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Telematik in der Pflege alter Menschen

Hilfe zur Erhaltung der Selbständigkeit oder Kontrollinstrument

Telematik in der Pflege alter Menschen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Markus Wymetalik
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 98 Seiten
  • Dateigröße: 872,1 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Frankfurt am Main - University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7287-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7287-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7287-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wymetalik, Markus Oktober 2002: Telematik in der Pflege alter Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Telemedizin, Ethik, Telepflege, Kontrolle, AEDL

Diplomarbeit von Markus Wymetalik

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Diplomarbeit soll untersucht werden, ob neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK Technologien) - im Folgenden unter dem Begriff „Telematik“ zusammengefasst - die Selbständigkeit alter Menschen unterstützen können. Es soll dabei herausgearbeitet werden, welche Anforderungen an die Telematik zu berücksichtigen sind, um eine Akzeptanz durch alte Menschen überhaupt zu gewährleisten.

Darüber hinaus wird der Fragestellung nachgegangen, ob und unter welchen Umständen telematische Anwendungen auch als Kontrollinstrumente eingesetzt werden können. Da Kontrolle im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht grundsätzlich negativ gesehen wird, soll diskutiert werden, unter welchen Umständen sich diese Formen der technisch-gestützten Kontrolle eventuell gegen die Interessen alter Menschen richten können. Vor diesem Hintergrund soll erörtert werden, welche ethischen Anforderungen und Grundsätze zu beachten sind, um die diesbezüglichen Interessen alter Menschen zu wahren.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1-1
1.1 METHODISCHE VORGEHENSWEISE 1-2
1.1.1 Ausgangsthesen und Forschungsfragen 1-3
1.1.2 AEDL als Indikatoren für Selbständigkeit im Alter 1-4
1.1.3 Eingrenzung telematischer Anwendungen 1-5
1.1.4 Literatur- und Internetrecherchen 1-6
1.2 DEFINITION GRUNDLEGENDER BEGRIFFE 1-7
1.2.1 Alte Menschen 1-7
1.2.2 Bezugs- und Pflegepersonen 1-8
1.2.3 Pflege 1-9
1.2.4 Telematik 1-9
1.2.5 Telemedizin 1-10
1.2.6 Telepflege 1-10
2. HINTERGRUND 2-13
2.1 DEMOGRAPHISCHE FAKTOREN 2-13
2.2 ENTWICKLUNGEN IM TELEMATIK-BEREICH 2-16
2.2.1 Videotelephonie 2-18
2.2.2 Internet 2-19
2.2.3 Intelligente Haustechnologie / Domotik 2-20
3. TELEMATIK FÜR ALTE MENSCHEN 3-22
3.1.1 Exkurs (1): Der bildbasierten Betreuungsdienst Inkontakt TESS des evangelischen Johanneswerkes in Bielefeld 3-24
3.2 ZUGÄNGLICHKEIT UND VERFÜGBARKEIT VON TELEMATIK FÜR ALTE MENSCHEN 3-25
3.3 RELEVANZ DES ERKENNBAREN NUTZENS VON TELEMATIK 3-29
3.4 BEDIENBARKEIT UND GESTALTUNG TELEMATISCHER SYSTEME 3-31
3.5 VERLÄSSLICHKEIT 3-36
4. OPERATIONALISIERUNG DER BEGRIFFE SELBSTÄNDIGKEIT UND KONTROLLE IM BEZUG AUF ALTE MENSCHEN 4-38
4.1 SELBSTÄNDIGKEIT 4-38
4.1.1 Kompetenzen alter Menschen 4-40
4.1.2 Exkurs (2): Medienkompetenz 4-42
4.1.3 Potentielle Gründe für den Verlust der Selbständigkeit im Alter 4-43
4.2 KONTROLLE 4-44
4.2.1 Definition des Begriffs „Kontrollinstrument“ 4-44
4.2.2 Bewertung des Begriffs „Kontrolle“ 4-45
4.2.3 Die Bedeutung von Kontrolle in der Pflege alter Menschen 4-46
4.2.4 Das Potential von Telematik als Kontrollinstrument 4-48
5. BEDEUTUNG UND BEWERTUNG TELEMATISCHER ANWENDUNGEN 5-49
5.1 DIE BEDEUTUNG VON TELEMATIK ANHAND DER AEDL ALS INDIKATOREN FÜR SELBSTÄNDIGKEIT 5-49
5.1.1 Kommunizieren 5-49
5.1.2 Sich bewegen 5-52
5.1.3 Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten 5-55
5.1.4 Sich pflegen 5-57
5.1.5 Essen und trinken 5-58
5.1.6 Ausscheiden 5-61
5.1.7 Sich kleiden 5-62
5.1.8 Ruhen und schlafen 5-63
5.1.9 Sich beschäftigen 5-64
5.1.10 Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten 5-66
5.1.11 Für eine sichere Umgebung sorgen 5-66
5.1.12 Soziale Bereiche des Lebens sichern 5-68
5.1.13 Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen 5-69
5.2 BEWERTUNG TELEMATISCHER ANWENDUNGEN FÜR DIE SELBSTÄNDIGKEIT ALTER MENSCHEN 5-70
5.3 DIE BEDEUTUNG VON TELEMATIK-ANWENDUNGEN ZUR KONTROLLE ALTER MENSCHEN 5-72
6. GRUNDSÄTZE UND ETHISCHE ANFORDERUNGEN ZUM EINSATZ VON TELEMATIK IN DER PFLEGE ALTER MENSCHEN 6-75
6.1 FREIWILLIGKEIT 6-75
6.2 EINSICHTS-/URTEILSFÄHIGKEIT 6-76
6.3 WAHRUNG DER INTIMSPHÄRE 6-77
6.4 DURCHSCHAUBARKEIT DES VORGANGES / TRANSPARENZ 6-78
6.5 TELEMATIK ALS ERGÄNZUNG UNMITTELBARER PFLEGE UND BETREUUNG 6-79
7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 7-81
8. GLOSSAR 8-84
9. LITERATURVERZEICHNIS 9-87

Automatisiert erstellter Textauszug:

Sie erschließt die Möglichkeit mitzuhören, Einblick zu nehmen, zu messen, zu speichern, zu dokumentieren, Informationen zusammenzuführen, Informationen unkontrolliert zu verbreiten und vieles mehr. Alle diese Qualitäten sind erst einmal wertneutral aber damit sehr abhängig von der Intension des Betreibers. Die immense Macht, die mit Hilfe dieser Qualitäten über Menschen ausgeübt werden kann, erfordert einen sensiblen und sehr kritischen Umgang mit der Telematik. „Kontrolle ist ein zentrales Thema menschlichen Lebens: Menschen versuchen, ihr Leben zu kontrollieren.“ (Kleinbeck 2002, S. 11) Kontrolle kann so erlebt werden, ohne dass diese, von den alten Menschen selbst, als eine Einschränkung in ihrer Bedürfnisbefriedigung erlebt wird. Sie kann, motivationsstützend erlebt, sogar zu einer Förderung der Selbstwirksamkeitsüberzeugung26 führen. Electronic tagging (Ortung), Kameraüberwachung, elektronische Schranken, elektronische Steuerung von Schließsystemen uvm. können also sehr hilfreich und unterstützend für alte Menschen und ihre Helfer sein. Bei unangemessener Nutzung können sie alte Menschen aber auch zum Objekt ständiger Kontrolle und vereinfachter und preisgünstiger „Verwahrung“ werden. [...]

Nachbarn oder Bekannten, wie z.B. das tägliche Zeitung vorbeibringen oder das tägliche Klingen des Briefträgers, sind vor dem Hintergrund eines oft ausgeprägten Wunsches nach einer gewissen Form von Kontrolle zu sehen. Entscheidend für diese Art der Kontrolle ist, dass der alte Mensch selbst diesbezügliche Aufgaben an andere delegiert. Dem liegt der ausdrückliche Wunsch des Älteren zugrunde. Die entlastenden oder aber auch einschränkenden Konsequenzen der jeweiligen Maßnahme werden, abhängig von der individuellen Einschätzung und den jeweiligen Bedürfnissen, durch den Älteren selbst abgewogen. Sehr häufig kommt es aber vor, dass alte Menschen mögliche Risiken oder Belastungen billigend in Kauf nehmen, nur um sich jeder Form von Kontrolle durch andere Personen zu entziehen und sich nicht von ihnen abhängig zu fühlen. Diese Haltung ist für Bezugspersonen, insbesondere für die Angehörigen oft nur schwer zu verstehen, zu ertragen und zu akzeptieren. Pflegesituationen gestalten sich dadurch oft zusätzlich schwierig und die Belastungen der pflegenden Personen erhöhen sich. Vermeintlich praktische Lösungsansätze, wie z.B. die Einbindung professioneller Helfer oder das Installieren eines Hausnotrufsystems werden – für die Bezugspersonen kaum nachvollziehbar - abgelehnt. Oft werden Handlungen, die z.B. zu Unfällen des Pflegebedürftigen führen können, trotz eines hohen Risikos weiterhin von den alten Menschen durchgeführt. Bezugpersonen, die diese Entscheidungen alter Menschen nicht akzeptieren oder ertragen können, greifen in solchen Situationen nicht selten zu Mitteln unberechtigter Kontrolle, wie z.B. dem Wegschließen vermeintlich riskanter Dinge oder sogar dem Einschließen des Pflegebedürftigen. Diese Form der wohlgemeinten Kontrolle und Einmischung durch Bezugspersonen zum vermeintlichen Wohle der Pflegebedürftigen könnte als eine Art „fürsorglichen Zwangs“ beschrieben werden, der oftmals allerdings die expliziten Willensäußerungen des alten Menschen und deren selbständiges Handeln außer Acht lässt. Gerade Bezugspersonen von dementierenden Menschen bewegen sich hier in einem schwierigen Spannungsfeld, wenn sie versuchen den Willen und die Selbständigkeit des Pflegebedürftigen weitestgehend zu respektieren. Am Beispiel demenziell Erkrankter lässt sich die Gradwanderung zwischen dem Respektieren der „Selbständigkeit“ und dem Einsatz von „Kontrollinstrumenten“ zum Schutz des Pflegebedürftigen besonders gut darstellen. Es lässt sich der Konflikt vieler privater und professioneller Pflegepersonen verdeutlichen, dem sie hier in hohem Maße ausgesetzt sind. Der starke Bewegungsdrang dementierender Menschen führt z. B. dazu, dass die betroffenen Personen ihren Wohnort verlassen, also aus der Sicht der Bezugspersonen „weglaufen“, ohne sich ausreichend orientieren zu können. Um diesbezüglich nicht permanent anwesend sein zu müssen, wissen sich viele Bezugspersonen nur zu helfen, indem sie die pflegebedürftigen Personen in der Wohnung einschließen. Diese massive Form der Kontrolle geschieht eindeutig gegen den Wunsch des Betroffenen und gilt – soweit kein Richter eine anderweitige Entscheidung getroffen hat - damit als „freiheitsentziehende Maßnahme“. [...]

Bestimmte Formen von Kontrolle sind gerade im höheren Lebensalter außerordentlich wichtig für die Lebensqualität. Selbständigkeit im Alter bedeutet in erster Linie auch den Erhalt von Selbstkontrolle im höchstmöglichen Umfang. Gesundheitliche Einschränkungen, insbesondere dementielle Erkrankungen führen häufig zu einem erheblichen Verlust der Selbstkontrolle und bewirken notwendigerweise eine Abhängigkeit von anderen. Auch für alte Menschen ohne ausgeprägte Krankheitsbilder gewinnt der Aspekt der Kontrolle mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Medizinische Maßnahmen, wie z.B. regelmäßige Kontrolluntersuchungen oder die Medikamentenkontrolle dienen beispielsweise der Gesundheitsprophylaxe, die wiederum von Bedeutung für den Erhalt von Selbständigkeit und Unabhängigkeit ist. Auch Sicherheitsaspekte werden mit zunehmendem Alter für alte Menschen wichtiger. Diese Einsicht veranlasst zahlreiche ältere Menschen dazu, sich professioneller „Kontrollsysteme“, wie z.B. der Hausnotrufdienste, zu bedienen. Der Wunsch nach mehr Sicherheit und dem Gefühl sozialer Einbindung liegt häufig auch privaten „Kontrollarrangements“ zugrunde. Tägliche Anrufe von Freunden und Familienangehörigen werden abgesprochen, oder es werden sogar Telefonketten älterer Menschen untereinander gebildet, in denen sich die Teilnehmer zu Kontakten nach festen Regeln verpflichten. Auch sonstige Absprachen unter Verwandten, [...]

Arbeit zitieren:
Wymetalik, Markus Oktober 2002: Telematik in der Pflege alter Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Telemedizin, Ethik, Telepflege, Kontrolle, AEDL

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