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Theorie und Praxis der systemtheoretischen Organisationsberatung

Theorie und Praxis der systemtheoretischen Organisationsberatung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Jung
  • Abgabedatum: Juli 2002
  • Umfang: 145 Seiten
  • Dateigröße: 955,7 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4078-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4078-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4078-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jung, Alexander Juli 2002: Theorie und Praxis der systemtheoretischen Organisationsberatung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Systemtheorie, Luhmann, Unternehmensberatung, Kommunikation, Paradoxie

Diplomarbeit von Alexander Jung

Einleitung:

Die Beratungsbranche ist seit Jahren ein boomender Dienstleistungssektor. Das belegen nicht nur deren Wachstumszahlen, auch bei Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen übt diese Branche mitunter eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Das professionelle Image und weltmännische Flair der Berater, ihr Arbeitseinsatz, ausgiebige Reisen und Honorare haben den Beratern einen elitären Ruf eingebracht, so dass es für viele Studierende erstrebenswert scheint, diesem zu folgen und ihre berufliche Karriere in diese Richtung einzuschlagen.

Über die unterschiedlichen Beratungsphilosophien hinweg hat diese Branche in Deutschland mittlerweile einen Umsatz von etwa 13 Milliarden Euro erreicht, beschäftigt derzeit etwa 70.000 Berater in 14.500 Unternehmen und verzeichnet seit Jahren kontinuierlich zweistellige Wachstumsraten.

Die Branche scheint sowohl von konjunkturellen Wachstumsphasen, die für ein Wachstum des gesamten Wirtschaftssektors sorgen, als auch von Rezessionen zu profitieren, die viele Unternehmen für „Schlankheitskuren“ nutzen, wozu sie aus Legitimationsgründen häufig externe Berater für diese unangenehmen Aufgaben vorschieben.

Die Frage, worauf dieser Boom der vergangenen Jahre zurückzuführen ist, wird zuweilen mit der häufig beschriebenen - und von Beratern aus Eigeninteresse mitunter auch propagierten bzw. lancierten - zunehmenden Komplexität und Dynamik der Wirtschaft und Gesellschaft begründet. Diese trägt sicherlich in erheblichem Maße dazu bei, dass sich Unternehmen und Organisationen ohne professionelle Hilfe den Anforderungen des modernen Marktes und dem steigenden Veränderungsdruck nicht mehr alleine gewachsen sehen. Die Lösung der Unternehmensprobleme wird daher gerne in den Konzepten und Tools der - vor allem renommierten - Berater gesucht.

Rudolf Wimmer erklärt die expansive Nachfrage nach externen Beratungsdienstleistungen mit dem erstarkenden Professionalisierungsgrad des mittelständischen Managements im deutschsprachigen Raum. So hätten in der Vergangenheit vor allem Großunternehmen Beratungsleistungen in Anspruch genommen.

In Anbetracht des Rückzugs der alten Form der unmittelbar und ausschließlich von den Eigentümerfamilien gesteuerten Unternehmen, und der damit einhergehenden Professionalisierung des Managements der mittelständischen Unternehmen, würden diese nun auch in zunehmendem Maße Beratungsleistungen beanspruchen. Darüber hinaus seien, aufgrund eines verstärkten gesamtgesellschaftlichen Veränderungsdrucks, auch Teile der bislang beraterresistenten öffentlichen Verwaltung vermehrt bereit, sich extern beraten zu lassen.

Um den gestiegenen und individuelleren Anforderungen an Beratungsleistungen gerecht zu werden, hat sich die Beratungsbranche selbst intern ausdifferenziert und auch Beratungsansätze mit systemtheoretischen Hintergrund ausgebildet. Dieser relativ jungen und in der Praxis bisher vielfach vernachlässigten Sparte soll in der vorliegenden Arbeit die Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Der vereinzelten und sporadischen Adaption in der Praxis zum Trotz wird der systemtheoretischen bzw. systemischen Beratung dagegen seit einigen Jahren in der wissenschaftlichen Diskussion hohe Beachtung zuteil. Dies vor allem von denjenigen Autoren, die darin übereinstimmen, dass die traditionellen Beratungsformen an ihre Grenzen stoßen, es der Beratung bisher an einer einheitlichen theoretischen Grundlage mangelt und die daher in der Systemtheorie einen fruchtbaren Ansatz zur Entwicklung einer Theorie der Beratung vermuten. So stolpert man, wenn man versucht, sich einen Überblick über das Spektrum der Beratungsliteratur zu verschaffen, zwar zwangsläufig über viele mit Anglizismen aufpolierte Konzepte und Ideen, aber weniger auf ein einheitliches und fundiertes Theoriegebäude, das neben dem eigenen Gegenstandsbereich auch eine Theorie der Veränderung aufbieten würde.

Die vorliegende Arbeit verfolgt im Sinne einer Beobachtung dritter Ordnung daher eine zweifache Zielsetzung: Zum einen soll die systemische Beratung im Hinblick auf ihre theoretischen Grundlagen dargestellt, kritisch beurteilt und mit ihrer Ausprägung in der Praxis verglichen werden. Dies evoziert die Frage, inwiefern die systemische Organisationsberatung als systemtheoretisch angesehen bzw. bezeichnet werden kann. Zum anderen soll der Frage der potentiellen Fruchtbarkeit einer systemtheoretisch fußenden Theorie der Beratung, sowie der Praxisrelevanz einer systemtheoretisch begründeten Beratung nachgegangen werden.

Dazu sollen in einem ersten Schritt die relevanten theoretischen Grundlagen der Systemtheorie für die systemische Beratung aufgearbeitet (Kapitel 2) und anschließend eine schematische Abgrenzung zu anderen Beratungsphilosophien geleistet werden, um die systemische Beratung adäquat verorten zu können (Kapitel 3).

Im Anschluss daran wird auf eine praktische Anwendung der Systemtheorie in der systemischen (Familien-)Therapie eingegangen werden (Kapitel 4), durch die der systemische Beratungsansatz nachhaltig geprägt wurde. Darüber hinaus soll versucht werden, die Zirkularität der systemischen Beratung durch die Darstellung der beteiligten sozialen Systeme analytisch zu trennen, um anschließend einen Blick in die Praxis zu werfen (Kapitel 5). Das Schlusskapitel widmet sich schließlich - im Hinblick auf die Zielsetzungen - einer Würdigung, sowohl der Theorie, als auch der Praxis der systemtheoretischen Beratung (Kapitel 6).

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT III
INHALTSVERZEICHNIS VI
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IX
1. EINFÜHRUNG: ENTWICKLUNG DER BERATUNGSBRANCHE UND ZIELSETZUNG 1
2. SYSTEMTHEORETISCHE GRUNDLAGEN 5
2.1 KONSTRUKTIVISMUS UND KYBERNETIK 2. ORDNUNG 5
2.1.1 Konstruktivismus 6
2.1.1.1 Das Maschinenmodell 7
2.1.1.2 Beobachtungen 10
2.1.2 Kybernetik 2. Ordnung 12
2.2 AUTOPOIESE, OPERATIONALE GESCHLOSSENHEIT UND SELBSTREFERENZ 13
2.2.1 Autopoiese 13
2.2.2 Operationale Geschlossenheit und Selbstreferenz 14
2.3 (SOZIALE) SYSTEME 16
2.3.1 System/ Umwelt Differenz und Komplexität 16
2.3.2 Funktionale Differenzierung 18
2.3.3 Systemebenen 19
2.4 KOMMUNIKATION, ENTSCHEIDUNG UND ENTSCHEIDUNGSPRÄMISSEN 22
2.4.1 Kommunikation 22
2.4.2 Entscheidung 25
2.4.3 Entscheidungsprämissen 27
2.4.4 Unsicherheitsabsorption 30
2.5 ZUSAMMENFASSUNG 31
3. ABGRENZUNG DER SYSTEMISCHEN BERATUNG 34
3.1 KLASSIFIKATIONSANSÄTZE VON BERATUNGSFORMEN 34
3.2 INTERNE VS. EXTERNE BERATUNG 36
3.3 EXPERTENBERATUNG 37
3.4 PROZESSBERATUNG 41
3.5 MECHANISTISCHES UND SYSTEMISCHES BERATUNGSVERSTÄNDNIS 43
3.6 ZUSAMMENFASSUNG 45
4. SYSTEMISCHE THERAPIE 47
4.1 DIE SYSTEMISCHE (FAMILIEN-) THERAPIE 47
4.2 VORGEHENSWEISE 48
4.2.1 Hypothesenbildung 48
4.2.2 Intervention 49
4.3 AUSGEWÄHLTE METHODEN 50
4.3.1 Paradoxe Intervention 50
4.3.2 Exkurs: double-bind 53
4.3.3 Zirkuläres Fragen 55
4.4 ZUSAMMENFASSUNG 56
5. SYSTEMISCHE BERATUNG 59
5.1 DAS KLIENTENSYSTEM 60
5.2 DAS BERATERSYSTEM 62
5.3 DAS BERATUNGSSYSTEM 63
5.3.1 Eingrenzung 63
5.3.2 Die Paradoxie der Intervention 66
5.3.3 Interventionschancen 70
5.4 ZUSAMMENFASSUNG 75
5.5 EIN- BLICK IN DIE PRAXIS 78
5.5.1 Institutionen 78
5.5.2 Systemische Intervention in der Praxis 79
5.5.2.1 Interventionsarchitektur 81
5.5.2.2 Interventionsdesign 82
5.5.2.3 Interventionstechnik 84
5.5.3 Zusammenfassung 85
5.6 EXKURS: DIE VERSTEHENSPROBLEMATIK DER SYSTEMTHEORIE 87
6. ABSCHLIEßENDE BEURTEILUNG UND PERSPEKTIVEN 91
ANHANG 97
LITERATURVERZEICHNIS 124
LEBENSLAUF 132
EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG 133

Automatisiert erstellter Textauszug:

dies ein Zeichen von Leben ist. In einem Unternehmen (...) haben Sie beispielsweise einen (...) Kreis. Da haben Sie auf der einen Seite Junge, die alle weniger als zwei Jahre im Unternehmen sind. Auf der anderen Seite gibt es die „alten Hasen“, die alle schon mindestens 10 Jahre im Unternehmen sind. Das ist eine Differenz. Man kann sich leicht vorstellen, dass das eine Differenz ist, die eine relativ starke Dynamik entwickelt. Oder Sie haben die Differenz, dass Sie auf der einen Ebene Leute haben, die eher einen analytisch-strukturierten und reflektierten Zugang haben, und andere die intuitiv extrem schnell vorgehen. Und jetzt kann man sich das Unternehmen ansehen, und beobachten, was an Widersprüchen genannt wird, oder was man hineinhypothetisiert. Das ist schon mal eine Grundidee. Das gehört in das Gesamtbild rein. Also: Was gibt es in den inneren Strukturen für Widersprüche? Manchmal gibt es das auch in den Relationen der Umwelten zueinander. Und was ist davon handlungsleitend? Jetzt ist die Frage, an was orientiert sich ein Berater, an welchem Grundwiderspruch? Der Grundwiderspruch, mit dem wir herangehen, ist der von Verändern/Bewahren. Das wirkt trivial, ist aber nicht selbstverständlich, Veränderungsseite weil (...) alle Also, anderen Sie rufen Berater mich sich schlichtweg auf die dem [...]

(...) Ist genauso wirksam. Ich kann es deswegen so sicher sagen, weil wir uns selber als Firma immer wieder beraten lassen, und weil ich auch relativ viel Beratung in Beraterkreisen mache, wo die Leute sehr aufgeklärt sind über das, und wo immer die Ebene der Reflexion mitläuft. So wie Sie jetzt, wenn Sie klug sind, auch beobachten, wie die Interaktion zwischen uns läuft, sozusagen auf der Metaebene. Also ob das, was ich Ihnen erzähle, und wie ich es Ihnen erzähle, mit den Inhalten irgendwie zusammenpasst. Das werden Sie beobachten (...). Das würde ich Ihnen auf jeden Fall (...) empfehlen. Wenn Sie das auswerten, ist das ja auch die spannende Frage (...). Wenn Sie das also nebenbei beobachten, dann läuft dieses Interesse mit. Das ändert aber nichts daran, dass wir auf der Ebene hier wirkungsvoll miteinander interagieren können. (...) Vor allem am Anfang wird es ein bisschen schwieriger, wenn diese Schleife mitläuft. Das ist, wie wenn Sie mit Gruppendynamikern eine Gruppe zusammenstellen. Die setzt man zusammen, und die Dynamik der Gruppe beginnt zu laufen. Wenn ich aufgeklärt bin und weiß, dass das und jenes wahrscheinlich passieren wird (...), dann habe ich eine [...]

Die Klienten kommen nicht zu uns, weil sie systemische Beratung haben wollen. Also wir als Beratergruppe Neuwaldegg - damit unterscheiden wir uns von anderen, die das noch auf ein höheres Markenlevel raufbringen - fokussieren mit „systemisch“ nicht auf eine Marke. Sondern wir haben eher das Image, dass wir sehr komplexe Aufgabenstellungen, wenn es um fachliche Aspekte geht, aber auch um soziale Aspekte, bewältigen, und Prozesse aufsetzen können, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, dass sie etwas bewegen. Den durchschnittlichen Kunden interessiert das überhaupt nicht. Also, ich sage es mal so: wenn ich zum Zahnarzt gehe, was der genau macht, mit welcher Technik, mit welchem Tool, das ist mir egal. Ich möchte, dass es mir nicht wehtut, dass es schnell geht und dass ich nachher meine Ruhe habe. Ich habe wenig Lust, überhaupt zu diskutieren, was der für eine Technologie hat. (...) Also das interessiert meiner Meinung nach den Kunden auch begrenzt. (...) Es gibt Personen, die irgendwie Kontakt mit uns bekommen haben und auch theoretisch interessiert sind an Beratung. Die wissen das. Und die sehen sich das dann an und die fragen nach. Vor allem in großen Betrieben sind wir relativ bekannt, also im PE194-, OE195- Bereich und im Strategie- Bereich. Die haben natürlich einen professionellen Zugang. Aber das ist nicht der typische Klient. Wenn der typische Vorstand anruft, dann hat der keine Ahnung und weiß es nachher auch nicht. (...) [...]

Arbeit zitieren:
Jung, Alexander Juli 2002: Theorie und Praxis der systemtheoretischen Organisationsberatung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Systemtheorie, Luhmann, Unternehmensberatung, Kommunikation, Paradoxie

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