Technisches Wissen aus Patenten
Eine empirische Untersuchung auf der Grundlage von Ansätzen des Wissensmanagements
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Niels Behrmann
- Abgabedatum: Januar 1998
- Umfang: 267 Seiten
- Dateigröße: 11,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität St. Gallen Schweiz
- ISBN (eBook): 978-3-8324-0970-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-0970-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-0970-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Behrmann, Niels Januar 1998: Technisches Wissen aus Patenten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Patentwissen, Technologie, Innovation, Produktentwicklung, Wissensmanagement
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Dissertation / Doktorarbeit von Niels Behrmann
Zusammenfassung:
Auf der Basis eines Überblicks über die informationsrelevanten Aspekte des Patentsystems und einer Würdigung des einschlägigen Standes der Wissenschaft zum technischen Informationsfluss in Unternehmungen wird für die Patentliteratur eine Forschungslücke bei der technologischen Mikroperspektive festgestellt - die Betrachtung von Patentdokumenten und deren Nutzung unter dem technischen Blickwinkel der einzelnen Unternehmung. Daraus leitet sich die Forschungsfrage ab:
Wie verstehen und behandeln im F&E-Bereich tätige Mitglieder, insbesondere von KMU, in Patentdokumenten enthaltenes technisches Wissen, und welche Verbesserungsansätze ergeben sich daraus ?
Die Bearbeitung dieser Forschungsfrage im Rahmen des Forschungsprojekts erfolgte durch einen mehrfach rückgekoppelten, explorativen Ansatz, der auf theoretischen Ansätzen zur Erzeugung von technischem Wissen einerseits sowie einer Analyse von Strukturkomponenten eines Patentdokuments unter einem inhaltlichen Blickwinkel andererseits aufbaut. Eine Synthese und Anwendung existierender Modelle aus der Literatur zum Wissensmanagement kann Probleme im Umgang mit Patenten in der unternehmerischen Praxis weitgehend und plausibel erklären.
In Fallstudien wurden technische Mitarbeiter von beteiligten Unternehmungen mit einer Auswahl von technologisch einschlägigen Patentveröffentlichungen konfrontiert und dann befragt; umfassend wurde technisches und sprachliches Verständnis, Interesse, Relevanzbeurteilung, Hintergrundwissen uvm. der Probenden erfasst und im Kontext ausgewertet.
Im Ergebnis zeigt sich, dass technische Mitarbeiter generell geringe bis keine technischen Verständnisprobleme mit einer in einem Patentdokument offenbarten Technologie haben, sofern die für einen jeweils einschlägigen Durchschnittsfachmann erforderliche formal-theoretische Qualifikation vorhanden ist. Dagegen bestehen beträchtliche Schwierigkeiten in der Verständlichkeit der Patentdokumente, bedingt durch sprachliche, strukturelle und Komplexitätsprobleme, die eine Akzeptanz der Patentdokumente als Quelle technischen Wissens unter den Befragten deutlich herabsetzen.
Oft werden zudem Patentdokumente im Hinblick auf ihren technischen Inhalt sowie dessen potentielle Relevanz für die Organisation unterbewertet. Eine zielgerichtete, lernorientierte Beschäftigung mit dem Dokument sowie eine aktive, planmässige Kommunikation von und über Patentwissen findet nur selten statt. Allgemein besteht keine klare Erwartungshaltung bei der Beschäftigung mit dem Patentdokument.
Als erster Lösungsansatz im Rahmen der Dissertation wird die Überwindung der strukturellen und Akzeptanzprobleme der Techniker mit dem Patentdokument angestrebt. Zu diesem Zweck wird eine planmässige, gezielte Lesetechnik entwickelt, die die individuellen Voraussetzungen und das Informationsinteresse eines Lesers mit Wissen über Aufbau und Inhalt von Patentdokumenten verknüpft. Im Ergebnis wird es einem Leser ermöglicht, die für ihn interessanten und relevanten Inhalte des Dokuments in einem Bruchteil der Lesedauer für das Gesamtdokument vollständig aufzunehmen.
Darauf aufbauend wird dann - als zweiter Lösungsansatz - das Vorgehen optimiert, mittels dieser Lesetechnik individuell erworbenes Wissen aus einem Patentdokument organisationsweit zu kommunizieren und einen Prozess der organisationalen Wissensgenerierung anzustossen; Rolle und Aufgaben eines Patentgatekeepers werden vorgestellt, der hierfür besonders geeignet erscheint. Als Mitglied eines Entwicklungsteams bietet diese Kommunikationsschlüsselfigur nicht nur die Chance, effektiv Patentwissen in unternehmenseigene Entwicklungen einzubringen, auch wird den schädlichen Folgen des Not-Invented-Here (NIH) Effekts vorgebeugt.
Die Aufgaben des Patentgatekeepers können durch ein Informationssystem unterstützt werden, welches zum einen organisationsweit die Suche nach und den Zugriff auf Patentdokumente erlaubt und zusätzlich die Möglichkeit zur ergänzenden Kommunikation betreffend ein Dokument bietet, und welches zum anderen die strukturellen Besonderheiten des Patentsystems berücksichtigt und so den möglichen Nutzen von Patenten für technisches Lernen maximiert.
Angesichts zunehmend kürzerer Produktlebens- und Innovationszyklen, dem damit verbundenen, erhöhten Druck auf die F&E-Funktion und steigender technologischer Komplexität wird allgemein die Berücksichtigung technischer Wissensmengen erforderlich, die gerade von KMU unternehmensintern weder vollständig generier- noch beherrschbar sind. Entsprechend wächst der Bedarf, extern vorhandenes Wissen effektiv und zielgerichtet einzusetzen, wobei offensichtlich die Patentliteratur hier einen wesentlich grösseren Beitrag leisten könnte als bisher. Mit den vorgeschlagenen Gestaltungsmodellen und Vorgehensweisen für die Praxis, die teilweise bereits auf Wirksamkeit geprüft werden konnten, werden durch diese Arbeit Wege aufgezeigt, mit denen die Benutzbarkeit eines Patentdokuments als technische Wissensquelle verbessert und dessen Akzeptanz in der technischen Unternehmung erhöht werden kann.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | iii | |
| Executive Summary | v | |
| Inhaltsverzeichnis | vii | |
| Abbildungsverzeichnis | xi | |
| Tabellenverzeichnis | xiii | |
| Abkürzungsverzeichnis | xiv | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Das Patentsystem als öffentliche Wissensquelle | 1 |
| 1.2 | Der Stand der Wissenschaft und die Forschungslücke | 4 |
| 1.2.1 | Externe Quellen für technische Information | 4 |
| 1.2.2 | Patentökonomie und Patentinformation | 6 |
| 1.2.3 | Die wissenschaftliche Lücke | 7 |
| 1.3 | Entwicklung der Forschungsfrage | 8 |
| 1.4 | Zielsetzung und Relevanz der Forschungsfrage | 11 |
| 2. | Wissenschaftliches Vorgehen und Untersuchungsdesign | 15 |
| 2.1 | Wahl eines qualitativ-explorativen Ansatzes | 15 |
| 2.2 | Untersuchungsdesign | 17 |
| 2.2.1 | Empirische Datenerhebung (1): Dokumentenanalyse | 19 |
| 2.2.2 | Empirische Datenerhebung (2): Befragung entwicklerisch tätiger Personenkreise | 21 |
| 2.2.3 | Mögliche abhängige und unabhängige Variablen | 22 |
| 2.3 | Aufbereitung und Darstellung der Daten mit Hilfe von Fallstudien | 23 |
| 2.4 | Kritik des Forschungsansatzes | 24 |
| 2.5 | Fazit zur Forschungsmethodik | 25 |
| 3. | Technisches Wissen in drei Dimensionen: Ein konzeptioneller Bezugsrahmen | 27 |
| 3.1 | Ausgangslage | 27 |
| 3.2 | Grundlagen und Begriffe | 28 |
| 3.3 | Die Bedeutung von externem Wissen für die lernende Organisation (Macdonald) | 31 |
| 3.4 | Wissensgenerierung zwischen explizitem und verborgenem Wissen (Nonaka/Takeuchi) | 32 |
| 3.4.1 | Explizites und verborgenes Wissen | 33 |
| 3.4.2 | lnteraktionen zwischen explizitem und verborgenem Wissen | 33 |
| 3.4.3 | Weiterentwicklung des Ansatzes | 36 |
| 3.5 | Organisationen als geschlossene, wissensgenerierende Systeme (v.Krogh et al.) | 38 |
| 3.6 | Ein dreidimensionales, integriertes Modell technischen Wissens | 40 |
| 3.7 | Weitere Ansätze aus der wissenschaftlichen Literatur | 45 |
| 3.8 | Würdigung des theoretischen Bezugsrahmens | 47 |
| 3.9 | Exkurs: Der NIH-Effekt als Barriere gegen externes technisches Wissen | 47 |
| 4. | Der Informationscharakter von Patentdokumenten | 49 |
| 4.1 | Ausgangslage | 49 |
| 4.2 | Die theoretische Rechtfertigung des Patentsystems und deren Umsetzung | 50 |
| 4.3 | Einschlägige Konzepte und Begriffe des Patentrechts | 51 |
| 4.3.1 | Erfindung | 51 |
| 4.3.2 | Aufgabe und Lösung | 53 |
| 4.3.3 | Stand der Technik | 53 |
| 4.3.4 | Fachmann und Offenbarung | 54 |
| 4.3.5 | Patent, Patentanmeldung, Offenlegungs- und Patentschrift | 56 |
| 4.4 | Aufbau und Inhalt eines Patentdokuments | 60 |
| 4.4.1 | Titelblatt | 61 |
| 4.4.2 | Beschreibung | 62 |
| 4.4.3 | Ansprüche | 68 |
| 4.4.4 | Zeichnungen | 71 |
| 4.4.5 | Zusammenfassung | 72 |
| 4.4.6 | Schutz und Information | 74 |
| 4.4.7 | Patentsprachliche Besonderheiten | 75 |
| 4.5 | Ansätze für die Strukturierung der Komponenten eines Patentdokuments | 77 |
| 4.6 | Fazit und weitere Ansätze für die empirische Exploration | 83 |
| 4.7 | Exkurs: Wissenschaftliche Methodik und der Aufbau eines Patentdokuments | 85 |
| 5. | Empirische Antworten auf die Forschungsfrage: Drei Fallstudien | 89 |
| 5.1 | Vorgehensweise und Methodik beim Erarbeiten der drei Fallstudien | 89 |
| 5.2 | Beleuchtungssteuerung: Elektronikentwicklung bei einem KMU | 94 |
| 5.2.1 | Die beteiligte Unternehmung | 94 |
| 5.2.2 | lnterner und externer lnformationsfluss sowie Projekt- und Patentverwaltung | 99 |
| 5.2.3 | Technologischer Hintergrund und Ausgangslage | 104 |
| 5.2.4 | Beleuchtungssteuerung: Die untersuchten Dokumente | 106 |
| 5.2.5 | Ausbildung, Erfahrung und der Durchschnittsfachmann | 109 |
| 5.2.6 | Interesse, Relevanz und Aktualität | 117 |
| 5.2.7 | Weitere Beobachtungen und zusammenfassende Erkenntnisse | 119 |
| 5.3 | Radarsensorik: Unternehmensübergreifende Auseinandersetzung mit einer Hochtechnologie | 123 |
| 5.3.1 | Die beteiligten Untemehmungen und Personen | 123 |
| 5.3.2 | Externe technische lnformationsflüsse und die Bedeutung von Patentdokumenten | 128 |
| 5.3.3 | Der Umgang mit Patenten in den beteiligten Untemehmungen | 132 |
| 5.3.4 | Technologischer Hintergrund und Ausgangslage | 133 |
| 5.3.5 | Radarsensorik: Die untersuchten Dokumente | 138 |
| 5.3.6 | Der Durchschnittsfachmann und das technische Verständnis der Probenden | 141 |
| 5.3.7 | Interesse, Relevanz und Beschäftigung mit den Dokumenten | 147 |
| 5.3.8 | Weitere Erkenntnisse und Fazit aus dem zweiten Fall | 149 |
| 5.4 | Insektizidverdampfer: Eine etablierte Fertigungstechnologie | 151 |
| 5.4.1 | Die beteiligte Unternehmung und die befragten Personen | 151 |
| 5.4.2 | Technologischer Hintergrund und die Ausgangslage | 152 |
| 5.4.3 | lnsektizidverdampfer.- Die untersuchten Patentdokumente | 154 |
| 5.4.4 | Der Durchschnittsfachmann und das technische Verständnis der Probenden | 156 |
| 5.5 | Ergänzend berücksichtigte Patentdokumente | 160 |
| 5.5.1 | Dokument US 5,452,126 "Binocular Telescope" (Leica AG) | 160 |
| 5.5.2 | Dokument DE 40 41 825 C2 "Alarmanlage" (Steinel GmbH & Co. KG) | 161 |
| 6. | Übergreifende Erkenntnisse und Hypothesen aus den Fallstudien | 163 |
| 6.1 | Empirisch ermittelte Erkenntnisse zur Forschungsfrage: 12 Hypothesen | 163 |
| 6.2 | Eine Antwort auf die Forschungsfrage | 175 |
| 7. | Umsetzung der Ergebnisse: Ansätze für praktische Lösungsverfahren und Gestaltungsmodelle | 177 |
| 7.1 | Überwindung der empirisch diagnostizierten Probleme im Umgang mit Patentdokumenten: Zwei grundsätzliche Lösungsansätze | 177 |
| 7.2 | Planmässiges Vorgehen beim Lesen eines Patentdokuments | 179 |
| 7.3 | Vom Technologiegatekeeper zum Patentgatekeeper | 188 |
| 7.3.1 | Transformation von individuellem Verständnis in organisationales Wissen | 189 |
| 7.3.2 | Der Technologiegatekeeper.- Ausgangspunkt für eine erfolgversprechende organisatorische Umsetzung | 192 |
| 7.3.3 | Der Patentgatekeeper: Ein Technologiegatekeeper mit besonderen Aufgaben und individuellen Voraussetzungen | 194 |
| 7.3.4 | Der Patentgatekeeper im Kontext lnnovationsprozess: Kritische Funktionen und Ansätze für eine Organisationsstruktur | 199 |
| 7.3.5 | Der Patentgatekeeper als Mitglied eines Projektteams: Ein Beitrag zur Überwindung von Not lnvented Here (NIH) ? | 201 |
| 7.3.6 | Exkurs: Ist die effektive Umsetzung des Patentgatekeeperansatzes eine Realisierungsform einer lernenden Organisation ? | 203 |
| 7.4 | Unterstützung des organisationalen Wissensbildungsprozesses durch EDV: Anforderungen an ein elektronisches Informationssystem | 205 |
| 7.4.1 | Ein kommunikationsförderndes Patentinformationssystem | 205 |
| 7.4.2 | Ein aufgabenbasiertes Retrievalsystem | 207 |
| 8. | Fazit, Kritik und Ausblick | 209 |
| 9. | Literatur | 213 |
| Anhang I: | Interviewleitfaden | |
| Anhang II: | Statistische Auswertungen der quantitativen Daten | |
| Anhang III: | Beispiele für Interviewprotokolle | |
| Anhang IV: | Titelblätter der untersuchten Patentdokumente |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832409708
Arbeit zitieren:
Behrmann, Niels Januar 1998: Technisches Wissen aus Patenten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Patentwissen, Technologie, Innovation, Produktentwicklung, Wissensmanagement



