Die UN-Friedensmissionen
Fallbeispiele in Afrika
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Schweiger
- Abgabedatum: Juni 2002
- Umfang: 135 Seiten
- Dateigröße: 36,0 MB
- Note: 1,9
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6710-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6710-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6710-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schweiger, Martin Juni 2002: Die UN-Friedensmissionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Peace Keeping, Internationale Politik, Humanitäre Intervention, Konflikt
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Diplomarbeit von Martin Schweiger
Zusammenfassung:
Frühjahr 2003, eine internationale Koalition souveräner Staaten führt Krieg im Irak. Nach dem Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen werden erhebliche Anforderungen an die globale Staatengemeinschaft zur Friedensschaffung (Peacemaking) Friedenssicherung (Peacekeeping) und Friedenskonsolidierung (Peacebuilding) im Land gestellt. Die Medien werden darüber ausgiebig berichten.
Doch was geschah und geschieht in den afrikanischen Konfliktregionen? Nur wenig dringt über die internationalen Medien an die Weltöffentlichkeit. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem friedenspolitischen Engagement internationaler Akteure, insbesondere der Vereinten Nationen, in diesem Kontinent.
Ziel der Arbeit ist es, unter Berücksichtigung des Völkerrechts, der Politikwissenschaft, der afrikanischen Landeskunde und Zeitgeschichte eine umfassende systematische Untersuchung der UN-Friedenssicherung in dieser Region. Die zentrale Frage ist dabei, unter welchen Voraussetzungen eine erfolgreiche Friedenssicherung zu einem nachhaltigen Frieden führen kann.
Die Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Problemkreisen der UN-Friedenssicherung aus afrikanischer Sicht. So werden die kollektiven Maßnahmen nach den Kapiteln VI und VII UN-Charta unter Berücksichtigung afrikanischer Besonderheiten untersucht. Die implizite rechtliche Grundlage von Peacekeeping in der UN-Charta wird mit der Darstellung der Kompetenzverteilung der UN-Haupt- und Nebenorgane verdeutlicht. Nach der wissenschaftlichen Typisierung der Formen der Friedenssicherung erfolgt eine komplexe und kritische Darstellung aller bisherigen und andauernden UN-Friedensmissionen in Afrika. Dabei werden, unter Berücksichtigung der politischen Hintergründe, einzelne Missionen (etwa Ruanda, Kongo, Mosambik, Angola, Somalia, Sierra Leone) aufgrund aktueller Problematiken (Sanktionsmöglichkeiten der Vereinten Nationen, Humanitäre Intervention, Blockadehaltung im Sicherheitsrat, „Uniting for Peace“ Resolution, Westliches Engagement in afrikanischen Konflikten, u.a.) besonders hervorgehoben.
Die Arbeit kann und will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Unvollständigkeiten können jedoch über die weiterführende Literatur (über 70 Literaturhinweise zu Monographien, Aufsatzsammlungen, Zeitschriften u.a.) sowie explizite Internethinweise kompensiert werden. Im Anhang finden sich Kartenmaterial und Grafiken.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | 5 | |
| A. | Einleitung | 7 |
| B. | Das System der kollektiven Sicherheit in den Vereinten Nationen | 9 |
| I. | Begriff und Ausgestaltung | 9 |
| II. | Friedliche Beilegung von Streitigkeiten, Kapitel VI UN-Charta | 10 |
| 1. | Beilegung durch diplomatische Verfahren | 11 |
| 2. | Streitabschließende Entscheidungsverfahren | 12 |
| III. | Maßnahmen nach Kapitel VII UN-Charta | 12 |
| 1. | Feststellung der Friedensbedrohung, Art. 39 CVN | 13 |
| 2. | Vorläufige Maßnahmen, Art. 40 CVN | 14 |
| 3. | Empfehlungen und Entscheidungen, Art. 39 CVN | 14 |
| 4. | Nichtmilitärische Zwangsmaßnahmen, Art. 41 CVN | 15 |
| 5. | Militärische Zwangsmaßnahmen, Art. 42 ff CVN | 15 |
| IV. | Rechtliche Grundlagen von Peacekeeping in der UN-Charta | 17 |
| 1. | Völkerrechtliche Einordnung von Peacekeeping | 17 |
| 2. | Die Kompetenzen des Sicherheitsrates | 18 |
| 3. | Die Kompetenzen der Generalversammlung | 19 |
| 4. | Die Rolle des Special Commitee on Peacekeeping Operations | 21 |
| 5. | Die Rolle des Military Staff Commitee | 22 |
| 6. | Die Kompetenzen des Generalsekretärs | 23 |
| V. | Arten von UN-Friedensmissionen | 24 |
| 1. | Begriffliche Einordnung von Peacekeeping | 24 |
| 2. | Kategorien friedenssichernder Operationen | 26 |
| a. | UN-Friedensmissionen der ersten Generation | 27 |
| b. | UN-Friedensmissionen der zweiten Generation | 28 |
| c. | UN-Friedensmissionen der dritten Generation | 30 |
| C. | Fallbeispiele in Afrika | 32 |
| I. | Abgeschlossene Missionen | 32 |
| 1. | Fallbeispiel: Kongo (ONUC) | 33 |
| a. | Einrichtung der ONUC | 33 |
| b. | Verlauf der ONUC | 34 |
| c. | Wertung der ONUC | 36 |
| 2. | Fallbeispiel: Namibia (UNTAG) | 38 |
| a. | Konfliktkonstellation bis 1988 | 38 |
| b. | Verlauf der UNTAG | 40 |
| c. | Wertung der UNTAG | 42 |
| 3. | Fallbeispiel: Angola (UNAVEM I-III, MONUA) | 44 |
| a. | Konfliktkonstellation | 44 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der UNAVEM I | 46 |
| c. | Einrichtung und Verlauf der UNAVEM II | 46 |
| d. | Einrichtung und Verlauf der UNAVEM III | 49 |
| e. | Einrichtung und Verlauf der MONUA | 50 |
| f. | Wertung der UN-Friedensmissionen in Angola | 51 |
| 4. | Fallbeispiel: Mosambik (ONUMOZ) | 54 |
| a. | Konfliktkonstellation | 54 |
| aa. | Unabhängigkeitskrieg | 54 |
| bb. | Bürgerkrieg | 54 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der ONUMOZ | 57 |
| c. | Wertung der ONUMOZ | 59 |
| 5. | Fallbeispiel: Somalia (UNOSOM I-II) | 60 |
| a. | Konfliktkonstellation | 60 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der UNOSOM I | 61 |
| c. | Einrichtung und Verlauf der UNOSOM II | 64 |
| d. | Wertung der UN-Friedensmissionen in Somalia | 67 |
| 6. | Fallbeispiel: Ruanda (UNOMUR und UNAMIR) | 70 |
| a. | Ausgangslage - Herrschaftskonflikt zwischen Hutu und Tutsi | 70 |
| b. | Verlauf der UNOMUR-Mission | 71 |
| c. | Verlauf der UNAMIR-Mission | 72 |
| aa. | Einrichtung der UN-Friedensmission | 72 |
| bb. | UN-Reaktion auf den Völkermord | 73 |
| cc. | Die Operation Türkis | 75 |
| d. | Wertung der UNAMIR | 75 |
| aa. | Vorwarnung eines Völkermordes | 76 |
| bb. | UN-Haltung nach dem 6. April 1994 | 76 |
| 7. | Fallbeispiel: Liberia (UNOMIL) | 79 |
| a. | Konfliktkonstellation und Einsatz der ECOMOG | 79 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der UNOMIL | 81 |
| c. | Wertung der UNOMIL | 82 |
| 8. | Fallbeispiel: Tschad-Libyen (UNASOG) | 84 |
| a. | Konfliktkonstellation | 84 |
| b. | Einrichtung, Verlauf und Wertung der UNASOG | 84 |
| 9. | Fallbeispiel: Zentralafrikanische Republik (MINURCA) | 85 |
| a. | Konfliktkonstellation | 85 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der MINURCA | 86 |
| c. | Wertung der MINURCA | 87 |
| 10. | Fallbeispiel: Sierra Leone (UNOMSIL) | 88 |
| a. | Konfliktkonstellation | 88 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der UNOMSIL | 89 |
| II. | Andauernde Missionen | 90 |
| 1. | Fallbeispiel: West Sahara (MINURSO) | 90 |
| a. | Konfliktkonstellation | 90 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der MINURSO | 90 |
| c. | Wertung der MINURSO | 92 |
| 2. | Fallbeispiel: Sierra Leone (UNAMSIL) | 92 |
| a. | Einrichtung und Verlauf der UNAMSIL | 92 |
| b. | Wertung der UN-Friedensmissionen in Sierra Leone | 94 |
| 3. | Fallbeispiel: Demokratische Republik Kongo (MONUC) | 95 |
| a. | Konfliktkonstellation | 95 |
| b. | Einrichtung und Verlauf der MONUC | 96 |
| c. | Wertung der MONUC | 97 |
| 4. | Fallbeispiel: Äthiopien-Eritrea (UNMEE) | 98 |
| a. | Konfliktkonstellation | 98 |
| b. | Einrichtung, Verlauf und Wertung der UNMEE | 99 |
| D. | Analytische Zusammenfassung der afrikanischen UN-Friedensmissionen | 100 |
| I. | Weitgehender Erfolg | 101 |
| II. | Mäßiger Erfolg | 102 |
| III. | Fehlschläge | 103 |
| IV. | Schlussfolgerungen | 105 |
| E. | Ausblick | 108 |
| Literaturverzeichnis | 110 | |
| Anhangsverzeichnis | 117 |
Machtkämpfe zwischen den Clans gingen weiter und Somalia geriet in ein rechtliches und politisches Chaos, in dem die Versorgung der Bevölkerung zusammenbrach. Ende 1991 waren eine Million Menschen vom Hungertod bedroht und etwa 700.000 Somalis ins Ausland geflüchtet.204 Durch die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen starben alleine in der Hauptstadt Mogadischu von November 1991 bis März 1992 wöchentlich über 1000 Menschen.205 Aufgrund der fehlenden effektiven Staatsgewalt führte die Gewalteskalation zu eine Desorientierung der Bevölkerung, die nun um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen musste. Da sich diese Auswirkungen nur innerhalb des Staates bemerkbar machten, wurde gescheiterten Staat. Somalia zu einem sogenannten „failed State“, einem [...]
beriefen sich bei dieser Aufgabenausweitung auf ihre Gesamtverantwortung für den Frieden. Diese günstigere Alternative zum „robusten“ Peacekeeping könnte man insoweit als „sensibles“ Peacekeeping bezeichnen.201 Die Blockadepolitik der RENAMO bei der Entsendung von Delegierten in die Kommissionen, Die hohe konnte schließlich durch einen von der UN verwalteten und die Treuhandfonds zur Unterstützung der RENAMO aufgebrochen werden. Abhängigkeit Mosambiks von Entwicklungshilfe202 Unterstützungsbereitschaft der Geberländer bei homogenen Interessen förderten die Akzeptanz einer internationalen Intervention. In Frage steht jedoch ob der UNOHAC Einsatz mit seiner Aufgabenaufteilung nicht etwas überfrachtet war und so durch den Einsatz anderer Akteure, wie kleineren Nichtregierungsorganisationen in Zusammenarbeit mit dem UNSonderbeauftragten hätte erfüllt werden können. Auch stellt die mangelnde Machtbeteiligung der im Wahlkampf unterlegenen RENAMO an der Zentralregierung, deren Kabinett nur aus FRELIMO-Anhängern bestand ein demokratisches Defizit dar, welches von der UN nicht beeinflusst werden konnte. Ingesamt kann der ONUMOZ Einsatz jedoch als ein gelungenes Beispiel der UNFriedenssicherung bezeichnet werden. [...]
Einschätzung der Wahlbeobachter verliefen die Wahlen, aus denen Präsident Chissano und die FRELIMO als Sieger herausgingen frei und fair. Mit der Präsidentenvereidigung im Dezember 1994 endete auch das ONUMOZ Mandat.199 c. Wertung der ONUMOZ In Mosambik wurde eine Beendigung des Bürgerkrieges durch die sich Ende der 80`er Jahre ändernde weltpolitische Lage möglich. Die beiden Großmächte und die regionale Mächte drängten auf eine Friedenslösung, die in dem Abkommen von Rom 1992 ihren Niederschlag fand. Auf Basis des Friedensvertrages wurde die ONUMOZ eingerichtet. Die ONUMOZ ist also auf ausdrücklichen Wunsch der Kriegsparteien, anders als in Somalia, zur Implementierung des Abkommens gerufen worden. Auch während der gesamten Missionsdauer wurde der UN-Einsatz von den Konfliktparteien grundsätzlich akzeptiert. Die flexible Behandlung des zeitlichen Rahmens ermöglichte eine vollständige Demobilisierung vor den Wahlen und wirkte sich so positiv auf die Friedenskonsolidierung aus. Die Gesamttruppenstärke von etwa 6500 Militärkräften und 1100 Zivilpolizisten war zu der damals gleichzeitig andauernden UNAVEM II Mission wesentlich größer, und zu der UNOSOM II Mission aber deutlich kleiner gewesen. Dennoch war mosambikanische UN-Kontingent für den Einsatz angemessen, da so die UNPräsens im Lande spürbar war, aber nicht als Interventionsstreitmacht aufgefasst wurde.200 Positiv wirkte sich auch das entschiedene Auftreten des UN-Sonderbeauftragten und des UN-Generalsekretärs, also der politischen Leitung, bei der Vermittlung von Streitigkeiten aus. So erfüllten die Vereinten Nationen ein immer größer werdendes Spektrum an Vermittlertätigkeit. In Zusammenarbeit mit den Vertretern der internationalen Gemeinschaft wurden schließlich Aufgaben übernommen, die weit über das im Friedensabkommen niedergelegte Mandat hinausgingen. Die UN [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832467104
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Schweiger, Martin Juni 2002: Die UN-Friedensmissionen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Peace Keeping, Internationale Politik, Humanitäre Intervention, Konflikt



