Therapeutische und beratende Arbeit mit Eltern suizidierter Kinder
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Raphael Hartmann
- Abgabedatum: April 2003
- Umfang: 193 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Osnabrück Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6982-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6982-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6982-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hartmann, Raphael April 2003: Therapeutische und beratende Arbeit mit Eltern suizidierter Kinder, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Suizid, Trauer, Suizidtheorien, Qualitative Inhaltsanalyse, Systemische Therapie
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Diplomarbeit von Raphael Hartmann
Einleitung:
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen Bereich auszuleuchten, der bislang in der therapeutischen Konzeptbildung und Praxis deutlich vernachlässigt wurde. Zwar ist bislang dem Suizid eines Kindes ausführlich Beachtung geschenkt worden, doch zur Frage, wie die betroffenen Eltern mit der Suizidhandlung ihres Kindes mittel- und langfristig umgehen, liegen so gut wie keine Erkenntnisse vor. So betritt der Autor mit der vorliegenden Arbeit Neuland, was bedeutet, neben der normalen Literaturrecherche auch in andere Informationsgewinnungsfelder vorzudringen, wie Selbsthilfegruppen usw. – eine Pioniertätigkeit im besten Wortsinn.
Gang der Untersuchung:
Dabei umfasst die Arbeit zunächst, neben statistischen Daten, eine genaue Definition der Begriffe Selbstmord, Selbsttötung, Freitod, Parasuizid und Suizid. Es wird diskutiert, warum diverse Begriffe unhaltbar sind und mit dem Begriff „Suizid“ gearbeitet wird. Im Anschluss werden drei praxisnahe Theorien besprochen, die den Weg zum Suizid erklären können. Der Nachteil dieser Theorien liegt in der (nicht immer offenen) Schuldzuweisung. Die Eltern werden durch ihr Verhalten in der Kindheit der Suizidenten zu Schuldigen gestempelt. Eine Erklärung, die so nicht stehen gelassen werden kann.
Im empirischen Teil wird dann großen Wert darauf gelegt, dass Leben der Eltern nach dem Suizid ihres Kindes für außenstehende Menschen möglichst transparent zu machen. Es wird sich des halbstrukturierten Interviews bedient, das mittels der Qualitativen Inhaltsanalyse auswertet wurde. Dabei sind die eigene Suizidgefährdung der Eltern, ihr Erleben des Alltags und die Länge der Trauer nur einige Punkte die das sonst manchmal sehr fragwürdige Verhalten dieser Eltern erklären sollen. Eine graphische Übersicht mit Originalzitaten aus den Gesprächen soll die Transparenz im Ergebnisteils abrunden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 6 |
| 1.1 | Statistische Daten | 7 |
| 1.2 | Suizid und Selbstmordversuch | 9 |
| 1.3 | Suizidmethoden | 10 |
| 2. | Definitionen | 13 |
| 2.1 | Ein sehr individuelles Phänomen | 13 |
| 2.2 | Abgrenzung der Begriffe Selbstmord, Selbsttötung, Freitod und Suizid | 15 |
| 2.3 | Definition des Begriffes Suizid | 17 |
| 2.4 | Definition des Begriffes Parasuizid | 20 |
| 3. | Drei Theorien über die Gesetzmäßigkeit zur Überwindung der Individualität | 22 |
| 3.1 | Suche nach unterschiedlichen Motiven: Der Ansatz von Shneidman | 23 |
| 3.1.1 | Todessuchende | 24 |
| 3.1.2 | Todesinitiatoren | 24 |
| 3.1.3 | Todesverächter | 25 |
| 3.1.4 | Todesherausforderer | 25 |
| 3.2 | Suche nach Gemeinsamkeiten: Das praesuizidale Syndrom nach Ringel | 26 |
| 3.2.1 | Einengung | 27 |
| 3.2.1.1 | Situative Einengung | 27 |
| 3.2.1.2 | Dynamische Einengung | 28 |
| 3.2.1.3 | Einengung der Wertwelt | 28 |
| 3.2.2 | Gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression | 29 |
| 3.2.3. | Selbstmordphantasien | 30 |
| 3.3 | Blick auf gestörte Persönlichkeitsstrukturen: Henselers Ansatz | 31 |
| 3.3.1 | Der harmonische Primärzustand | 31 |
| 3.3.2 | Lust- und Unlusterfahrung | 32 |
| 3.3.3 | Copingstrategien | 33 |
| 3.3.4 | Narzismus und der Weg zum Suizid | 33 |
| 4. | Suizid als Kommunikation: Systemische Überlegung | 36 |
| 4.1 | Das Prinzip von Ursache und Wirkung | 36 |
| 4.2 | „Muster“ statt Schuldzuweisung | 38 |
| 4.3 | Ebenen der Kommunikation | 40 |
| 4.4 | Die Botschaft des Kindes | 41 |
| 4.5 | Die Botschaft der Eltern | 42 |
| 5. | Entwicklung der Fragestellung | 44 |
| 5.1 | Die kulturell definierte Trauer | 45 |
| 5.2 | Die Trauer der Angehörigen suizidierter Menschen | 46 |
| 5.3 | Die Frage nach dem, was geholfen hat | 48 |
| 6. | Ziel der Untersuchung: Grundidee | 51 |
| 6.1 | Auswahl des Erhebungsverfahrens | 51 |
| 6.2 | Zentrale Merkmale qualitativer Forschung und das Untersuchungsdesign | 52 |
| 7. | Datenerhebung | 54 |
| 7.1 | Reaktionen und Mißerfolge: Verhalten von psychiatrischen-, beratenden- und Selbsthilfeeinrichtungen | 54 |
| 7.2 | Das Interview | 56 |
| 7.3 | Durchführung des Interviews | 57 |
| 8. | Explikation | 59 |
| 8.1 | Die Kategorien und ihre Entstehungen | 61 |
| 8.1.1.1 | Kategorie: Intrapersonell | 61 |
| 8.1.2.2 | Kategorie: Beziehung zum Kind | 62 |
| 8.1.3.3 | Kategorie: Eigeninitiative | 63 |
| 8.1.4.4 | Kategorie: Hilfe | 64 |
| 8.1.5.5 | Kategorie: Soziales Umfeld | 66 |
| 8.1.6.6 | Kategorie: Verlauf | 68 |
| 8.1.7.7 | Kategorie: Eigene Theorien über das Begehen des Suizids | 71 |
| 9. | Ergebnisse und Diskussion | 73 |
| 9.1 | Die Struktur im Überblick | 74 |
| 9.2 | Ergebnisse im Detail | 77 |
| 9.2.1 | Ergebnisse der 1. Kategorie: Intrapersonel | 78 |
| 9.2.2 | Ergebnisse der 2. Kategorie: Beziehung zum Kind | 80 |
| 9.2.3 | Ergebnisse der 3. Kategorie: Eigeninitiative | 82 |
| 9.2.4 | Ergebnisse der 4. Kategorie: Hilfe | 84 |
| 9.2.5 | Ergebnisse der 5. Kategorie: soziales Umfeld | 91 |
| 9.2.6 | Ergebnisse der 6. Kategorie: Verlauf | 95 |
| 9.2.7 | Ergebnisse der 7. Kategorie: Eigene Theorien über das Begehen des Suizids | 106 |
| 10. | Gütekriterien | 108 |
| 10.1 | Die sechs Gütekriterien nach Mayring | 110 |
| 10.2 | Stichprobengröße | 111 |
| 11. | Schlußbemerkung und Aussichten | 113 |
| 12. | Danksagung | 116 |
| 13. | Literaturverzeichnis | 117 |
| 14. | Anhang | 122 |
| 14.1 | Anhang A – Kodierleitfaden der Transkripte | 124 |
| 14.2 | Anhang B – Erster Schritt der Analyse | 127 |
| 14.3 | Anhang C – Zweiter und dritter Schritt der Analyse | 160 |
unumgängliches Instrument der Analyse und Erklärung geworden. Das Quadrat der Nachricht fokussiert aber den verbalen Teil einer Kommunikation mit all seinen Facetten und Mißverständnissen. Wenn das Wort aber nicht mehr reicht um auf Verhaltensweisen aufmerksam zu machen, um auf Mißstände oder Probleme hinzuweisen, gibt es noch die Möglichkeit auf die Ebene des Verhaltens zu wechseln, um sich mitzuteilen. Bei den Suizidenten findet wie oben schon erwähnt eine solche Verlagerung innerhalb der Kommunikationsebenen statt. Zeichnet sich der Suizidant zunächst durch Neugier gegenüber dem Tod aus. Fragen, was nach dem Tod passiert, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und wer alles zu seiner Beerdigung kommen würde, zeichnet die Verhaltensweise vorrangig beim Kind aus. Das Interesse am Tod und der Sinn des Lebens, der hier hinterfragt wird, wird von den Eltern allzu häufig als philosophisches Interesse des Kindes gedeutet und der frühen Reife des Kindes zugeschoben (ORBACH 1997). Das sich hinter diesen Fragen eine sich langsam entwickelnde pathologische Beschäftigung mit dem Tod verbergen kann wird den betroffenen Eltern meist erst sehr spät klar. RINGEL (1998) beschreibt, wie oben schon angeführt, in seinem praesuizidalen Syndrom den Verlauf dieser Suizidphantasien, die, [...]
Familien mit verhaltensauffälligen Kindern die Basis der Eskalation u.a. im Verlust der Präsenz der Eltern gegenüber dem Kind. Der Verlust der Präsenz kann mit dem Verlust der „Stimme“ einhergehen, die für das Kind immer leiser oder unwirklicher wird. Die Eltern verlieren für das Kind an Bedeutung. OMER und VON SCHLIPPE weisen darauf hin, daß innerhalb der verfestigten Muster auch ein sehr unterschiedliches Erleben der eigenen Rolle in Bezug auf die andere Person vorhanden sein kann, so daß das Kind z.B. die Präsenz der Eltern als eigenständige Individuen, die für ihn Verantwortung tragen, nicht mehr wahrnimmt. Die Eltern hingegen haben ihr eigenes Leben auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten. Sie glauben nur noch für ihr Kind zu leben. Es ist bei dem Mustern schwierig zu sagen, wer Schuld hat oder wann es begann. Die Klärung dieser Fragen würde den Beteiligten auch nicht helfen das Muster zu unterbrechen, im Gegenteil, es würde (in der Bewußtwerdung) den Konflikt nur neu entfachen oder verstärken. SIMON [...]
nicht verstanden werden will. Schlußendlich wurde die Idee präsentiert, den Begriff der Kausalität völlig fallen zu lassen und an seiner Stelle von „Muster“ zu sprechen. Der Vorteil, besonders für das Arbeiten mit Parasuizidalen und deren Angehörigen, besteht bei der Konnotation „Muster“ darin, nicht mehr der Suche nach Ursachen nachzugehen sondern an deren Stelle die Beschreibung von Verhaltens-Mustern zu setzen, innerhalb derer keine Größe eine determinierende Stellung zugeordnet wird. Es kann demnach nicht den Kausalzusammenhang zwischen Ursache und Wirkung geben. Vielmehr handelt es sich um ein Muster von Interaktionen, das innerhalb der Kommunikation zu aufschaukelnden Prozessen führt. Im Bereich des Suizids geht es dann nicht mehr um (implizite) Schuldzuweisungen, sondern um Muster, die zwischen den Personen im entsprechenden System entstehen, sich verfestigen, die Menschen im Griff haben und somit auf lange Sicht zur Eskalation führen. OMER & [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832469825
Arbeit zitieren:
Hartmann, Raphael April 2003: Therapeutische und beratende Arbeit mit Eltern suizidierter Kinder, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Suizid, Trauer, Suizidtheorien, Qualitative Inhaltsanalyse, Systemische Therapie



