Trinkwasserversorgung im internationalen Vergleich
Untersuchungen zur Versorgungssituation, zu wasserwirtschaftlichen Strukturen und Trinkwasserpreisen
- Art: Studienarbeit
- Autor: Thoralf Schlüter
- Abgabedatum: Oktober 2003
- Umfang: 139 Seiten
- Dateigröße: 2,1 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität Hamburg-Harburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8759-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8759-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8759-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schlüter, Thoralf Oktober 2003: Trinkwasserversorgung im internationalen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Privatisierung, Public-Private-Partnership, Preisvergleich, Wassertarif, Wasserverbrauch
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Studienarbeit von Thoralf Schlüter
Einleitung:
Im internationalen Vergleich gibt es große Unterschiede in der Gestaltung der Trinkwasserversorgung. Unterschiedliche politische, wirtschaftliche, naturräumliche und soziokulturelle Rahmenbedingungen verlangen nach angepassten Strukturen. Vielfach jedoch werden die vorhanden Strukturen und Systeme den komplexen Anforderungen einer nachhaltigen Trinkwasserversorgung nicht gerecht. Einerseits sollen Reformen im öffentlichen Wassersektor helfen, diese Situation zu verbessern, darüber hinaus gibt es aber auch Bestrebungen, verstärkt privatwirtschaftliche Unternehmen an Aufgaben der Wasserversorgung zu beteiligen.
In industrialisierten Ländern ist eine Versorgung mit Trinkwasser in aller Regel sichergestellt. Auch wenn es zum Teil Reformbedarf bei den Strukturen sowie Sanierungsbedarf bei den Versorgungssystemen gibt, ist die Grundversorgung mit Trinkwasser in den allermeisten Ländern nicht gefährdet. Reformansätze zielen hier in erster Linie auf eine Effizienzsteigerung bei den Versorgungsunternehmen sowie auf die Entlastung der öffentlichen Haushalte durch Kosteneinsparungen. Vielfach wird hierzu auch eine Liberalisierung der Wasserversorgung gefordert. In Schwellen- und Entwicklungsländern stellt sich die Situation oft weitaus schwieriger dar. Rasant steigende Bevölkerungszahlen sowie schwierige Rahmenbedingungen führen dazu, dass eine flächendeckende Versorgung von ausreichender Qualität nicht für alle Bevölkerungsschichten erreicht werden kann. Oft fehlen finanzielle Möglichkeiten, um dringend erforderliche Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Eine Lösung hierfür wird daher häufig auch in Entwicklungsländern in der Übertragung von Versorgungsaufgaben an private Betreiber gesucht.
Angesichts des vielerorts großen Reformbedarfs in der Wasserwirtschaft ist es hilfreich, den Blick auf verschiedene Situationen und Strukturen weltweit zu richten, diese zu bewerten und aus negativen wie positiven Erfahrungen bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen, der Versorgungsunternehmen und der Versorgungssysteme Alternativen für reformbedürftige Wasserwirtschaften aufzuzeigen. In der vorliegenden Arbeit werden hierfür wesentliche Aspekte der Trinkwasserversorgung im internationalen Zusammenhang untersucht. Dabei richtet sich der Blick zunächst auf die Versorgungssituation und auf die Qualität der Versorgung. Weiterhin werden allgemeine Rahmenbedingungen für wasserwirtschaftliche Strukturen erörtert, anschließend die unterschiedlichen Strukturen selbst untersucht und bewertet. Abschließend werden auch die weltweit existierenden Trinkwasserpreise und Tarifstrukturen untersucht. Diese sind vor allem für den Verbraucher, neben der Versorgungssicherheit, wichtige Indikatoren für eine funktionierende Wasserwirtschaft.
Zusammenfassung:
Die weltweite Untersuchung der Trinkwasserversorgung zeigt auf, dass es zum Teil erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Versorgungssituation (Qualität und Quantität), wasserwirtschaftlichen Strukturen sowie Trinkwasserpreisen gibt. Ein detaillierter und objektiver Vergleich der Trinkwasserversorgung der einzelnen Ländern ist jedoch nur schwer zu führen. Der BGW fordert ein Ranking der Trinkwasserversorgung anhand verschiedener Kriterien wie Einhaltung internationaler Qualitätsstandards, Grad der Versorgungssicherheit, Bewertung der durch Trinkwasser übertragenen Krankheiten und Wasserverbrauch. Für eine Bewertung anhand dieser Kriterien bedarf es vor allem vollständiger, aktueller und richtiger Daten aus den einzelnen Ländern, zudem ist eine ausreichende Kenntnis der Situation in den jeweiligen Ländern erforderlich. Ein ausführlicher und belastbarer Vergleich ist daher in erster Linie auf internationaler Ebene zu führen, mit Beteiligung vieler Experten aus den verschiedenen Regionen. In der vorliegenden Arbeit wurden vor allem charakteristische Merkmale und Entwicklungen in der weltweiten Trinkwasserversorgung untersucht um daraus Alternativen für reformbedürftige Wasserwirtschaften zu diskutieren.
Während in Industriestaaten die Trinkwasserversorgung größtenteils, wenn auch nicht immer ohne Probleme, sichergestellt ist, gibt es in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern gravierende Mängel bei der Versorgung der Bevölkerung. Schätzungsweise ein Sechstel der Weltbevölkerung hat nach wie vor keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dies liegt vor allem an unzureichenden Versorgungssystemen, schlecht organisierten wasserwirtschaftlichen Strukturen, fehlendem Investitionskapital sowie einer nicht nachhaltigen Bewirtschaftung der vorhandenen Wasserressourcen. Nur in wenigen Ländern ist ein wirklicher Wassermangel zu verzeichnen. In den meisten Fällen von Versorgungsnot hat das verteilte Wasser eine unzureichende Qualität, oder es wird anderen Nutzungen zugeführt. Im internationalen Durchschnitt werden 70 Prozent des geförderten Wassers in der Landwirtschaft verbraucht, 22 Prozent nutzt die Industrie und nur 8 Prozent steht als Trinkwasser für die Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung.
Eine Lösung dieser Probleme wird häufig in der Beteiligung privater Unternehmen an den Versorgungsaufgaben gesucht. Zusätzliches privates Kapital für Investitionen in die Infrastruktur und effizienteres Wirtschaften versprechen die Lösung der Versorgungsnotstände. Jedoch zeigen viele Beispiele, dass die Privatisierung von traditionell öffentlichen Versorgungsaufgaben viele neue Probleme mit sich bringt. Das Streben nach Gewinnmaximierung lässt sich nur schwer mit den besonderen Anforderungen an die Trinkwasserversorgung verbinden. Auf Grund technischer und struktureller Randbedingungen lässt sich die Ressource Wasser nicht ohne weiteres frei handeln, wie andere Wirtschaftsgüter. Ein wirklicher Wettbewerb zwischen verschiedenen Versorgern kann somit nicht entstehen. Vor allem Industriestaaten und große Wirtschaftorganisationen wie Weltbank und WTO fordern immer wieder die Liberalisierung des Wassersektors. Internationale Abkommen wie GATS sollen Großunternehmen aus industrialisierten Ländern neue Märkte erschließen. Bei diesen internationalen Konzernen stehen jedoch vor allem lukrative Versorgungsaufträge für städtische Gebiete im Mittelpunkt des Interesses. Ländliche und strukturschwache Regionen, deren Versorgung zunächst hohe Investitionen erfordert und die nur wenige zahlungskräftige Kunden garantieren, werden dabei häufig außer Acht gelassen.
Wenn umfangreiche Privatisierungen stattfinden, haben diese oft negative Auswirkungen, vor allem auf arme Bevölkerungsschichten. Fehlende Mitsprachemöglichkeiten bei für die Öffentlichkeit relevanten Entscheidungen und fehlende Überwachung führen zu Interessenskonflikten zwischen den Unternehmen und den Verbrauchern. Zudem bleiben häufig Umwelt- und Ressourcenschutz auf der Strecke, dabei ist gerade dieser Aspekt der Wasserversorgung von elementarer Bedeutung. Wasserressourcen müssen durch integrierte und gegebenenfalls überregionale Bewirtschaftungsstrategien vor einer nicht nachhaltigen Nutzung geschützt werden. Vor allem auf Grund größerer Einflussmöglichkeiten der politischen Entscheidungsträger auf langfristige Unternehmensstrategien bieten öffentliche Strukturen hierfür die besseren Vorraussetzungen. Weitere negative Auswirkungen von Privatisierungen sind Preissteigerungen. Häufig wird von Privatisierungs- und Liberalisierungsbefürwortern zunächst mit geringeren Wasserpreisen als Folge von effizienterem Wirtschaften geworben, jedoch beweist die Realität vieler Versorgungsprojekte oft das Gegenteil. In vielen Fällen sind die Kalkulationen der Unternehmen vor Projektbeginn unzureichend oder veränderte Rahmenbedingungen zwingen sie zur Erhöhung der Wasserpreise.
Auf Grund vieler Risiken, vor allem politischer und wirtschaftlicher Art, ist gegenwärtig ein Rückzug privater Unternehmen aus Entwicklungsländern zu beobachten. Deren Engagement wird sich in Zukunft auf wirtschaftlich starke Regionen wie Nordamerika und Europa konzentrieren. Für erfolgreiche Privatisierungsmaßnahmen sind Institutionen zur Kontrolle privater Unternehmen, Mitsprachemöglichkeiten bei Entscheidungen, die die Allgemeinheit betreffen sowie Regulierungsmöglichkeiten bei der Preis- und Tarifgestaltung unbedingt erforderlich. Bei vielen solcher Projekte wurden private Unternehmen vor allem durch „Outsourcing“ an Teilaufgaben der Versorgung beteiligt. Eine vollständige Privatisierung wie in England und Wales ist die Ausnahme.
Eine Alternative zur Privatisierung ist der Aufbau oder die Reform öffentlicher Strukturen. Im Wesentlichen beinhaltet dies die Einführung Prozessoptimierender Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sowie die Einbindung von Umwelt- und Managementsystemen. Eine Vorraussetzung für die erfolgreiche Reform öffentlicher Strukturen ist die entsprechende Gestaltung der Rahmenbedingungen. Wenn öffentliche Versorgungsunternehmen nach kommerziellen Grundsätzen arbeiten sollen, müssen Einmischungen des Staates oder der Kommunen in das Tagesgeschäft vermieden werden. Die Versorgungsunternehmen müssen im Rahmen klar vorgegebener Richtlinien frei über ihre geschäftspolitischen Belange entscheiden können, insbesondere hinsichtlich der Gebühren- und Personalpolitik. Weitere Möglichkeiten zur Reform öffentlicher Strukturen bestehen im Zusammenfassen von kleinen Betrieben zu großen Versorgungsunternehmen, die neben einer höheren Effizienz auch über eigenes Investitionskapital verfügen und damit die öffentlichen Haushalte entlasten. Zudem können Versorgungsunternehmen aus funktionierenden Wasserwirtschaften den reformbedürftigen Betrieben in wirtschaftlich schwachen Regionen durch Public-Public-Partnerships bei deren Restrukturierung unterstützend zur Seite stehen.
Im letzten Teil dieser Arbeit wurden die unterschiedlichen Trinkwasserpreise und Tarifstrukturen untersucht. Auch hierbei gilt, dass ein belastbarer und objektiver Vergleich nur schwer zu führen ist. Auf Grund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen für die Versorgungsunternehmen sowie die unterschiedliche Zielsetzung bei der Preisbildung werden Preisvergleiche in aller Regel verzerrt. Allerdings können das allgemeine Preisniveau und darüber hinaus Preisänderungen bewertet werden. Hierbei ist festzustellen, dass in Ländern mit relativ hohen Wasserpreisen vor allem Faktoren wie Kostendeckung, Rücklagenbildung für Investitionen in die Versorgungssysteme sowie Umwelt- und Ressourcenschutz stärker berücksichtigt werden. Darüber hinaus fällt die Höhe staatlicher Subventionen für die Versorgungsunternehmen weltweit sehr unterschiedlich aus, dies wirkt sich ebenso auf den Trinkwasserpreis aus. Kostendeckende Preise und sozial gerechte Tarifgestaltung sind Schlüsselelemente einer erfolgreichen und nachhaltigen Wasserwirtschaft.
Inhaltsverzeichnis:
| Tabellenverzeichnis | iii | |
| Abbildungsverzeichnis | v | |
| Abkürzungsverzeichnis | viii | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Versorgungssituation und Versorgungssysteme | 3 |
| 2.1 | Einleitung | 3 |
| 2.2 | Demographische Entwicklungen | 3 |
| 2.3 | Versorgungssituation | 7 |
| 2.3.1 | Grundversorgung mit Trinkwasser | 7 |
| 2.3.2 | Wassernutzung | 13 |
| 2.3.3 | Trinkwasserverbrauch im Haushalt | 19 |
| 2.4 | Qualität der Versorgung | 24 |
| 2.4.1 | Art der Versorgungssysteme und Versorgungssicherheit | 24 |
| 2.4.2 | Zustand der Versorgungssysteme | 27 |
| 2.4.3 | Qualität des Trinkwassers | 30 |
| 2.5 | Entwicklungsziele für die Trinkwasserversorgung | 33 |
| 3. | Rahmenbedingungen für die Wasserwirtschaft | 37 |
| 3.1 | Einleitung | 37 |
| 3.2 | Institutionelle Rahmenbedingungen | 37 |
| 3.3 | Rechtliche Rahmenbedingungen | 39 |
| 3.4 | Wirtschaftliche Rahmenbedingungen | 40 |
| 3.5 | Politische Rahmenbedingungen | 41 |
| 4. | Wasserwirtschaftliche Strukturen | 42 |
| 4.1 | Einleitung | 42 |
| 4.2 | Strukturen in den Ländern | 42 |
| 4.2.1 | Industrieländer | 43 |
| 4.2.2 | Schwellen- und Entwicklungsländer | 47 |
| 4.3 | Öffentliche Strukturen | 50 |
| 4.3.1 | Öffentliche Versorgungsunternehmen | 50 |
| 4.3.2 | Vor- und Nachteile öffentlicher Strukturen | 53 |
| 4.4 | Beteiligung der Privatwirtschaft | 55 |
| 4.4.1 | Modelle zur Beteiligung der Privatwirtschaft | 56 |
| 4.4.2 | Vor- und Nachteile privatwirtschaftlicher Strukturen | 62 |
| 4.4.3 | Multinationale Wasserkonzerne | 65 |
| 4.5 | Strukturelle Entwicklungen | 70 |
| 4.5.1 | Entwicklung privatwirtschaftlicher Strukturen | 70 |
| 4.5.2 | Entwicklung öffentlicher Strukturen | 75 |
| 5. | Trinkwasserpreise | 79 |
| 5.1 | Einleitung | 79 |
| 5.2 | Preisbildung | 79 |
| 5.2.1 | Kostendeckung | 80 |
| 5.2.2 | Staatliche Subventionen | 81 |
| 5.2.3 | Überschussabschöpfung | 82 |
| 5.2.4 | Steuern und Abgaben | 83 |
| 5.2.5 | Weitere Einflussfaktoren | 83 |
| 5.3 | Preissysteme | 84 |
| 5.3.1 | Festpreise | 85 |
| 5.3.2 | Mengentarife | 86 |
| 5.3.3 | Zweiteilige Preissysteme | 90 |
| 5.3.4 | Kostenlose Wasserversorgung | 91 |
| 5.3.5 | Saisonale und geografische Faktoren | 92 |
| 5.4 | Internationale Preisvergleiche | 95 |
| 5.4.1 | Randbedingungen für Preisvergleiche | 95 |
| 5.4.2 | Preisvergleich von National Utilities Service (2003) | 99 |
| 5.4.3 | Preisvergleich vom Umweltbundesamt (1998) | 101 |
| 5.4.4 | Preisvergleich von WHO / UNICEF (2000) | 103 |
| 5.5 | Preisentwicklungen | 105 |
| 6. | Zusammenfassung | 111 |
| Anhang | 115 | |
| Literaturverzeichnis | 129 |
sich entwickelnden Industriestandorten im Mittelpunkt der Interessen privater Unternehmen. Ländliche und strukturschwache Gegenden, sowie arme, städtische Randgebiete werden hingegen häufig, auch von Regierungen bei der Vergabe von Verträgen, benachteiligt. Nach Angaben der Weltbank waren die Hälfte der knapp 100 Private-SectorParticipation (PSP) Vorhaben, die zwischen 1990 und 1997 in Entwicklungsländern zustande kamen, Konzessionen. 80 Prozent des gesamten Investitionsvolumens entfielen auf diese Projekte. Knapp ein Drittel der Vorhaben machten verschiedene BOT-Projekte aus, auf die die restlichen Investitionen entfielen [48]. Ähnlich ist die Situation in Afrika. Von insgesamt 15 größeren Privatisierungsvorhaben im Zeitraum 1989-2001 waren fünf Konzessionsverträge. Die übrigen Projekte wurden, mit einer Ausnahme, mit Management- und Pachtverträge abgewickelt, häufig mit Laufzeiten von 10 Jahren oder mehr [48]. Vor allem bei Konzessionen, aber auch bei Management- und Pachtverträgen, übernimmt der private Betreiber eine Monopolstellung, wie sie auch die staatlichen Unternehmen vorher hatten. Um den Missbrauch dieser Situation zu verhindern, wird parallel zur Ausweitung der Beteiligung des privaten Sektors in der Regel ein Ausbau staatlicher Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten erforderlich. Dies muss bereits bei der Aushandlung der Verträge berücksichtigt werden. Mit Anlaufen der Projekte sollen unabhängige Regulierungsbehörden sicherstellen, dass zugesagte Leistungen eingehalten werden, dass Verbraucher nicht überhöhte Wasserpreise zahlen und dass das Unternehmen seine Monopolstellung nicht ausnutzt. Gerade in Entwicklungsländern fehlen den Regierungen und Behörden jedoch oft Erfahrung und Know-how zum Aufbau solcher Institutionen. Viele Länder sind hier auf umfangreiche Hilfe durch Entwicklungsorganisationen angewiesen. Die hohen und komplexen Anforderungen an die Regulierungsbehörden machen deren Aufbau "aus entwicklungspolitischer Sicht ebenso schwierig wie die Sanierung eines staatlichen Versorgungsunternehmens" [48]. Abbildung 4.8 [24] gibt weitere Verteilungen von Vertragsarten im internationalen Vergleich für Länder mit mittleren und niedrigen Einkommen an. [...]
"Die Gegner von Cross-Boarder-Leasing führen an, dass die Rentabilität der vermieteten Objekte langfristig nicht kalkulierbar sei. Die Kommunen können auf wirtschaftliche Schwankungen aber nicht reagieren, denn jede Veränderung am Leasinggut wäre ein Kündigungsgrund und würde zu Schadenersatzforderungen führen. Kritiker halten es überdies für möglich, dass die USA ihre Steuergesetze ändern oder Cross-Boarder-Leasing ganz verbieten könnten." [13] Hinzu kommt, dass die Vertragswerke oft sehr umfangreich gestaltet sind, was die Transparenz und bei Verständlichkeit den insbesondere für "kleine" und unerfahrene deutsche Vertragspartner erschwert. Beispiele für angewandtes Cross-Border-Leasing gibt es Baden-württembergischen Wasserversorgungsunternehmen Landeswasserversorgung [4] und Bodenseefernwasserversorgung [4] Tabelle 4.3 [48] stellt die Optionen für eine Beteiligung des privaten Sektors sowie die Aufteilung der Zuständigkeit und Verantwortung im Überblick dar. Abbildung 4.7 [24] illustriert darüber hinaus das jeweilige Ausmaß der Privatisierung. Gegenübergestellt werden dabei die Effizienz des Unternehmens, der regulatorische Aufwand des Staates sowie die Zu- oder Abnahme der Kapitalbeteiligung des privaten Sektors. [...]
BOT-Modelle (Build, Operate, Transfer) Eine besondere Form der Konzession für einzelne Anlagen sind BOT-Projekte. Der Betreiber steht dabei in keinem direkten Kontakt zu den Endverbrauchern, sondern schließt einen Vertrag mit einem öffentlichen Versorgungsunternehmen ab, dem gegen Bezahlung von Gebühren Wasser in großen Mengen geliefert wird. Der private Betreiber plant, finanziert und konstruiert die Anlage. Typische Laufzeiten der Verträge betragen 20-30 Jahre. Nach Ablauf gehen die Anlagen in der Regel an den Staat über. Normalerweise wird durch staatliche Garantien, wie die Festlegung von Mindestabnahme-Mengen, das unternehmerische Risiko vermindert. Formen dieser Privatisierung finden ihre Anwendung in Mendoza (Argentinien) [24], Izmit (Türkei) [24] sowie in weiten Teilen Afrikas [48]. Neben dem klassischen BOT-Modell gibt es noch ähnliche, aber leicht abweichende Modelle: BOTT (Build, Operate, Train, Transfer), BOOT (Build, Own, Operate, Transfer), ROT (Rehabilitate, Operate, Transfer) und BOO (Build, Operate, Own). Bei allen Modellen müssen Verantwortlichkeiten und Risiken detailliert im Vertrag festgehalten werden. Cross Border Leasing Über die genannten Modelle hinaus gibt es weitere Formen von Leasingverträgen. Ein Beispiel hierfür ist das in den letzten Jahren verstärkt in Deutschland angewandte, transatlantische Cross Border Leasing. Hierbei werden für Anlagen der Infrastruktur langfristige Verträge mit US-amerikanischen Investoren abgeschlossen: "Im ersten Schritt schließt der deutsche Partner einen Hauptmietvertrag (Head Lease) über beispielsweise 99 Jahre mit dem Investor ab. Ein zwischengeschalteter US-Trust sichert das Insolvenzrisiko treuhänderisch ab. Dann folgt ein Leasingvertrag in umgekehrter Richtung (Sub Lease) mit wesentlich kürzerer Laufzeit, etwa 25 Jahre. Der amerikanische Partner zahlt den Barwert aller Raten im Voraus aus; der deutsche begleicht seine Leasingraten laufend. Er behält die Nutzungsrechte, übernimmt die Instandhaltung und hat zum Sublease-Vertragsende die Option, den Vertrag zu verlängern oder sich herauszukaufen. Der Vorteil dieser Transaktion liegt darin, dass beide Beteiligte in ihrem Land als wirtschaftlicher Eigentümer des Leasingguts angesehen werden." [13] In erster Linie profitieren die Akteure von den steuerlichen Vorteilen in den USA. Jedoch gibt es vielfach auch große Bedenken gegenüber diesen Leasingverträgen: [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832487591
Arbeit zitieren:
Schlüter, Thoralf Oktober 2003: Trinkwasserversorgung im internationalen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Privatisierung, Public-Private-Partnership, Preisvergleich, Wassertarif, Wasserverbrauch



