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Szenarioanalysen als Instrument des Managements operationeller Risiken in Kreditinstituten

Szenarioanalysen als Instrument des Managements operationeller Risiken in Kreditinstituten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Annegreth Elisabeth Heidrich
  • Abgabedatum: Mai 2007
  • Umfang: 74 Seiten
  • Dateigröße: 1.007,1 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald Deutschland
  • Bibliografie: ca. 79
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0557-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Heidrich, Annegreth Elisabeth Mai 2007: Szenarioanalysen als Instrument des Managements operationeller Risiken in Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bank, Operationelles Risiko, Risikomanagement, Risikocontrolling, Basel II

Diplomarbeit von Annegreth Elisabeth Heidrich

Einleitung:

Operationelle Risiken sind in den letzten Jahren als neue Risikoart immer mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Dabei sind operationelle Risiken, also die Risiken, die in Folge einer Unzulänglichkeit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder in Folge externer Ereignisse eintreten keineswegs neu, sondern seit jeher jeder Form des Wirtschaftens inbegriffen und sogar vor der tatsächlichen Aufnahme einer wirtschaftlichen Handlung existent.

Auch für Banken ist der Umgang mit operationellen Risiken kein unbekanntes Themengebiet, wie man z.B. an vorhandenen Notfallplänen oder Virenschutz-Softwares erkennt. Doch erst aufgrund großer operationeller Schadenfälle, wie des Zusammenbruchs des englischen Bankhauses Barings infolge unauthorisierter Geschäfte des Wertpapierhändlers Nick Leeson oder der Terroranschläge vom 11. September 2001, wird den operationellen Risiken erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt.

Durch die am 01. Januar 2007 in Kraft getretene Eigenkapitalvereinbarung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) werden operationelle Risiken nun erstmalig explizit in der aufsichtsrechtlichen Regulierung berücksichtigt. Das Management operationeller Risiken in Banken sowie deren Unterlegung mit Eigenkapital wird durch die Umsetzung von Basel II in nationalen Gesetzen also rechtlich vorgeschrieben.

Doch wie soll man existenzbedrohende Verlustfälle wie die oben genannten voraussehen, um das operationelle Risiko optimal managen zu können und eine Gefährdung der Stabilität des Finanzsystems so gut wie möglich zu reduzieren? Ein Blick in die Glaskugel ist natürlich nicht möglich. Trotzdem müssen derartige Verlustfälle als mögliches Risiko in Betracht gezogen werden, um das Risikoprofil der Bank adäquat abzubilden. Denn nach der Theorie des Mathematikers Paul Levy werden Ereignisse mit noch so geringer Eintrittswahrscheinlichkeit bei ausreichendem Betrachtungshorizont auch tatsächlich eintreten.

Gang der Untersuchung:

Die adäquate Darstellung des Risikoprofils einer Bank, welche die Voraussetzung für ein optimales Risikomanagement bildet, erfordert die Implementierung eines fundierten Instrumentariums zur Risikoidentifikation und -analyse. Das Management von Risiken sowie deren aufsichtsrechtliche Berücksichtigung stellen für Banken keinen neuen Tatbestand dar. Schon durch die 1992 in Kraft getretene Eigenkapitalvereinbarung Basel I waren das Markt- und das Kreditrisiko der Regulierung unterworfen. Die hierbei verwendeten Instrumente des Risikomanagements sind aber aufgrund der Besonderheiten operationeller Risiken nicht einfach auf diese übertragbar. Dies liegt schon im grundlegenden Charakter der operationellen Risiken begründet.

Operationelle Risiken sind im Gegensatz zu Markt- und Kreditrisiken nicht geschäfts- sondern prozessspezifisch. Sie resultieren also nicht aus einem konkreten Bankgeschäft, sondern entstehen schon durch das alleinige Führen des zugrunde liegenden Geschäftsbetriebes. Ein gravierender Unterschied zwischen Markt- und Kreditrisiken einerseits und operationellen Risiken andererseits besteht also darin, dass im Falle operationeller Risiken kein Risiko-/ Ertrags-Trade-off stattfindet. Da das Eingehen operationeller Risiken in keinem direkten Zusammenhang zu einer Erhöhung von monetären Ergebnissen steht, ist es ökonomisch gesehen also sinnlos. Neben den Anforderungen zur Eigenkapitalunterlegung erhebt Basel II deshalb gesteigerte Erwartungen an eine ökonomische Steuerung und Reduzierung dieser Risikoart.

Aufgrund der Prozessabhängigkeit ist das operationelle Risiko durch eine ausgeprägte Dynamik gekennzeichnet, es verändert sich also mit bankinternen Prozessen, Systemen und Organisationsstrukturen. Zudem treffen besonders bei großen, existenzbedrohenden Verlustfällen häufig mehrere Ursachen als ereignisauslösende Faktoren zusammen. Infolge der Komplexität und Dynamik sind Prognosen über potenzielle Risiken schwierig, da sich ein eingetretener Vorfall in den seltensten Fällen in gleicher Art wiederholen wird. Da operationelle Risiken darüber hinaus nicht bewusst eingegangen werden, stellt die Darstellung der aktuellen Risikolage des Unternehmens eine Herausforderung an das Risikomanagement der Bank dar. Es müssen also spezielle Risikomanagementansätze implementiert werden, die den Besonderheiten operationeller Risiken gerecht werden.

Um das Risikoprofil der Bank adäquat abzubilden, ist eine Kombination verschiedener Instrumente im Rahmen des Risikomanagements notwendig, die sowohl vergangenheits- als auch zukunftsgerichtete Daten berücksichtigen. Neben den häufig vorkommenden Betriebsschäden müssen auch Risiken mit einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit in die Datengrundlage einbezogen werden, da gerade die seltenen aber schwerwiegenden Verlustfälle die Existenz der Bank und damit einhergehend die Stabilität des Bankensystems gefährden können und eine Regulierung im Rahmen von Basel II notwendig gemacht haben. In diesem Kontext kommt den Szenarioanalysen als Instrument des Managements operationeller Risiken eine besondere Bedeutung zu.

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den Stellenwert der Szenarioanalyse im Gesamtsystem des Managementinstrumentariums operationeller Risiken herauszuarbeiten. Dafür wird in Kapitel 2 zunächst ein Überblick über das Management operationeller Risiken geschaffen. Die Grundlage hierzu bildet die definitorische Abgrenzung dieser Risikoart. Daran anschließend wird die Notwendigkeit der betriebswirtschaftlichen und aufsichtsrechtlichen Berücksichtigung operationeller Risiken dargelegt. Im Rahmen dieses Kapitels findet darüber hinaus eine Beleuchtung des aufsichtsrechtlichen und gesetzlichen Hintergrundes bezüglich des Managements operationeller Risiken statt. Das Kapitel findet seinen Abschluss in der Abgrenzung des Risikomanagementprozesses im Sinne dieser Arbeit.

Kapitel 3 befasst sich mit dem Instrument der Szenarioanalyse. Ihre theoretischen Grundlagen und charakteristischen Eigenschaften werden anhand ihrer ursprünglichen unternehmerischen Verwendung, der strategischen Planung, erläutert. Daran anschließend werden diese Grundlagen auf den Bereich des Risikomanagements übertragen und die Bedeutung der Szenarioanalyse in diesem Umfeld untersucht. Um die Unterschiede der Ausgestaltung der Szenarioanalyse zwischen den einzelnen Risikoarten aufzeigen zu können, wird am Ende dieses Kapitels die Szenarioanalyse im Kreditrisikomanagement beispielhaft herausgegriffen und erläutert.

Kapitel 4 führt nun die in den vorangegangenen Kapiteln erläuterten Grundlagen zusammen und widmet sich der Rolle der Szenarioanalyse im Management operationeller Risiken. Zunächst wird anhand der bestehenden Grenzen der weiteren Instrumente die Notwendigkeit der Szenarioanalyse als ergänzendes Instrument im Managementsystem operationeller Risiken aufgezeigt.

Daran anschließend wird die in Kapitel 3.2 erläuterte Durchführung der Szenarioanalyse im Kreditrisikomanagement zugrunde gelegt und notwendige Modifikationen der Ausgestaltung vor dem Hintergrund der Besonderheiten operationeller Risiken aufgezeigt.

Der folgende Abschnitt des Kapitels befasst sich nun mit der Einordnung der Szenarioanalyse in die einzelnen Phasen des Risikomanagementprozesses, die in Kapitel 2.4 spezifiziert wurden. Abschließend findet eine kritische Betrachtung der Szenarioanalyse im Management operationeller Risiken statt, in deren Rahmen sowohl Nutzen als auch Probleme diskutiert werden.

Als zusammenfassender Abschluss dieser Arbeit dient das Kapitel 5, welches neben der Aggregation der Ergebnisse auch einen Ausblick über das thematisierte Gebiet vornimmt.

Inhaltsverzeichnis:

InhaltsverzeichnisII
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Operationelle Risiken – Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? 1
1.2 Problemstellung und Aufbau der Arbeit 2
2. Das Management operationeller Risiken in Kreditinstituten – Ein Überblick 4
2.1 Definition, Kategorisierung und Abgrenzung operationeller Risiken 5
2.2 Notwendigkeit und Ziele des Managements und der Regulierung operationeller Risiken in Kreditinstituten 6
2.3 Aufsichtsrechtliche und gesetzliche Anforderungen für die Behandlung operationeller Risiken in Kreditinstituten 9
2.3.1 Regulatorische Rahmenbedingungen gemäß Basel II und ihre nationale Umsetzung 9
2.3.2 Bemessungsansätze zur Eigenkapitalunterlegung im Rahmen der Baseler Säule I 11
2.3.3 Bankinterne Ausgestaltung der Anforderungen durch Instrumente des Risikomanagementprozesses 13
2.4 Phasen des Risikomanagementprozesses 15
3. Die Szenarioanalyse – Ein Blick in die Zukunft 17
3.1 Strategische Unternehmensplanung mit Hilfe der Szenariotechnik 18
3.2 Verwendung szenariobasierter Ansätze im Risikomanagement von Kreditinstituten 21
3.2.1 Begriffliche Abgrenzung der Szenarioanalyse im Risikomanagement 22
3.2.2 Bedeutung und Anwendung der Szenarioanalyse im Bereich extremer Risikoereignisse 24
3.3 Szenarioanalysen und Stresstests im Kreditrisikomanagement 26
3.3.1 Untersuchungsumfeld 26
3.3.2 Durchführung von Szenarioanalysen im Kreditrisikomanagement 28
4. Integration der Szenarioanalyse in den Prozess des Managements operationeller Risiken 31
4.1 Szenarioanalysen als notwendige Ergänzung des Managementinstrumentariums 32
4.2 Übertragung einer bekannten Methode auf eine „neue“ Risikoart 37
4.3 Bedeutung der Szenarioanalyse in den Phasen des Risikomanagementprozesses 40
4.3.1 Risikoidentifikation 41
4.3.2 Risikoquantifizierung 45
4.3.3 Risikosteuerung und –überwachung 48
4.4 Kritische Betrachtung der Szenarioanalyse als Managementinstrument operationeller Risiken 49
5. Zusammenfassende Schlussbetrachtung und Ausblick 52
Anhang 55
Literaturverzeichnis 60
Internetverzeichnis 64
Rechtsquellenverzeichnis 67

Textprobe:

Kapitel 3.2.1; Begriffliche Abgrenzung der Szenarioanalyse im Risikomanagement: Kennzahlen, die die Höhe monetärer wie auch nicht-monetärer Unternehmensziele negativ beeinflussen, werden im Bereich des Risikomanagements als Risikofaktoren bezeichnet. Das Risikoprofil einer Bank wird durch die Einflüsse verschiedenster solcher Faktoren bestimmt. Im Bereich des Markt- und Kreditrisikos sind dies i.d.R. quantitative Kennzahlen wie Zinssätze, Aktienkurse oder Kreditnehmerratings. Bei operationellen Risiken ergeben sich die Faktoren aus der ursachenbasierten Kategorisierung als interne Verfahren, Menschen, Systeme und externe Ereignisse sowie deren Unterkategorien.

Einflüsse auf das Risikoprofil ergeben sich nicht nur durch häufig vorkommende Entwicklungen und Ausprägungen der relevanten Risikofaktoren, sondern vor allem durch die so genannten low-frequency/ high-severity Schäden. Diese Ereignisse, die eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit aber ein hohes Ausmaß aufweisen, haben einen erheblichen Einfluss auf das Schadenpotenzial der Bank und müssen demnach im Rahmen der Risikoidentifikation besondere Beachtung finden.

Um ein realistisches Bild der Risikolage der Bank zu konstruieren, müssen also auch außergewöhnliche Entwicklungen der relevanten Risikofaktoren in der Risikoanalyse berücksichtigt werden. Die potenziellen Auswirkungen dieser Extremereignisse auf das Risikoprofil der Bank werden durch Stresstests untersucht. Bevor eine solche Auswirkungsanalyse durchgeführt werden kann, müssen natürlich zunächst einmal potenzielle schwerwiegende Bedrohungen identifiziert werden. Die Basis hierfür bilden einerseits Sensitivitätsanalysen und andererseits Szenarioanalysen.

Sensitivitätsanalysen stellen isolierte Betrachtungen einzelner extremer Faktorausprägungen an, die typischerweise anhand vergangenheitsbasierter statistischer Verteilungen ermittelt werden. Sie finden vor allem im Bereich des Marktrisikos ihre Anwendung und sollen im Rahmen dieser Arbeit nicht näher betrachtet werden.

Szenarioanalysen als prospektives Instrument der Risikoidentifikation beruhen hingegen auf der Analyse von Ereignisverkettungen. Die Betrachtung konzentriert sich dabei nicht auf die Entwicklung einzelner Risikofaktoren. Durch die Definition komplexer Szenarien werden vielmehr simultane Faktorveränderungen sowie Faktorinterdependenzen abgebildet. Die Szenariodefinition schafft somit die Basis für die Ermittlung strukturierter Relationen zwischen Risikoursache und -wirkung, die sich über mehrere Betrachtungsebenen erstrecken. Durch die eingehende Analyse des Risikoumfeldes der Bank, auf der die realistische Erarbeitung von Szenarien beruht, werden Schadenpotenziale aufgedeckt, die die Bank unter Extrembedingungen betreffen könnten. Die frühzeitige Identifikation dieser Risiken durch die Szenarioanalyse bildet zum einen die Basis für potenzielle risikoreduzierende Steuerungsmaßnahmen. Zum anderen dienen die identifizierten Risiken aber auch der Vervollständigung der Datengrundlage zur Quantifizierung des Risikos.

Im Bereich der Markt- und Kreditrisiken ist im Zusammenhang mit Extremszenarien oftmals von Stresstests die Rede. Der Fokus der Betrachtung liegt demnach auf den quantitativen Auswirkungen extremer Entwicklungen auf den Wert von Wertpapier- oder Kreditportfolien. Auch dieser Analyse muss natürlich eine eingehende und realitätsgetreue Ermittlung von potenziellen Extremszenarien vorausgehen. Da im systematischen Management von Markt- und Kreditrisiken allerdings schon weitreichende Erfahrungen vorliegen und das Risikomanagement auf eine umfangreiche Historie von Faktorausprägungen und -konstellationen zugreifen kann, wird die konkrete Identifikation von Szenarien vereinfacht. Dies mag der Grund dafür sein, dass in der aktuellen Literatur in Bezug auf Markt- und Kreditrisiken häufig die Auswirkungsanalyse in Form der Stresstests im Fokus der Betrachtung steht, der konkrete Vorgang der Szenarioidentifikation aber nicht eingehend beleuchtet wird.

Das systematische Management operationeller Risiken befindet sich in den meisten Banken allerdings noch in der Anfangsphase. Da wenige Erfahrungen mit dieser Risikoart vorliegen, müssen die Risikomanager zunächst ein Gespür für die Risikoeigenschaften, die relevanten Risikofaktoren sowie das Risikoumfeld entwickeln. Die Risikoidentifikation stellt deshalb eine Herausforderung dar und erfordert die Grundlage eines strukturierten Prozesses, um die Plausibilität der generierten Szenarien zu gewährleisten. Aufgrund der charakteristischen Eigenschaften operationeller Risiken ergeben sich im Rahmen der Szenarioidentifikation zudem weitere Herausforderungen, die im Kapitel 4.2 eingehend beleuchtet werden. Die Literatur beschäftigt sich deshalb im Umfeld operationeller Risiken vorwiegend mit dem Prozess der Szenarioidentifikation.

Zwischen Szenarioanalysen und Stresstests besteht ein enger Zusammenhang, weshalb die Grenzen teilweise verschwimmen und die begriffliche Verwendung ungenau wird. Da eine quantitative Aussage über Verlustpotenziale extremer Ereignisse direkt aus der Identifikation dieser hervorgeht, werden Stresstests als Auswirkungsanalysen im Rahmen dieser Arbeit als ein Teilprozess der Szenarioanalyse begriffen.

Arbeit zitieren:
Heidrich, Annegreth Elisabeth Mai 2007: Szenarioanalysen als Instrument des Managements operationeller Risiken in Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bank, Operationelles Risiko, Risikomanagement, Risikocontrolling, Basel II

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