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UFOs und Außerirdische

Eine religionssoziologische Untersuchung des Milieus um das Phänomen der fliegenden Untertassen

UFOs und Außerirdische
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Judit Laczkó
  • Abgabedatum: Februar 2000
  • Umfang: 162 Seiten
  • Dateigröße: 10,3 MB
  • Note: 1,9
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2327-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2327-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2327-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Laczkó, Judit Februar 2000: UFOs und Außerirdische, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Neue religiöse Bewegungen, Wissenssoziologie, Kulte, Phänomenologie, Religionssoziologie

Diplomarbeit von Judit Laczkó

Einleitung:

Seit Menschen sich um die Deutung von Himmelserscheinungen bemühen, haben sie am Firmament auch Phänomene und Objekte beobachtet, die sie nicht identifizieren oder in ihr Weltbild einordnen konnten. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts mehrten sich Berichte über neue, bisher kaum jemals registrierte Erscheinungen am Himmel, die aufgrund ihrer Eigenschaft, nachts hell zu leuchten, zunächst mit bekannten astronomischen und meteorologischen Phänomenen gleichgesetzt wurden. Doch wurden seltsame Flugobjekte auch bei Tage beobachtet und im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Art und Weise gedeutet. C. G. Jung z.B. vermutete, daß es sich dabei teilweise um Projektionen aus dem kollektiven Unbewußten handelt, religiöse Gruppierungen vermuten die Ankunft Jesus Christus´ und UFO-Sekten vermuten Raumschiffe von Außerirdischen, die sie von ihrem irdischen Dasein retten werden. Die Palette der Vermutungen schillert dabei in allen Farben. Diese seltsamen Himmelserscheinungen, die in der Fachsprache UFOs (Unidentified Flying Objects) heißen, haben weltweit die Entstehung von Gruppierungen, Bewegungen und Organisationen verschiedenster Art bewirkt. Diese Gruppierungen um das UFO-Phänomen sollen in dieser Arbeit untersucht werden.

Die soziologische Forschung hat sich mit dem Thema "UFOs" bisher nur am Rande beschäftigt. Dementsprechend kann man die bisher vorliegenden soziologischen Untersuchungen zu diesem Thema an einer Hand abzählen: Balch & Taylor (1977), Buckner (1968), Festinger, Riecken und Schachter (1964) und Schutz (1973). Eine neuere, kultursoziologische Untersuchung zum Thema Außerirdische wurde von Jodi Dean (1998) vorgelegt. Sie untersucht jedoch nicht das kultische Milieu des UFO-Feldes, sondern geht der Frage nach, warum "Außerirdische" in der amerikanischen Kultur in den letzten Jahren so populär geworden sind, daß sie vermehrt auf Werbeplakaten, T-Shirts, Postern und weiteren Fan-Artikeln zu finden sind und in immer mehr Fernsehserien thematisiert werden. All die o.g. Untersuchungen beziehen sich jedoch auf den nordamerikanischen Raum und berücksichtigen (mit einer Ausnahme) jeweils nur eine Vergesellschaftungsform im UFO-Feld: Balch & Taylor und Festinger, Riecken und Schachter untersuchten eine UFO-Sekte und Buckner erforschte einen esoterisch orientierten UFO-Kult. Diese Einseitigkeit führte zur Verortung des gesamten UFO-Feldes im Bereich des "New Age" und zur Einreihung von UFO-Gruppen in die Kategorie "Neue Religiöse Bewegungen". Nur Schutz, dessen Untersuchung hierzulande keine Beachtung fand, berücksichtigte bei seiner Analyse alle Vergesellschaftungsformen im UFO-Feld. Denn parallel zu den UFO-Sekten und UFO-Kulten entwickelten sich in den späten 40ern und frühen 50ern mit dem "ersten" Erscheinen fremdartiger Lichter am Himmel auch Organisationen, die Berichte über Sichtungen dieser unbekannten fliegenden Objekte von Anfang an mit wissenschaftlichen Mitteln untersuchten. Schutz´s Arbeit fand jedoch im Rahmen einer organisationssoziologischen Forschung statt und beschäftigte sich nur am Rande mit den einzelnen Deutungsmustern im Feld.

Die vorliegende Arbeit soll folglich die Mängel der o.g. Untersuchungen beheben, indem sie alle im UFO-Feld vorfindbaren Vergesellschaftungsformen berücksichtigt und auf die gängigsten Deutungsmuster im UFO-Feld eingeht. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll dabei auf der Herausarbeitung einer Typologie der einzelnen UFO-Gruppen, der UFO-Gemeinschaft und der gängigsten Deutungsmuster im Feld liegen. Diese Typologie soll sich dabei geographisch nicht auf Deutschland und die USA beschränken, sondern ebenfalls übertragbar sein auf UFO-Gruppen in anderen Ländern der Erde. Desweiteren soll diese Arbeit als Grundlagenforschung verstanden werden und dazu beitragen, die soziologische Forschung im deutschsprachigen Raum in bezug auf UFOs anzuregen, denn bisher liegt hierzulande keine soziologische Untersuchung auf diesem Gebiet vor.

Gang der Untersuchung:

Am Anfang der vorliegenden Arbeit sollen nach einer Begriffserläuterung die bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte des UFO-Phänomens dargestellt werden. Sodann soll die UFO-Gemeinschaft kurz charakterisiert werden und der UFO-"Kult" nach einer Klärung des Kultbegriffes unter das Konzept des kultischen Milieus von Hubert Knoblauch eingereiht werden. Das dritte Kapitel beinhaltet die religionssoziologische Thematisierung des UFO-Phänomens. Nach einer allgemeinen soziologischen Definition der Religion wird hier der funktionale Religionsbegriff dem substantiellen gegenübergestellt. Danach folgt eine Darstellung der Verwendung des Religionsbegriffs in dieser Arbeit und der Versuch, die Frage zu beantworten, ob es sich bei dem Kult um das UFO-Phänomen um eine Form von Religion handelt. Im Falle einer Bejahung dieser Frage soll herausgearbeitet werden, welche religionssoziologische Kategorisierung der Sozialform von Religion hier zu treffen wäre.

Im vierten Kapitel sollen die Theorien und Methoden dargelegt werden, die der darauf folgenden Analyse des UFO-Kultes zugrunde gelegt wurden. Hierzu gehört neben der Phänomenologie und Alfred Schütz´s Konzept der Lebenswelten auch seine Theorie der mannigfaltigen Wirklichkeiten. Zu diesen Wirklichkeiten jenseits der Alltagswelt zählt Schütz die Welt der Träume, die Welt der imaginären Vorstellung und der Phantasie, die Welt der Kunst, die Welt der religiösen Erfahrung, die Welt der wissenschaftlichen Kontemplation, die Spielwelt des Kindes und die Welt des Wahnsinns. Die für die Analyse des UFO-Kultes relevanten Welten sollen hier kurz angeführt werden. Im Namen der Wissenssoziologie und unter der Prämisse der Kontexttheorie sollen in den darauf folgenden Kapiteln die Sinnherstellungsprozesse und Deutungsmuster der UFO-Gemeinschaft herausgearbeitet werden. Hierbei geht es nicht um das reale Sein von Gegenständen, sondern um Erfassung der Kriterien klassifizierender bzw. typisierender Bewußtseinstätigkeit. Es geht also um die Herausarbeitung des Sinns der begrifflichen Konstrukte, die die UFO-Gemeinschaft produziert. Unter modernisierungstheoretischen Gesichtspunkten soll dann analysiert werden, welche Funktion der UFO-Glaube in der Moderne erfüllt. Hierbei soll erörtert werden, ob Aktivitäten im UFO-Feld strukturell brauchbare Strategien im Umgang mit dem Individualisierungsdruck moderner Gesellschaften liefern. Das Konzept des magischen Weltbildes von Hubert Knoblauch soll anschließend erläutert und in einen Zusammenhang mit dem UFO-Feld gebracht werden. Gemeinsamkeiten des UFO-Phänomens mit neureligiösen Erscheinungen wie New Age und Esoterik sind nicht zu leugnen. Genauso wie letztere, ist das UFO-Phänomen keine Erfindung der letzten Jahrzehnte und auch nur ein scheinbarer Amerika-Import. Darüber hinaus ist das Forschungsfeld UFO wild überwachsen mit Vorstellungen des New Age und der Esoterik, die ihrerseits ihre Quellen im magischen Weltbild haben: Auf Treffen, Seminaren und Konferenzen der UFO-Gemeinschaft findet man ebenfalls Yoga, Channeling und Vegetarismus neben Aura-Fotographie und Anleitungen zum Pyramidenbau.

Im Anschluß an die Erläuterung von Knoblauch´s Konzept des magischen Weltbildes wird die Vorgehensweise bei der Untersuchung des kultischen Milieus um das UFO-Phänomen dargelegt. Das fünfte Kapitel behandelt sodann die soziale Konstruktion des UFO-Wissens und liefert eine deskriptive Typologie von UFO-Berichten und eine Typologie der kreativen Eigenleistungen in bezug auf die Interpretation dieser UFO-Berichte. Das letzte Kapitel beinhaltet schließlich die typologische Einordnung der UFO-Gemeinschaft in Wissenschaftler, religiöse Individuen und Szenegänger. Zuletzt soll versucht werden, die verschiedenen UFO-Gruppen nach einer zuvor entwickelten Typologie von Kulten idealtypisch einzuordnen in offene UFO-Kulte, religiöse UFO-Kulte und UFO-Forschungsgruppen.

In den letzten beiden Kapiteln wird ersichtlich, daß die Sparte UFO weitaus komplexer und komplizierter ist, als es zunächst den Anschein hat. Und wer die verschiedenen Bewegungen, Organisationen, Theorien und Glaubensformen begrifflich zu erfassen versucht, sieht sich einem Forschungsgegenstand gegenüber, der durch seine Heterogenität zunächst verwirrt. Das Phänomen UFO ist kein in sich geschlossenes und isoliertes Feld, sondern eines, das sich sehr stark verzweigt und vermischt mit Wissenssystemen der Esoterik, Magie, Verschwörungstheorie und der modernen Wissenschaft. Es ist das Ziel dieser Arbeit, den Weltanschauungen der UFO-Gemeinschaft, wie der UFO-Gemeinschaft selbst, mit Respekt zu begegnen und womöglich auf sie neugierig zu machen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
1. Einleitung 1
2. Kurze Vorstellung des Gegenstandes 4
2.1 Das Phänomen der UFOs 4
2.1.1 Begriffserläuterung 4
2.1.2 Geschichte des UFO-Phänomens 6
2.2 Die UFO-Gemeinschaft 12
2.2.1 UFO-Forschungsgruppen 13
2.2.2 UFO-Sekten 14
2.2.3 UFO-Szene 15
3. Zum Kultbegriff 16
3.1 Theoretische Annäherung 16
3.2 Bedeutungswandel des Kultbegriffs 17
3.3 "Kult" versus "Sekte" 18
3.4 Das "kultische Milieu" 20
3.5 UFO-Kult im kultischen Milieu 21
3.6 Verwendung des Kultbegriffs in dieser Arbeit 23
4. Religionssoziologische Thematisierung des UFO-Phänomens 25
4.1 Der Begriff der Religion 25
4.2 Substantieller versus funktionaler Religionsbegriff 27
4.3 Verwendung des Religionsbegriffs in dieser Arbeit 30
4.4 Religiöse Dimensionen des UFO-Phänomens 33
5. Forschungsleitende Theorien 35
5.1 Phänomenologie und Lebenswelt 35
5.2 Wissenssoziologie (Konstruktionstheorie) 40
5.2.1 Kontexttheorie 44
5.3 Modernisierungstheorie 45
5.4 Das magische Weltbild 48
5.5 Vorgehensweise 52
6. UFOs und Außerirdische 54
6.1 Die soziale Konstruktion des UFO-Wissens 54
6.1.1 Schriftliche Konstruktionen 54
6.1.2 Kommunikative Konstruktionen 56
6.2 Eine deskriptive Typologie von UFO-Berichten 56
6.2.1 Nächtliche Lichter (Nocturnal Lights) 58
6.2.2 Tageslicht-Scheiben (Daylight Disks) 58
6.2.3 Radarbeobachtung als Bestätigung visueller Wahrnehmung(Visual Sightings confirmend by Radar) 59
6.2.4 Unheimliche Begegnungen der 1. Art (UB 1, Close Encounters of the First Kind, CE-I) 60
6.2.5 Unheimliche Begegnungen der 2. Art (UB 2, Close Encounters of the Second Kind, CE-II) 61
6.2.6 Unheimliche Begegnungen der 3. Art (UB 3, Close Encounters of the Third Kind, CE-III) 62
6.2.7 Unheimliche Begegnungen der 4. Art (UB 4, Close Encounters of the Fourth Kind, CE-IV) 64
6.2.8 Unheimliche Begegnungen der 5. Art (UB 5, Close Encounters of the Fifth Kind, CE-V) 67
6.2.9 Betrug/ Schwindel (Hoax) 71
6.2 10 Berichte der esoterischen Art 72
6.3 Deutungsmuster der UFO-Gemeinschaft 73
6.3.1 Die extraterrestrische Hypothese (ETH) 73
6.3.2 Folkloristische Deutungen 76
6.3.3 Parapsychologische Deutungen 78
6.3.4 Psychologische Deutungen 81
6.3.5 Soziologische Deutungen 82
6.3.6 Science Fiction-Theorien 84
6.3.7 Alles Schwindel - Die Deutung der Skeptiker 85
6.3.8 Esoterische Deutungen 86
6.3.9 Religiöse Deutungen 88
7. Typologien 92
7.1 Typologie der UFO-Gemeinschaft 92
7.1.1 Wissenschaftler 93
7.1.2 Religiöse Individuen 96
7.1.3 Szenegänger 100
7.2 Typologie von UFO-Gruppen 104
7.2.1 Entwicklung einer Typologie von Kulten 104
7.2.2 UFO-Forschungsgruppen 107
7.2.3 Religiöse UFO-Kulte 111
7.2.4 Offene UFO-Kulte 116
8. Schlußwort 122
Literaturverzeichnis 126
Anhang 134

Arbeit zitieren:
Laczkó, Judit Februar 2000: UFOs und Außerirdische, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Neue religiöse Bewegungen, Wissenssoziologie, Kulte, Phänomenologie, Religionssoziologie

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