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Überlegungen zur Einführung eines einheitlichen Fahrgastorientierungssystems

Dargelegt am Beispiel des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg

Überlegungen zur Einführung eines einheitlichen Fahrgastorientierungssystems
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Marc Schneiders
  • Abgabedatum: November 2004
  • Umfang: 184 Seiten
  • Dateigröße: 8,1 MB
  • Note: 2,6
  • Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8937-3
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8937-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schneiders, Marc November 2004: Überlegungen zur Einführung eines einheitlichen Fahrgastorientierungssystems, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nahverkehr, Planung, Orientierung, Angebot

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Diplomarbeit von Marc Schneiders

Einleitung:

Fahrgastinformation und Fahrgastorientierung haben im heutigen Zeitalter einen hohen Stellenwert. Aufgrund der Rationalisierungsmaßnahmen während der 1960er Jahre wurden Busse und Straßenbahnen auf Einmann-Betrieb umgestellt. Der damit verbundene Wegfall des Schaffners als Kundenbegleiter führte zu einer zunehmenden Anonymisierung des öffentlichen Nahverkehrs. Während in Bussen heute noch beim Fahrer der Fahrscheinerwerb (außer in Köln) möglich ist, wurde in Straßenbahnen (heute Stadtbahnen) der Fahrscheinautomat eingeführt. Im heutigen Stadtbahnsystem besteht, trotz transparenter Fahrerkabinen, daher keine Möglichkeit mehr, sich ohne weiteres an den Fahrer zu wenden. Dem Kunden fehlt ein Ansprechpartner vor Ort. Das hierdurch entstandene Kommunikations-Defizit kann nur durch ein gut gestaltetes Informations-Konzept kompensiert werden.

Der Kreisverband Köln und Umgebung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) vertritt die Ansicht, dass es für Ortsfremde äußerst schwierig ist, innerhalb des Kölner Stadtbahnnetzes zurechtzukommen. Fremde müssen den Streckenverlauf von 16 Einzellinien und die Lage von insgesamt 40 Stadtteilen und zentralen Haltestellen lernen. Auf diesen unverzichtbaren Daten baut heute die Fahrgast-Information der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) auf. Zur Lösung dieses Problems hat der VCD ein Konzept entwickelt, von dem ein Teil umgesetzt worden ist. Dieses Konzept wird in Kapitel 4.1 genau erläutert werden.

Mit der Entstehung von Verkehrverbünden und der daraus folgenden engen Kooperation von Verkehrsunternehmen und Verkehrsträgern stoßen unterschiedliche, zum großen Teil historisch gewachsene Informations- und Orientierungskonzepte aufeinander. Hierbei sind die Verbünde bestrebt, dem Kunden eine einheitliche Fahrgastinformation- bzw. -orientierung zu liefern. In diesem Zusammenhang soll geprüft werden, inwieweit die im VCD-Konzept genannten Verbesserungsvorschläge sich für ein einheitliches Fahrgastorientierungssystem eignen.

Das Marketing im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) setzt sich mit den Bedürfnissen der Kunden auseinander. Anders als in den vergangenen Jahrzehnten werden Fahrgäste als Kunden und nicht mehr als Beförderungsfälle betrachtet. Während man sich anfangs auf die Fahrplan- und Tarifgestaltung konzentrierte, gehören heute auch Produktplanung, Tarifpolitik, Distribution und Kommunikation und Service zum Marketing. Für den Unternehmer ist das Marketing zu einer Daueraufgabe geworden, um den ÖPNV als Alternative zum eigenen Auto ins Bewusstsein der Menschen zu bringen und dessen Stärken hervorzuheben. Neben den Stammkunden werden auch potentielle Umsteiger und Gelegenheitsfahrer umworben.

So ist die Fahrgastorientierung ein unverzichtbarer Bestandteil des Marketings geworden. Während Stammkunden mit öffentlichen Verkehrsmittel gut zurecht kommen, müssen sich Gelegenheitsfahrer mit den Angeboten (Linienverlauf, Fahrplan und Tarife) auseinandersetzen und sich an das jeweilige Transportsystem gewöhnen. Eine vollständig durchdachte und systematisch aufgebaute Fahrgastorientierung könnte dem unvorbereiteten Gelegenheitsfahrer die Wahl und Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel erleichtern. Im Bereich der Fahrgastinformationsmedien versuchen Verbund und Verkehrsunternehmen auf die Kunden zuzugehen. Nur wer ein Angebot kennt, kann es in Anspruch nehmen, nur wer ein System versteht, kann es zum eigenen Vorteil nutzen.

Mit der Einführung des Gesetzes zur Gleichstellung behinderter Menschen (BGG) mit dem Ziel, die Benachteiligung von behinderten Menschen zu beseitigen und zu verhindern sowie die gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen, hat die Fahrgastorientierung zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Aufgrund dieser Umstände lässt sich prognostizieren, dass die Fahrgastorientierung mehr und mehr ins Blickfeld rücken wird.

Gang der Untersuchung:

Innerhalb dieses Kapitels werden nach einigen Begriffsdefinitionen weitere Fragestellungen behandelt, die sich aus der primären Fragestellung Überlegungen zur Einführung eines einheitlichen Fahrgastorientierungssystems – dargelegt am Beispiel des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg ergeben.

Kapitel 2 befasst sich kurz mit den Methoden der empirischen Sozialforschung sowie der Frage, welche Methode für diese Arbeit geeignet ist. Nach einer kurzen Bestandsanalyse der Angebotsstrukturen werden Darstellungen anderer ÖPNV-Netze aus dem In- und Ausland verglichen und auf Positivbeispiele hin untersucht, welche für das Gesamtgebiet des VRS Anwendung finden könnten. Kapitel 4 setzt sich mit Möglichkeiten der Verbesserung auseinander: In diesem Zusammenhang wird der Ansatz des VCD (Fahrgastorientierungskonzept des VCD Köln und Umgebung) kritisch betrachtet und weiterentwickelt. Im Rahmen von Gesprächen und Diskussionen mit Vertretern von Verkehrsverbund und Verkehrsbetrieben sowie Fahrgastverbänden werden die im erweiterten Konzept des VCD-Ansatzes entwickelten Verbesserungsvorschläge diskutiert und auf mögliche Umsetzung geprüft.

Kapitel 5 zieht ein Fazit aus der gesamten Arbeit. Darin werden ebenso Handlungsempfehlungen abgegeben, bei denen zwischen kurz-, mittel- und langfristig unterschieden wird.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung 6
1.1 Ausgangslage 6
1.2 Die Bedeutung von Marketing und Fahrgastorientierung 7
1.3 Vorgehensweise 8
1.4 Definitionen 9
1.5 Einordnung in die Geographie 11
1.5.1 Verkehrsgeographie 12
1.5.2 Stadtgeographie 13
1.5.3 Thematische Kartographie 13
1.6 Fragestellungen aus der Aufgabenstellung 16
2. Methode 18
2.1 Der quantitative Ansatz – die Befragung 18
2.2 Der qualitative Ansatz 19
2.3 Gewählte Methoden – der Methodenmix 21
2.4 Durchführung der empirischen Untersuchungen 22
3. Analyse des Ist-Zustands 24
3.1 VRS: Gebiet und Struktur 24
3.1.1 Das Gebiet des VRS 24
3.1.2 Die Struktur des VRS 25
3.2 Angebotsstruktur und Entwicklung 26
3.2.1 Schienenpersonennahverkehr (SPNV) 26
3.2.2 Stadtbahn/Straßenbahn 27
3.2.3 Bus 30
3.3 Bisherige Vermarktung des Nahverkehrs im VRS 32
3.3.1 Betriebsformen 32
3.3.2 Liniennummern-System 34
3.3.3 Das VRS-Fahrgastinformationskonzept 35
3.3.4 VRS-Tarifreform 37
3.4 Kritische Betrachtung von Elementen der Fahrgastorientierung 39
3.4.1 Fehlende Erkennungszeichen für SPNV, Stadtbahn und Bus 39
3.4.2 Gliederung (Teilbereiche) und Nummernsystematik 42
3.4.3 Grafiken: Netzpläne – Umgebungspläne – Teilnetzpläne 48
3.4.4 Fahrziele und Zwischenziele (Groborientierung) 58
3.4.5 Darstellung der Fahrplantabellen 62
3.5 Vergleiche mit Orientierungskonzepten anderer ÖV-Anbieter 66
3.5.1 Positivbeispiele 66
3.5.2 Negativbeispiele 73
4. Lösungsansätze für eine einheitliche Systematik 76
4.1 Ansatz des VCD-Köln (VCD-Fahrgastorientierungskonzept) 76
4.1.1 Das Korridorprinzip 76
4.1.2 Orientierung nach Haltestellen statt Ortsteilen 78
4.1.3 Integration der Tarifinformation in die Netzinformation 78
4.1.4 Sonstige Anmerkungen zum VCD-Konzept 78
4.2 Weiterentwicklung und Erweiterung des VCD-Konzeptes 79
4.2.1 Teilnetze: Name, Nummer und Farbe 79
4.2.2 Fahrziele und Zwischenziele (Verbesserung der Groborientierung) 84
4.2.3 Implizite Tarifinformation 85
4.2.4 Blattschnitt 85
4.2.5 Fahrplantabellen 87
4.2.6 Ansagen: Nennung von Umsteigemöglichkeiten 88
4.2.7 Erkennungszeichen für alle Transportebenen 88
4.3 Gespräch mit Angebots- und Nachfrageseite 89
4.3.1 Vorbereitung des Experteninterviews 89
4.3.2 Standpunkte von Angebots- und Nachfrageseite 90
4.4 Erkenntnisse aus den Experten-Interviews und Konsequenzen für das Orientierungskonzept 95
4.4.1 Erkenntnisse 95
4.4.2 Konsequenzen: Nachbesserungen des Orientierungskonzeptes 98
4.4.3 Weitere Maßnahmen 103
5. Schlussbetrachtung und Handlungsempfehlungen 106
5.1 Schlussbetrachtung 106
5.2 Handlungsempfehlungen 109
5.2.1 Kurzfristig (bis Ende 2006) 109
5.2.2 Mittelfristig (bis 2011) 110
5.2.3 Langfristig (nach 2011) 111
6. Quellenverzeichnis 113
6.1 Literatur und Dokumente 113
6.2 Internetquellen 119
6.3 Experteninterviews 122
6.4 Informelle Anfragen und Gespräche 122
7. Anhang 124

Automatisiert erstellter Textauszug:

sicherlich möglich, anstelle von Stadtteilbezeichnungen oder Straßenzügen, nach denen keine Station benannt ist, die wichtigsten Unterwegshaltestellen zu nennen, die zum einen jeder Ortsansässige kennt bzw. jeder Nichtortskundige schnell aus der Netzgrafik entnehmen kann. Die Pariser Transportbehörde RATP wäre mit Sicherheit nie auf den Gedanken gekommen, beispielsweise das XIV. Arrondissement als Zwischenziel für den Linienweg der Metro-Linie 6 (Charles de Gaulle–Étoile – Nation) zu nennen – vielmehr wird auf die bedeutende Umsteigestation Denfert-Rocherau hingewiesen. Im Busbereich ist die Orientierungsproblematik in den Städten Köln, Bonn und Leverkusen dieselbe. Eine fehlende Wiedererkennung im Bereich der Ziele und Zwischenziele erschwert Ortsfremden die Orientierung im öffentlichen Nahverkehr. [...]

Abbildung 3–24: Ziele und Zwischenziele an der Haltestelle Ebertplatz in Köln (Aufnahme : 09.08.2004). Einige Haltestellen enthalten in ihrer Benennung einen Stadtteilnamen wie z. B. Kalk Post und Kalk Kapelle. Als Grobinformation ist die Nennung des Stadtteils Kalk eine hinreichende Information, mit dem auch einem Ortsfremden geholfen werden kann. Mit einem Zwischenziel wie z. B. Weidenpesch (siehe Abbildung 3–24) kann ein Ortsfremder hingegen nichts anfangen, weil keine einzige Haltestelle nach diesen Stadtteil benannt ist. Im Bonner Stadtbahnnetz hingegen ist diese Problematik nicht so gravierend, weil zahlreiche Haltestellen, insbesondere im Bereich der früheren Vorortbahnen, nach Orten und Ortsteilen benannt sind. Im Stadtbahnnetz wäre es daher 59 [...]

Richtungsangaben, insbesondere Fahrzeugzielschilder (Busse und Stadtbahnen), stimmen nicht immer mit den tatsächlichen Namen der jeweiligen Endhaltestellen überein. So wird zum Beispiel für die Kölner Stadtbahnlinie 13, die an der Haltestelle Vischeringstraße ihren Endpunkt hat, das Fahrziel Holweide angegeben. Für den Ortsansässigen (hier dem Kölner) ist, so die KVB, ist die Nennung von Stadtteilnamen (als Groborientierung) hilfreicher als die Nennung einer Haltestelle, die nach einem Straßennamen benannt ist.50 Die Ve rwendung von Grobzielen (durch die Nennung von Stadtteilnamen) erschwert Ortsfremden die Orientierung, da sie sich auch auf andere Informationsquellen wie elektronische Anzeigen, Zielschildangaben und Netzgrafiken verlassen. Die gleiche Problematik herrscht bei der Angabe von Zwischenzielen vor. Diese findet man meist an Stadtbahnhaltestellen vor. Dem Kunden kann durch eine [...]

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Arbeit zitieren:
Schneiders, Marc November 2004: Überlegungen zur Einführung eines einheitlichen Fahrgastorientierungssystems, Hamburg: Diplomica Verlag

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