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Todesbilder im Roman des 20. Jahrhunderts

Der Einfluß philosophischer und psychologischer Todeskonzeptionen auf ausgewählte Werke Thomas Manns

Todesbilder im Roman des 20. Jahrhunderts
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Meike Nachtwey
  • Abgabedatum: April 1999
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 4,4 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2359-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2359-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2359-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nachtwey, Meike April 1999: Todesbilder im Roman des 20. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Philosophie, Thomas Mann, Todesbilder, 20. Jahrhundert, Roman

Magisterarbeit von Meike Nachtwey

Einleitung:

Im Gegensatz zur Antike oder dem Mittelalter gibt es in der Epoche der Moderne kein homogenes Todesbild, das den Sinnentwurf der Welt als ganzer ermöglicht. Nach Joachim Pfeiffer konstituiert sich heute der "Tod als paradoxes Bewußtsein der Endlichkeit, als widersprüchliche Erfahrung und Infragestellung des modernen Menschen, der durch den Tod seine Individualität zugleich begründet und bedroht sieht und den Tod als Instrument der Unterdrückung einerseits, als Metapher der Befreiung und Sinnstiftung andererseits erfährt." Das Verhalten dem Tod gegenüber hat sich bis heute zwischen den zwei Polen ‘Integration’ und ‘Ausschluß’ bewegt. Die Todesmodelle bis zur Aufklärung integrieren den Tod in das Leben, doch diese Modelle verloren an Glaubwürdigkeit und wurden zu Herrschaftsinstrumenten. Mit dem Ratio-Gedanken der Aufklärung wird der Tod aus dem Leben ausgeschlossen. Die Ratio und der säkularisierte Fortschrittsgedanke lassen die Integration des mit der Ratio nicht faßbaren Todes nicht mehr zu. Die fortschreitende Individualisierung bewirkt, daß einheitsstiftende Denksysteme weiter bröckeln: "Sowohl die Religionen, die sich zum ‘Absolut-Allgemeinen’ erheben und das Individuum vom ‘bloß Individuellen’ erlösen wollen, wie auch die Moral im Sinne Kants, die sich vom kategorischen Imperativ, der Idee einer Universalisierbarkeit der Handlungsmaxime, leiten läßt, haben ihre verbindliche Kraft verloren." Doch genau diese Erfahrung der Individualität, "die das 19. Jahrhundert und die Schwelle zum 20. Jahrhundert kennzeichnet", stellt das moderne Bewußtsein vor das Grundproblem seiner eigenen Endlichkeit. Erst mit den lebensphilosophischen Anschauungen, die durch den Einfluß Schopenhauers und Nietzsches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirksam geworden sind, erfolgt die Reintegration des Todes in den Gesamtzusammenhang des modernen Lebens, dessen Individualität der Tod konstituiert.

Zu einer umfassenderen Beschreibung der modernen Todesbilder wäre eine interdisziplinäre Vorgehensweise sowie methodische Offenheit notwendig; eine kulturgeschichtliche, soziologische und anthropologische Einbettung würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Hier kann es nur um die poetische Auseinandersetzung mit dem modernen Endlichkeits- und Todesbewußtsein gehen.

In Lukács’ Theorie des Romans lautet die These: Die Entsprechung von thematischer Konzentration und poetischer Form in Hinblick auf ‘Todesgedanken’ lasse sich gerade in narrativen Textstrukturen der Moderne feststellen. Das neue Bewußtsein der Endlichkeit, der Verlust der transzendentalen Heimat und eines gestirnten Himmels der "Wesenheiten" komme kongenial in der Form des Erzählens zum Ausdruck. Allein im modernen Roman sei "die Zeit mit der Form mitgesetzt", das Zeitliche und das Wesenhafte träten in ihm auseinander. Die innere Handlung des Romans sei "nichts [anderes] als ein Kampf gegen die Macht der Zeit". Im zeitlichen Erzählen liege die Möglichkeit des Romans, die Totalität und die Abgeschlossenheit eines Sinnes zurückzugewinnen, der dem einzelnen Individuum zunehmend abhanden gekommen ist. Dieser nicht mehr transzendent verstandene Sinn, der sich in einer "Fülle der Zeit" realisiert, setze die Durchbrechung einer rein fortschrittsorientierten, irreversiblen Zeitwahrnehmung voraus. Für Lukács ist die epische Wiedergewinnung der Erinnerung und der Vorgriff auf die Zukunft (als Hoffnung) eine hervorragende Möglichkeit des romanhaften Erzählens, die verlorene Ganzheit zu restituieren. Lukács geht hier von einer Analytik der Endlichkeit aus und weist in seiner Theorie auf Möglichkeiten hin, die speziell der Literatur der Moderne zur Verfügung stehen, um den "Schmerz der Vergänglichkeit" narrativ zu bewältigen.

Daher ist es im Rahmen dieser Arbeit sinnvoll, einzelne Werke Thomas Manns, die Wegmarken der modernen Auseinandersetzung mit dem Tod darstellen, zu analysieren. Doch wie steht es überhaupt mit der Möglichkeit, über den Tod sprechen oder schreiben zu können?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Reden und Schreiben über den Tod 5
1.2 Literarische Darstellung des Todes 6
1.3 Zielsetzung und Abgrenzung 7
2. Thomas Mann 9
2.1 Bürgerliche Künstlerexistenz 9
2.2 Vom klassischen zum klassisch-modernen Roman 11
3. Thomas Mann und die Philosophie 14
3.1 Arthur Schopenhauers metaphysische Grundannahmen: Der Wille zum Leben 18
3.2 Der Tod als Befreiung aus der Individuation 22
3.3 Friedrich Nietzsches post-metaphysische Grundthese: Der Tod als integraler Bestandteil des Lebens 25
4. Der Tod bei den Buddenbrooks 28
4.1 Senator Thomas Buddenbrooks metaphysischer Rausch 32
4.2 Hanno Buddenbrooks Leben als Krankheit zum Tode 35
5. Der Tod in Venedig 39
5.1 Die zwei Ebenen der Novelle 39
5.1.1 Das Meer-Motiv 40
5.2 Vorankündigungen des Dionysos: Aschenbachs Reiselust 42
5.2.1 Venedig 44
5.3 Aschenbachs dionysischer Verfall in Venedig 45
5.3.1 Der Traum 48
5.4 Aschenbachs Erlösung im Tod 49
6. Der Tod auf dem Zauberberg 53
6.1 Das Form-Konzept 55
6.1.1 Zeit und Raum 56
6.1.2 Traum und Rausch 58
6.2 Der Tod als "Überform" und "Unform" 59
6.3 Das Schnee - Kapitel 64
6.3.1 Exkurs: Sigmund Freuds Kulturpessimismus in Zeitgemäßes über Krieg und Tod (1915) 69
6.3.2 Thomas Manns Auseinandersetzung mit der Freudschen Regression 71
6.4 Die Umwertung des Todes 72
7 Schlußbetrachtung 78
Literaturverzeichnis 82

Arbeit zitieren:
Nachtwey, Meike April 1999: Todesbilder im Roman des 20. Jahrhunderts, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Philosophie, Thomas Mann, Todesbilder, 20. Jahrhundert, Roman

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