Teamzusammensetzung in der virtuellen Projektarbeit
Eine Untersuchung von Prämissen und Ansätzen für die Personalauswahl
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marco Graf
- Abgabedatum: Februar 2004
- Umfang: 146 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Gießen-Friedberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7774-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7774-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7774-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Graf, Marco Februar 2004: Teamzusammensetzung in der virtuellen Projektarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: virtuell, Projekt, Personal, Team, Psychologie
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Diplomarbeit von Marco Graf
Einleitung:
Berichte über Fusionen und Markterweiterungen großer und mittelständischer Unternehmen sind heute an der Tagesordnung. Kein Unternehmen, das zu den ganz Großen gehören möchte, beschränkt sich auf nationale Anstrengungen in der Erweiterung der Geschäftsbereiche und Marktanteile. Die Globalisierung der Märkte wird so vorangetrieben. Dies zwingt viele Unternehmen, flexibler und dynamischer als bisher zu handeln – durch ständig notwendige Produktinnovationen verkürzen sich die Produktlebenszyklen in der Konsumlandschaft fortwährend.
Eine Konsequenz daraus ist, dass die Terminkoordination in den Unternehmen zunehmend schwieriger wird. Unternehmen, Abteilungen und Projektteams arbeiten immer weniger an einem Ort und in einer auf Dauer festen Formation zusammen, was häufig zu einem ‚Meetingtourismus’ von Führungskräften und ganzen Arbeitsgruppen führen kann. Ständig im Auto oder im Flugzeug befindlich, um Treffen in unterschiedlichen Ländern und Unternehmen wahrzunehmen, wird der Arbeiter so zum Tourist, der von einem Meeting zum nächsten eilt.
Parallel dazu erreichte das Internet als ein neues Informationsmedium in den letzten Jahren geradezu explosionsartig wachsende Popularität - oft nicht so sehr wegen seiner Inhalte, sondern wegen des technisch Machbaren. Räumliche und organisatorische Grenzen lassen sich durch die so genannte Virtualität des Internets sehr leicht verschieben, wodurch eine ortsunabhängige Zusammenarbeit, wie z.B. in virtuellen Projektteams, ermöglicht wird. Diese Technologie schlägt eine Brücke über Raum und Zeit und ermöglicht neue Arbeits- und Organisationsstrukturen. So arbeiten heute in den Unternehmen nicht nur Menschen virtuell zusammen, sondern ganze Unternehmen werden virtuell organisiert. „Die klassischen Grenzen der Unternehmung beginnen zu verschwimmen, sich nach innen wie nach außen zu verändern, teilweise aufzulösen.“ Der entscheidende Vorteil liegt auf der Hand: „Führungskräfte (...) haben nunmehr die Möglichkeit, Mitarbeiter nach ihrer Qualifikation und nicht nach geografischen Gesichtspunkten auszuwählen“(Picot et al., A., Die grenzenlose Unternehmung, 2003, S. 23) Problemstellung:
Im Unterschied zur konventionellen Teamarbeit in Projekten werden bei virtueller Teamarbeit andere Anforderungen an die betroffenen Teammitglieder gestellt, die aufgrund der Virtualität hervorgerufen werden. Die Teamarbeit über räumliche Distanz hinweg beeinflusst sowohl die Arbeitsweise als auch die Umgangsformen der Mitarbeiter untereinander, die sich maßgeblich von Projektarbeit in konventioneller Weise unterscheidet.
Durch die Zusammenarbeit über räumliche Distanz hinweg können Teammitglieder nicht für jedes Teamgespräch als ‚Meetingtourist’ auftreten, um z.B. Probleme zu lösen. Statt von Angesicht zu Angesicht werden Informationen unter Nutzung vernetzter multimedialer Rechnerumgebungen ausgetauscht.8 Kommunikation findet zu großen Teilen über elektronische Medien bzw. das Internet statt. Hierbei ist problematisch, dass diese Medien nur eingeschränkt oder gar nicht Informationen wie z.B. Mimik oder Gestik übertragen können. Dies fördert gerade bei interkultureller Zusammenarbeit zusätzlich Missverständnisse.
Viele Faktoren sind ausschlaggebend für die Leistung der Zusammenarbeit beeinflussen. Fachliches Wissen allein ist für eine gute Teamleistung in virtuellen Projekten nicht ausreichend.10 „Experten schätzen sogar, dass über 90% der Beschäftigungsverhältnisse, die scheitern, nicht aufgrund von fachlichen oder sonstigen Könnens-Kompetenzen des betreffenden Mitarbeiters beendet werden, (...) sondern wegen Unstimmigkeiten von Merkmalen seiner Persönlichkeit mit den Anforderungsbedingungen der Position...“ (Hossiep, R., et al., Persönlichkeitstests im Personalmanagement, 2000, S. XVII.) Für die Bestimmung von beeigneten Verfahren in der Personalauswahl ist die Frage zentral, anhand welcher Merkmale der Persönlichkeit der berufliche Erfolg bzw. die Eignung für die virtuelle Projektarbeit sicher vorhergesagt werden kann. Doch wie und nach welchen Kriterien können die passenden Mitarbeiter für ein virtuelles Projektteam ausgewählt werden und welche Kriterien sind dabei besonders für die virtuelle Zusammenarbeit zu berücksichtigen? Um diese Fragen beantworten zu können, bedarf es zunächst einer klaren Vorstellung hinsichtlich der besonderen Anforderungen und Qualifikationen an die Teammitglieder in der virtuellen Projektarbeit.
Rosenstiel fordert in diesem Sinne für die Teamzusammensetzung, dass zwischen den Mitgliedern und der jeweiligen Arbeitsumgebung Übereinstimmung bestehen muss zwischen:
- den Fähigkeiten und Fertigkeiten (Kompetenzen) des Positionsinhaber und den Anforderungen seiner Position sowie - den Bedürfnissen einer Person und den Befriedigungsmöglichkeiten bei der Arbeit.
Ziel dieser Arbeit ist es zunächst, im Top-Down-Verfahren sämtliche relevanten Anforderungen aufzuzeigen, die an Teammitglieder in der virtuellen Projektarbeit gestellt werden. Dabei sollen sowohl äußere Rahmenbedingungen als auch teaminterne Einflüsse berücksichtigt werden, die im Zusammenhang mit der Produktivität und dem Teamerfolg stehen. Bei dieser Analyse der Anforderungen ist es das Ziel, die von Leavitt konstatierten elementaren Bestandteile eines Arbeitssystems zu hinterfragen: Technik, Aufgabe, Strukturen und Personen.
Ein weiteres Ziel ist es, die aus der Anforderungsanalyse erarbeiteten Anforderungen in Qualifikationen von Teammitgliedern in der virtuellen Projektarbeit zu übersetzen und Kompetenzbereiche zu formulieren. Vor dem Hintergrund der notwendigen Qualifikationen in der virtuellen Projektarbeit folgt eine Analyse der aktuellen Ansätze für die Personalauswahl aus der Organisationspsychologie. Ziel ist es dabei, die in der Praxis relevanten eignungsdiagnostischen Instrumente der Personalauswahl hinsichtlich ihrer Eignung für die Bewertung von Bewerbern zu überprüfen. Dabei sollen sinnvolle von unsinnigen Auswahlkriterien und Auswahlverfahren unterschieden werden und dem Leser Anhaltspunkte zu geben, auf welchem Wege er ein virtuelles Projektteam best möglich zusammensetzen kann.
Zusammenfassung:
Wie und nach welchen Kriterien passende Mitarbeiter für ein virtuelles Projektteam ausgewählt werden und welche Kriterien dabei besonders für die virtuelle Zusammenarbeit zu berücksichtigen sind, soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit hinterfragt und beantwortet werden. Vor dem Hintergrund der Virtualität in der Teamarbeit findet im Top-Down-Verfahren eine systematische Untersuchung der Anforderungen an die Teammitglieder statt. Grundlage stellt dabei die aktuelle Forschungsdiskussion zur virtuellen und kommerziellen Teamarbeit sowie der Organisationspsychologie dar, woraus die Anforderungen an die Mitglieder eines virtuellen Projektteams abgeleitet werden. Von diesen Anforderungen ausgehend folgt der Schluss auf die notwendigen Qualifikationen der Individuen. Über den gesamten Weg der Untersuchung hinweg bleiben die in der Leavitt – Raute konstatierten elementaren Bestandteile in der Teamarbeit berücksichtigt: Technik, Menschen, Aufgabe und Strukturen. Hinsichtlich der gestellten Anforderungen und Qualifikationen – den Prämissen – an die Teammitglieder in der virtuellen Projektarbeit folgt eine Untersuchung aktueller Ansätze aus der psychologischen Personalauswahl. Erst in diesem Schritt wird das ‚Wie’ bei der Teamzusammenstellung präzisiert, das ohne zu Grunde gelegte personelle Qualifikationen nicht möglich ist.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 1 | |
| I. | Abbildungsverzeichnis | 4 |
| II. | Tabellenverzeichnis | 5 |
| III. | Abkürzungsverzeichnis | 6 |
| IV. | Abstract | 7 |
| 1. | Einleitung | 8 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung der Diplomarbeit | 9 |
| 1.2 | Abgrenzung der Aufgabenstellung | 11 |
| 1.3 | Aufbau und Vorgehensweise | 12 |
| 2. | Interpretation: Virtuelle Projektarbeit | 15 |
| 2.1 | Exkurs: Menschliche Arbeit – Ein historischer Überblick | 15 |
| 2.1.1 | Was ist Arbeit? | 15 |
| 2.1.2 | Die Arbeit von der vorindustriellen Zeit bis Heute | 16 |
| 2.2 | Elemente eines Arbeitssystems nach Leavitt | 20 |
| 2.3 | Von der Gruppe zum Team | 22 |
| 2.4 | Projekte | 23 |
| 2.5 | Virtuelle Projektarbeit | 26 |
| 3. | Medienprävalenz in der virtuellen Projektarbeit | 30 |
| 3.1 | CSCW-Forschung | 32 |
| 3.1.1 | Notwendige Interdisziplinarität des Wissenschaftsgebietes | 32 |
| 3.1.2 | Medieneinsatz – Media Theorien erklären Zusammenhänge | 34 |
| 3.2 | CSCW-Systeme | 36 |
| 3.2.1 | Telephonie | 36 |
| 3.2.2 | Konferenzsysteme | 37 |
| 3.2.3 | Virtual Project Office (VPO) | 39 |
| 4. | Produktivität von Teams | 43 |
| 4.1 | Strukturationstheorie als Metamodell | 44 |
| 4.2 | Die Konstitution der Teamarbeit nach McGrath | 46 |
| 4.3 | Gestaltung des Teamklimas | 49 |
| 4.4 | Rollenverteilung im Team | 51 |
| 4.5 | Teamkohäsion als Determinante individuellen Verhaltens | 55 |
| 5. | Die Berufliche Handlungskompetenz von Teammitgliedern | 59 |
| 5.1 | Soziale Kompetenz | 59 |
| 5.2 | Emotionale Kompetenz | 64 |
| 5.3 | Fachliche Kompetenz | 65 |
| 5.4 | Interkulturelle Kompetenz | 66 |
| 5.4.1 | Mentale Programmierung und Manifestationen der Kultur | 67 |
| 5.4.2 | Kulturelle Dimensionen | 70 |
| 5.4.2.1 | Machtdistanzindex (MDI) | 71 |
| 5.4.2.2 | Individualismusindex (IDV) | 72 |
| 5.4.2.3 | Femininität vs. Maskulinität (MAS) | 73 |
| 5.4.2.4 | Unsicherheitsvermeidung (UVI) | 74 |
| 5.4.2.5 | Langfristige vs. kurzfristige Orientierung (ILO) | 75 |
| 5.4.3 | Bedeutung der Kultur für die virtuelle Projektarbeit | 76 |
| 6. | Personalpsychologische Ansätze für die Teamzusammensetzung | 78 |
| 6.1 | Exkurs: Die wissenschaftliche Teildisziplin Organisationspsychologie | 78 |
| 6.2 | Multimodalität als methodischer Zugang der Eignungsdiagnostik | 81 |
| 6.3 | Eignungsdiagnostische Verfahren der Personalauswahl | 83 |
| 6.3.1 | Konstruktorientierte Verfahren | 83 |
| 6.3.1.1 | Intelligenztests – Kognitive Fähigkeiten | 85 |
| 6.3.1.2 | Leistungstests | 88 |
| 6.3.1.3 | Persönlichkeitstests | 88 |
| 6.3.2 | Simulationsorientierte Verfahren – Assessment Center | 90 |
| 6.3.3 | Biografische Verfahren | 94 |
| 6.3.4 | Das Multimodale Interview | 95 |
| 6.4 | Individuelle und systembedingte Fehlerquellen | 99 |
| 7. | Resümée | 103 |
| 8. | Ausblick | 107 |
| Literaturverzeichnis | 108 | |
| Internetquellen | 120 | |
| Verzeichnis der Anhänge | 123 |
5.4.1 Mentale Programmierung und Manifestationen der Kultur Das Verständnis für kulturelle Unterschiede ist nach Hofstede ebenso wesentlich wie das Verständnis für fachliche Faktoren. Hofstede bezeichnet diese Unterschiede als mentale Programmierung, die ein inneres Muster des Denkens, Fühlens und Handelns widerspiegelt.28 Sie gibt an, welche Reaktionen angesichts der persönlichen Vergangenheit und Lebenserfahrung wahrscheinlich und verständlich sind.29 Nach Hofstede besteht die mentale Programmierung des Menschen aus drei unterschiedlichen Ebenen: Persönlichkeit, Kultur30 und menschliche Natur (siehe Abbildung 5-1). Allen gemeinsam ist die menschliche Natur als universelle Ebene, welche mit den Genen ererbt wird. Darunter fällt z.B. die Fähigkeit, Angst, Zorn, Liebe, Freude oder Traurigkeit zu empfinden oder das Verlangen nach Gemeinschaft mit anderen, nach Spiel und Bewegung. [...]
denwissen befähigt Personen, selbstständig komplexe und neuartige Aufgaben zu bewältigen. Hinzu kommt die Fähigkeit, sich selbstständig neue Kenntnisse anzugeignen sowie selbstständig neue Lösungswege erarbeiten zu können.22 Nach Liebel/Oechsler gehört dazu die Fähigkeit, aus einer Arbeitsaufgabe, die vom jeweiligen Projektziel und dessen Einzelziele abgeleitet wird, die daraus folgenden leistungsrelevanten Arbeitsinhalte zusammenzufassen und zu strukturieren. Diese Arbeitsinhalte lassen sich dann in Zielsetzung, Resultat oder Arbeitsergebnis ausdrücken und messen. Methodisch kompetente Teammitglieder verfügen über einen guten Überblick über die gängigen Projektmanagement-Methoden und die in Kapitel 3 beschriebenen Werkzeuge und haben umfangreiche Kenntnisse über deren Einsatzmöglichkeiten. Sehr oft entscheidet das Detailwissen über Methoden und Werkzeuge, wie effizient sich der Einsatz letztlich gestaltet.23 [...]
Unter fachlicher Kompetenz versteht man das Wissen und die Erfahrung, die notwendig sind, um im Beruf gestellte Aufgaben im Hinblick auf die erforderlichen spezifischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, d.h. dem fachlichen Anspruch, bewältigen zu können.20 Im Allgemeinen sind dies Wissen und Erfahrung des Fachgebietes Projektmanagement und im speziellen das positionsbezogene notwendige fachliche Können. So muss ein Projektmitglied in einem IT-Projekt, welches z.B. für die Programmierung einer Software zuständig ist, selbstverständlich Programmieren können. In der Competence Baseline (ICB) der International Projekt Management Association (IPMA) werden diesbezüglich die Elemente Aufgaben, Verfahren, Fähigkeiten, Funktionen, Prozesse, Methoden, Techniken und Werkzeuge angeführt.21 Das Wissen über diese Elemente beschreibt die fachliche Kompetenz in der Projektarbeit. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832477745
Arbeit zitieren:
Graf, Marco Februar 2004: Teamzusammensetzung in der virtuellen Projektarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
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virtuell, Projekt, Personal, Team, Psychologie



