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Die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU unter den Bedingungen der Liberalisierung des Welthandels

Strukturen, Strategien, Perspektiven

Die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU unter den Bedingungen der Liberalisierung des Welthandels
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Denis Paul
  • Abgabedatum: Mai 2007
  • Umfang: 82 Seiten
  • Dateigröße: 711,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 50
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0977-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Paul, Denis Mai 2007: Die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU unter den Bedingungen der Liberalisierung des Welthandels, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bekleidungsindustrie, Außenhandelspolitik, Protektionismus, Welthandel, Agreement on Textiles and Clothing

Diplomarbeit von Denis Paul

Einleitung:

Im Zuge der Liberalisierung des Welthandels stehen einige Industrieländer unter starkem Druck, die Bevorzugung einzelner heimischer Sektoren abzubauen und diese dem internationalen Wettbewerb preiszugeben. Insbesondere der Textil- und Bekleidungssektor stellt einen Wirtschaftszweig dar, in welchem seit geraumer Zeit große strukturelle Veränderungen stattfinden. Im Kontext der internationalen Arbeitsteilung hat sich in den letzten Jahrzehnten einerseits ein Geflecht aus protektionistischen Handelssystemen gebildet, welches zu permanenten Marktverzerrungen in diesem Sektor geführt hat. Andererseits kam es durch den Siegeszug der synthetischen Fasern aber auch zu einem grundsätzlichen Wandel der gesamten Branche.

Die Textil- und Bekleidungsbranche innerhalb der EU ist ein wichtiger Bestandteil des europäischen verarbeitenden Gewerbes und hat im Laufe dieser Veränderungen zum Teil große Einbußen in Bereichen wie Beschäftigung oder Umsatz hinnehmen müssen. Es stellt sich daher die Frage, welche Bedeutung dieser Industriezweig heute noch besitzt und welchen Platz die einzelnen Mitgliedsstaaten im Kontext des internationalen Wettbewerbs einnehmen. Dabei müssen sich die europäischen Importländer vor allem mit der Frage auseinandersetzen, welche Auswirkungen die jahrzehntelange Abschottung der heimischen Märkte tatsächlich hatte und was sie nun durch die Liberalisierung des Welthandels zu erwarten haben, die im Textil- und Bekleidungssektor seit einigen Jahren von Seiten der WTO betrieben wird.

Gang der Untersuchung:

Zunächst einmal stellt sich also die Frage nach der Definition des Textil- und Bekleidungssektors, da es sich dabei um einen weitverzweigten und vielgestaltigen Komplex aus verschiedensten Tätigkeitsfeldern, Produktpaletten und damit auch aus unterschiedlichsten Teilen des wirtschaftlichen Lebens handelt. Unter Punkt 2 soll – nach der Vorstellung der textilen Ausgangsstoffe – eine inhaltliche und funktionale Beschreibung des Textil- und Bekleidungssektors (sowohl im weiteren als auch im engeren Sinne) folgen. Ziel soll es sein, den allgemein gebräuchlichen Begriff Textil- und Bekleidungssektor besser abgrenzen zu können, der ja nur einen Teil der sogenannten Textilen Kette darstellt. Anschließend soll näher auf die Struktur dieser Branche innerhalb der EU und auf deren Veränderungen in jüngster Zeit eingegangen werden.

Im Punkt 3 folgt zunächst eine Auseinandersetzung mit den theoretischen Grundlagen der Außenhandelstheorie, um die Basis für eine komparative Analyse der am internationalen Textil- und Bekleidungshandel beteiligten Länder zu schaffen. Nach der Definition geeigneter Güterklassen im Bereich der Textil- und Bekleidungsindustrie werden aus den Folgerungen des Neo-Faktorproportionen-theorems Kriterien (Faktorausstattung) erarbeitet und untersucht, mit deren Hilfe die entsprechenden Akteure in Relation zueinander gesetzt werden können. Es folgt eine komparative Analyse der einzelnen Länder für die erarbeiteten Produktionsschritte bzw. Güterklassen nach relevanten Faktorausstattungen.

Punkt 4 geht daraufhin der Fragestellung nach, welche Bedeutung die historische Sonderrolle des Textil- und Bekleidungshandels außerhalb der Regeln des GATT einnimmt und welche Strategien sich über Jahrzehnte hinweg durchsetzen konnten. Nach der Definition des Protektionismus und dessen Motivationen folgt eine historische Darstellung der verschiedenen Abkommen, die zu einem Abweichen dieses Sektors von den eigentlich vorhandenen Spezialisierungsvorteilen der Lieferländer führten. Weiterhin wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Abkommen es überhaupt vermochten, den Strukturwandel innerhalb der Industriestaaten, der dort zu starken Umsatz- und Beschäftigungsrückgängen führte, zu verzögern. Mit dem Agreement on Textiles and Clothing (ATC) wird anschließend das entscheidende Vertragswerk vorgestellt, mit dessen Hilfe die am Welthandel beteiligten Länder versuchten, den Textil- und Bekleidungssektor wieder in die Regeln des GATT zurückzuführen. Auch auf die Strategien der Verzögerung seitens der Importländer soll eingegangen werden.

Um die Perspektiven der europäischen Textil- und Bekleidungsindustrie zu beleuchten, soll eine Studie im Auftrag der WTO herangezogen werden, die eine Prognose der sich durch die Liberalisierung des Welttextil- und Bekleidungshandels verändernden Marktanteile auf dem europäischen Markt liefert. Nach einer Darstellung der Reaktionen der EU auf den sprunghaften Anstieg der Importe im Jahre 2005 sollen allgemeine Perspektiven des Textil- und Bekleidungssektors aufgezeigt und auch auf länderspezifische Probleme eingegangen werden.

Abschließend folgt eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein kritischer Ausblick auf die künftig zu erwartenden Entwicklungen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Der Textil- und Bekleidungssektor der EU 3
2.1 Textile Fasern 3
2.1.1 Textile Faserstoffe 3
2.1.2 Entwicklung der Welttextilfaserproduktion 5
2.2 Die Textile Kette 7
2.2.1 Weitere Systemgrenze 8
2.2.2 Engere Systemgrenze 9
2.2.3 Definition des Textil- und Bekleidungssektors 12
2.3 Die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU 13
2.3.1 Wichtige Kenndaten 13
2.3.2 Beschäftigungssituation 14
2.3.3 Umsatzsituation 16
3. Die Theorie des Außenhandels und ihre Anwendung auf den Textil- und Bekleidungssektor 18
3.1 Klassische Theorie des Außenhandels - Kritik und Empirie 18
3.1.1 Ansätze der klassischen Theorie des Außenhandels 18
3.1.2 Kritik und Erweiterung der klassischen Theorie 20
3.2 Kriterien zur empirischen Einordnung von Kostenvorteilen 23
3.2.1 Güterklassen im Textil- und Bekleidungssektor 23
3.2.2 Faktorausstattung Arbeit 24
3.2.3 Faktorausstattung Kapital 26
3.2.4 Faktorausstattung Humankapital 27
3.3 Komparative Vorteile in Güterklassen nach Faktorausstattung 30
3.3.1 Textile Garne und textile Flächen 30
3.3.2 Technische Textilien 32
3.3.3 Heimtextilien 32
3.3.4 Bekleidung (Vollimporte) 33
3.3.4 Bekleidung (Passive Lohnveredelung) 34
3.3.5 Zusammenfassung der Analyseergebnisse 35
4. Strategien der T&B Industrie und Perspektiven der EU im Kontext der Liberalisierung 36
4.1 Protektionismus und die historische Sonderrolle des T&B Sektors 37
4.1.1 Definition und Motivation von Protektionismus 37
4.1.2 Das GATT und die Sonderrolle der Textil- und Bekleidungsindustrie 39
4.1.3 Die Baumwollabkommen und das Multifaserabkommen 40
4.2 Auswirkungen und das „Agreement on Textiles and Clothing“ 44
4.2.1 Auswirkungen auf den Welttextil- und Bekleidungshandel 44
4.2.2 Das Agreement on Textiles and Clothing (ATC) 46
4.2.3 Technische Umsetzung des ATC 50
4.3 Perspektiven für die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU 52
4.3.1 Prognostizierte Veränderungen der Marktanteile 52
4.3.2 Neue protektionistische Tendenzen 55
4.3.3 Allgemeine Tendenzen im Kontext der Liberalisierung 57
5. Zusammenfassung und Ausblick 59
6. Literaturverzeichnis 62
Anhang
Abbildungsverzeichnis I
Tabellenverzeichnis II
Anhang Tabellen III

Textprobe:

Kapitel 3.3.1, Textile Garne und textile Flächen:

Zur Herstellung und Veredelung textiler Garne und textiler Flächen gehören (wie auch bei dem Bereich der technischen Textilien oder der Heimtextilien) die in Punkt 2.2.2. beschriebenen Schritte Faserherstellung, Textilherstellung und Textilveredelung. Die Güterklassen werden also innerhalb dieser Stufen der Textilen Kette unterschieden.

Die Faserherstellung teilt sich in natürliche und chemische Fasererzeugung auf. Im Bereich der Naturfasern werden komparative Vorteile durch die Anbauflächen und geeignete klimatische Verhältnisse ausgedrückt. Folgende Länder haben sich zu den größten Baumwollproduzenten entwickelt und vereinen Dreiviertel der weltweiten Baumwollproduktion auf sich (siehe auch Tabelle 10): China, USA, Indien, Pakistan, Usbekistan und die Türkei.

Bei der Herstellung chemischer Fasern ist zu unterscheiden zwischen der Herstellung bekannter seit langem standardisierter Fasern (z.B. Polyester) und der Entwicklung und Herstellung neuartiger Chemiefasern. Die Herstellung standardisierter Chemiefasern ist kapitalintensiv und durch den Einsatz geringqualifizierter Arbeitskräfte geprägt. Durch standardisierte Chemiefaseranlagen, welche hier seit langem eingesetzt werden, sind vor allem niedrige Arbeitskosten ausschlaggebend.

Die größten Vorteile in diesem Kriterium besitzen: Ägypten, Bangladesch, China, Indien, Indonesien, Kenia, Pakistan, Sri Lanka und Vietnam. Die Seite der Veredelung chemischer Fasern und Flächen weist dagegen andere Voraussetzungen auf. Dieser Bereich ist seit langem automatisiert und durch eine hohe Kapitalintensität gekennzeichnet. Weiterhin sind technologische Innovationen, die heute verstärkt auf die funktionale Perfektionierung der Textilien gerichtet sind (weniger auf ingenieurtechnische Innovationen), ein zentraler Bestandteil in diesem Bereich. Daraus lässt sich schließen, dass für diese Produktionsschritte die Kapitalreichlichkeit, sowie die reichliche Humankapitalausstattung der Akteure ausschlaggebend für die Vergleichbarkeit sind.

Auch die Entwicklung und Herstellung neuartiger Chemiefasern, welche in hohem Maße von der Innovationskraft der Entwickler abhängig und hochgradig kapitalintensiv ist, kann anhand der genannten Kriterien eingeordnet werden.

Arbeit zitieren:
Paul, Denis Mai 2007: Die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU unter den Bedingungen der Liberalisierung des Welthandels, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bekleidungsindustrie, Außenhandelspolitik, Protektionismus, Welthandel, Agreement on Textiles and Clothing

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