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Szenographie als neues Gestaltungskonzept in Ausstellungen und Museen am Beispiel des Historischen Museums Hannover

Szenographie als neues Gestaltungskonzept in Ausstellungen und Museen am Beispiel des Historischen Museums Hannover
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Kerstin Selle
  • Abgabedatum: Dezember 2002
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 348,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8539-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8539-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8539-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Selle, Kerstin Dezember 2002: Szenographie als neues Gestaltungskonzept in Ausstellungen und Museen am Beispiel des Historischen Museums Hannover, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Didaktik, Inszenierung, Erlebnis, Marketing, Expo 2000

Magisterarbeit von Kerstin Selle

Zusammenfassung:

Der Grund für ein Nachdenken über neue Gestaltungskonzepte liegt darin, dass die aktuelle ‚Krise der Museen’ ein Überdenken der bisherigen Praxis notwendig macht. Seit Beginn der 1990er Jahre sind Museen von starken Einsparungen betroffen und mit einer Situation konfrontiert, die einerseits dadurch gekennzeichnet ist, dass Museen als Wissensspeicher und als Geschichtsvermittler Konkurrenz durch andere Medien, erhalten haben. Hinzu kommt andererseits ein breitgefächertes Freizeitangebot, mit einer Überfülle an Erlebnisangeboten.

Mit dem enormen Erfolg der Event- und Erlebniskultur werden auch neue Erwartungen und Anforderungen an Museen gestellt. Die traditionelle Legitimation des Museums als Ort der Bildung, als auch die Anziehungskraft der kulturhistorischen Objekte scheinen infrage gestellt zu sein. Forderungen nach neuen Gestaltungsformen werden gestellt, die auf die neuen Erwartungen reagieren und die Museen attraktiver machen sollen. Zunehmend taucht der Begriff der Szenographie auf, der die umstrittene Lösung für die schwierige Lage der Museen besonders durch neue Gestaltungs- und Präsentationsansätze bieten soll. Eine klare Definition scheint es jedoch nicht zu geben, vielmehr ist Szenographie als Ausdruck dieser Krise und der Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis der Museen unter dem Eindruck der Entstehung von Science Centern und anderen Freizeitangeboten zu sehen, die zumindest in Teilaspekten, museale Aufgaben übernehmen.

Jedoch treffen Vorschläge, die sich an kommerziellen Konzepten orientieren in Museumskreisen auf Ablehnung, da eine sich auf die Museen ausweitende Eventkultur befürchtet wird.

In der Zeit vom 15.08.2001 bis 13.01.2002 fand im Historischen Museum Hannover (HMH) die Sonderausstellung ‚Ehrgeiz, Luxus & Fortune. Hannovers Weg zu Englands Krone’ (ELF) statt, die sich in ihrer Präsentationsästhetik als etwas Neues darstellte. Zudem war sie als Auftakt zur Neugestaltung der Landesgeschichtlichen Abteilung gedacht, womit sie sich sowohl als Sonderausstellung als auch als zukünftige Dauerausstellung für eine Betrachtung eignet und Mittelpunkt der Untersuchung werden soll. Gerade im Hinblick auf ihre dauerhafte Einrichtung lassen sich neue Entwicklungen aufzeigen, die auf einen Bruch mit der bisherigen Gestaltungspraxis im Museum hindeuten könnten.

Am Beginn dieser Arbeit steht die Frage, was sich hinter dem Begriff Szenographie verbirgt und was dazu führte, dass er in einem Zuge mit Event- und Erlebniskultur gesehen wird. Dabei ist der Titel dieser Arbeit gleichfalls als Frage zu verstehen, ob es sich tatsächlich um etwas Neues in gestalterischer Hinsicht handelt.

Die Ausstellung im HMH soll exemplarisch darauf untersucht werden, ob dort bereits szenographische Einflüsse umgesetzt wurden, sowohl auf gestalterischer Ebene als auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Künstlern.

Weiterhin soll herausgearbeitet werden, mit welchen Strategien das Museum möglicherweise darüber hinaus versucht auf den gegenwärtigen Konkurrenz- und Legitimationsdruck zu reagieren.

Im ersten Kapitel geht es daher um die Klärung des Begriffs Szenographie, im Bezug auf seine Herkunft aus dem Theater- und kommerziellen Freizeitbereich. Dabei wird auch ein Blick auf den Zusammenhang von Szenographie mit den veränderten Ansprüchen und Wahrnehmungsgewohnheiten auf Seiten der Besucher eingegangen. Hierfür wird auf Sekundärliteratur aus den Bereichen Theatergeschichte, Geschichte der Weltausstellungen und Erlebniswelten, sowie auf freizeitwissenschaftliche Untersuchungen zurückgegriffen.

Im zweiten Kapitel wird anhand des HMH auf die Geschichte der Gestaltungskonzepte in historischen Museen allgemein eingegangen. Das HMH eignet sich dafür sehr gut, da es alle für historische Museen als typisch angesehenen Darstellungsweisen aufweist. Dabei wird den für die 1980er Jahre kennzeichnenden Inszenierungen ein eigenes Kapitel gewidmet, da sich aus der Diskussion um diese Darstellungsweise wichtige Punkte für die Betrachtung von Szenographie in Museen ergeben. Zudem rücken an dieser Stelle die Merkmale heutiger Szenographien in kulturhistorischen Museen in den Blick.

Im dritten Kapitel wird die Sonderausstellung ELF zunächst auf beschrieben und daraufhin das gestalterische Konzept diskutiert. Außerdem wird die Zusammenarbeit von Museen und professionellen Gestaltern betrachtet. Neben unveröffentlichten und veröffentlichten Materialien des Historischen Museums zur Ausstellung stützt sich dieses Kapitel vor allem auf Experteninterviews. Diese wurden mit Dr. Thomas Schwark, dem Direktor des Museums und für die Gesamtleitung der Ausstellung Verantwortlichen, sowie Sabine Meschkat-Peters geführt, die das wissenschaftliche Konzept erarbeitet hat. Ebenfalls interviewt wurde Dr. Andreas Urban, in der Funktion des Museumspädagogen. Ferner wird auf deutschsprachige Sekundärliteratur zum Themenkomplex Gestaltung und Vermittlung zurückgegriffen.

Das vierte Kapitel widmet sich sowohl der aktuellen Situation des Museums als auch den als marktwirtschaftlich einzuordnenden Strategien, die sich gegenwärtig abzeichnen. Hierzu werden ebenfalls die Interviews herangezogen, sowie Sekundärliteratur zum Thema Marketing und Museum.

Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen kurzen Ausblick auf kommende Anforderungen und Gestaltungsfragen in Museen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Szenographie 7
1.1 Theater 7
1.2 Weltausstellungen, Themenparks, Erlebniswelten 13
1.3 Erlebnistrend 21
2. Präsentationskonzepte in Geschichtsmuseen am Beispiel des Historischen Museums Hannover 28
2.1 Präsentationskonzepte bis in die 1980er Jahre 28
2.2 Inszenierung 38
2.3 Szenographie in kulturhistorischen Ausstellungen 45
3. Aktuelle Ausstellungsgestaltung im Historischen Museum Hannover 51
3.1 Beschreibung ‚Ehrgeiz, Luxus & Fortune. Hannovers Weg zu Englands Krone' 51
3.2 ‚Ehrgeiz, Luxus & Fortune' und Szenographie 55
3.3 Gestaltung und Interpretation 62
3.4 Zusammenarbeit 71
4. Gestaltung als Ausdruck neuer Entwicklungen 78
4.1 Marktwirtschaftliche Tendenzen 78
4.2 Zielgruppenorientierung 79
4.3 Positionierung 82
4.4 Produktvermarktung 86
Schluss 95
Anhang 102
Quellen- und Literaturverzeichnis 103

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die ‚Allee’ mündete in einen angedeuteten Vorhof. Die Wände und ein weiterer Torbogen erweckten den Eindruck eines Eingangs zur herrschaftlichen Residenz. Anhand von Portraits führte hier der Themenbereich ‚Kinder des großen Krieges’ in die familiäre Herkunft sowohl Ernst Augusts als auch Sophies ein. Waffen und Rüstungsteile deuteten zudem auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg hin. Hinter dem oben beschriebenen Torbogen begann der Hauptteil der Ausstellung, der sich in verschiedenfarbiger Bereiche gliederte: rechts blau und hellblau, in der Mitte gelb und links rot. Diese farbige Gestaltung löste zunächst, aufgrund der nicht vorgegebenen Laufrichtung Verwirrung aus, wozu die einzeln stehenden Wandelemente bzw. die mit Durchgängen durchbrochenen Wände beitrugen. Erst auf den zweiten Blick wurde die kreisförmige Anordnung der Wandelemente, innen gelb und außen blau gehalten, deutlich, die auf eine thematische Ordnung hinwies. Auffällig war ebenfalls die große Anzahl der Gemälde. Eine erste Texttafel ‚Der teuerste Hut der Welt’ wies auf das mit „großem Ehrgeiz“236 verfolgte Ziel Ernst Augusts hin, die Kurwürde für Braunschweig-Lüneburg zu erlangen. [...]

Die Ausstellung fand in der Landesgeschichtlichen Abteilung des HMH statt. Auf den Eröffnungstag genau jährte sich zum 300. Mal die Übergabe der Urkunde, in der die Thronfolgebestimmungen festgehalten waren, aufgrund derer Sophie von der Pfalz und ihre Nachkommen die Krone Englands erben sollten. Der Zugang zum Thema erfolgte über die Biografien des Herzogs Ernst August und der Kurfürstin Sophie. Zugleich waren die drei Begriffe des Titels die Klammer für die insgesamt acht Themenbereiche, die im Verlauf der Ausstellung präsentiert wurden. Auffälligstes Merkmal waren in diesem Zusammenhang die kulissenartigen Aufbauten, in die die Vitrinen integriert waren, sowie deren in rot, blau, gelb und grün gehaltene Farbgebung, die der thematischen Gliederung dienten. Die Ausstellungsaufbauten begannen im Foyer und führten den Flur entlang des Innenhofes und des Vortragssaals hin zu dem ersten Raum der Landesgeschichtlichen Abteilung. [...]

„Es ist der Überlegung wert, ob sich nicht in der Tat die spezifischen Traditionen deutscher Historiographie in einem ‚a-sinnlichen’ Verhältnis zur Geschichte äußern und das Medium Ausstellung und Museum immer wieder unter den Verdacht der Schaustellerei, des Vernunftverlusts stellen.“203 Die Museologie wiederum habe sich stets hauptsächlich auf Kunstmuseen bezogen, so dass historische Museen lediglich eine Rolle am Rande gespielt haben. Im Zuge der Entwicklung, in der Geschichte im Museum zum Thema wurde schien diese Trennung offenbar zu werden. Sie äußerte sich nicht nur in der Kritik der Historiker, sondern auch in der der Kunsthistoriker, die Inszenierungen als eine auf ‚Hochtouren laufende Ereigniskultur’ und publikumssüchtigen [...]

Arbeit zitieren:
Selle, Kerstin Dezember 2002: Szenographie als neues Gestaltungskonzept in Ausstellungen und Museen am Beispiel des Historischen Museums Hannover, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Didaktik, Inszenierung, Erlebnis, Marketing, Expo 2000

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