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Textilbewehrter Beton als Korrosionsschutz

Textilbewehrter Beton als Korrosionsschutz
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Matthias Dupke
  • Abgabedatum: April 2006
  • Umfang: 127 Seiten
  • Dateigröße: 1,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 50
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4375-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dupke, Matthias April 2006: Textilbewehrter Beton als Korrosionsschutz, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Textilbeton, Säureschutz, Textilien, Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit

Diplomarbeit von Matthias Dupke

Einleitung:

Schon als der Mensch mit einfachsten Mitteln begann Häuser für sich zu bauen, setzte er Pflanzenfasern und Tierhaare als verstärkendes Element ein. So wurden Lehmwände und Lehmziegel mittels Stroh verstärkt. Wandputze und Mörtel hingegen wurden aufgrund ihrer geringen Schichtdicken mit feinen Tierhaaren verstärkt. Trotz der unterschiedlichen beigemengten Stoffe war aber stets die verbesserte Haltbarkeit der Bausubstanz das Ziel. Heute besinnt man sich wieder auf solch althergebrachte Bauweisen. Allerdings werden anstatt von Stroh hochmoderne Textilien wie: Aramid-, Karbon- und AR-Glasfasern, (AR = alkaliresistent), in Verbindung mit dem Baustoffen Beton und Stahlbeton eingesetzt.

Der textilbewehrte Beton ist ein relativ junger Baustoff. Eingesetzt wird er etwa seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Anfänglich wurden nur Kurzfasern als Bewehrung verwendet. Als Fasermaterial wurde in den meisten Fällen Asbest eingesetzt. Bis zur Entdeckung, dass die Asbestfasern aufgrund ihrer geringen Korngröße und ihrer Form als Krebs erzeugend gelten. Der Durchmesser der Elementarfasern schwankt zwischen 0,02 und 0,2 Mikrometer. Seit die Krebs erzeugende Wirkung der Asbestfasern bekannt wurde, wurde die Asbestfaser durch andere Natur- und Chemiefasern ersetzt. Die wichtigsten Chemiefasern für das Bauwesen sind: Aramid-, Karbon- und AR-Glasfasern. Weiterhin werden als Kurzfasern Metallfasern in den unterschiedlichsten Formen und Keramikfasern verwendet.

Eines der herausragendsten Glasfaserbeton Bauwerke aus den Anfängen des faserbewehrten Betons ist der im Jahre 1977 errichtete Pavillon. Dieser wurde anlässlich der Bundesgartenschau in Stuttgart im selbigen Jahr errichtet. Der Pavillon besitzt einen Gesamtdurchmesser von 31m, bei einer Schalendicke von etwa nur 10 bis 12mm. Dies zeigt, welche Anwendungsmöglichkeiten schon bei faserbewehrtem Beton möglich sind.

Aufgrund der bereits seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verwendeten faserbewehrten Betone sind die Erfahrungen mit diesem Baustoff bis zum heutigen Tag sehr umfangreich. Die Erfahrungen mit dem textilbewehrten Beton hingegen sind als sehr gering einzuschätzen, da bisher nur wenig Literatur veröffentlicht wurde. Die fehlende Erfahrung mit dem Umgang mit textilbewehrtem Beton ist daran zu ersehen, dass seit einigen Jahren in Deutschland verstärkt an der Entwicklung von diesem neuen Verbundwerkstoff, gearbeitet wird. Diese Entwicklungstätigkeit wird beispielsweise in zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereichen SFB, dem SFB 528 und dem SFB 532 durchgeführt.

Im Sonderforschungsbereich 528 wird an der Entwicklung der Verwendung technischer Textilien als Verstärkung und Instandsetzung von Stahlbetontragwerken oder Holzbauteilen an der Technischen Universität in Dresden gearbeitet.

Im Sonderforschungsbereich 532 wird hauptsächlich die Entwicklung des Verbundwerkstoffes textilbewehrter Beton an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen als neuer innovativer Baustoff betrieben.

Um sich einen schnellen Überblick über bereits erschienene Literatur bezüglich des Textilbetons verschaffen zu können, wurde Ende des Jahres 2005 eine Literaturdokumentation vom Fraunhofer Informationszentrum Raum und Bau herausgegeben. In dieser Dokumentation werden Forschungsberichte, Dissertationen und durchgeführte Vorträge über das Thema Textilbeton mit kurzem Inhalt aufgelistet.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort IV
Inhaltsverzeichnis V – IX
Abbildungsverzeichnis X – XI
Tabellenverzeichnis XII
Diagrammverzeichnis XIII
Zielstellung XIV
1. Einleitung 1
1.1 Was ist textilbewehrter Beton? 1
1.2 Arten und Stofflicher Aufbau der Textilien 2
1.2.1 Stofflicher Aufbau der Textilien 2
1.2.2 Arten der Textilien 4
1.3 Stofflicher Aufbau des textilbewehrten Beton 6
1.4 Ziele dieser Arbeit 8
2. Stand der Kenntnisse 9
2.1 Begriffsbestimmung und Entwicklungstendenzen des textilbewehrten Beton 9
2.1.1 Begriffsbestimmung 9
2.1.2 Entwicklungstendenzen des textilbewehrten Beton 11
2.2 Gebräuchliche Versuche 11
2.3 Eigenschaften des textilbewehrten Beton 14
2.3.1 Tragverhalten 14
2.3.1.1 Zug- und Biegefestigkeit 16
2.3.1.2 Querkrafttragfähigkeit 19
2.3.1.3 Druckfestigkeit 19
2.3.1.4 Duktilität 19
2.3.1.5 Schlag- und Stoßfestigkeit 20
2.3.1.6 Grünstand- und Frühfestigkeit 20
2.3.1.7 Reduzierung der Schwindrissneigung des jungen Betons 21
2.3.2 Korrosionsschutz 21
2.3.3 Rissverhalten 22
2.3.4 Bemessungsansätze 22
3. Anwendungsbeispiele 22
3.1 Kleinkläranlagen 22
3.2 Regenwasserspeicher 24
3.3 Verstärkung von Stahlbetonbauteilen 26
3.4 Fassadenelemente 27
3.5 Brüstungsplatte 28
3.6 Balkonfußbodenplatte 28
3.7 Rautenfachwerk 28
3.8 Textilbeton im Holzbau 29
3.9 Bauteilintegriertes Schalungselement 29
4. Materialeinflüsse auf den Textilbeton 30
4.1 Allgemeines 30
4.2 Einfluss Zement 30
4.3 Einfluss von Zusatzstoffen und Zusatzmitteln 31
4.3.1 Zusatzstoffe 31
4.3.2 Zusatzmittel 33
4.4 Einfluss Verbund Textil und Matrix 34
4.4.1 Innerer Verbund 34
4.4.2 Äußerer Verbund 35
4.5 Einfluss der Textilen Bewehrung 35
4.5.1 Einflüsse auf die Dauerhaftigkeit anhand der Textilien 35
4.5.2 Einflüsse auf die Dauerhaftigkeit anhand der umgebenden Matrix 37
4.5.3 Einfluss der Schlichte 39
4.6 Kostenvergleich Textilbeton mit altbewährten Werkstoffen 40
4.6.1 Allgemeines 40
4.6.2 Ausgewählte Produkte und ihre Kosten 41
5. Einsatz des Textilbeton im Säureschutzbau 42
5.1 Was bedeutet Säureschutzbau? 42
5.2 Einsatz gebräuchlicher Techniken und Baustoffe 43
5.2.1 Allgemeines 43
5.2.2 Ausmauerung 44
5.2.3 Auskleidung 44
5.2.4 Beschichtung 44
5.3 Glasfasereinsatz im Säureschutzbau 45
5.4 Anwendung des Textilbeton im Säureschutzbau 46
5.4.1 Biegezugfestigkeit 47
5.4.2 Druckfestigkeit 50
5.4.3 Wasseraufnahme 52
5.4.4 Porosität 55
5.4.5 Rohdichte 56
5.5 Zusammenfassung der Ergebnisse 58
5.6 Darstellung und Auswertung der Ergebnisse 59
6. Experimentelle Untersuchungen 61
6.1 Vorüberlegungen 61
6.2 Verwendete Textilien 61
6.3 Mischungszusammensetzung 67
6.4 Herstellen und Lagern der Probekörper 68
6.4.1 Probekörper für Beständigkeitsuntersuchungen 68
6.4.1.1 Herstellung der Probekörper 68
6.4.1.2 Lagerung der Probekörper 69
6.4.1.2.1 Nass- /Trocken Lagerung 69
6.4.1.2.2 Lagerung im basischen Milieu 70
6.4.2 Probekörper für Versuche mit Bakterien 70
6.4.2.1 Herstellung der Probekörper 70
6.4.2.2 Versuche zur Einmischungsfähigkeit der verwendeten Fasern in den Beton 71
6.4.2.2.1 Einmischversuch mittels der Trevira Typ 206 Fasern 72
6.4.2.3 Versuche zur Herstellung einer Suspension 77
6.5 Versuchsdurchführung 79
6.5.1 Biegezugfestigkeitsprüfung 79
6.5.2 Druckfestigkeitsprüfung 81
7. Darstellung der Experimentellen Ergebnisse 82
7.1 Allgemeines 82
7.2 Nass- /trocken gelagerte Probekörper 83
7.2.1 Druckfestigkeit 83
7.2.2 Biegezugfestigkeit 83
7.3 Gelagerte Probekörper im basischen Milieu 84
7.3.1 Druckfestigkeit 84
7.3.2 Biegezugfestigkeit 84
7.4 Vergleich der Ergebnisse 85
7.5 Darstellung der Arbeitslinien (Kraft-Verformungs-Diagramme) 86
7.6 Diskussion der Ergebnisse 91
8. Vorschläge zur Baustoffvorstellung im Praktikum für das 2. Semester an der HTWK Leipzig 97
8.1 Allgemeines 97
8.2 Vorstellung des Baustoffs Textilbeton für Bauingenieurstudenten 97
8.3 Druckfestigkeitsversuch 99
8.4 Biegezugversuch 100
9. Schlussfolgerung und Empfehlung für die weitere Arbeit 103
9.1 Schlussfolgerung 103
9.2 Empfehlung für die weitere Arbeit 103
Literaturverzeichnis 105

Kapitel 1.3, Stofflicher Aufbau des textilbewehrten Betons:

Der textilbewehrte Beton ist ein Verbundwerkstoff (englisch: composites). Der Verbundwerkstoff besteht aus mindestens zwei Werkstoffen, dem Verstärkungsstoff und der Matrix. Der Verstärkungsstoff ist ein Textil. Dieses Textil kann z.B. ein Gelege sein, welches aus Glasfaserrovings besteht. Die Matrix besteht aus Zement, Zuschlag, Wasser und Zusätzen. Der vorschriftsmäßige Zement ist der DIN 1164 bzw. der DIN EN 197-1:2004-08 zu entnehmen. Da mit dem textilbewehrten Beton hauptsächlich dünne Bauteile hergestellt werden sollen, ist darauf zu achten, dass der verwendete Zuschlag als Größtkorn 4mm nicht übersteigt. Durch diese Bedingung ist gewährleistet, dass das Korn von der Betonsuspension voll umschlossen werden kann und das Korn durch die Maschen der textilen Bewehrung noch hindurch gelangt. Weiterhin muss der Beton eine fließfähige Konsistenz aufweisen, damit die Suspension alle Glasfasern im gesamten Umfang umschließen kann und ein kraftschlüssiger Verbund mit dem Beton erreicht wird. ‘Das Zugabewasser muss der DIN 1045, Ausgabe 1988, Abschnitt 6.4.entsprechen’. Bei den Betonzusätzen unterscheidet man zwischen Zusatzstoffen und Zusatzmitteln. Als Zusatzstoffe kommen Flugasche und als Zusatzmittel kommen Fließmittel und Luftporenbildner zum Einsatz. Weiterhin kommen nach HOLSCHEMACHER größere Anteile an puzzolanischen oder latenthydraulischen Betonzusatzstoffen, wie Steinkohleflugasche, Silikastaub oder Hüttensand, zum Einsatz. Dies führt zur Senkung des pH-Wertes des Betons, was die Beständigkeit der beispielsweise verwendeten AR-Glasfasern deutlich verbessert.

Die Rovings werden im Gegensatz zu lose in den Beton eingebrachte Fasern so in den Beton eingelegt, wie es die spätere Belastung des Bauteils erfordert. So ist es möglich, die Bewehrung des Bauteils mit Textilien exakt auf die geforderte Belastung abzustimmen, so dass keine teuren Textilien ohne Wirkung im Beton liegen. Bei losen Fasern wird der Effekt der Wirkungslosigkeit der Fasern, aufgrund der falschen Lage in der Matrix, mit einkalkuliert. Somit wird dann nur ein geringer Teil der Fasern zur Lastabtragung herangezogen. Bei den Endlosfasersträngen (Rovings) ergibt sich aus dem belastungsorientierten Einbau, dass die textile Bewehrung voll angerechnet werden kann. Nach ORLOWSKY allerdings ist hierbei zu beachten, dass auch bei einer AR-Glasbewehrung, die Korrosion des AR-Glases durch die Alkalität des Betons einkalkuliert werden muss. Dies bedeutet, dass die Dauerhaftigkeit der AR-Glasbewehrung nicht über die gesamte Nutzungszeit des Bauwerks bzw. Bauteils gewährleistet werden kann und somit Abschläge auf die Festigkeit des Materials vorgenommen werden müssen.

Dieser Effekt soll durch eine vermehrte Forschung weitestgehend vermindert werden. Dies soll durch eine deutliche Verringerung der Poren in der unmittelbaren Umgebung der Rovings und die damit einhergehende Abschwächung des alkalischen Milieus durch weniger vorhandenes Porenwasser erreicht werden. Die erhöhte Tragfähigkeit der Rovings wird nicht nur durch die gezielte Einlage der Textilbewehrung im Baustoff erreicht, sondern auch durch ihre räumliche und flächige Anordnung der Rovings untereinander. So ist es z.B. möglich, die Bewehrung multiaxial oder biaxial anzuordnen (Bild 1.1). Diese Anordnung bezeichnet man dann als Gelege.

Wichtige Kennwerte für Glasfasern sind: die Rohdichte beträgt 2,7g/cm³, die Zugfestigkeit liegt zwischen 1,5kN/mm² bis 2,5kN/mm², der E-Modul liegt zwischen 70000N/mm² bis 80000N/mm² und die Bruchdehnung ist größer als 15 Promille.

3, Anwendungsbeispiele:

3.1, KLEINKLÄRANLAGEN:

Seit Jahren werden Kleinkläranlagen aus Stahlbetonfertigteilen gefertigt. Dies beruht auf einer hohen Tragfähigkeit des Stahlbetons und auf geringen Kosten. Allerdings ist die Bewehrung und/oder der Beton aufgrund der Abwasserzusammensetzung ständig der Gefahr der Korrosion ausgesetzt. Durch den Einsatz von textiler Bewehrung kann die Bauteildicke auf das statisch notwendige Maß verringert werden. Beim Einsatz von alkaliresistenten Glasfasern, in Verbindung mit alkaliarmen und widerstandsfähigen Bindemittelkombinationen ist ein hoher Widerstand des Bauteils gegenüber korrosiven Angriffen gegeben. Bei einer stationären Herstellung im Fertigteilwerk können Behälter aus textilbewehrtem Beton ebenso kostengünstig hergestellt werden, wie vergleichbare Stahlbetonbehälter. Durch ein geringeres Gewicht des textilbewehrten Betonbehälters sind der Transport und die Montage ebenfalls günstiger.

Erste Erfahrungen mit textilbewehrten Betonbehältern wurden an der RWTH Aachen an einem Prototyp gesammelt. Hier wurden geeignete Feinbetone und Textilien entwickelt sowie Bemessungs- und Herstellungsverfahren daraus abgeleitet.

Der Prototyp (Bild 3.1) wurde mit Hilfe der Firma Mall GmbH, Donaueschingen produziert. Er besteht aus zwei Elementen, dem zylinderförmigen Bodenteil und einer konusförmigen Behälterabschlussplatte. Die Geometrie des Prototyps ist an die derzeit üblichen Produkte, die auf dem Markt verfügbar sind, angelehnt. Der gebaute Prototyp besitzt eine Bauteildicke von 40mm. Der Durchmesser des zylinderförmigen Bodenteils ist 2,0m und die Gesamthöhe der Kleinkläranlage ist etwa 2,57m. Das Gesamtgewicht beläuft sich auf 2,0t.

Arbeit zitieren:
Dupke, Matthias April 2006: Textilbewehrter Beton als Korrosionsschutz, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Textilbeton, Säureschutz, Textilien, Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit

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