Übergewichtige Kinder und Jugendliche in Deutschland
Ein Fall für die soziale Arbeit?!
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Axel Jäckel
- Abgabedatum: Mai 2007
- Umfang: 72 Seiten
- Dateigröße: 345,7 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Magdeburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 28
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0519-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jäckel, Axel Mai 2007: Übergewichtige Kinder und Jugendliche in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Deutschland, Kind, Unterprivilegierung, Übergewicht, Gewichtsabnahme
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Diplomarbeit von Axel Jäckel
Einleitung:
Diese Diplomarbeit beschäftigt sich intensiv mit der stetigen Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland seit den 80er Jahren. Der Hauptaugenmerk ist dabei auf die Kinder und Jugendlichen der sozial schwachen Familien gerichtet. Die Arbeit ist in 3 Schwerpunkte aufgeteilt: 1. die gesellschaftlichen und sozialen Ursachen und Zusammenhänge von Übergewicht und Armut, Bildung, etc.
Dabei werden ausgewählte repräsentative Studien seit Beginn der 80er Jahre bis zum Jahr 2007 vorgestellt und intensiv erörtert.
2. die angebotenen Diäten werden ausführlich anhand von Zeitschriften und Interviews untersucht, bewertet und beurteilt.
3. Präventionsansätze, die gesundheitspolitisch, in der sozialen Arbeit, in den medizinischen Einrichtungen oder von den Krankenkassen angeboten werden – sind bisher ohne durchschlagende Erfolge geblieben – hier wird nach den Gründen und möglichen Ursachen geforscht und neue Wege vorgeschlagen, um der sozialen Benachteiligung von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen zu begegnen.
Sie sind überall. Man begegnet ihnen beim Einkaufen, auf der Straße, in der U-Bahn, bei der täglichen Arbeit im Büro oder in der Fabrikhalle, ja selbst im fernen Urlaubsländern kommt man nicht an ihnen vorbei. Diese Menschen, die ihre dicken und fetten Mitmenschen schräg anschauen, tuscheln, lachen oder lästern über die Fülle deren Leiber. In schlimmeren Fällen auch offen beschimpfen oder körperlich angreifen. Sie sind sich ihrer Handlungen und den Schmerz, den sie den Übergewichtigen antun, überhaupt nicht bewußt und hinterfragen weder die Lebensgeschichte noch die Umstände dieser Personen. Selbst der berühmte Sänger Marius Müller- Westerhagen, eigentlich ein Vorbild für viele Menschen, machte sich in den neunziger Jahren öffentlich in seinen Liedern über die Dicken lustig.
So zu handeln entspricht nicht dem menschlichen Handeln und schon gar nicht der Würde eines jeden Menschen. Die Soziale Arbeit muss sich von diesem Tun streng distanzieren und in ihrer professionellen Art und Weise helfen, den Übergewichtigen ihre Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen und mitwirken, die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Barrieren abzubauen, die diesen Menschen wie auch all den anderen sozial Benachteiligten den Weg zu ihren Mitmenschen versperren.
In der nachfolgenden Arbeit, im 1. Teil, Kapitel 1 bis 3, soll auf die gesellschaftlichen und sozialen Strukturen und Umstände der übergewichtigen und adipösen (fettleibigen) Menschen, insbesondere der Kinder und Jugendlichen, eingegangen und analysiert werden, welche Ursachen und Folgen Übergewicht und schweres Übergewicht für sie und ihr allgemeines und spezielles soziales Umfeld haben.
Der 2. Teil beschäftigt sich mit der Thematik der Diäten, ob sie als Problemlösungsansatz in Frage kommen oder eher schädlich als nützlich für die Gesundheit sind, um das Körpergewicht zu reduzieren. Und inwieweit sie für Kinder und Jugendliche eine Erreichbarkeit darstellen.
Für die Soziale Arbeit stellt sich anschließend im 3. Teil die Frage, ob sich durch die soziale Schicht und die Problemfelder der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ein neuer Tätigkeitsbereich eröffnet und inwieweit sie, die Soziale Arbeit, in der Lage sein wird, präventiv und eingreifend, ihrer oberste Pflicht nachkommen kann, auch diesen sozial benachteiligten Menschen zu helfen.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung / Zielstellung | 1 | |
| 1. | Gesellschaftliche und soziale Ursachen der Zunahme von Übergewichtigkeit in Deutschland | 2 |
| 2. | Standards des Körpergewichts | 6 |
| 3. | Ernährungsuntersuchungen in Deutschland-epidemiologische Studien | 9 |
| 3.1 | Schichtabhängiges Ernährungsverhalten-Kinder und Jugendliche | 17 |
| 3.2 | Das Abnehmprogramm der Halberstädter St. Salvatorklinik | 20 |
| 4. | Diäten | 23 |
| 4.1. | Definition, Herkunft und Bedeutung | 24 |
| 4.2 | Diäten zur Krankheitsbehandlung und Gewichtsreduktionsdiäten | 27 |
| 4.3 | Interview mit einer Ernährungsberaterin | 34 |
| 4.4 | Diäten für Jedermann in Medien | 37 |
| 4.5 | Zeitschriftenanalyse - Preis und Qualität der Diätangebote | 38 |
| 4.6 | Zugang für Kinder und Jugendliche | 41 |
| 5. | Sozialer Status und Übergewicht | 42 |
| 5.1. | Prävention und Intervention der sozialen Arbeit | 45 |
| 5.2. | Möglichkeiten und Grenzen der Hilfeangebote | 51 |
| 5.3. | Eine Projektidee | 55 |
| 6. | Resümee, Schlussfolgerung | 57 |
| 7. | Zusammenfassung | 58 |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Schichtabhängiges Ernährungsverhalten - Kinder und Jugendliche: Ernährungsgewohnheiten, Essensvorlieben oder Abneigungen, gemeinsames Essen in der Familie oder außerhalb allein, sind Erziehungsmerkmale, die die Kinder schon im frühen Alter vermittelt bekommen. Diese Merkmale, die sich im Verlauf der Entwicklung festigen und später im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter zum Bedürfnis werden können, sind nur sehr schwer wieder zu ändern. Aber auch die Medien mit Werbung, Reportagen, Artikeln, Zeitschriften und Filmen sowie der enge Freundeskreis, gerade bei den Jugendlichen, üben einen starken sozialen Druck auf Ess- und Ernährungsverhalten aus. Zwar essen ca. 80% der befragten Kinder und Jugendlichen mindestens einmal am Tag Obst und Gemüse, wie sich in der KIGGS-Studie herausstellte, doch liegen sie dabei deutlich unter den Empfehlungen von Ernährungsexperten und -wissenschaftlern.
5-am-Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen.
Von den Studienteilnehmern erreichten nur etwa ein Viertel die empfohlenen Tagesportionen von 3 bis vier Portionen an Brot und Getreide, 34% essen einmal täglich Vollkornprodukte und 43%essen mindestens einmal täglich Weißbrot.
Milch und Milchprodukte, die wichtigen Lieferanten für Calcium, Eiweiß und Vitaminen sind, werden von 12% der Mädchen und Jungen nur dreimal oder seltener im Monat getrunken. Nur etwas mehr als die Hälfte der Untersuchten verzehren mindestens einmal täglich Milch oder Milchprodukte.
Fastfoodprodukte und -restaurants sind immer wieder als Hauptursache für Übergewichtigkeit und Adipositas benannt worden. Die KIGGS-Studie konnte diese Behauptungen eindeutig widerlegen. 81% der Jungen und 90% der Mädchen essen seltener als einmal pro Woche Bratwurst, Currywurst, Hamburger oder Döner Kebab.
Ein signifikanter Unterschied besteht jedoch im Freizeit- und Essverhalten der schichtzugehörigen Kinder und Jugendlichen. Während die Kinder von ihren Eltern stark in ihrem Ernährungswissen und -verhalten geprägt werden, besteht bereits bei den jungen Jugendlichen ein deutliches abweichendes Verhalten zwischen den unteren und oberen Schichtangehörigen. Die Jugendlichen der Oberschicht treiben nicht nur mehr Sport oder körperliche Fitneß als die der Unterschicht, sie verbringen auch viel mehr freie Zeit in Vereinen, mit Lernen für einen höheren Schulabschluss oder üben ehrenamtliche und gemeinnützige Tätigkeiten aus.
Jugendliche der unteren sozialen Schichten sind in ihrer Freizeit sehr häufig an beliebten Treffpunkten wie McDonalds, Burger King oder anderen Fastfood-Restaurants und Tankstellen anzutreffen. Dort werden von ihnen nicht nur sehr hohe Mengen an Alkohol und Cola getrunken, auch Fastfoodprodukte werden in sehr vielen Mengen, mehrmals die Woche, verzehrt. Bei den Mädchen der Unterschicht besteht ein Widerspruch zwischen Ernährungswissen und Ernährungsverhalten. Ihr Wissen ergibt sich aus der höheren Einkaufsbeteiligung mit meist der Mutter in der traditionellen Rollenverteilung, doch führt der Druck der sozialen Gruppe an den jugendlichen Treffpunkten zu einem erhöhten Verzehr der fettigen und energiereichen Nahrung wie Pommes Frites oder Hamburger und nicht z.B. Mineralwasser oder Salate. Sämtliche körperliche Aktivitäten sind auf das Stehen, Erzählen oder Herumfahren mit dem Auto beschränkt.
Die täglich empfohlenen Trinkmengen wurden von fast keinem der Mädchen und Jungen erreicht. Mineralwasser und Säfte werden von den meisten getrunken. Aber ca. 33% trinken süße Getränke wie Cola, Limonade oder Eistee mindestens einmal am Tag. Auch der Anteil der vernaschten Süßigkeiten übersteigt bei vielen Teilnehmern den maximalen Tagesbedarf. 16% von ihnen naschen mindestens einmal täglich Schokolade und 20% essen andere Süßigkeiten.
Fazit: Viele Kinder und Jugendliche schaffen die empfohlenen Tagesmengen an Obst, Gemüse und Getreideprodukten nicht, doch sie essen Süßigkeiten, und Snacks in Übermaßen, ebenso wie Cola, Eistee und andere süße Getränke. Nahrungsmittel, deren Nährstoffgehalt einer Hauptmahlzeit entspricht, werden oft als Zwischenmahlzeit gegessen und verursachen über einen längeren Zeitraum ohne ausgleichenden Sport oder körperlicher Fitneß Übergewicht und Adipositas. Krankheiten, wie Diabetes Typ II, die früher Alterserkrankungen waren, treten immer häufiger auch bei Kindern und Jugendlichen auf, Tendenz steigend.
Ab einem bestimmten Grad des BMI können einfache Trainingsprogramme die körperlichen Defizite und Risiken nicht mehr vermindern. Nur mit professioneller Hilfe, wie dem Halberstädter Adipostasprogramm, können auf Dauer wieder physische und psychische Erfolge wiedererlangt und die Gesundheit und das Körpergewicht stabilisiert werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836605199
Arbeit zitieren:
Jäckel, Axel Mai 2007: Übergewichtige Kinder und Jugendliche in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Deutschland, Kind, Unterprivilegierung, Übergewicht, Gewichtsabnahme



