkennbar ist, ist durch empirische Studien belegbar. Die Verknüpfung von Übernahmen und Insolvenzen eröffnet ein neues wissenschaftliches Themengebiet, aus dem die vorliegende Arbeit einige ausgewählte Fragestellungen analysiert.
Werden Übernahmen und Insolvenzen miteinander kombiniert, stellt sich zunächst das Problem, wann eine Verknüpfung der beiden Ereignisse aus Sicht der Marktteilnehmer sinnvoll ist. Präzise formuliert stellt sich die Frage, unter welchen Umständen es aus Sicht des Verkäufers und des Käufers rational ist, ein insolventes Unternehmen zu verkaufen bzw. zu kaufen. Die Beantwortung dieser Fragestellung ist das erste Ziel dieser Arbeit. Allerdings beschränkt sich die Arbeit aufgrund des limitierten Betrachtungsumfangs auf die Analyse aus Verkäufersicht.
Sowohl Insolvenzen als auch Übernahmen bzw. Verkäufe von Unternehmen werden im allgemeinen entsprechend bestimmter Prozesse abgewickelt. Diese Prozesse können verschiedene Formen annehmen. Der Insolvenzprozess ist hierbei von besonderer Bedeutung, da er sowohl in Form eines gesetzlichen bzw. formellen Verfahrens als auch in Form eines informellen Verfahrens durchgeführt werden kann. Bei der Verbindung von Übernahmen und Insolvenzen ergibt sich demnach die Frage, inwieweit sich die zwei vormals separaten Prozesse gegenseitig beeinflussen. Das zweite Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, die Interdependenz der beiden Prozesse zu analysieren.
Ein zentraler Bereich des Themengebietes der Übernahmen ist die Unternehmensbewertung. Werden Übernahmen und Insolvenzen miteinander kombiniert, so muss dieser Bereich auf Insolvenzen übertragen und angewendet werden. Diese Anwendung der Unternehmensbewertung auf insolvente Unternehmen ist deshalb das dritte Ziel dieser Arbeit. Konkreter formuliert zeigt die Arbeit, welche Modelle der Unternehmensbewertung für die Bewertung insolventer Unternehmen geeignet bzw. ungeeignet sind. Darüber hinaus wird erörtert, inwieweit die Aussagekraft der Bewertungsmodelle für insolvente Unternehmen eingeschränkt ist, da zusätzlichen Faktoren einen Einfluss auf den Wert eines insolventen Unternehmens nehmen.
Investoren bzw. Käufer von Unternehmen stellen einen weiteren wesentlichen Aspekt des Themengebietes der Übernahmen dar. Neben unterschiedlichen Akquisitionsarten stehen hinter Übernahmen auch verschiedene Motive von Investoren. Bei Übernahmen insolventer Unternehmen stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit dieser Aspekte auf insolvente Unternehmen. Daher ist die vierte Zielsetzung dieser Arbeit, Investoren bzw. Käufer insolventer Unternehmen zu charakterisieren und deren Motive für die Übernahme eines insolventen Unternehmens zu beleuchten.
Gang der Untersuchung:
Die Struktur der Arbeit orientiert sich an ihrer Zielsetzung. Zu Beginn werden in Kapitel 2 und 3 die Grundlagen für die folgenden Analysen gelegt. Hierzu werden in Kapitel 2 notwendige Begriffsbestimmungen vorgenommen sowie die Anspruchsgruppen des insolventen Unternehmens dargestellt. Im Anschluss daran wird in Kapitel 3 das rationale bzw. wertmaximale Verhalten der Anspruchsgruppen eines insolventen Unternehmens definiert sowie die einzelnen Lösungsoptionen in der Insolvenz in einen Entscheidungsprozeß eingeordnet.
Das vierte Kapitel beantwortet die Frage, unter welchen Umständen der Unternehmensverkauf in der Insolvenz aus Sicht des Verkäufers rational bzw. wertmaximal ist. Es wird betrachtet, wann der Verkauf des insolventen Unternehmens die wertmaximale Lösungsoption für die beteiligten Anspruchsgruppen in der Insolvenz darstellt. Dazu werden die verschiedenen Lösungsoptionen entlang eines Entscheidungsprozesses im Hinblick auf ihre Wertmaximalität miteinander verglichen. Dabei wird gezeigt, dass die alternativen Lösungsoptionen in der Insolvenz Ineffizienzen aufweisen können, so dass der Unternehmensverkauf die wertmaximalen Option darstellt.
Kapitel 5 erläutert den Einfluss der Form des Insolvenzverfahren auf den Verkauf eines insolventen Unternehmens. Somit wird der Frage nachgegangen, ob das formelle oder informelle Verfahren im Unternehmensverkauf wertmaximal ist. Hierzu werden verschiedene Einflussfaktoren auf die Wertmaximalität der Verkaufsform kategorisiert und erörtert. Im Ergebnis kann keine pauschale Beurteilung über die Wertmaximalität einer Form des Unternehmensverkaufs gegeben werden. Stattdessen determiniert die Prüfung der Einflussfaktoren die Wertmaximalität der verschiedenen Verkaufsformen.
Das sechste Kapitel analysiert die Bewertung eines insolventen Unternehmens. Hierzu werden zunächst verschiedene Modelle der Unternehmensbewertung vorgestellt. Dann erfolgt eine Beurteilung der Modelle im Hinblick auf ihre Einsetzbarkeit zur Bewertung eines insolventen Unternehmens. Anschließend wird gezeigt, dass die Aussagekraft der Bewertungsmodelle aufgrund von zusätzlichen Einflussfaktoren auf den Unternehmenswert bzw. Verkaufspreis eingeschränkt ist.
Kapitel 7 untersucht die Käufer bzw. Investoren insolventer Unternehmen. Dazu werden die Investoren in unterschiedliche Investorentypen aufgeteilt und die Charakteristika von Investoren vorgestellt. Im Anschluss daran wird erläutert, dass Investoren sowohl operative als auch finanzielle Motive zur Übernahme insolventer Unternehmen haben können.
Die Arbeit schließt in Kapitel 8 mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | III | |
| SYMBOLVERZEICHNIS | IV | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 3 |
| 2. | UNTERNEHMENSINSOLVENZ | 4 |
| 2.1 | Begriffsbestimmungen zur Insolvenz | 4 |
| 2.2 | Anspruchsgruppen eines insolventen Unternehmens | 5 |
| 3. | LÖSUNGSOPTIONEN IN DER INSOLVENZ | 6 |
| 3.1 | Bestimmung des wertmaximalen Verhaltens der Anspruchsgruppen | 6 |
| 3.2 | Einordnung der Lösungsoptionen | 8 |
| 4. | UNTERNEHMENSVERKAUF ALS WERTMAXIMALE LÖSUNGSOPTION | 10 |
| 4.1 | Reorganisation versus Liquidation | 10 |
| 4.1.1 | Unternehmenswert als Entscheidungskriterium | 10 |
| 4.1.2 | Entscheidungsineffizienzen und Lösungsansätze | 11 |
| 4.1.3 | Reorganisation als wertmaximale Option | 14 |
| 4.2 | Unternehmensverkauf versus Restrukturierung der Passivseite | 15 |
| 4.2.1 | Unternehmenswert als Entscheidungskriterium | 15 |
| 4.2.2 | Restrukturierung der Passivseite | 16 |
| 4.2.3 | Unternehmensverkauf als wertmaximale Option | 18 |
| 4.3 | Zusammenfassende Betrachtung | 19 |
| 5. | WERTMAXIMALE FORM DES UNTERNEHMENSVERKAUFS IN DER INSOLVENZ | 20 |
| 5.1 | Formeller versus informeller Unternehmensverkauf | 20 |
| 5.2 | Unternehmenswert als Entscheidungskriterium | 21 |
| 5.3 | Verfahrensbezogene Einflußfaktoren | 22 |
| 5.3.1 | Direkte und indirekte Kosten | 22 |
| 5.3.2 | Finanzierung und Steuern | 23 |
| 5.3.3 | Bruch von Verträgen | 24 |
| 5.4 | Unternehmensbezogene Einflußfaktoren | 26 |
| 5.4.1 | Interne Informationsasymmetrien und Interessenskonflikte | 26 |
| 5.4.2 | Kapitalstruktur | 27 |
| 5.4.3 | Art der Vermögensgegenstände | 28 |
| 5.5 | Zusammenfassende Betrachtung | 29 |
| 6. | BEWERTUNG INSOLVENTER UNTERNEHMEN | 29 |
| 6.1 | Modelle der Unternehmensbewertung | 30 |
| 6.1.1 | Free Cash-Flows Modell | 30 |
| 6.1.2 | Capital Cash-Flows Modell | 30 |
| 6.1.3 | Adjusted Present Value Modell | 31 |
| 6.1.4 | Marktwertverfahren und Multiplikatorenmodelle | 32 |
| 6.1.5 | Zusammenfassende Beurteilung der Bewertungsmodelle | 34 |
| 6.2 | Einflußfaktoren auf den Unternehmenswert | 35 |
| 6.2.1 | Verhandlungsposition des Verkäufers | 35 |
| 6.2.2 | Liquiditätsrestriktion auf Käuferseite | 37 |
| 6.2.3 | Interne und externe Informationsasymmetrien | 37 |
| 7. | INVESTOREN INSOLVENTER UNTERNEHMEN | 40 |
| 7.1 | Charakteristika von Investoren | 40 |
| 7.2 | Motive der Übernahme eines insolventen Unternehmens | 42 |
| 7.2.1 | Operative Übernahmemotive | 42 |
| 7.2.2 | Finanzielle Übernahmemotive | 44 |
| 8. | ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK | 46 |
| VERZEICHNIS DES ANHANGS | 48 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 74 |
Der Unternehmenswert im formellen oder informellen Verkauf des insolventen Unternehmens ist nicht nur von verfahrensbezogenen Faktoren, sondern auch von unternehmensbezogenen Faktoren abhängig. Ein wesentlicher unternehmensbezogener Einflußfaktor ist die Existenz von internen Informationsasymmetrien zwischen den einzelnen Anspruchsgruppen in einem insolventen Unternehmen. Wie bereits in Kapitel 4.1.2 erläutert, hat das Management gegenüber den anderen Anspruchsgruppen des insolventen Unternehmens einen Informationsvorsprung. Es besitzt detailliertere Informationen über die direkten und indirekten Kosten sowie über den möglichen Wertverfall des Unternehmens im Rahmen des gesetzlichen Insolvenzverfahrens. 90 Ebenso kann angenommen werden, daß die Manager den informellen Verkauf bevorzugen. Die Wahrscheinlichkeit, die Position im insolventen Unternehmen zu verlieren, ist in einem formellen Verkauf höher als in einem informellen Verkauf. 91 Neben der Angst um den Arbeitsplatz beeinflussen der mögliche Verlust der eigenen Reputation sowie andere nicht- monetäre Aspekte das Verhalten des Managements. 92 Die Anteilseigner bevorzugen, ähnlich wie das Management, den informellen Verkauf, da sie in diesem Fall im allgemeinen einen größeren Teil ihres eingesetzten Kapitals retten können. 93 Somit haben sowohl die Manager als auch die Anteilseigner das Interesse, die direkten und indirekten Kosten sowie den Wertverfall des Unternehmens so darzustellen, daß sich die beteiligten Anspruchsgruppen für einen informellen Verkauf entscheiden. 94 Da die Fremdkapitalgeber diese Interessen kennen und darüber hinaus nicht wissen, ob sie den Aussagen des Managements bezüglich der Wertmaximalität einer Verkaufsform trauen können, werden sie unter Umständen zu opportunistischem Verhalten motiviert und bevorzugen möglicherweise den formellen Verkauf, obwohl dieser gar nicht wertmaximal ist. 95 [...]
Insolvenzverfahren in verschiedenen Studien nachgewiesen. 85 Diese empirischen Befunde sind allerdings nicht eindeutig, da andere Untersuchungen nachweisen, daß das gesetzliche Insolvenzverfahren nicht unbedingt dazu genutzt wird, um Verträge zu brechen. 86 Allerdings ist der Bruch von Verträgen im gesetzlichen Insolvenzverfahren mit einem komplexen System arbeitsrechtlicher Regelungen verbunden. 87 Trotz des gesetzlichen Insolvenzverfahrens gilt für die Arbeitnehmer weiterhin der Kündigungsschutz. Zudem gehen die Verträge bzw. Arbeitsverhältnisse grundsätzlich auf den Käufer des insolventen Unternehmens über. 88 Darüber hinaus kommen dem Betriebsrat des Unternehmens bei der Kündigung von Arbeitnehmern im gesetzlichen Insolvenzverfahren umfassende Informations-, Beratungs- und Zustimmungsrechte zu. 89 Somit läßt sich resümieren, daß der formelle Verkauf nur in der Theorie den legalen Bruch von Verträgen erlaubt. Empirisch kann dieses Argument nicht eindeutig nachgewiesen werden. Zudem erschweren komplexe rechtliche Regelungen den Bruch von Verträgen in der Praxis. Nach der Analyse der wichtigsten verfahrensbezogenen Einflußfaktoren lautet das Zwischenfazit, daß die Mehrheit der Faktoren keine pauschale Aussage über die Wertmaximalität des formellen oder informellen Verkaufs ermö glicht. Daher ist eine individuelle Analyse der Anspruchsgruppen nötig, um eine wertmaximale Entscheidung treffen zu können. [...]
Betrachtet man ein Unternehmen als einen Nexus aus Verträgen zwischen dem Management, den Arbeitnehmern und anderen Anspruchsgruppen, so kann der formelle Unternehmensverkauf unter Umständen wertmaximal sein, da dieser ermöglicht, eingegangene Verträge legal zu brechen. Da in den USA ein sehr flexibles System des Kündigungsschutzes existiert (sog. ‚hire and fire’), ist der Bruch von Verträgen sowohl im formellen als auch im informellen Verkauf möglich. Insofern gilt das Argument ausschließlich für Deutschland. Die These des Vertragsbruchs läßt sich sowohl theoretisch als auch empirisch belegen. Auf der theoretischen Seite argumentiert Jensen (1993), daß das gesetzliche Insolvenzverfahren im wesentlichen ein staatlich überwachtes System zum Bruch von Verträgen darstellt.84 Auf der empirischen Seite wird der Bruch von Verträgen im gesetzlichen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832449100
Arbeit zitieren:
Schroeter, Thomas Februar 2001: Übernahmen insolventer Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Corporate Finance, Unternehmenswert, Bewertung, Liquidation, Chapter 11




