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Tabuthema männliche Prostitution

Eine Herausforderung an die soziale Arbeit

Tabuthema männliche Prostitution
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nikolas Hagele
  • Abgabedatum: Oktober 2006
  • Umfang: 146 Seiten
  • Dateigröße: 889,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 58
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0344-7
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0344-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hagele, Nikolas Oktober 2006: Tabuthema männliche Prostitution, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutschland, Strichjunge, Sozialarbeit, Migration, Prostitution

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Diplomarbeit von Nikolas Hagele

Einleitung:

Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit der männlichen Prostitution in Deutschland. Es wird hier speziell auf die Problematik eingegangen, die sich bei ausländischen sich prostituierenden jungen Männern ergibt, die als vorübergehende oder dauerhafte Migranten sich in Deutschland prostituieren. Voraus geht ein allgemeiner Teil, der die männliche Prostitution genauer beschreibt und sich mit den Problemlagen von Strichern beschäftigt.

Es wurden im empirischen Teil drei Interviews in verschiedenen Einrichtungen deutschlandweit mit Experten auf diesem Gebiet durchgeführt, um so einen genaueren Einblick in diesen Arbeitsbereich zu bekommen. Ebenso wird untersucht, in wie weit männliche Prostitution und Homosexualität heute noch sowohl in Deutschland als auch in den Herkunftsländern der Migranten als Tabuthemen gelten. In dieser Arbeit wird speziell auf die Länder Rumänien und Bulgarien eingegangen, da junge Männer aus diesen Ländern momentan den größten Teil an Migranten in der männlichen Prostitution ausmachen.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die für diese Klientel besonderen und typischen Probleme und Konflikte herauszufinden und dabei aufzuzeigen, welche Herausforderungen an die soziale Arbeit gestellt werden und welche Handlungsmöglichkeiten der sozialen Arbeit für diese Klientel zur Verfügung stehen.

Des weiteren soll sich diese Arbeit nicht nur mit der männlichen Prostitution im Allgemeinen befassen, viel mehr soll es hier um jene Probleme gehen, die durch die Migration in der männlichen Prostitution entstehen. Durch die andauernde Erweiterung der EU kann man Veränderungen der Klientel im Stricherbereich beobachten- Migranten, die hauptsächlich aus Osteuropa, Afrika und Südamerika stammen sind nun, verglichen mit der deutschen Klientel, stärker vertreten.

1989, nach dem Fall der Mauer war es ähnlich, als viele Stricher aus der ehemaligen DDR und den Ostblockländern mit dem zunehmenden Strichertourismus in den Westen kamen. Es entstand ein Überangebot an Strichern, welches alsbald zu existenziellen Problemen der Stricher führte. Hinzu kam die rasant ansteigende Gewalt und das Problem, dass Stricher aus der ehemaligen DDR bis zu diesem Zeitpunkt nicht mit HIV und AIDS konfrontiert waren und auf Safer Sex- Praktiken keinen Wert legten. In den darauf folgenden Jahren kamen zunehmend junge Männer aus Polen und Tschechien, zunächst als Wochenendpendler, dann als Touristen, um sich in Deutschland zu prostituieren. Gründe hierfür waren die leicht auszulebende Homosexualität und das große Geld, das sie glaubten in Deutschland verdienen zu können. Die jetzige Problematik ähnelt der in der ehemaligen DDR. Angebot und Nachfrage ist im Ungleichgewicht und ein Existenzkampf beginnt. Heute machen den Hauptanteil in Deutschland Jungs aus Rumänien und Bulgarien aus.

Es wird nun untersucht, welche Probleme dieser Klientel mit sich bringen, wie die soziale Arbeit darauf zu reagieren hat und welche Herausforderungen an sie gestellt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Die mann- männliche Prostitution 5
2.1 Überblick über die aktuelle Situation 5
2.2 Übersicht der vorhandenen Angebote und ihrer Grundmerkmale 6
2.3 Zusammenfassung 9
3. Die verschiedenen Seiten der Prostitution 10
3.1 Stricher mit professionellem Bewusstsein 10
3.2 Stricher ohne professionelles Bewusstsein 11
3.2.1 Sexuelle Identität der Stricher 12
3.2.2 Motivation der Stricher 13
3.2.2 Problemlagen von Strichern 17
3.2.3 Lebenslagen von Strichern 20
3.2.4 Zusammenfassung 22
3.3 Freier 22
3.3.1 Verschiedene Freiertypen 23
3.3.2 Identität der Freier 24
3.3.3 Zusammenfassung 25
4. Orte der Prostitution 26
4.1 Die reale Stricherszene 26
4.1.1 Prostitution in öffentlichen Räumen 26
4.1.2 Prostitution in halböffentlichen Räumen 27
4.1.3 Prostitution in privaten Räumen 29
4.2 Die virtuelle Stricherszene 29
4.3 Zusammenfassung 30
5. Prostitution und Geld 31
6. Prostitution und Recht 32
6.1 Das Prostitutionsgesetz 32
6.2 Das Infektionsschutzgesetz 33
6.3 Zusammenfassung 36
7. Die qualitative Datenerhebung 37
7.1 Die Fragestellung 37
7.2 Die Methodik 38
7.2.1 Das Experteninterview 38
7.2.2 Auswahl und Beschreibung der Interviewpartner 39
7.2.3 Entwicklung des Interviewleitfadens 39
7.3 Die Stichprobe 40
8. Auswertung der Ergebnisse 42
8.1 Darstellung der verschiedenen Interviews 42
8.1.1 Interview in der Einrichtung I, sub/way in Berlin 44
8.1.2 Interview in der Einrichtung II, looks e.V. in Köln 52
8.1.3 Interview in der Einrichtung III, marikas e.V. in München 60
8.2 Die Interpretation 67
9. Schlussfolgerungen für die soziale Arbeit 72
9.1 Ziele der sozialen Arbeit 72
9.2 Notwendigkeiten in der Arbeit mit Migranten 73
9.3 Professionalität in der Stricherarbeit 77
9.4 Arbeitsbereich und Methoden in der Stricherarbeit 79
9.5 Aussichten 83
10. Literaturverzeichnis 85
11. Abbildungsverzeichnis 90
12. Interviewleitfaden 91
12. Anhang 94

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Die mann- männliche Prostitution 5
2.1 Überblick über die aktuelle Situation 5
2.2 Übersicht der vorhandenen Angebote und ihrer Grundmerkmale 6
2.3 Zusammenfassung 9
3. Die verschiedenen Seiten der Prostitution 10
3.1 Stricher mit professionellem Bewusstsein 10
3.2 Stricher ohne professionelles Bewusstsein 11
3.2.1 Sexuelle Identität der Stricher 12
3.2.2 Motivation der Stricher 13
3.2.2 Problemlagen von Strichern 17
3.2.3 Lebenslagen von Strichern 20
3.2.4 Zusammenfassung 22
3.3 Freier 22
3.3.1 Verschiedene Freiertypen 23
3.3.2 Identität der Freier 24
3.3.3 Zusammenfassung 25
4. Orte der Prostitution 26
4.1 Die reale Stricherszene 26
4.1.1 Prostitution in öffentlichen Räumen 26
4.1.2 Prostitution in halböffentlichen Räumen 27
4.1.3 Prostitution in privaten Räumen 29
4.2 Die virtuelle Stricherszene 29
4.3 Zusammenfassung 30
5. Prostitution und Geld 31
6. Prostitution und Recht 32
6.1 Das Prostitutionsgesetz 32
6.2 Das Infektionsschutzgesetz 33
6.3 Zusammenfassung 36
7. Die qualitative Datenerhebung 37
7.1 Die Fragestellung 37
7.2 Die Methodik 38
7.2.1 Das Experteninterview 38
7.2.2 Auswahl und Beschreibung der Interviewpartner 39
7.2.3 Entwicklung des Interviewleitfadens 39
7.3 Die Stichprobe 40
8. Auswertung der Ergebnisse 42
8.1 Darstellung der verschiedenen Interviews 42
8.1.1 Interview in der Einrichtung I, sub/way in Berlin 44
8.1.2 Interview in der Einrichtung II, looks e.V. in Köln 52
8.1.3 Interview in der Einrichtung III, marikas e.V. in München 60
8.2 Die Interpretation 67
9. Schlussfolgerungen für die soziale Arbeit 72
9.1 Ziele der sozialen Arbeit 72
9.2 Notwendigkeiten in der Arbeit mit Migranten 73
9.3 Professionalität in der Stricherarbeit 77
9.4 Arbeitsbereich und Methoden in der Stricherarbeit 79
9.5 Aussichten 83
10. Literaturverzeichnis 85
11. Abbildungsverzeichnis 90
12. Interviewleitfaden 91
12. Anhang 94

Textprobe:

Kapitel 3.2.3, Lebenslagen von Strichern:

Viele Stricher sind obdachlos und leben auf der Straße. Manche haben ein kleines Apartment, das sie sich mit anderen teilen oder können für einige Zeit bei einem Freier unterkommen. Die Straße ist jedoch der Ort an dem sie sich ihr Leben abspielt. Sie sind auf Kunden angewiesen und müssen deswegen so oft als möglich an den Orten der Prostitution präsent sein. So wird der gesamte Tagesablauf auf die Bedürfnisse der Freier ausgerichtet. Dies hat allerdings zur Folge, dass sie ihre Arbeit und ihr Freizeitleben bzw. ihr privates Leben nicht trennen können. Durch das oftmals beschriebene „Rumhängen“ ist ihr Tag durch Warten, Hoffen und Zeit überbrücken gekennzeichnet.67 Im Gegensatz zur weiblichen Prostitution gibt es kein offensives Anwerben der Prostituierten. Um von der Diskriminierung der Gesellschaft verschont zu bleiben, bedeutet dies, sich diskret und zurückhaltend zu verhalten.

Meist kommt es in der Stricherszene vor, dass die Jungs nicht als Menschen, sondern als Sexobjekte betrachtet werden. Sie werden auf ihr Äußeres hin taxiert und dementsprechend bewertet. Wenn die Stricher jung sind und gut aussehen, können sie die Geschäfte mit den Freiern steuern, da junge und „unverbrauchte“ Stricher in der Szene am beliebtesten sind. Werden sie dagegen älter, schwindet zunehmend das Interesse der Freier, aber sie müssen trotzdem versuchen, auf dem Markt weiter zu überleben. Sie müssen sich umorientieren, Sexpraktiken zulassen, die sie bisher nicht Geduldet haben und unter Umständen auch riskanten Sexualpraktiken zustimmen. Dadurch schwindet das so kurzzeitig erworbene Selbstwertgefühl und es entstehen neue Probleme.

Die Lebenslage der Stricher wird auch bestimmt durch das HIV. Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass die Zahlen von Neuinfektionen mit HIV in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) am meisten zugenommen haben, nämlich im Jahre 2005 um ca. 13%.70 Das Robert- Koch- Institut schätzt im Jahre 2005 den Anteil der homosexuellen Männer auf 58%. So sind vor allem Stricher, die regelmäßigen sexuellen Kontakt zu anderen Männern haben, gefährdet, da viele Freier es als unmännlich ansehen, von Kondomen Gebrauch zu machen. Drogenabhängige, die zu riskanten Sexualpraktiken bereit sind, Spritzbestecke gemeinsam benutzen oder damit tätowieren oder piercen, sind ebenfalls einem höherem Risiko ausgesetzt. Geringes Selbstwertgefühl und mangelndes Selbstbewusstsein, niedriger Bildungstand und die Diskriminierung, der die Stricher ausgesetzt sind, tragen dazu bei, dass sie sich in Risikosituationen nicht ausreichend schützen.

Die Diskriminierung von männlichen Prostituierten ist im Vergleich zur weiblichen Prostitution sehr viel stärker, da sie zusätzlich mit Homosexualität in Verbindung gebracht werden. Das heißt, sie werden nicht nur in der Gesellschaft wegen ihres prostituiven und homosexuellen Verhaltens diskriminiert, sondern auch in der homosexuellen Subkultur selbst. Stricher werden auch vor allem durch den Anstieg der Beschaffungsprostitution immer mehr in die Kriminalität abgedrängt. So ist die Kriminalität oft Folge des Selbsthasses der Stricher. Stricher werden oft als „Todesboten“ (AIDS- Virusträger) dämonisiert.74 Zunächst galten nur Homosexuelle als Hauptrisikogruppe für HIV- Verbreiter, doch bald wurden auch die Stricher als eine weitere Risikogruppe ins Auge gefasst, weil sie ständig wechselnde Sexualpartner haben, ohne sich regelmäßig medizinischen Untersuchungen zu unterziehen.

Kapitel 3.2.4, Zusammenfassung:

Im Allgemeinen kann man sagen, dass nur Stricher mit fehlendem Bewusstsein für ihre Tätigkeit und ihre sexuelle Orientierung mit vielen Problemen konfrontiert sind und einer umfassenden Hilfe bedürfen. Diese Probleme spiegeln sich wieder in den unterschiedlichen Motivationen, in der Prostitution tätig zu sein, wie zum Beispiel wirtschaftliche Verhältnisse, sexueller Missbrauch und Coming Out und Drogenabhängigkeit. Ihr Umfeld ist geprägt durch Gewalt, HIV/ STI, Obdachlosigkeit und Diskriminierung. Regeln und Strukturen in der Stricherszene müssen erlernt und akzeptiert werden.

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Arbeit zitieren:
Hagele, Nikolas Oktober 2006: Tabuthema männliche Prostitution, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutschland, Strichjunge, Sozialarbeit, Migration, Prostitution

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