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Überlegungen zu therapeutischen Möglichkeiten für alkoholkranke Menschen mit Behinderung

Überlegungen zu therapeutischen Möglichkeiten für alkoholkranke Menschen mit Behinderung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Wolfgang Franz
  • Abgabedatum: Januar 1995
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 2,8 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 17
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0366-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Franz, Wolfgang Januar 1995: Überlegungen zu therapeutischen Möglichkeiten für alkoholkranke Menschen mit Behinderung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Behinderter, Alkoholismus, Therapie, Sozialpädagogik, Suchthilfe

Diplomarbeit von Wolfgang Franz

Einleitung:

Diese Arbeit zeigt Überlegungen zu therapeutischen Möglichkeiten Bei suchterkrankten behinderten Menschen auf. Neben den fachtheoretischen Ausführungen, wie Typologien des Trinkverhaltens und Verlauf der Alkoholkrankheit, wird das Erleben eines betroffenen behinderten Menschen aufgezeigt. Dadurch ist diese Arbeit sehr praxisorientiert. Die mitverwendeten medizinischen Befunde und Berichte ( in den Anlagen beigefügt ) lassen eine vielseitige Betrachtungsweise zu.

Therapieziele, Möglichkeiten der Therapieformen und Therapiestrukturen werden auf ihre Behindertengerechte Form durchdacht. Dabei werden die Konzeptionen verschiedener Fachkliniken einbezogen.

Sucht und Behinderung, früher ein Tabu heute in einer offener gewordenen Gesellschaft auch ein offenes Thema.. Heute sind die Kliniken auf dem Weg diesen Bereich zu erfassen (nicht nur Marktlückensucher).

Angehörigenarbeit und Nachsorge nehmen ebenfalls breiten Raum ein. Nur eine gezielte gut vorbereitete, zusammengefasst professionelle Nachsorge, sichert den Therapieerfolg.

Diese Arbeit begleitet einen behinderten Menschen eine lange Strecke seines Lebens; sicherlich mit offenem Ergebnis was den Therapieerfolg betrifft, aber mit Überlegungen wie der Erfolg praxisnah herbei geführt werden könnte.

Bevor auf die Fragestellungen eingegangen wird, soll der Begriff Alkoholismus definiert und seine Auswirkungen umrissen werden. Wenn auch auf die Person des alkoholkranken behinderten Menschen noch besonders eingegangen wird, sollen hier noch einige Abgrenzungen vorgenommen werden. Die Gesellschaft war lange Jahre bemüht Behinderte auszugrenzen, einzusperren, um sie dann zu vergessen. Die heutige Gesellschaft ist anscheinend offener geworden. Diese These von Bach im Gutachten der Bildungskommission, dass die geistig Behinderten die pädagogisch am längsten und vom Umfang her am meisten vernachlässigte Gesellschaftsgruppe darstellt, halte ich für heutzutage abzuschwächen, aber trotz Schwerbehindertengesetz und ähnlichem ist diese These nicht aus der Welt zu denken.

Wer heute Literatur über Sucht und Behinderung sucht, wird wenig finden. In den Fachkliniken gibt es Ansätze, diese Problematik zu erarbeiten. Es besteht die Gefahr, dass z.B. die Lebenshilfeeinrichtungen solche Ansätze erkennen und mit einer Klinik eine Symbiose eingehen, wobei sie schweigend erwarten, dass hier dem süchtigen behinderten Menschen geholfen wird. In Zukunft erfolgt dann keine Einzelfallprüfung mehr, sondern eine automatische Verschickung.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 5
Einleitung 7
1. Alkoholismus 10
1.1 Definition 10
1.2 Ursachen 11
1.3 Typologien des Abhängigen 12
1.4 Typologien des Trinkverhaltens 13
1.4.1 Alpha – Alkoholiker 13
1.4.2 Beta – Alkoholiker 14
1.4.3 Gamma Alkoholiker 14
1.4.4 Delta – Alkoholiker 14
1.4.5 Epsilon – Alkoholiker 15
1.5 Verlauf, Phasen der Alkoholkrankheit 15
1.6 Trinkverhalten 19
1.7 Medizinische Folgen des Alkoholismus 20
2. Die Situation des Therapeuten 21
3. Die Situation des behinderten alkoholkranken Menschen 27
3.1 Die Situation von Herrn D. 35
4. Therapieziele 37
4.1 Allgemeine Therapieziele 38
4.2 Einzelziele der Therapie 39
4.2.1 Medizinisch – soziale Rehabilitation 40
4.2.2 Neuorientierung der Persönlichkeit 40
4.2.3 Abstinenzerhaltung 41
5. Vorbereitungsphase 42
6. Therapiedauer 47
7. Regionalverbund und Individualtherapie 50
8. Überlegungen zum Behandlungsverlauf 54
8.1 Eingangsphase 56
8.2 Psychotherapeutische und sozialtherapeutische Phase 58
8.3 Therapeutische Methoden und Behandlungsangebote 60
8.3.1 Gruppentherapie 61
8.3.2 Einzelpsychotherapie 68
8.3.3 Musiktherapie 71
8.3.4 Wertorientierte Therapie 73
8.3.5 Arbeitstherapie 74
8.3.6 Beschäftigungstherapie 78
8.4 AngehörigenarbeitEinbeziehung des sozialen Umfeldes 80
8.5 Ergänzende therapeutische Maßnahmen zur Freizeitgestaltung 84
8.6 Ablösephase 86
9. Nachsorge 89
10. Ehemaligentreffen 94
11. Schlussbetrachtung 99
Literaturverzeichnis 100
Anhang 103

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 5
Einleitung 7
1. Alkoholismus 10
1.1 Definition 10
1.2 Ursachen 11
1.3 Typologien des Abhängigen 12
1.4 Typologien des Trinkverhaltens 13
1.4.1 Alpha – Alkoholiker 13
1.4.2 Beta – Alkoholiker 14
1.4.3 Gamma Alkoholiker 14
1.4.4 Delta – Alkoholiker 14
1.4.5 Epsilon – Alkoholiker 15
1.5 Verlauf, Phasen der Alkoholkrankheit 15
1.6 Trinkverhalten 19
1.7 Medizinische Folgen des Alkoholismus 20
2. Die Situation des Therapeuten 21
3. Die Situation des behinderten alkoholkranken Menschen 27
3.1 Die Situation von Herrn D. 35
4. Therapieziele 37
4.1 Allgemeine Therapieziele 38
4.2 Einzelziele der Therapie 39
4.2.1 Medizinisch – soziale Rehabilitation 40
4.2.2 Neuorientierung der Persönlichkeit 40
4.2.3 Abstinenzerhaltung 41
5. Vorbereitungsphase 42
6. Therapiedauer 47
7. Regionalverbund und Individualtherapie 50
8. Überlegungen zum Behandlungsverlauf 54
8.1 Eingangsphase 56
8.2 Psychotherapeutische und sozialtherapeutische Phase 58
8.3 Therapeutische Methoden und Behandlungsangebote 60
8.3.1 Gruppentherapie 61
8.3.2 Einzelpsychotherapie 68
8.3.3 Musiktherapie 71
8.3.4 Wertorientierte Therapie 73
8.3.5 Arbeitstherapie 74
8.3.6 Beschäftigungstherapie 78
8.4 AngehörigenarbeitEinbeziehung des sozialen Umfeldes 80
8.5 Ergänzende therapeutische Maßnahmen zur Freizeitgestaltung 84
8.6 Ablösephase 86
9. Nachsorge 89
10. Ehemaligentreffen 94
11. Schlussbetrachtung 99
Literaturverzeichnis 100
Anhang 103

Textprobe:

Kapitel 8.3.6, Beschäftigungstherapie:

Verschiedene Einrichtungen sprechen auch von Gestaltungstherapie. Sie wird in allen Fachkrankenhäusern für Suchtkranke angewendet. Die Beschäftigungstherapie wird i.d.R. gestaltungstherapeutisch ausgerichtet. Während die Patienten in der Arbeitstherapie an den Beruf herangeführt werden, bietet die Beschäftigungstherapie die Möglichkeit der Kreativität durch Malen, Plastisches Gestalten und andere Techniken. Sie ist, wie die Musiktherapie, ein Schlüssel zur Seele. Die Gruppenarbeit (z.B. gemeinsames Gestalten mit Peddigrohr) fördert Kommunikation und Integrationsfähigkeit (z.B. zwischen behinderten und nichtbehinderten Patienten) . Es werden Fähigkeiten und Aktivitäten geweckt, die Denken, Fühlen und Handeln harmonisieren. Beschäftigungstherapie darf nicht mit Basteln gleichgesetzt werden. Weil der Schwerpunkt der Beschäftigungstherapie das kreative Gestalten ist, können sich Menschen mit Kommunikationsschwierigkeiten gut einbringen.

Es müssen aber erfahrene Therapeuten diese Therapieform durchführen, damit unbewusste Ängste und Wünsche, die so sichtbar werden, in der Gruppen oder der Einzeltherapie thematisiert werden können. Zur Beschäftigungstherapie steht in der Konzeption für Hörgeschädigte des Fachkrankenhauses to Hus (S.27) : „Die bei uns durchgeführte Beschäftigungstherapie dient darüber hinaus der Wiederherstellung von verloren gegangenen oder behinderten Funktionen durch die Vorgabe eines individuellen Trainingsprogramms, das mit dem Patienten bei Bedarf auch in der Einzelförderung durchgeführt wird. . .Der Hörgeschädigte entwickelt Selbsteinschätzung und Frustrationstoleranz“.

Im Entlassungsbericht über Herrn D. des gleichen Krankenhauses wird nicht auf die Beschäftigungstherapie bzw. entsprechende Ergebnisse eingegangen. Für eine Nachsorge gibt es hier keinen Anhaltspunkt. Wenn schon die Arbeitstherapie ungünstig verlaufen ist, hätte m.E. mehr Gewicht auf die Beschäftigungstherapie gelegt werden müssen. Ich habe Herrn D. zur Beschäftigungstherapie befragt. Er erklärte, daß er Tonarbeiten gemacht und Körbe geflochten habe. Er sagte: „Die Beschäftigungstherapie war gut, hat mir gut gefallen, aber die Arbeitstherapie war wie im Knast, die war nichts“.

Die Beschäftigungstherapie vermittelt zwar nicht ausschließlich, aber insbesondere dem behinderten Alkoholkranken schneller ein Erfolgserlebnis und kommt seiner Persönlichkeit mehr entgegen als die Arbeitstherapie. Dazu trägt besonders bei, dass in der Beschäftigungstherapie ohne Zeitdruck verfahren werden kann, der ab einer bestimmten Betriebsgröße in der Arbeitstherapie immer herrscht. Die Beschäftigungstherapie entwickelt die Fähigkeit zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung.

Kapitel 8.4. Angehörigenarbeit Einbeziehung des sozialen Umfeldes:

Zur Entwöhnungsbehandlung gehört prinzipiell die Einbeziehung der Angehörigen und anderer Bezugspersonen, wie Vorgesetzte u.a. in der systemischen Sichtweise wird die Familie oder das Umfeld als krank bezeichnet und der Trinker als Symptomträger. Es ist wichtig, den Angehörigen den Verlauf und ihre eigene Funktion bei der Erkrankung und der Gesundung aufzuweisen (vgl. Schaubild 2: Verlauf der Alkoholkrankheit unter Einbeziehung der Angehörigen) . In vielen Fällen ist eine Familientherapie ratsam. Die Familienangehörigen müssen zu einem neuen Rollenverständnis kommen. Der gesundende Alkoholkranke lernt wieder Verantwortung zu übernehmen. Im gleichen Maß müssen die Familienangehörigen wieder Verantwortung zurückgeben. Das ist nicht einfach für die Betroffenen. Die meisten Fachkrankenhäuser bieten daher mehrtägige Seminare während der Entwöhnungsbehandlung an. Der gesunde Partner (aus systemischer Sichtweise einfach: der Partner) muß den Gesundungsprozeß miterleben, damit er erkennt und lernt, daß Abstinenz nichts Selbstverständliches ist. Er muß diese Leistung anerkennen.

Arbeit zitieren:
Franz, Wolfgang Januar 1995: Überlegungen zu therapeutischen Möglichkeiten für alkoholkranke Menschen mit Behinderung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Behinderter, Alkoholismus, Therapie, Sozialpädagogik, Suchthilfe

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