Terminologie in der Softwarelokalisierung
Probleme und Lösungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Diana Körper
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 102 Seiten
- Dateigröße: 940,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Köln Deutschland
- Originaltitel: Theorie und Praxis der Terminologieverwaltung in der Softwarelokalisierung. Probleme und Lösungsansätze
- Bibliografie: ca. 75
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0359-1
- ISBN (CD) :978-3-8366-0359-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Körper, Diana Juni 2005: Terminologie in der Softwarelokalisierung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Softwarelokalisation, Terminologie, Globalisierung, Terminologieverwaltung, Dolmetschen
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Diplomarbeit von Diana Körper
Einleitung:
Bei der Suche nach einem geeigneten Thema im Übersetzungsarbeitsfeld für meine bevorstehende Diplomarbeit stieß ich mehrfach auf Artikel im Bereich der Softwarelokalisierung. Diese Arbeitsumgebung für Übersetzer war mir aus meinem bisherigen Studium unbekannt. Bei der Auswertung der weiterführenden Literatur zu diesem Themenbereich fiel mir verstärkt auf, dass sich nur wenige Autoren mit dem Thema Terminologie in der Softwarelokalisierung beschäftigten. Während auf andere Themenbereiche verstärkt eingegangen wurde, war Terminologie immer nur Randthema. Die wenigen Artikel über Terminologie beschränkten sich zudem mehr auf theoretische Ansätze aus der Terminologiewissenschaft, ohne auf einen konkreten Praxiseinsatz bzw. dessen Probleme und Lösungen einzugehen. Da dieser Bereich also bisher wenig untersucht wurde, kam ich zu dem Entschluss, dieses Thema im Rahmen meiner Diplomarbeit näher zu beleuchten.
Da ich bis dato nur sehr grundlegende, theoretische Kenntnisse in der Softwarelokalisierung verfügte, entschloss ich mich zu einem Praktikum in diesem Bereich. Beim Übersetzungsunternehmen Adapt Localization in Bonn konnte ich wertvolle praktische Erfahrung im Umgang mit Terminologie in der Softwarelokalisierung sammeln und somit den Alltag von Übersetzern, vor allem in Hinblick auf den Einsatz von Terminologie in dieser Branche, sehr gut nachvollziehen.
Gang der Untersuchung:
Das Thema der vorliegenden Arbeit ist die eingehende Beschäftigung mit dem Übersetzungsbereich der Softwarelokalisierung und den darin auftretenden Problemen und Lösungen hinsichtlich der Terminologieverwaltung. Die zentrale Frage dieser Diplomarbeit ist daher, die Realität bezüglich terminologischer Arbeit in der Praxis der Softwarelokalisierung genauer zu untersuchen. Dabei stellt sich ebenfalls die Frage, wie es mit der Umsetzbarkeit von wissenschaftlichen Richtlinien in der Praxis aussieht.
In Kapitel 1 werden neben der Motivation, diesen Themenbereich für eine Diplomarbeit zu wählen, ferner die Zielsetzung und Schwerpunkte dieser Arbeit sowie auch nicht behandelte Themenbereiche erläutert.
Im Kapitel 2 wird eine umfassende Einführung in die Softwarelokalisierung gegeben. Ausgehend von der Beschreibung der Anfänge und Weiterentwicklung in der Softwarelokalisierungsbranche, werden gleichermaßen die einzelnen Arbeitsprozesse sowie die dabei eingesetzten computergestützten Hilfsmittel (Translation Memory-Tools, Softwarelokalisierungstools und Terminologiedatenbanken) vorgestellt. Da diese Arbeit im Rahmen eines Übersetzungsstudiums verfasst wird, ist der Blickwinkel verständlicherweise stark auf den Übersetzungsbereich ausgerichtet. Diese Einführung verdeutlicht das Umfeld, in dem sich die Übersetzer bei ihrer täglichen Arbeit bewegen.
Im Anschluss wird in Kapitel 3 eine kurze Einführung in wichtige Begriffe und Arbeitsmethoden der Terminologiewissenschaft gegeben. Dies bildet die theoretische Grundlage für die Erläuterung der Bedeutung und Aufgaben in der Terminologieverwaltung. Dabei wird dargelegt, inwiefern sich die Terminologiearbeit in der Softwarelokalisierung von der Terminologiearbeit in anderen Übersetzungsbereichen unterscheidet. Nicht alle im späteren Verlauf der Arbeit aufgezeigten Probleme sind nur im Arbeitsbereich der Softwarelokalisierung zu finden. Viele können generalisiert und damit auch auf andere Übersetzungsbereiche übertragen werden. Trotzdem existieren konkrete Probleme, die ihren Ursprung in den speziellen Anforderungen der Softwarelokalisierungsbranche finden. Darüber hinaus wird in diesem Kapitel auf die Frage eingegangen, weshalb eine Terminologiearbeit für den Erfolg eines Softwareproduktes von Bedeutung ist.
Im Kapitel 4 werden die eigentlichen Hauptthemen der Arbeit, die auftretenden Probleme und Lösungsansätze in der Terminologieverwaltung, diskutiert. Das Kapitel gliedert sich in verschiedene Abschnitte, in denen jeweils der praktische Einsatz von Terminologieverwaltung in Teilbereichen der Softwarelokalisierung untersucht wird. Die einzelnen Teilbereiche umfassen dabei Probleme allgemeiner Natur, im Übersetzungsprozess sowie beim Einsatz der computergestützten Hilfsmittel. Dabei werden zu Beginn der einzelnen Abschnitte die auftretenden Probleme in der Praxisarbeit beleuchtet. Beschrieben werden sollen alltägliche Hindernisse in der Terminologieverwaltung, mit denen sich die Übersetzer auseinander setzen müssen. Anschließend erfolgt die Erörterung der möglichen Lösungsansätze. Dabei wird auf die Frage eingegangen, welche Hilfsmittel dem Übersetzer zum Überwinden einzelner Probleme zur Verfügung stehen.
Die aufgezeigten Lösungsansätze sind dabei nur als Vorschläge für Verbesserungen zu verstehen, sie erheben keinen Anspruch darauf, alle vorher erwähnten einzelnen Probleme vollständig zu beseitigen. Vielmehr wird eine Übersicht möglicher Verbesserungsmöglichkeiten gegeben, zu denen die Übersetzer greifen können. Gezeigt werden auch neuere Hilfsmittel, die erst seit kurzer Zeit auf dem Markt erhältlich sind. Zur Verdeutlichung der Probleme wird in diesem Kapitel eine Studie von Kara Warburton bezüglich der Terminologieverwaltung in der Softwarelokalisierung herangezogen. Darüber hinaus erfolgt die Erörterung der Probleme hinsichtlich der Translation-Memory-Tools und der Softwarelokalisierungstools anhand zweier exemplarischer computergestützter Hilfsmittel, mit denen ich während meines Praktikums intensiv gearbeitet habe und anhand derer ich auf konkrete Probleme gestoßen bin.
Im abschließenden Kapitel 5 wird nach einer Zusammenfassung der auftretenden Probleme auf die Frage eingegangen, wie ein umfassender Lösungsansatz für die Terminologieverwaltung aussehen kann. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Frage, wie Übersetzer ermutigt werden können, aktive Terminologieverwaltung zu betreiben.
Wie bereits in der Gliederung beschrieben, wird im Verlauf der Arbeit in nur sehr begrenztem Umfang auf die Terminologiewissenschaft und deren einzelne Teilbereiche in Kapitel 3 eingegangen. Eine nähere Beschäftigung mit jedem Bereich würde den Rahmen dieser Arbeit um ein Vielfaches anwachsen lassen. Da diese Arbeit den Schwerpunkt auf die Praxisarbeit setzt, wird nur grundlegendes Wissen über diesen Bereich vermittelt, der für das weitere Verständnis von Bedeutung ist.
Zudem werden für die Erörterung der Probleme und Lösungsansätze das Translation Memory-Tool der Firma Trados und das Softwarelokalisierungstool Catalyst herangezogen. Eine allgemeine Einführung in die Arbeitsweise beider Tools wird in Kapitel 2 gegeben, sodass auf die einzelnen Besonderheiten (Funktionsweise, Benutzeroberfläche etc.) nicht nochmals eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Danksagung | II | |
| Inhaltsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Warum gerade das Thema „Terminologieverwaltung in der Softwarelokalisierung“? | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Gliederung der Arbeit | 1 |
| 1.3 | Ausgeblendete Themenbereiche | 3 |
| 2. | Einführung in die Softwarelokalisierung | 4 |
| 2.1 | Begriffsdefinitionen | 4 |
| 2.1.1 | Globalisierung, Globales Content Management und Internationalisierung | 4 |
| 2.1.2 | Lokalisierung und Locale | 5 |
| 2.2 | Die Softwarelokalisierungsindustrie | 7 |
| 2.2.1 | Wandel in der Wirtschaft | 7 |
| 2.2.2 | Die Entwicklung der Softwarelokalisierungsindustrie | 8 |
| 2.2.3 | Was unterscheidet den Übersetzer in der Lokalisierung vom „herkömmlichen Übersetzer“? | 9 |
| 2.3 | Arbeitsprozesse | 10 |
| 2.3.1 | Internationalisierung- Die technische Adaption der Softwareoberfläche | 11 |
| 2.3.2 | Internationalisierung - Die kulturelle Adaption der Softwareoberfläche | 13 |
| 2.3.3 | Lokalisierung | 14 |
| 2.3.3.1 | Der Lokalisierungsprozess | 15 |
| 2.3.3.2 | Komponenten der Lokalisierung | 15 |
| 2.3.3.3 | Beteiligte im Lokalisierungsprozess | 16 |
| 2.4 | Translation Tools in der Softwarelokalisierung | 18 |
| 2.4.1 | Warum Translation Tools? | 18 |
| 2.4.2 | Computer-aided-translation-tools (CAT)-Tools | 19 |
| 2.4.3 | Translation Memories (TMs) | 19 |
| 2.4.4 | Maschinelle Übersetzung (MÜ) | 20 |
| 2.4.5 | CAT-Tools in der Softwarelokalisierung | 21 |
| 3. | Terminologie | 25 |
| 3.1 | Terminologiewissenschaft | 25 |
| 3.1.1 | Bedeutung von Terminologie | 25 |
| 3.1.2 | Definition wichtiger Begriffe der Terminologie | 25 |
| 3.1.3 | Terminologiearbeit | 27 |
| 3.1.4 | Terminologen | 30 |
| 3.2 | Arten und Funktionsweise von computergestützten Terminologiedatenbanken | 31 |
| 3.2.1 | Die computergestützte Terminologieverwaltung | 31 |
| 3.2.2 | Was müssen Terminologiedatenbanken leisten? | 31 |
| 3.2.3 | Die Unterschiede in den Terminologiedatenbanken | 32 |
| 3.2.4 | Beispiel einer Terminologiedatenbank – MultiTerm (Trados) | 33 |
| 3.3 | Terminologieverwaltung in der Softwarelokalisierungsbranche | 35 |
| 3.3.1 | Der Begriff der Terminologieverwaltung in der Softwarelokalisierung | 35 |
| 3.3.2 | Bedeutung und Aufgabe des Terminologiemanagements für die Softwarelokalisierung | 36 |
| 4. | Probleme und Lösungsansätze im Terminologiemanagement in der Softwarelokalisierung | 38 |
| 4.1 | Einführung in die Probleme der Terminologieverwaltung | 38 |
| 4.1.1 | Die Ausgangssituation in der Softwarelokalisierungsbranche | 38 |
| 4.1.2 | Die Realität zwischen der verwendeten Computersprache und dem Anwenderwissen: Probleme und Lösungsansätze | 39 |
| 4.1.3 | Spezielle Anforderungen der Softwarebranche | 41 |
| 4.1.4 | Richtlinien in der Terminologie – Unternehmensglossare | 42 |
| 4.1.5 | Terminologieprobleme beim Lokalisierungsprozess | 43 |
| 4.1.5.1 | Vor Beginn der Übersetzung | 43 |
| 4.1.5.2 | Während der Übersetzung | 45 |
| 4.1.5.3 | Nach der Übersetzung | 46 |
| 4.2 | Probleme hinsichtlich Translation Memories | 46 |
| 4.2.1 | Translation Memories als einzige terminologische Komponente | 46 |
| 4.2.2 | Fehlende Kennzeichnung im Translation Memory | 47 |
| 4.2.3 | Fehlender Kontext im Translation Memory | 47 |
| 4.2.4 | Terminologische Qualitätssicherung im Translation Memory | 47 |
| 4.2.5 | Unterschiedliche Translation Memory-Tools | 48 |
| 4.2.6 | Fehlende Angaben zum regionalen Gebrauch | 48 |
| 4.3 | Lösungsansätze hinsichtlich Translation Memories | 49 |
| 4.3.1 | Die Anwendung von Translation Memories in der Übersetzerpraxis | 49 |
| 4.3.2 | Neue Funktionen in Translation Memories | 50 |
| 4.3.3 | Translation Memories in Verbindung mit einer Terminologiedatenbank | 51 |
| 4.3.4 | Translation Memory-Sharing über das Internet | 51 |
| 4.3.5 | Controlled Language zur Verbesserung der Translation Memory-Einträge | 53 |
| 4.4 | Probleme hinsichtlich Softwarelokalisierungstools | 55 |
| 4.4.1 | Terminologiefunktionen in Softwarelokalisierungstools am Beispiel von Catalyst | 55 |
| 4.4.2 | Fehlende „Wörterbuchfunktion“ in Catalyst | 55 |
| 4.4.3 | Begrenztes Zuschalten von Glossaren in Catalyst | 56 |
| 4.4.4 | Fehlende Datenbankfunktionen in Catalyst | 57 |
| 4.5 | Lösungsansätze hinsichtlich Softwarelokalisierungstools | 57 |
| 4.5.1 | Terminologiefunktionen in Catalyst | 57 |
| 4.5.1.1 | Die „Replica“-Funktion in Catalyst | 58 |
| 4.5.1.2 | Die „Leverage“-Funktion in Catalyst | 58 |
| 4.5.1.3 | Die Import-Funktion | 58 |
| 4.5.1.4 | Die „Validate-Expert“-Funktion in Catalyst | 59 |
| 4.5.1.5 | Die „Extract-Terminology“-Funktion in Catalyst | 59 |
| 4.5.1.6 | Die integrierte Lösung - Alchemy Trados™Component | 59 |
| 4.6 | Probleme hinsichtlich Terminologiedatenbanken | 60 |
| 4.6.1 | Die Akzeptanz von Terminologiedatenbanken | 60 |
| 4.6.2 | Kenntnisse über Terminologiedatenbanken | 61 |
| 4.6.3 | Datenfelder in der Terminologiedatenbank | 62 |
| 4.6.3.1 | Datenfelder in Systemen mit freier Eintragsstruktur | 62 |
| 4.6.3.2 | Datenfelder in Systemen mit fester Eintragsstruktur | 63 |
| 4.6.4 | Datenbankeinträge | 63 |
| 4.6.5 | Überprüfung der Datenbankeinträge | 64 |
| 4.6.6 | Austausch der terminologischen Daten | 64 |
| 4.7 | Lösungsansätze hinsichtlich Terminologiedatenbanken | 65 |
| 4.7.1 | Ausbau der Datenbankeinträge – am Beispiel TermIng | 65 |
| 4.7.2 | Sprachliche Richtlinien in Datenbanken | 66 |
| 4.7.3 | Online-Möglichkeiten für Datenbanken | 67 |
| 4.7.4 | Weiterentwicklung der Online-Möglichkeiten am Beispiel der Firma LEGO | 68 |
| 4.7.5 | Lösungsansätze in Terminologieextraktionstools | 69 |
| 4.7.5.1 | Extraktionsmethoden: Die linguistische Methode | 71 |
| 4.7.5.2 | Extraktionsmethoden: Die statistische Methode | 71 |
| 4.7.5.3 | Beispiel einer Extraktion – MultiTerm Extract (Trados) | 72 |
| 4.7.6 | Lösungsansätze in Termchecker | 74 |
| 4.7.6.1 | Arbeitsweise des Termcheckers | 74 |
| 4.7.7 | Lösungsansätze in Austauschformaten | 75 |
| 4.7.7.1 | Standard Generalized Markup Language (SGML), Extended Markup Language (XML) und Translation Memory eXchange (TMX) | 75 |
| 4.7.7.2 | Machine-readable Terminology Interchange Format (MARTIF) – der Weg zum einheitlichen Austauschformat für terminologische Einträge in Datenbanken | 77 |
| 4.7.7.3 | XML für Datenbanken – Termbase Exchange Format (TBX) | 78 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 79 |
| 5.1 | Zusammenfassung der Probleme im Terminologiemanagement der Softwarelokalisierung | 79 |
| 5.2 | Die Notwendigkeit eines umfassenden Lösungsansatzes für die Probleme im Terminologiemanagement | 80 |
| Literaturverzeichnis | 81 | |
| 6. | Eidesstattliche Erklärung | 86 |
Textprobe:
Kapitel 4.1.1, Die Ausgangssituation in der Softwarelokalisierungsbranche:
Betrachtet man den durchschnittlichen Alltag eines Übersetzers genauer, so fällt auf, dass dessen eigentliche Kernaufgabe – das Übersetzen – nur 45 % seines Arbeitstages ausmachen. Die restlichen 55 % verwendet er auf die Koordination des Übersetzungsauftrages (Pflege von Kundenkontakten, Auftragsannahme und -vorbereitung, Rechnungswesen und abschließender Kundenservice, dem so genannten After Sales Support) sowie für das Korrekturlesen. Übersetzer haben sich in der heutigen schnell wandelnden Arbeitswelt mit einer Vielzahl von Herausforderungen auseinander zu setzen.
Dazu gehören sinkende Preise für Übersetzungsaufträge (wobei oftmals versucht wird, diesen Rückgang der Einnahmequellen nach dem Motto „Quantität statt Qualität“ auszugleichen), Outsourcing von Übersetzungs- und Lokalisierungspersonal (aufgrund dessen der Übersetzer immer häufiger allein an seinem „Telearbeitsplatz“ arbeitet), hoher Termindruck hinsichtlich abzuliefernder Übersetzungsaufträge, Änderungen an den Übersetzungen in allerletzter Minute usw. Hinzu kommen die vielfältigen DTP-Aufgaben eines Übersetzers in der Softwarelokalisierungsbranche, die neben der eigentlichen Übersetzungsarbeit durchgeführt werden müssen. Sich neben diesen zeitintensiven Aufgaben noch zusätzlich mit Terminologiearbeit nach den Kriterien der Terminologiewissenschaft zu beschäftigen, fällt vielen Übersetzern schwer. Daher ist es nachvollziehbar, wenn Terminologiearbeit eher als lästiges Übel oder wie es Dettmann überspitzt formuliert, als „akademische Übung“ gesehen wird.
Ein weiteres und wahrscheinlich viel schwerwiegenderes Problem ist die Akzeptanz von Terminologiearbeit bei den Auftraggebern. Übersetzer werden in den meisten Fällen an ihrer sichtbaren Leistung gemessen, sprich an der Anzahl der Wörter, die sie in einer festgelegten Zeitspanne übersetzen. Die Vorteile, die Terminologiearbeit bei einer Übersetzung erzielt, also beispielsweise eine korrekte und konsistente Verwendung von Fachbegriffen, sind hingegen nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Terminologiearbeit bleibt somit häufig unbezahlte Arbeit. Daraus ergibt sich ein grundlegendes Problem. Der Übersetzer, angehalten eine qualitativ hochwertige Arbeit anzufertigen, die terminologisch korrekt ist, ihm jedoch finanziell nicht entlohnt wird, steht vor der Frage, ob er dennoch Terminologiearbeit im großen Umfang betreiben soll. Der Wunsch und die Wirklichkeit bezüglich der Terminologiearbeit können in der Praxis daher weit auseinander klaffen.
Kapitel 4.1.2, Die Realität zwischen der verwendeten Computersprache und dem Anwenderwissen: Probleme und Lösungsansätze:
Waren Computer und dessen Anwendungen früher ausschließlich für Experten ausgelegt, so werden Dokumentation und Benutzeroberfläche bzw. die Webseite im Zuge der Globalisierung heutzutage für den jeweiligen Auslandsmarkt übersetzt und lokalisiert und somit auch Benutzern anderer Fachgebiete zur Verfügung gestellt. Die in diesem Zusammenhang verwendete Computerterminologie sollte daher dazu beitragen, die Handhabung der Software zu erleichtern, dem Benutzer Sicherheit im Umgang mit der Software bzw. den Anwendungen zu geben und auch bei einer Aktualisierung das schnelle Auffinden bekannter Funktionen zu ermöglichen.
Diese Voraussetzungen sind jedoch nicht immer gegeben. Laut Schweibenz besteht die Hauptursache für Anwendungsprobleme zwischen Benutzer und Computer in fehlerhafter bzw. inkonsistent verwendeter Terminologie. Dies gilt insbesondere für die Informationen der Online-Hilfe, die sich nicht immer mit den tatsächlich auf der Benutzeroberfläche verwendeten Termini decken. Soll Terminologie also eigentlich zu einem besseren Verständnis und zu einem hohen Wiedererkennungswert beitragen, so sind die verwendeten Termini in diesem Fall eher ein Hinderungsgrund für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Auch wenn den meisten Benutzern heutzutage eine so genannte Computer literacy, d.h. grundlegende Computerkenntnisse zugesprochen werden, so scheint Computerterminologie in diesem Fall bei den Benutzern eher Unverständnis hervorzurufen.
Schweibenz führt zur Unverständlichkeit der Computersprache ein weiteres Beispiel an. Die Aufgabe des Hilfeassistenten in Microsoft Word besteht darin, dem Benutzer bei Fragen zur Anwendung und Funktionsweisen der Benutzeroberfläche zur Seite zu stehen. Eine dazu von Schweibenz durchgeführte Studie zeigte jedoch oftmals das Gegenteil. Grund dafür war, dass der Hilfeassistent nur in den seltensten Fällen tatsächlich die gleiche „Sprache“ wie der Benutzer verwendete. Der Benutzer wird bei einer Anfrage verständlicherweise weniger terminologisch korrekte Begriffe in das dafür vorgesehene Feld eingeben (z.B. „Zitatnummerierungen ändern“ möchte er die Reihenfolge seiner Fußnoten ändern). Der Hilfeassistent sucht jedoch in seinem Speicher nur nach Fachtermini. Da die Antworten des Hilfeassistenten auf maschineller Verarbeitung der Frage beruhen, muss der Benutzer die Frage daher systemgerecht formulieren, um eine Antwort zu erhalten (in dem oben genannten Beispiel ist die Formulierung „Ändern des Zahlenformats von Fuß- und Endnoten“ korrekt und führt den Benutzer zu weiteren Erklärungen).
Hier liegt die Schwierigkeit für den Übersetzer. Ist sich der Übersetzer bewusst, nicht zuletzt durch seine eigene Erfahrung im Umgang mit Computern, dass der Benutzer die Frage auf einer anderen sprachlichen Ebene formulieren wird, so wird er sich dennoch an feste Terminologievorgaben vom Auftraggeber bzw. aus Normungen halten müssen. Er wird daher den ausgangsprachlichen Begriff terminologisch korrekt, wenn auch für den Benutzer eher unverständlich, übersetzen. Diese Benutzerunfreundlichkeit entsteht nicht erst durch die Arbeit des Übersetzers, sondern bereits bei der Erstellung der ausgangsprachlichen Online-Hilfe und deren verwendeter Terminologie im Auftragsunternehmen sowie der bilingualen Terminologie, die der Übersetzer verpflichtend verwenden muss. So wird also bereits beim Hersteller und in dessen Entwicklungsabteilungen zu wenig auf die Bedürfnisse des Benutzers eingegangen. Bestimmte Begriffe werden zudem in der Online-Hilfe nicht weiter erläutert, da die Softwareentwickler darin keine Verständnisschwierigkeiten für den Benutzer sehen. Es wird davon ausgegangen, dass insbesondere Softwareterminologie, also beispielsweise Begriffe wie klicken, (die Computermaus) ziehen oder (Daten) verknüpfen in der Zwischenzeit in die Allgemeinsprache für Computeranwender eingegangen sind, was aber häufig nicht der Fall ist. So werden diese Befehle in Hilfemenüs verwandt, ohne dass sie an einer passenden Stelle erklärt werden.
Der problemlose Umgang mit der Software ist also im großen Maße von der Verständlichkeit der darin enthaltenen Terminologie abhängig. Die Aufgabe des Terminologiemanagements ist daher, die in der Computersoftware verwendeten Termini auf ihre Klarheit beim Benutzer hin zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Die Termini dürfen in der Anwendung nicht zu Kommunikationsschwierigkeiten führen. Diese können entstehen, wenn beispielsweise abstrakte Begriffe verwendet werden, die aus der Fachsprache der Softwareentwickler stammen oder häufig Synonyme in der gleichen Anwendung verwendet werden. Verständnisprobleme wirken sich in großem Maße auf die Zufriedenheit des Kunden hinsichtlich der erstandenen Software aus. Und nur ein zufriedener Kunde wird erneut ein Produkt des gleichen Herstellers kaufen.
Es ist daher von großer Bedeutung für die Unternehmen auch für eigentlich gängige Bezeichnungen Erklärungen bzw. Definitionen anzubieten, im Besonderen auf die Konsistenz der verwendeten Begriffe über verschiedene Produktversionen hinweg zu achten, oder sich näher auf die Sprache des Kunden einzulassen. Göpferich merkt dazu an, dass bei der Festlegung eines Begriffes nicht nur die „sprachpflegerischen Motive“ im Vordergrund stehen sollten (d.h. die terminologisch korrekte Bezeichnung), sondern vor allem die Verständlichkeit beim Benutzer. Diese wird vor allem durch so genannte „nicht genormte […] Benennungen“ erreicht.
Obwohl die Übersetzung von Software für einen Übersetzer zur alltäglichen Routine geworden ist, ist es dennoch fraglich, ob auch der Übersetzer sich der Bedeutung verschiedener Termini in einer Software immer bewusst ist bzw. diese Bedeutungsunterschiede in einer neuen Software immer sofort erkennt. Ein Beispiel hierfür ist die wichtige Unterscheidung bei der Übersetzung des englischen Begriffs delete. Dieser kann im Deutschen sowohl entfernen als auch löschen bedeuten. Dabei ist der Vorgang löschen später jedoch wieder umkehrbar, der Vorgang entfernen hingegen nicht. Es ist also wichtig, dass sich der Übersetzer der Konsequenzen bewusst ist und die zu verwendende Terminologie auch entsprechend der jeweiligen Anwendung richtig einsetzt. Dem Übersetzer sollten daher genaue Instruktionen und Hilfestellungen von Seiten des Herstellerunternehmens gegeben werden. Dies kann z.B. durch die Original-Software erreicht werden, an der Funktionen getestet werden können und somit die Auswirkungen sichtbar werden. Oder es werden vom Auftragsunternehmen so genannte Style-Guides mitgeliefert, in denen auf solche Fehlerquellen hingewiesen wird.
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Arbeit zitieren:
Körper, Diana Juni 2005: Terminologie in der Softwarelokalisierung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Softwarelokalisation, Terminologie, Globalisierung, Terminologieverwaltung, Dolmetschen



