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Der Todesdiskurs in Wim Wenders' Essay-Film "Nick´s Movie - Lightning Over Water"

Der Todesdiskurs in Wim Wenders' Essay-Film "Nick´s Movie - Lightning Over Water"
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Björn Jensen
  • Abgabedatum: April 1990
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3133-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3133-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3133-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jensen, Björn April 1990: Der Todesdiskurs in Wim Wenders' Essay-Film "Nick´s Movie - Lightning Over Water", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nicholas Ray, Tod, Nick's Movie, Dokumentarfilm, Wim Wenders

Magisterarbeit von Björn Jensen

Problemstellung:

Ähnlich wie der literarische Essay sich lange Zeit einer genaueren wissenschaftlichen Untersuchung sperrte und erst in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts eingehend untersucht wurde, fand der Essay-Film bisher kaum Beachtung in filmtheoretischen Abhandlungen. Auch die Filmemacher sind sich ihrer stilistischen Verwandtschaft zum Essay nur selten bewusst und versehen ihre Filme daher mit den unterschiedlichsten Titeln. Das zweite Kapitel dieser Arbeit wird sich zuerst einmal mit dem Begriff des „Essays“ in Literatur und Film auseinandersetzen, sowie seine historische Entwicklung nachzeichnen, um ihn schließlich vom Dokumentarfilm abzugrenzen.

Als Wim Wenders 1981 seinen Film Nick’s Movie - Lightning Over Water in die deutschen Kinos brachte, stieß er damit weitgehend auf Ablehnung und Unverständnis. Man warf ihm vor, das Sterben Nicholas Rays für seine Zwecke ausgenützt zu haben. Es wurde von Peinlichkeiten und überlegener Selbstdarstellung gesprochen.

Der Grund, warum dieser Film vor allem in Deutschland so negativ aufgenommen wurde, mag mit unserem Verhältnis zum Tod zusammenhängen, das von dem amerikanischer oder auch dem anderer europäischer Staaten sehr verschieden ist. Zum anderen mag es damit zusammenhängen, dass der Essay-Film ähnlich wie der literarische Essay sehr viel schwerer in Deutschland Fuß fassen konnte, als in anderen Ländern.

Die vorliegende Arbeit bemüht sich, Nick’s Movie aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, um so der Qualität dieses Filmes gerecht zu werden. Er wird dabei in die Tradition des Essay-Filmes und des Todesdiskurses im Film gestellt. Ebenso werden Parallelen zu Wenders’ und Rays früheren Filmen gezogen werden. Auf der Grundlage einer mikrostrukturellen Analyse des Films (vgl. das Filmprotokoll in Teil 2 dieser Arbeit), wird der Film auf seinen narrativen Aufbau, seine visuelle und akustische Gestaltung und essayistischen Elemente hin untersucht werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung 4
2. Der Essay-Film
2.1 Der literarische Essay 5
2.1.1 Historische Entwicklung 5
2.1.2 Form des Essays 7
2.1.3 Ziel des Essays 9
2.1.4 Stoffgebiete 10
2.2 Die Entwicklung des Essay-Filmes 10
2.3 Abgrenzung des Essay-Filmes vom Dokumentarfilm 17
3. Der Todesdiskurs in der filmischen Narration
3.1 Der Begriff >Diskurs< 18
3.2 Tod und Gesellschaft 19
3.3 Angst vor dem Tode 22
3.4 Der Tod des Anderen 23
3.4.1 Erlebnis des Todes 23
3.4.2 Filmische Vermittlung des Todes 24
3.5 Systematisierung der Todesdarstellung im Film 26
3.5.1 Der Tod im fiktionalen Film 26
3.5.2 Der Tod im nicht-fiktionalen Film 30
4. Wim Wenders
4.1 Narrativität 35
4.2 Die Figuren 40
4.3 Der Tod 42
5. Nick’s Movie: Zur Filmgenese
5.1 Historische Ausgangssituation 44
5.1.1 Nicholas Ray 44
5.1.2 Wim Wenders 46
5.2 Ausgangsposition zu Nick’s Movie 48
5.3 Dreharbeiten 51
5.3.1 Erster Teil: Anfang April 1979 51
5.3.2 Zweiter Teil: Anfang Mai 1979 56
5.3.3 Epilog: Juni 1979 58
5.4 Nachbearbeitung 58
6. Nick’s Movie: Narrativer Aufbau
6.1 Erzählinstanz 60
6.1.1 Erzählstrategie 60
6.1.2 Erzähler 61
6.1.3 Point-of-view 62
6.2 Erzählstil 65
6.2.1 Chronologizität 65
6.2.2 Innen vs. Außen 67
6.2.3 Ausnutzen der Krankheit Rays 68
6.2.4 Inszenierung vs. Dokumentarismus 71
6.2.5 Gleichzeitigkeit von Produkt und Genese 75
6.3 Dramaturgie 77
6.3.1 We Can't Go Home Again 77
6.3.2 The Lusty Men 79
6.3.3 Tagebuch 80
6.3.4 Ein Bericht für eine Akademie 81
6.4 Essayistische Elemente 82
7. Die kinematographische Ordnung des Todesdiskurses in Nick's Movie
7.1 Die subjektive Instanz Wenders 84
7.2 Reflexion der eigenen Arbeit 86
7.3 Der sterbende Mensch als Gegenstand der Kamera 91
7.4 Filmen als Therapie 93
7.5 Symbole und Todeszeichen 94
8. Die Montage
8.1 Die erste Fassung 96
8.2 Die zweite Fassung 98
8.3 Die dritte Fassung 99
9. Gestaltung
9.1 Visuell 100
9.2 Akustisch 103
10. Zusammenfassung 104
Anhang
A) Filmographie: Nicholas Ray 106
B) Filmographie: Wim Wenders 106
C) Literaturverzeichnis 108
1. Primärliteratur 108
2. Sekundärliteratur 108
3. Interviews und Briefe 120

Automatisiert erstellter Textauszug:

5.4. Nachbearbeitung Die Arbeit an Nick's Movie hat Wenders die Ruhe wiedergegeben, an Hammett zu arbeiten2, aber die Situation, in der dieses Projekt entstand, wurde immer komplizierter. Coppola hatte sich inzwischen ein großes hochtechnisiertes Studio in Los Angeles gebaut, Zoetrope Studios. Hammett sollte der erste Film sein, der dort produziert wurde. Was als ein Projekt des unabhängigen Produzenten Coppola der Zoetrope Movies begonnen worden war, wurde damit zu einem Prestigeobjekt der Zoetrope Studios. Die Erwartungen an den Film stiegen. Je mehr seine Kosten in die Höhe schnellten, desto mehr mußte er kommerziell ein Erfolg werden. Wenders war zu sehr mit dem Drehen der ersten Fassung von Hammett und dessen Nachbearbeitung beschäftigt, als daß er Nick's Movie hätte schneiden können. Er überließ das Material Peter Przygodda, der alle Filme von ihm bis dahin geschnitten hatte. Im Laufe der Jahre hatte sich zwischen den beiden ein gewisses Einverständnis entwickelt. Nach Im Lauf der Zeit sagte Przygodda: "Er weiß von mir und ich von ihm, daß wir in bestimmten Dingen dieselbe Auffassung haben, daß der andere nicht dabeisein muß"3. In diesem Falle hatte Przygodda jedoch eine deutlich andere Meinung. Er war nicht nur ein Außenstehender, der 4 den Film "wie eine Dokumentation und als sei er eine Dokumentation" geschnitten hatte, sondern seine Auffassung von der moralischen Verantwortlichkeit, mit der der Film gedreht worden war, unterschied sich deutlich von der Wenders'. Er war der Meinung, daß Rays Sterben ausgenutzt worden war und schnitt seine zwei Stunden lange Fassung entsprechend5. Als er im Frühjahr 1980 seine Fassung Wenders vorführte, war dieser damit sehr unzufrieden6. Es war jedoch zu spät, um sie für das Festival in Cannes neu zu schneiden. Wenders kürzte sie daher um 4-5 Minuten und änderte etwas in der Chronologie am Ende des Filmes7. Diese geänderte Fassung wird allgemein als die erste, noch von Przygodda geschnittene Fassung bezeichnet. Nach Cannes stellte Wenders eine neue Fassung her, die auf dem Filmfestival in Hof 1980 uraufgeführt wurde. Przygodda [...]

51 Dans la vie réelle, comme on dit, nous [Susan und Nick, A.d.V.] étions complètement pris l'un par l'autre. Le dialogue entre nous était permanent et bruyant, et la plupart du temps plutôt amusant. Le film est complète1 ment passé à cìté de cet aspect. Dieser kurze Einblick zeigt bereits, wie sehr in diesem Film Vorsicht geboten ist, wenn es darum geht, vom Film ausgehend Rückschlüsse auf die Intentionen Wenders' oder Rays zu ziehen. Andererseits erscheint, mit dem Wissen um diesen Hintergrund, zunehmend bewunderungswürdig, wie stringent und einheitlich sich der Film jetzt präsentiert. In den ersten beiden Drehtagen des zweiten Teils, den elften und zwölften der Gesamtfolge, wurde die Szene im Theater gedreht, in dem Ray mit Bamman Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie" probierte. Wahrscheinlich am 1.5.79 drehte Tom ein Gespräch auf Video zwischen Ray und Wenders im Krankenhaus, das beide entmutigt, niedergeschlagen und am Film zweifelnd zeigt. Am dreizehnten und drei Tage später am vierzehnten Drehtag wurden die Szenen im Krankenhausset gedreht. Die letzte, mit Ray gedrehte Szene ist auch die letzte Szene des Films. Nach einem langen Monolog, wobei die Kamera ständig auf seinem Gesicht gerichtet bleibt, sagt er schließlich "cut!". "In this terrifying scene Nick vents his rage and ultimate despair. We knew he had reached the limit"2. Ray wurde zurück ins Krankenhaus gebracht, Wenders, Ronee, und Tim Ray flogen noch am selben Abend nach Los Angeles. Am Sonntag, den 6.5.79 hatte Ray seinen letzten öffentlichen Auftritt im Museum of Modern Art, anlässlich einer Vorführung von On Dangerous Grond und They Live By Night. Ray saß zusammengesunken im Rollstuhl und beantwortete Fragen. Sievernich hatte jemanden engagiert, um an diesem Abend zu filmen. In den folgenden Wochen wurde er nur noch zwischen dem Krankenhaus und der Wohnung hin und her gefahren. Er hatte ständige Schmerzen und brauchte ununterbrochene Betreuung. Wenders besuchte Ray noch einmal mit Blakley im Krankenhaus. [...]

5.3.2. zweiter Teil: Anfang Mai 1979 Samstag, den 28.4.79 kehrte Wenders mit seiner Verlobten Ronee Blakley nach New York zurück. Blakley war durch ihre Darstellung in Nashville berühmt geworden. Mit ihrer Ankunft scheinen die Spannungen im Team stark zugenommen zu haben. Sie kannte Ray vorher nicht und spielt dennoch in Szenen mit ihm, die eine lange Freundschaft suggerieren. Wie Farrell schreibt, hat sie jedoch nur versucht Wenders und Ray auszunützen, um sich selber in ihrer Rolle als Star zu festigen. Sie war eine "disruptive force" im Film2. In der 1. Fassung von Przygodda waren noch Szenen enthalten, die zeigen, wie begierig sie war, möglichst oft im Film vorzukommen. Ihr Egoismus führte dazu, daß sie im Team sehr unbeliebt war und es vor allem mit Susan zu starken Spannungen kam3. Diese zerstörten dann auch die Freundschaft zwischen Wenders und Susan. Darüber hinaus hatte Blakley einen sehr starken Einfluss auf Wenders und bestimmte nicht unmaßgeblich den Film. So wurden zum Beispiel einer Szene mit ihr und Ray der Vorzug gegeben vor einer bereits geplanten Szene zwischen Ray und Farrell. In der ersten Fassung muß Przygodda ein sehr belastendes Bild von ihr gezeichnet haben, daß dann in den folgenden Fassungen zu ihren Gunsten geändert wurde4. In der ersten Fassung gab es auch eine Szene, in der die Spannung zwischen Wenders und Susan zum Ausdruck kam. In der letzten Fassung wurde sie von Wenders im Zuge des Versuches geschnitten, "to make her look good and beautiful"5. Susan Rays Rolle, die sie letztendlich in Nick's Movie spielt, ist nur noch eine marginale, nachdem auch noch eine Szene zwischen ihr und Tom Farrell nicht in die letzte Fassung übernommen wurde. Verständlicherweise ist sie über die Art, wie ihre Ehe mit Ray dargestellt wird, nicht zufrieden: [...]

Arbeit zitieren:
Jensen, Björn April 1990: Der Todesdiskurs in Wim Wenders' Essay-Film "Nick´s Movie - Lightning Over Water", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nicholas Ray, Tod, Nick's Movie, Dokumentarfilm, Wim Wenders

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