Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Der Transformationsprozess des tschechischen Bankensektors

Der Transformationsprozess des tschechischen Bankensektors
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Gertrude Preslmair
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 274 Seiten
  • Dateigröße: 3,6 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4612-3
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4612-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Preslmair, Gertrude August 2001: Der Transformationsprozess des tschechischen Bankensektors, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Republik, Privatisierung, Kapitalmakteffizienz, Transformation, Banken

In den Warenkorb
58,00 €

Dissertation / Doktorarbeit von Gertrude Preslmair

Gang der Untersuchung:

Kapitel 1 der vorliegenden Arbeit trägt einführenden Charakter. Die Darstellung des Monobankensystems und der Kapitalallokation in der Planwirtschaft soll die Ausgangssituation des Bankensektors und das Wesen des Geldes in den Transformationsländern vor Beginn des Reformprozesses verdeutlichen. Das Wesen und die Elemente des Transformationsprozesses und die Schwierigkeit der zeitlichen und inhaltlichen Abstimmung der einzelnen Reformschritte werden beschrieben. Schließlich soll als weiteres Erkenntnisziel die Notwendigkeit eines funktionsfähigen und stabilen Bankensektors für das Gelingen des gesamten Reformprozesses aufgezeigt und die Rolle des Bankensektors im Zuge dieser historischen Entwicklung herausgearbeitet werden.

Nachdem im Kapitel 1 die Rolle des Bankensektors in der Planwirtschaft verdeutlicht wurde, soll im Kapitel 2 die Rolle des Bankensektors in der Marktwirtschaft dargestellt werden. Eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des tschechischen Bankensektors spielen das klare Verständnis der Tätigkeitsbereiche, der Intermediationsfunktion der Banken und die von ihnen zu bewältigenden Risiken. Diese Darstellung der Tätigkeiten und Funktionen des Bankensektors sowie die von den Banken übernommenen Risiken sollen ein genaues Verständnis des Zielzustandes eines marktwirtschaftlichen Bankensystems ermöglichen. Dass der Bankensektor, wenn er ausschließlich dem Wettbewerb überlassen wird, zahlreiche Probleme für das Gesamtergebnis einer Volkswirtschaft aufwirft, wird im letzten Punkt des Kapitels mit dem Versagen der Neoklassischen Theorie und den Ursachen für die Instabilitäten im Bankensektor erklärt. Die Erkenntnisse dieses Kapitels ermöglichen es, im weiteren Verlauf der Arbeit Problemfelder des tschechischen Reformprozesses zu identifizieren und die getroffenen Maßnahmen zu beurteilen.

Die Unvermeidbarkeit von Bankenkrisen während des Transformationsprozesses steht am Beginn von Kapitel 3. Dieser Sachverhalt wird mit der Erklärung des Zusammenhanges zwischen dem Ergebnis einer einzelnen Bank und dem makroökonomischen Umfeld noch vertieft. Zur Lösung des Problems von Bankenkrisen ist es schließlich sehr zielführend, auf bisherige empirische Erkenntnisse über Krisen und Restrukturierungen im Bankensektor zurückzugreifen. Den Schwerpunkt dieses theoretischen Kapitels bildet die Notwendigkeit der frühzeitigen Behebung von Problemen im Bankenbereich, welche mit dem Argument des öffentlichen Gutes und dem Zusammenhang zwischen system-immanenten Bankenproblemen und Bankenkrisen begründet wird.

Kapitel 4 widmet sich den Analysemethoden der Stabilität des Bankensektors und der Restrukturierung des Sektors. Ausgangspunkt für die verschiedenen methodischen Ansätze sind die destabilisierenden Faktoren auf den verschiedenen Betrachtungsebenen. Da der Economic and Incentive Approach im empirischen Teil der Arbeit herangezogen wird, ist diesem Ansatz auch im theoretischen Teil eine ausführliche Darstellung gewidmet. Die vier weiteren Teile des Kapitels befassen sich mit der Restrukturierung des Bankensektors unter besonderer Berücksichtigung des Portfolioproblems der Banken. Nach einer Beschreibung der Ziele, Restriktionen und Kernelemente der Bankenrestrukturierung werden die Ursachen und Auswirkungen des Portfolioproblems auf verschiedene Wirtschaftsbereiche diskutiert. Um den tschechischen Lösungsweg zur Restrukturierung und Privatisierung der Banken zu verstehen, werden die alternativen Lösungsmöglichkeiten zur Bereinigung der Bankenportfolios besprochen.

Im Anschluss an diese theoretischen Betrachtungen soll im Kapitel 5 die Reform des tschechischen Bankensektors erläutert werden. Die Wiederherstellung von Privateigentum und somit die Privatisierung der Wirtschaft bilden die Grundvoraussetzung für ein marktwirtschaftliches System. Auf Grund der herausragenden Rolle, welche die Privatisierungsfonds in Tschechien spielten, ist ihnen ein eigenes Unterkapitel gewidmet. Basierend auf der Ausgangslage – dem tschechischen Bankensystem vor 1990 – beginnt der Reformprozess mit der Aufspaltung der Monobank und der anschließenden Vergabe von Banklizenzen. Das Portfolioproblem der Banken stellt dabei von Beginn an eine schwere Belastung für die neu gegründeten Geschäftsbanken dar. Vor dem Hintergrund des planwirtschaftlichen Erbes wird die Problematik der Sanierung und des Privatisierungsprozesses der ehemaligen Staatsbanken untersucht. Im Mittelpunkt des Reformprozesses standen verschiedene Konsolidierungs-, Stabilisierungs- und Revitalisierungsprogramme. Zum besseren Verständnis dieser Programme werden in einem Unterpunkt einleitend die staatlichen Transformationsinstitutionen vorgestellt. Entsprechend den in Kapitel 4 herausgearbeiteten Lösungsansätzen für das Portfolioproblem werden die in Tschechien im Laufe der verschiedenen Programme zum Einsatz gekommenen Ansätze zusammengefasst. Am Ende des Restrukturierungsprozesses der ehemaligen Staatsbanken steht die Privatisierung derselben. Dass dies nicht immer gänzlich gelingt, zeigt der Fall der Investicni Banka (IPB). Schließlich soll der Economic and Incentive Approach herangezogen werden, um ein gutes, qualitativ orientiertes Gesamtbild des tschechischen Bankensektors zu geben.

Im abschließenden Kapitel 6 erfolgt eine prinzipielle Änderung der angewandten Methodik. Kernstück dieses Kapitels ist die quantitative Analyse der Informationseffizienz des Interbankenmarktes. In einer ökonometrischen Untersuchung wird die Informationseffizienz des Interbankenzinssatzes (PRIBOR) anhand des Zusammenhanges zwischen Inflation und Zinssatz überprüft. Die beiden im Modell enthaltenen Konzepte, das Fisher Theorem und das Konzept der Effizienz von Kapitalmärkten, stehen am Beginn des Kapitels. In der empirischen Untersuchung werden vier verschiedene Modellvarianten gerechnet. Dies erlaubt einen Vergleich, ob die gewählte Rechenmethode (Regressionsanalyse oder Cointegration) Einfluss auf das Vorliegen von Informationseffizienz auf den betrachteten Markt nimmt. Weiters unterscheiden sich die Rechenmodelle darin, ob eine Zeitverzögerung im Modell eingebaut ist oder nicht. Damit kann untersucht werden, ob der Interbankenmarkt zeitverzögert auf für die Höhe der Zinssätze relevante Informationen reagiert. Als Zinssatz wird der 1-, 3- und 6-Monats-PRIBOR verwendet. Auf diese Weise kann getestet werden, ob das Modell eher für den kurzfristigen oder langfristigen Zinsbereich zutrifft. Abschließend werden die Ergebnisse inhaltlich interpretiert und es wird eine Aussage über die Eignung der in dieser Arbeit angewandten wissenschaftlichen Methoden getroffen.

Inhaltsverzeichnis

1. Charakteristika der Transformationsökonomien 10
1.1 Einleitende Bemerkungen 10
1.2 Problemstellung und methodische Vorgehensweise 11
1.3 Aufbau der Arbeit 14
1.4 Monobankensystem und Kapitalallokation in der Planwirtschaft 16
1.4.1 Der zentrale Plan als Lenkungsinstrument 16
1.4.2 Das Monobankensystem als ausführendes Organ der Planungsbehörde 19
1.4.3 Die Unabhängigkeit der Geldwertstabilität von der Geldmenge 20
1.5 Wesen und Elemente des Transformationsprozesses 23
1.5.1 Makroökonomische Stabilisierung 25
1.5.2 Mikroökonomische Reformen: Liberalisierung und Privatisierung 26
1.5.3 Institutionelle Reformen 28
1.6 Die Rolle des Bankensektors im Transformationsprozess 28
1.6.1 Privates Eigentum 30
1.6.2 Wettbewerb 31
1.6.3 Stabilität des Geldes 32
2. Die Rolle des Bankensektors in volkswirtschaftlichen Theorien 33
2.1 Tätigkeitsbereiche der Banken 33
2.2 Die Intermediationsfunktion 35
2.3 Das Bankenrisiko 39
2.4 Ursachen für Instabilitäten im Bankensektor 41
2.4.1 Asymmetrische Informationen und ihre Konsequenzen 42
2.4.1.1 Adverse Selektion 43
2.4.1.2 Die Principal-Agent-Theorie 43
2.4.1.3 Mitläufereffekt 44
2.4.2 Externalitäten 45
2.4.3 Natürliche Monopole 46
3. Die bisherigen empirischen Erkenntnisse über Krisen und Restrukturierungen des Bankensektors 47
3.1 Die Unvermeidbarkeit von Bankenkrisen während des Transformationsprozesses 47
3.2 Der Zusammenhang zwischen dem Ergebnis einer einzelnen Bank und dem makroökonomischen Umfeld 49
3.3 Bisherige empirische Erkenntnisse über Krisen und Restrukturierungen des Bankensektors 54
3.4 Notwendigkeit der frühzeitigen Behebung von Problemen im Bankenbereich 59
3.4.1 Das Bankensystem als öffentliches Gut 59
3.4.2 Der Zusammenhang zwischen systemimmanenten Bankenproblemen und Bankenkrisen 61
4. Analysemethoden der Stabilität des Bankensektors 47
4.1 Destabilisierende Faktoren und Analysemethoden 63
4.2 Economic or Incentive Structure Approach: Analyse der Instabilitäten im Bankensystem, die sich aufgrund der volkswirtschaftlichen Theorie ergeben 66
4.2.1 Institutionelle Ausgestaltung des Bankensektors 66
4.2.2 Konzentrationsgrad der Branche 68
4.2.3 Bankenbefugnis 69
4.2.4 Corporate Governance 70
4.2.5 Eigentumsverhältnisse und Verbindlichkeitsstruktur 71
4.2.6 Marktanreize zur Verhaltenskontrolle der Banken 72
4.2.7 Aufsichtsrechtliche Anreize zur Kontrolle des Bankverhaltens 73
4.2.8 Finanzmarktliberalisierung und Instabilität 74
4.2.9 Explizite und implizite Garantien 78
4.3 Begriffsbestimmung, Ziele und Restriktionen einer systematischen Bankenrestrukturierung 79
4.4 Kernelemente der Restrukturierung 81
4.5 Ursachen und Auswirkungen des Portfolioproblems 83
4.5.1 Ursachen des Problems der schlechten Schulden 83
4.5.2 Der Anstieg der schlechten Schulden zu Reformbeginn 85
4.5.3 Zwischenbetriebliche Kredite und Steuerschulden als zusätzliche Kreditkanäle 88
4.5.4 Auswirkungen der schlechten Schulden auf die Betriebe 89
4.5.5 Auswirkungen auf den Bankensektor 90
4.5.6 Makroökonomische Auswirkungen 90
4.6 Theoretische Lösungsansätze des Portfolioproblems 91
4.6.1 Interventionistische (aktive) Lösungsansätze 92
4.6.1.1 Währungsreform 92
4.6.1.2 Direkte Bereitstellung staatlicher Mittel 93
4.6.2 Marktwirtschaftliche (passive) Lösungsansätze 93
4.6.2.1 Auf der Passivseite der Bilanz ansetzende Lösungsansätze 93
4.6.2.1.1 Privatisierung 93
4.6.2.1.2 Gewinnthesaurierung 94
4.6.2.2 Auf der Aktivseite der Bilanz ansetzende Lösungsansätze 95
4.6.2.2.1 Umschuldung 95
4.6.2.2.2 Debt-Equity-Swap 96
4.6.2.2.3 Securisation und Kredit-Swaps 97
5. Qualitativ orientierte Analyse des tschechischen Bankensektors 99
5.1 Die Privatisierung des Unternehmenssektors als Voraussetzung für ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem 99
5.1.1 Die kleine Privatisierung 102
5.1.2 Die große Privatisierung 103
5.1.3 Privatisierungsfonds und Unternehmenskontrolle 104
5.2 Die Entwicklung des tschechischen Bankensystems 109
5.2.1 Das tschechische Bankensystem vor 1990 109
5.2.2 Die Aufspaltung der Monobank und der Beginn der Vergabe von Lizenzen 110
5.2.3 Das vererbte Portfolioproblem der neu gegründeten Geschäftsbanken 111
5.3 Restrukturierungs- und Privatisierungsprogramme 113
5.3.1 Die Transformationsinstitutionen als Mittler zwischen Bankensektor und Staat 113
5.3.2 Erstes Konsolidierungsprogramm von 1991 120
5.3.3 Zweites Konsolidierungsprogramm und Stabilisierungsprogramm von 1996 124
5.3.4 Das Revitalisierungsprogramm: Beseitigung zweifelhafter Kredite im Unternehmenssektor 127
5.3.5 Zusammenfassung der angewandten Methoden zur Beseitigung des Portfolioproblems 129
5.3.6 Die Privatisierung der ehemaligen tschechischen Staatsbanken 133
5.3.7 Der Fall IPB: Misslungene Privatisierung oder ein Fall für die Gerichte? 139
5.4 Qualitative Analyse des tschechischen Bankensektors mittels Economic and Incentive Structure Approach 142
5.4.1 Institutionelle Ausgestaltung des Bankensektors 144
5.4.2 Konzentrationsgrad der Branche 145
5.4.3 Bankenbefugnis 148
5.4.4 Corporate Governance 152
5.4.5 Aufsichtsrechtliche Anreize zur Kontrolle des Bankverhaltens 155
5.4.6 Eigentümerverhältnisse und Verbindlichkeitsstruktur 159
5.4.7 Marktanreiz zur Verhaltenskontrolle der Banken 160
5.4.8 Finanzmarktliberalisierung und Instabilität 164
5.4.9 Explizite und implizite Garantien 173
5.5 Zusammenfassung der qualitativen Analyse 175
6. Quantitativ orientierte Analyse des tschechischen Bankensektors 178
6.1 Der Zusammenhang zwischen Zinssatz und Inflation in der Tradition Irving Fishers 178
6.1.1 Die Zinstheorie in der Tradition Irving FISHERs 178
6.1.2 Das Fisher Theorem für die geschlossene Volkswirtschaft 181
6.1.3 Die Eignung des Fisher Theorems für empirische Untersuchungen und bisherige Studien 184
6.2 Das Konzept der Effizienz von Kapitalmärkten 187
6.2.1 Historische Entwicklung der Theorie der Effizienz von Kapitalmärkten 187
6.2.2 Die Informationseffizienz gemäß Eugen FAMA 190
6.2.3 Abgrenzung des Konzeptes von FAMA zu parallel existierenden Begriffen der Informationseffizienz 192
6.2.4 Die Untersuchung FAMAs für den amerikanischen Markt 194
6.3 Exkurs: Das Fisher Theorem in einem Zwei-Länder-Modell 201
6.4 Die Informationseffizienz des tschechischen Interbankenmarktes 210
6.4.1 Die verwendete Datenbasis 211
6.4.2 Variante 1: Analyse mittels einfacher Regression 214
6.4.3 Variante 2: Analyse mittels Regression mit timelag bezüglich des Zinses 217
6.4.4 Variante 3: Regression mit timelag bezüglich der Preisänderungsrate 219
6.4.5 Variante 4: Augmented Dickey-Fuller Unit Root Test 221
6.5 Zusammenfassung der quantitativ orientierten Analyse 229
7. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 232
8. Abkürzungsverzeichnis 239
9. Tabellenverzeichnis 240
10. Abblidungsverzeichnis 243
11. Literaturverzeichnis 246

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wie im theoretischen Teil der Arbeit erörtert, sind die Marktteilnehmer auf pünktliche und zuverlässige Informationen angewiesen, um das Verhalten der Bank zu kontrollieren. Um eine effektive Kontrolle auch tatsächlich durchzuführen, benötigen die Marktteilnehmer gesetzliche und freiwillige Kommunikationskanäle. Auf die gesetzlich vorgeschriebenen Kommunikationskanäle zwischen den Banken und der „Financial Community“ soll hier nicht mehr weiter eingegangen werden. Im Folgenden wird die Darstellung des tschechischen Bankensektors von zwei freiwilligen Kommunikationskanälen wiedergegeben. Es sind dies eine Rating Agentur und eine Finanzfachzeitschrift. Ein freiwilliger Kommunikationskanal, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Rating durch einschlägige Agenturen. Sie ermöglichen den interessierten Marktteilnehmern, sich einen schnellen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Bank zu verschaffen. Im Folgenden soll das Rating der international tätigen Agentur Moody’s Investor Service bezüglich der tschechischen Banken dargestellt werden. Dabei verwendet diese Ratingagentur zur Einstufung von Banken drei verschiedene Konzepte. Das erste Ratingkonzept mit der Bezeichnung „Long-Term Bank Deposits“ (LT Bank Deposits) gibt eine Einschätzung über die Fähigkeit der Bank, ihre Verbindlichkeiten (langfristige Einlagen), gleichgültig auf welche Währung diese lauten, pünktlich zu tilgen, wobei Zahlungen aus Einlagensicherungssystemen nicht berücksichtigt werden. Jedoch geht in diese Bewertung die Wahrscheinlichkeit einer direkten Unterstützung durch den Staat an die Bank ein.305 Die Bewertungsskala geht von Aaa bis C. Das Short-Term Bank Deposits Rating (ST Bank Deposits) gibt die Einschätzung über kurzfristige Bankverbindlichkeiten wieder. Die dazugehörige Skala läuft von Prime-1 (P-1) bis Prime-3 (P-3) bzw. Not Prime. Das dritte Konzept, das sogenannte Bank Financial Strength Rating, misst die Wahrscheinlichkeit, dass von der Bank finanzielle Hilfe von außen, d. h. von ihren Eigentümern, der Muttergesellschaft oder von offiziellen Institutionen, benötigt wird. Es berücksichtigt nicht die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche finanzielle Unterstützung auch tatsächlich gewährt wird. In die Beurteilung gehen jedoch Risikofaktoren des operativen Umfeldes ein, wie z. B. das Wirtschaftswachstum, die Struktur und die Stabilität des Finanzsystems und die Qualität der Bankenregulierung und -aufsicht. Die Bewertungsskala geht von A bis E, wobei ein Plus (+) Aufstufung andeutet.306 [...]

Wie in der theoretischen Ausführung zu diesem Punkt bereits besprochen, ist von den Fremdkapitalgebern der Bank, demnach insbesondere von den vielen privaten Sparern, keine große Einflussnahme auf das Verhalten der Bankenmanager zu erwarten. Eine solche Einflussnahme ist aber auch in den weiter entwickelten Bankenmärkten der Industrieländer äußerst schwach ausgeprägt. Es soll deshalb im Folgenden auf die Beziehung zwischen den Aktionären der Geschäftsbanken und dem Management eingegangen werden. Der wichtigste Aktionär war hierbei bis vor kurzem der Staat bzw. dessen Institutionen. Prinzipiell sollten die Aktionäre einer Bank die in Kapitel 2.3 besprochene Bewältigung der Bankenrisiken unter der Prämisse eines maximalen Ertrages anstreben. Dass die tatsächliche Zielvorgabe vom wichtigsten Aktionär in Tschechien in den ersten Reformjahren teilweise von dieser Zielsetzung abwich, wurde bereits mehrmals angesprochen. In einem Artikel aus dem Jahre 2000 wird diese Beziehung wie folgt beschrieben: „One of the principal engines of the once touted ‚Czech miracle’ has been the state-controlled banks (KB, CSOB, CS, IPB). During 1999 the miracle has proved to be, in many respects, a nightmare in which the appearance of success was built on the squandering of proceeds from unjustified bank financing. The banks have fallen with the major industrial concerns they financed.”302 Der staatliche Einfluss auf den Bankensektor wurde dazu benutzt, um großzügige Kredite via die Banken an die Industrie zu ermöglichen. Vaclav KLAUS appellierte mehrmals an die Banken, ihre Bereitschaft zur Kreditvergabe zu erhöhen. Diese allzu leichtfertige Kreditvergabe war notwendig, um die tschechische Privatisierungsstrategie durchzuhalten.303 Der Premierminister Milos ZEMAN beschrieb die Vorgehensweise folgendermaßen: „We built a system of capitalism without capital“.304 Im frühen Stadium des Reformprozesses wäre es vermutlich auch politisch viel schwieriger durchzusetzen gewesen, von Beginn an ausländische strategische Investoren in den Privatisierungsprozess hereinzunehmen. [...]

mäßig Berichte der CNB zu übermitteln, mit detaillierten Angaben betreffend ihres Rechnungswesens, insbesondere hinsichtlich ihrer Eigenkapitalquote (auf Jahresbasis), ihrer Liquidität (vierteljährlich) und Absichten, welche eine Herabsetzung des Tier 1 Kapitals297 oder eines seiner Komponenten nach sich ziehen (im Bedarfsfall). Banken müssen ebenfalls Berichte über juristische Personen, an denen sie einen Anteil von mehr als 20 Prozent des Eigenkapitals halten, übermitteln. Personelle Veränderungen in den statutorischen Organen und im Topmanagement sowie Pläne bezüglich der Errichtung von Niederlassungen im Ausland (Zweigstellen oder Tochtergesellschaften) unterliegen ebenfalls der Meldepflicht. Schließlich sind Banken zur Veröffentlichung eines Jahresberichtes inklusive eines Prüfberichtes über die finanzielle Lage der Bank verpflichtet. Kreditsicherheiten: Die Bewertung von Kreditsicherheiten ist ein sehr kontrovers diskutiertes Thema. Der Verkauf von Hypotheken und verpfändeten Gegenständen ist nicht präzise geregelt. Schwierigkeiten gibt es bezüglich der erforderlichen Zeitdauer, die für die Durchsetzung des Rechtsanspruches notwendig ist. Insbesondere im Falle des Konkurses des Schuldners ergeben sich noch immer erhebliche zeitliche Verzögerungen und häufig endet das Verfahren mit einer Zurückweisung der Ansprüche des Gläubigers. Einlagensicherung: Die tschechischen Banken sind verpflichtet, in ein Einlagensicherungssystem einzuzahlen. Der Beitrag beträgt jährlich 0,5 Prozent der gesamten auf Kronen lautenden Einlagen, inklusive der aufgelaufenen Zinsen, zum 31.12. des jeweiligen Jahres.298 Das System der Einlagensicherung deckt 400.000 Kronen und maximal 90 Prozent der Einlage.299 Der aufsichtsrechtliche Rahmen hat seit Reformbeginn zahlreiche Anpassungen erfahren. Im Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission wird der Stand der Umsetzung in Bezug auf das Bankwesen als zufrieden stellend, wenn auch noch nicht abgeschlossen, bezeichnet.300 Weiters wird darauf verwiesen, dass der Weiterentwicklung des Rechtsrahmens, der Umsetzung der Aufsichtsvorschriften für den Finanzsektor und dem kontinuierlichen Ausbau dieses Sektors entscheidende Bedeutung zukommt.301 [...]

In den Warenkorb
58,00 €

Arbeit zitieren:
Preslmair, Gertrude August 2001: Der Transformationsprozess des tschechischen Bankensektors, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Republik, Privatisierung, Kapitalmakteffizienz, Transformation, Banken

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren