Taekwondo als Schulsport
Auswirkungen auf Gewaltbereitschaft & beobachtbares aggressives Handeln
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Jennifer Radtke
- Abgabedatum: Januar 2001
- Umfang: 149 Seiten
- Dateigröße: 2,5 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Pädagogische Hochschule Weingarten Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5636-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5636-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5636-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Radtke, Jennifer Januar 2001: Taekwondo als Schulsport, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Aggression, Problemschüler, Prävention, Unterrichtsentwürfe, Kampfsport
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Staatsexamensarbeit von Jennifer Radtke
Taekwondo als koreanische Kampfsportart, bekannt geworden als neue olympische Disziplin bei den Olympischen Spielen 2000 im australischen Sydney und meist auch aus Actionfilmen, soll in meiner Arbeit/diesem Buch vorgestellt und auf seine Tauglichkeit für den Schulsport (Änderungen/Modifikationen) im Wahlbereich untersucht werden. Darüber hinaus möchte ich die Problematik näher beleuchten, die sich aus der Konfrontation von Schülern mit Kampfsport (bezüglich aggressivem Handeln) ergeben kann !
Vor Allem im Kontext der in diesem Jahrzehnt aktuellen Thematik „Gewalt in der Schule“ untersuche ich die Kampfsportart Taekwondo hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf Gewaltbereitschaft und aggressive Handlungen. Ich möchte in meiner Arbeit auf die Entstehung von Gewalt eingehen und die möglichen Formen von Gewalt darstellen sowie Lösungsvorschläge (auch bezüglich für das Taekwondo modifizierter Spiele) erarbeiten beziehungsweise vorstellen.
Hier sollen an Taekwondo interessierte Lehrer sowie Vereinstrainer einen kurzen Überblick über geschichtliche Hintergründe etc. bekommen und Anregungen für Schulsport und Kindertraining mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention/Interaktion erhalten. Auch Vorschläge zur Umstrukturierung der Organisationsformen im Verein für den Gebrauch im Schulsport können für beide Seiten nützlich sein.
Ich möchte bereits zu Beginn klarstellen, dass meine Arbeit kein Patentrezept, sondern nur Vorschläge zum Umgang mit Gewalt im beziehungsweise durch Kampfsport bietet.
Kampfsport ist mehr als jeder andere Schulsport stark von der Konstellation der Klasse abhängig. Auch ist Kampfsport meiner Meinung nach bei manchen (gewaltbereiten) Jugendlichen keinesfalls empfehlenswert, worauf ich im Laufe meiner Arbeit noch näher eingehen werde.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Was ist Taekwondo? | 1 |
| 1.1 | Traditionelles Taekwondo | 7 |
| 1.1.1 | Formenlauf | 10 |
| 1.1.2 | Sparring (Einstep- und 1-1) | 11 |
| 1.1.3 | Bruchtest | 12 |
| 1.1.4 | Selbstverteidigung | 13 |
| 1.1.5 | Wettkampf | 16 |
| 1.2 | Modernes Taekwondo – Ausblick auf Olympia | 18 |
| 1.2.1 | Modernes Taekwondo? | 20 |
| 1.2.2 | Militär contra Vereins- und Schulsport - Kindgemäßheit? | 22 |
| 1.3 | Vom Verein in die Schule | 23 |
| 1.3.1 | Bezug zum Bildungsplan | 24 |
| 1.3.2 | Modifikationsvorschläge zur Anpassung an den Schulsport | 30 |
| 1.3.3 | Modell: Wettkampf-Taekwondo als Schulsport in Bayern | 36 |
| 1.4 | Trainingsmethoden für den Mädchensport | 37 |
| 1.4.1 | Was ist Mädchen wichtig? | 39 |
| 1.4.2 | Selbstverteidigung für Frauen | 42 |
| 2. | Taekwondo und Aggression | 44 |
| 2.1 | Kampfsport als Gewaltprävention? - Vergleich mit anderen Kampfsportarten | 58 |
| 2.1.1 | Zielgruppe Problemschüler | 65 |
| 2.1.2 | Karate | 67 |
| 2.1.3 | Jujutsu | 68 |
| 2.1.4 | Judo | 69 |
| 2.1.5 | Boxen | 71 |
| 2.1.6 | Ringen | 72 |
| 2.2 | Beobachtbare Aggressionen bei Schülern verschiedener Altersstufen | 73 |
| 2.2.1 | Problemfälle bei jüngeren Schüler/innen | 76 |
| 2.2.2 | Bei älteren Jungen | 76 |
| 2.2.3 | Bei älteren Mädchen | 79 |
| 2.2.4 | Fazit | 80 |
| 2.3 | Gibt es sinnvolle Aggressionen? Wieviel Aggression ist gesund? | 83 |
| 2.3.1 | Kritik: Ist das Gewaltproblem gelöst? | 83 |
| 2.3.2 | Aggression = Gewalt | 84 |
| 2.3.3 | Sinnvolle (hilfreiche) Aggressionen und aggressive Handlungen | 85 |
| 2.4 | Bedeutung für den Sportunterricht | 86 |
| 2.4.1 | Ursachensuche | 86 |
| 2.4.2 | Vorschläge zur Vorbeugung | 87 |
| 2.4.3 | Vorschläge zur Intervention | 93 |
| 2.4.4 | Welche Altersstufe? Wie ist die Klasse zusammengesetzt? | 94 |
| 3. | Taekwondo-Spiele | 95 |
| 3.1 | Gemeinschafts-Spiele | 95 |
| 3.1.1 | Allgemein | 95 |
| 3.1.2 | Taekwondo-spezifisch | 96 |
| 3.2 | Spiele zur Technik-Verbesserung | 98 |
| 3.2.1 | Traditionelle Technik | 98 |
| 3.2.2 | Moderne Technik (Wettkampfspiele) | 98 |
| 3.3 | Spiele zur Gewaltprävention | 99 |
| 3.3.1 | Konflikte vorzeitig erkennen | 100 |
| 3.3.2 | Reduzierung der Gewaltbereitschaft durch Konfliktbewältigung im Spiel | 101 |
| 4. | Unterrichtsentwurf für den Wettkampf: Gewaltprävention durch Spielregel-Erarbeitung | 104 |
| 4.1 | Unterrichtsraster für zwei Doppelstunden | 105 |
| 4.1.1 | Voraussetzungen | 105 |
| 4.1.2 | Ziele | 106 |
| 4.1.3 | Raster | 108 |
| 4.2 | Fragebogen | 118 |
| 4.2.1 | Exemplarischer Entwurf | 119 |
| 4.2.2 | Auswertung und Schlussfolgerung | 122 |
| 4.2.3 | Weitere Vorschläge | 122 |
| 5. | Fazit | 124 |
| 6. | Nachwort | |
| 7. | Quellenverzeichnis | |
| 8. | Anhang |
Dies habe ich bereits in Punkt 2. II zur Sprache gebracht, wobei ich den Kampfsport als Mittel zur Gewaltprävention, nicht jedoch als alleinige Therapie für alle gewalttätigen Jugendlichen deklariert habe. Schließlich kann TKD nur als Lernhilfe und -angebot und nicht als Familienersatz dienen. Erstaunlicherweise können viele Jugendliche die Ursachen für ihre gewalttätigen Handlungen gar nicht genau bestimmen. Zunächst mag man denken, dass dies ein banaler „Trick“ ist, um ihr Vorgehen legitim zu machen und sich damit vor Strafe zu schützen. Aber langjährige Erfahrungen von Psychologen und Sozialarbeitern haben gezeigt , dass diese Motivlosigkeit nicht als Neutralisierungsversuch aus Angst vor Konsequenzen (Strafen) zu interpretieren ist, sondern vielmehr als instinktive Handlung (gleich einem in die Ecke gedrängten Tier) gesehen werden muss. Wie beim Tier kommt es bei Bedrohung zum sogenannten „Fight- and Flight “- Syndrom ( Ergebnis der biologischen Verhaltensforschung): Der Körper setzt bei Todesangst, blinder Wut etc. automatisch unglaubliche Mengen des Hormons Adrenalin frei, das beim Menschen alle verfügbaren Kräfte zur Flucht oder zum Kampf mobilisiert. Meist sind die Täter während der Gewalthandlung tatsächlich zu keinem klaren Gedanken mehr fähig: sie schreien, quietschen, schlagen um sich und beißen [...]
Vielmehr wäre es der Narzissmus ( „Ich bin die Welt“) , der zu Gewalttaten gegen Ausländer führt und nicht der Ausländerhass an sich. Dieser ist lediglich eine Folge narzißtischen Denkens. Gewalt in diesem Sinne wird also ( auch vom Lerntheoretiker Jens Waidner) als Ausdruck einer charakteranalytisch psychopathischen Struktur gesehen. Das sind Menschen, die so leben mussten, dass keine Entwicklung existentieller Sicherheit stattfinden konnte. Das heißt, dass sich diese Menschen nie als Gesamtheit erfahren konnten und somit häufiger schizoid werden müssen. Konkret bedeutet dies, dass jede Kritik von den Jugendlichen als existentielle Bedrohung erfahren und darauf auch ( dem Milieu) entsprechend reagiert wird: meist in Form von körperlicher Auseinandersetzung. [...]
Als Teil der analytischen Psychologie besagt der mythopoetische Ansatz, dass diese zwei Energien auf keinen Fall blockiert werden dürfen durch Unterbindung oder Bestrafung, da sie sonst destruktiv werden. Ein Beispiel für den mythopoetischen Ansatz ist der Boxsport: Dies bedeutet, metaphorisch gesprochen, den Sch. beizubringen, sich „durchs Leben zu boxen“ ( siehe auch 2.1.5). Betrachtet man das Verhalten soldatischer Männer im Dritten Reich, von denen bekanntlich die meisten Boxsport betrieben, waren diese dennoch gefühlsarm das heißt emotional „ gepanzert “ bei ihren Gewalttaten. Folglich hat ihre Überstrukturiertheit (bezüglich der Befolgung von Regeln) nicht zu Gewaltarmut geführt. Jung ist der Meinung, dass sich aggressive Verhaltens- Elemente durch die Phasen der Transformation ziehen müssen, sie also für die „ Mann- ( und auch Frau-) Werdung “ typisch und notwendig sind. Der Gefängnispsychologe Götz Heindorf stellte beispielsweise die These auf, dass der in letzter Zeit vermehrt zu Diskussionen anregende Rechtsextremismus als politische Überzeugung nicht das Problem sei , da oft gar keine Motive für die Gewalt vorhanden seien. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832456368
Arbeit zitieren:
Radtke, Jennifer Januar 2001: Taekwondo als Schulsport, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Aggression, Problemschüler, Prävention, Unterrichtsentwürfe, Kampfsport



