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Theoretische und praktische Probleme der Untertitelung für Hörgeschädigte

Theoretische und praktische Probleme der Untertitelung für Hörgeschädigte
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sandra Eichler
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 604,2 KB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9057-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9057-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9057-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eichler, Sandra August 2005: Theoretische und praktische Probleme der Untertitelung für Hörgeschädigte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Untertitelrichtlinie, intralingual, Zielpublikum, Kommunikation, Analyse

Diplomarbeit von Sandra Eichler

Einleitung:

In der vorliegenden Arbeit wird anhand von verschiedenen Untertitelungsrichtlinien und einem deutschem Beispielfilm untersucht, wie für Hörgeschädigte untertitelt wird. Die Situation für Hörgeschädigte in Bezug auf Tonsubstitution im Fernsehen ist in Deutschland noch immer sehr schwierig. Besonders Dolmetschereinblendungen werden von vielen hörenden Zuschauern als störend empfunden und von den Sendern nur unzureichend eingesetzt. Auch Untertitel sind in einem Synchronisationsland wie Deutschland als unbequem und unnötig verrufen, sodass es schwierig ist, in der Öffentlichkeit eine diesbezügliche Bewusstseinsveränderung herbeizuführen.

Das Inkrafttreten des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes am 1. Mai 2002 war ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Behindertenverbände können nun Zielvereinbarungen mit Firmen treffen, um Barrierefreiheit herzustellen und so haben einige private Fernsehsender damit begonnen, zu einigen ihrer Sendungen Untertitel für Hörgeschädigte anzubieten. Es kann nach dem Gesetz jedoch keine Firma zu einer Zielvereinbarung gezwungen werden, sodass die Verbände allein durch ihre Überzeugungsarbeit einen Erfolg erzielen können.

Neben dem Fernsehen ist auch die DVD zu einem wichtigen Medium für Hörgeschädigte geworden. Film-DVDs enthalten zunehmend mehr Bonusmaterial, z. B. Untertitel in verschiedenen Sprachen sowie speziell auf die Zielgruppe der Hörgeschädigten ausgerichtete Untertitel.

Als MGM Home Entertainment Deutschland 2004 in einer Pressemitteilung ankündigte, zukünftig aus Kostengründen keine Untertitel mehr auf ihren DVDs anbieten zu wollen, kam es seitens verschiedener Verbände zu heftigen Protesten und eine Postkartenaktion wurde ins Leben gerufen. Schließlich teilte die MGM mit, sie werde 2005 noch mehr als bisher DVDs speziell mit Untertiteln für Hörgeschädigte ausstatten, da man sich bewusst geworden sei, wie wichtig dieses Medium für diese Zielgruppe ist. Dieses Beispiel zeigt, wie wenig die Öffentlichkeit über die Belange von Hörgeschädigten weiß und lässt vermuten, dass durch konstruktive Aufklärung einiges in den Köpfen der Menschen bewirkt werden kann.

Problemstellung:

Die vorliegende Diplomarbeit soll eine Einführung in die Thematik der Untertitelung für Hörgeschädigte darstellen. Interessierten, die keine oder nur sehr geringe Kenntnisse auf dem Gebiet der Untertitelung für diese Zielgruppe haben, soll sie einen ersten Überblick verschaffen. Neben den theoretischen Problemen ist hierbei zu untersuchen, wie für Hörgeschädigte untertitelt wird bzw. werden sollte. Für die Bearbeitung dieser Thematik soll der Übertragungsprozess innerhalb einer Sprache ausschlaggebend sein, d. h. übersetzungsrelevante Aspekte – zu denen bereits viele Untersuchungen durchgeführt wurden – werden im Folgenden nicht berücksichtigt.

Zur theoretischen Annäherung an die Thematik sind zunächst eine Zielgruppenanalyse vorzunehmen sowie eine Übersicht über die verschiedenen Arten von Untertiteln zu erstellen. Darauf aufbauend sind die theoretischen Probleme der Untertitelung für Hörgeschädigte darzulegen. Im praktischen Teil der Arbeit sind verschiedene Untertitelungsrichtlinien aus dem englischsprachigen Raum zu beschreiben und zu analysieren.

Dabei ist zu untersuchen, wie die in der Theorie festgestellten Probleme gelöst bzw. die daraus resultierenden Anforderungen umgesetzt wurden. Die Methoden und Mittel sind zu vergleichen und zu diskutieren. Gegebenenfalls ist zu untersuchen, ob sich theoretische Vorgaben bzw. Lösungsansätze in der Praxis bestätigen. Weiterhin soll untersucht werden, inwieweit sich die sprachlichen Richtlinien aus allgemeinen Anforderungen an Untertitel ergeben und inwieweit sie zielgruppenspezifisch, d. h. für Hörgeschädigte ausgerichtet sind.

Dazu sollen Untertitelrichtlinien für Hörende herangezogen und mit den Richtlinien für Hörgeschädigte verglichen werden. Anschließend sollen die für die Zielgruppe erstellten Untertitel eines deutschen Beispielfilmes herangezogen und mit dem Originaltext – dem Dialog – verglichen werden. Dabei ist zu untersuchen, inwieweit sich die in den Richtlinien vorgeschlagenen sprachlichen Strategien hierbei bestätigen bzw. welche neuen Methoden ggf. abzuleiten sind. In der „Zusammenfassung der Ergebnisse“ sind die zentralen Probleme und die Anforderungen an Untertitel für Hörgeschädigte noch einmal zusammenzutragen.

Die Umsetzung ist anhand der wesentlichen Mittel und Methoden, die sich aus den Untersuchungen im praktischen Teil der Arbeit ergeben, kurz darzulegen und wichtige Beobachtungen und Erkenntnisse sind hinsichtlich der oben beschriebenen Fragestellungen zusammenzufassen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 2
Vorwort 4
Abkürzungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis 6
1. Einleitung 7
2. Ziel- und Aufgabenstellung 8
3. Materialgrundlage 9
4. Methodologisches Vorgehen 12
5 Theoretische Probleme der Untertitelung für Hörgeschädigte 14
5.1 Die Zielgruppe der Hörgeschädigten 14
5.1.1 Gehörlose 14
5.1.2 Schwerhörige 15
5.1.3 Ertaubte 16
5.1.4 Kommunikative Besonderheiten 16
5.1.5 Schriftsprachliche Kompetenz 18
5.1.5.1 Selbsteinschätzung österreichischer Hörgeschädigter 18
5.1.5.2 Leseprozess und Lesekompetenz 19
5.1.6 Einstellung der Hörgeschädigten zu untertitelten Medien 23
5.1.7 Bedeutung von Untertiteln für die Zielgruppe 25
5.1.8 Zusammenfassung 26
5.2 Kategorisierung – Untertitel und ihre Merkmale 29
5.2.1 Allgemeine Gliederung und Beschreibung 29
5.2.2 Unterscheidung nach Art der Einblendung bzw. Erscheinungsbild 30
5.2.3 Unterscheidung nach Medium 31
5.2.4 Linguistische Untergliederungen und Eigenschaften 32
5.2.4.1 Interlinguale und intralinguale Untertitelung 32
5.2.4.2 Traditionelle, reduzierende und bilinguale Untertitelung 34
5.2.5 Zusammenfassung 35
5.3 Sprachliche und technische Probleme unter Berücksichtigung der besonderen Zielgruppe der Hörgeschädigten 37
5.3.1 Probleme bei der Übertragung von Gesprochenem in Schriftsprache 37
5.3.1.1 Die Notwendigkeit der Reduktion von Text 38
5.3.1.2 Einschätzung der Relevanz von Informationen 39
5.3.1.3 Kohäsion 41
5.3.1.4 Unterschiedliche Merkmale mündlicher und schriftlicher Sprache 43
5.3.1.5 Eingeschränkte Rezeption für Hörgeschädigte 46
5.3.1.6 Zielgruppengerechtes Sprachniveau 47
5.3.1.7 Zusammenfassung 49
5.3.2 Eingliederung in das Medium Film 50
5.3.2.1 Untertitel als additives Element 50
5.3.2.2 Bildsprache 52
5.3.2.3 Kamera und Schnitte 53
5.3.2.4 Erscheinungsbild 55
5.3.2.5 Standzeiten 56
5.3.2.6 Zusammenfassung 58
6. Beschreibung und Analyse von Untertitelungsrichtlinien 59
6.1 Vergleich der Prioritäten bzw. Fokus der einzelnen Richtlinien 61
6.2 Vereinfachung der Sprache und Textreduktion 65
6.2.1 Strategien zu Sätzen und ihren Eigenschaften 67
6.2.2 Strategien zur Struktur innerhalb der Sätze 68
6.2.3 Strategien zu einzelnen Satzelementen 71
6.2.4 Strategien zur Wortwahl 73
6.2.5 Zusammenfassung 75
6.3 Sprachliche Besonderheiten 76
6.3.1 Strategien zu verbalen Besonderheiten 77
6.3.2 Strategien zu nonverbalen Besonderheiten 81
6.4 Sprecheridentifikation 86
6.5 Untertitelung von Geräuschen und Musik 91
6.5.1 Geräusche 91
6.5.2 Musik 95
6.6 Zeilenanzahl und strukturelle Gestaltung der Untertitel 98
6.7 Vorgaben und Strategien zu zeitlichen Aspekten 103
6.7.1 Standzeiten 103
6.7.2 Übereinstimung der Untertitel mit bestimmten filmischen Elementen 105
7. Sprachliche Strategien der Untertitel für Hörgeschädigte der DVD „Erbsen auf halb 6“ 108
7.1 Umstrukturierung von Sätzen 109
7.2 Verzicht auf Satzglieder 112
7.3 Änderung der Satzart 113
7.4 Veränderung von Zeitformen 114
7.5 Veränderungen einzelner Wörter und Wendungen 115
7.5.1 Präzisierung durch Hinzufügungen oder Änderungen eines Wortes 115
7.5.2 Verwendung von kürzeren Synonymen 116
7.5.3 Eliminierung einzelner Wörter und Wendungen 117
7.5.4 Verkürzungen von Wörtern 118
7.6 Sprachliche Besonderheiten 119
7.7 Sonstige sprachliche Auffälligkeiten 121
8. Zusammenfassung der Ergebnisse 123
9. Schlussfolgerungen und offene Fragen 126
Literatur- und Quellenverzeichnis 127
Anhang 130

Automatisiert erstellter Textauszug:

6.3.2 Strategien zu nonverbalen Besonderheiten Neben den verbalen sprachlichen Besonderheiten gibt es auch eine Reihe nonverbaler, die sich auf die Art und Weise beziehen, in der Sprache im Dialog wiedergeben wird. Die sich daraus ergebenen Informationen können für die Handlung relevant sein und müssen durch bestimmte Mittel auch für die Untertitel verschriftlicht werden, da der Zielgruppe der Hörgeschädigten zum Teil keine Rückschlüsse dazu aus dem Dialog möglich sind, wie bereits unter Punkt 5.3.1.5 theoretisch erörtert. Während nonverbale Informationen im Dialog oft parallel zu den verbalen Äußerungen laufen, stellt sich für die Untertitel die Schwierigkeit, beides innerhalb der räumlichen und zeitlichen Grenzen (siehe 5.3.2.4 bzw. 5.3.2.5) so wiederzugeben, dass sie noch lesbar sind. Die folgende Tabelle beinhaltet Strategien dazu, wie die nonverbalen Besonderheiten, z. B. dialektische Aussprache, Akzente oder auch Besonderheiten bezüglich der Sprechweise in Untertiteln wiedergegeben werden können. [...]

theoretischen Teil bereits unter Punkt 5.3.1.2 näher erläutert und bestätigt sich nun auch hier für die Praxis. Die Strategie, bei durchgängigen Wiederholungen von bestimmten Wörtern oder Wendungen vereinzelt einige davon wegzulassen, kommt in den Richtlinien an verschiedenen Stellen vor und ist sehr sinnvoll. So bleibt dem Leser mehr Zeit, um neben dem Lesen der Untertitel auch die Bilder zu betrachten, eine wichtige Anforderung, die ebenfalls bereits in der theoretischen Ausgangsposition unter Punkt 5.3.2.2 beschrieben wurde. Zum anderen muss für die Wiedergabe von besonderen Wendungen auch eingeschätzt werden, inwieweit diese dem Zielpublikum bekannt sind, um möglichst negative Auswirkungen auf die Verständlichkeit zu vermeiden. [...]

Schragle-Richtlinien, in denen zum Verzicht auf Metaphern geraten wird, auch praktisch mit einbezogen. Die Baker-Richtlinien greifen unter den sprachlichen Besonderheiten den Dialekt auf, wobei zwischen dialektischen Wörtern und Redewendungen (verbal) und einer besonderen, auf den Dialekt zurückzuführenden Aussprache (nonverbal) unterschieden wird, welche auch von anderen Richtlinien aufgegriffen wurde und unter Punkt 6.2.2 beschrieben wird. Dialektische Wörter oder Redewendungen können in die Untertitel übertragen werden, sofern es sich um bekannte Formen handelt, die in der jeweiligen gebräuchlichen Schreibweise wiedergegeben werden. Auch die CMP-Richtlinien erwähnen verbale dialektische Formen, die jedoch entsprechend der in ihnen beschriebenen Strategie generell für alle Hörgeschädigten unabhängig vom Sprachniveau vermieden werden sollten. Während Dialekte örtlich oder landschaftlich begrenzte sprachliche Sonderformen sind, ist Slang die umgangssprachliche Ausdrucksweise bestimmter sozialer, aber beispielsweise auch beruflicher Gruppen und wird nur in den Verlinde-Schragleund Key-Richtlinien erwähnt. Beide Strategien positionieren sich zu diesem Punkt gleich und verweisen auf die Beibehaltung des Slangs im Falle der besonderen Bedeutung für die Handlung des Films. Wie bereits für den Dialekt beschrieben, kann auch Slang in Form von besonderen Wörtern oder Redewendungen sowie durch eine besondere Sprechweise zum Ausdruck kommen. Die Trennung nach verbalen und nonverbalen Aspekten soll jedoch an dieser Stelle vernachlässigt werden, da die Strategien diesbezüglich nicht spezifisch genug sind, um erkennen zu lassen, auf welche Ebene sie sich jeweils beziehen. Die Position, Slang grundsätzlich nicht zu untertiteln, ist im Hinblick auf die Zielgruppe nachvollziehbar, da er in seinen Formen meist nur innerhalb bestimmter sozialer Gruppen bekannt ist und eine Übertragung die Verständlichkeit in den meisten Fällen nur negativ beeinträchtigen würde. Weiterhin werden als sprachliche Besonderheit auch aggressive Sprache bzw. Flüche in einigen Richtlinien thematisiert. Laut der Baker-, Canada- und OmURichtlinien sollten solche Äußerungen in den Untertiteln nicht abgemildert werden, während die Key-Richtlinien beschreiben, dass Flüche dann beizubehalten sind, wenn sie eine besondere Bedeutung für die Filmfigur haben oder anderweitig für die Handlung wichtig sind. Plötzliche Wortabbrüche im [...]

Arbeit zitieren:
Eichler, Sandra August 2005: Theoretische und praktische Probleme der Untertitelung für Hörgeschädigte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Untertitelrichtlinie, intralingual, Zielpublikum, Kommunikation, Analyse

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