Szenarien für ein neues Weltwährungssystem
Eine kritische Auseinandersetzung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ralf Stamer
- Abgabedatum: März 2010
- Umfang: 131 Seiten
- Dateigröße: 1.020,3 KB
- Note: 1,2
- Institution / Hochschule: Technische Fachhochschule Wildau Deutschland
- Bibliografie: ca. 78
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0691-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Stamer, Ralf März 2010: Szenarien für ein neues Weltwährungssystem, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Währungssystem, Bretton Woods, Bankenkrise, Währungskrise, Komplementärwährung
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Diplomarbeit von Ralf Stamer
Einleitung:
1, Vorwort:
‘Alle paar hundert Jahre gibt es in der abendländischen Geschichte einen tiefen Einschnitt. Innerhalb weniger Jahrzehnte ordnet sich die Gesellschaft neu – in ihrer Weltsicht, ihren Grundwerten, ihren sozialen und politischen Strukturen, ihren Künsten und ihren wichtigsten Institutionen - und die Nachgeborenen können sich eine Welt wie die, in der ihre Großeltern lebten und in die ihre Eltern hineingeboren wurden, gar nicht mehr vorstellen. Gegenwärtig erleben wir gerade eine solche grundlegende Veränderung’.
Das Thema ‘Weltwährungssystem’ findet aufgrund der damit verbundenen Probleme eine große Aufmerksamkeit in politischen Diskussionen und zahlreichen Veröffentlichungen.
Ein wesentliches Ziel dieser Diplomarbeit ist es, interessante Reformvorschläge in einer übersichtlichen Form darzustellen und diese um eigene Gedanken zu ergänzen.
Die Arbeit ist wie folgt strukturiert: Nach einem Überblick über Währungssysteme in Kapitel 2 wird in Kapitel 3 das Währungssystem von Bretton Woods in seiner Bedeutung als erste weltumspannende Währungsverfassung vorgestellt. Die Notwendigkeit eines neuen Weltwährungssystems wird in Kapitel 4 herausgearbeitet, dem sich Kapitel 5 mit konkreten Szenarien und Vorschlägen für die Umsetzung anschließt. Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf die nächsten Jahre und die Zukunft.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | II | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | V | |
| TABELLENVERZEICHNIS | VI | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | VII | |
| 1. | VORWORT | 1 |
| 2. | INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEME | 2 |
| 2.1 | Charakteristische Merkmale von Währungssystemen | 2 |
| 2.2 | Klassifikation von Währungssystemen | 3 |
| 2.2.1 | nach dem Grad der Freizügigkeit grenzüberschreitender Zahlungen | 3 |
| 2.2.2 | nach dem gewählten Wechselkursregime | 3 |
| 3. | DAS WÄHRUNGSSYSTEM VON BRETTON WOODS | 7 |
| 3.1 | Vorgeschichte | 7 |
| 3.2 | Inhalt | 7 |
| 3.3 | Auswirkungen | 8 |
| 3.4 | Sonderziehungsrechte als Kunstwährung | 9 |
| 3.5 | Goldstandard | 14 |
| 3.6 | Institutionen | 21 |
| 3.6.1 | Internationaler Währungsfond (IWF) | 21 |
| 3.6.2 | Weltbank und BIZ | 26 |
| 3.6.3 | Zentralbanken | 26 |
| 4. | ZUR NOTWENDIGKEIT EINES NEUEN WELTWÄHRUNGSSYSTEMS | 27 |
| 4.1 | Weltwährungssystem der Gegenwart | 27 |
| 4.2 | Währungsräume | 31 |
| 4.2.1 | Zur Rolle des Dollars und der USA | 31 |
| 4.2.2 | Euro und das Europäische System | 34 |
| 4.2.3 | Asiatisches Jahrhundert | 41 |
| 4.2.3.1 | China | 42 |
| 4.2.3.2 | Japan | 44 |
| 4.3 | wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme | 45 |
| 4.4 | Banken- und Währungskrisen | 53 |
| 4.5 | Weltwährungsprobleme | 57 |
| 5. | SZENARIEN FÜR EIN NEUES WELTWÄHRUNGSSYSTEM | 63 |
| 5.1 | Einleitung | 63 |
| 5.2 | Ziele | 65 |
| 5.3 | Wechselkurssysteme | 67 |
| 5.3.1 | Flexible Wechselkurse | 68 |
| 5.3.2 | Feste Wechselkurse | 68 |
| 5.3.3 | Zukünftiges Wechselkurssystem | 69 |
| 5.4 | Wechselkurszielzonensystem | 71 |
| 5.5 | Währungsunion | 73 |
| 5.6 | Optimale Währungsräume | 76 |
| 5.7 | Währungssystem der Zukunft | 77 |
| 5.8 | Komplementärwährungen | 78 |
| 5.8.1 | Lokale Tauschsysteme | 78 |
| 5.8.2 | Regionalwährungen | 81 |
| 5.8.2.1 | Demurrage- Währungen im Mittelalter | 81 |
| 5.8.2.2 | Entstehung der heutigen Regionalwährungen | 82 |
| 5.8.2.3 | Heutiges Geschäftsmodell | 83 |
| 5.8.2.4 | Eigenschaften und Bedeutung | 85 |
| 5.8.2.5 | Ziele | 89 |
| 5.8.2.6 | Regionalgeldmodelle in Deutschland | 90 |
| 5.8.2.7 | Vernetzung | 92 |
| 5.8.2.8 | Euro und Regio | 92 |
| 5.8.2.9 | Bedeutung und Perspektiven | 93 |
| 5.8.3 | Neue Formen von Geld (E-Geld) | 95 |
| 5.9 | Vollgeldreform (Seigniorage Reform) | 98 |
| 5.10 | Globale Referenzwährungen | 100 |
| 5.10.1 | Terra | 101 |
| 5.10.1.1 | Charakteristik | 101 |
| 5.10.1.2 | Entstehung | 103 |
| 5.10.1.3 | Handelsmechanismus | 103 |
| 5.10.1.4 | Merkmale | 104 |
| 5.10.1.5 | Vorteile | 104 |
| 5.10.1.6 | Umsetzung | 105 |
| 5.10.2 | Transferrubel | 106 |
| 5.11 | Zusammenfassung der Vorschläge | 108 |
| 6. | AUSBLICK | 110 |
| 6.1 | Die nächsten Jahre | 110 |
| 6.2 | Zukunft | 112 |
| 6.3 | Fazit | 114 |
| 7. | LITERATURVERZEICHNIS | VIII |
Textprobe:
Kapitel 3.5, Goldstandard:
Eigenschaften und Vorteile:
Gold ist ein knappes Edelmetall, das sich nicht beliebig vermehren lässt. Gold ist gegen chemische Einflüsse resistent, hält sich über Jahrtausende ohne an Substanz zu verlieren und dient der Menschheit als Wertaufbewahrungsmittel. Aufgrund seines allgemein akzeptierten Wertes kann es vor Krisen und Währungsturbulenzen schützen, als Währungsreserve oder Versicherung dienenoder aber auch einfach als Ware an sich, z.B. Schmuck. Seit über 3.000 Jahren ist Gold als Zahlungs- oder Tauschmittel anerkannt. Noch heute ist Gold als internationales Zahlungsmittel staatenlos bzw. kann durch Umschmelzen staatenlos gemacht werden. Der Preis für 1 Unze Gold wird in Dollar angegeben. Das Prinzip einer Goldkernwährung beruht darauf, dass man Geldscheine jederzeit bei der Zentralbank vorlegen und in entsprechendes Gold umtauschen kann. Auf diese Weise können Staaten sogar mehr Nominalgeld ausgeben, als an Edelmetall verfügbar ist, denn üblicherweise bestehen nur wenige Geldscheininhaber auf den Umtausch ihrer Scheine in Gold. Normalerweise reicht also ein Volumen von weniger als 10% Gold für ein Währungsvolumen einer um 90% höheren Geldscheinmenge.
Gold im Währungssystem:
Seine Stellung in der modernen Währungsordnung erhielt Gold von den Engländern 1798 zugesprochen, nachdem sie bereits 1717 die erste Goldparität für das Pfund Sterling fest gelegt hatten. In der englischen Wirtschaft galten Gold und Silber zwar mit festem Kursverhältnis,jedoch zunächst unabhängig voneinander. Nach den Napoleonischen Kriegen wurde in England 1821 die Goldwährung mit der Einlösbarkeit der Pfund-Noten in Gold eingeführt und Silber zum Scheidegeld herabgestuft. Diese Phase hielt bis zum 1. Weltkrieg an. Doch schon davor gab es immer wieder Währungsunruhen die zeigten, dass die Einlösbarkeit von Banknoten in Gold nicht von Dauer sein kann. Gold floss kriegsbedingt in Siegerländer (z.B. der Krieg Deutschland gegen Frankreich 1870/71) und führte dort zu einem Bau- und Wirtschaftboom.
Auch im Deutschen Reich wurde 1875 mit dem Bankgesetz und dem Gesetz über Reichsgoldmünzen das Funktionieren des Goldstandards gesichert. Zwischen 1872 und 1876 gingen die skandinavischen Länder zum Goldstandard über, 1885 führte Russland den Goldrubel ein, in Österreich-Ungarn gab es eine Goldwährung seit 1872, in Indien seit 1893 und Japan seit 1897.
Das sind Beispiele dafür, wie hoch die Sicherheit des Goldes eingeschätzt wurde.
Silber verlor im 19. und 20 Jahrhundert mehr und mehr an Bedeutung. Da durch Gold auch das Verhältnis der Währungen untereinander stabilisiert wurde, bekam Gold eine binnenwirtschaftliche und eine außenwirtschaftliche Bedeutung, ‘Wich eine Währung im Vergleich zur anderen über den sogenannten Goldpunkt hinaus (Goldpreis zuzüglich Transport- und Versicherungskosten) nach oben oder nach unten ab, war es günstiger, Gold zu exportieren oder zu importieren, statt das Aufgeld für eine Währung zu bezahlen. Also ergaben sich stabile Wechselkurse.’ Das Ende der goldbasierten Währungssysteme kam, als Anfang des 20. Jahrhunderts die Regierungen nach und nach die Goldeinlösung von Banknoten einstellten.
Die amerikanische Privatbank FED kaufte nach dem Ende des 1. Weltkrieges die Weltgoldreserven zusammen, was zur Folge hatte, dass viele andere Währungen den Goldstandard nicht mehr halten konnten und in Deflation zusammen brachen.
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und der danach folgenden Weltwirtschaftskrise kam es in Deutschland zu einer Hyperinflation, bis am 15. 11.1923 die deutsche Rentenmark eingeführt wurde. Damit gelang eine Stabilisierung des Währungssystems trotz Überschuldung im Ausland. Die Golddeckung wurde auch in England 1925 für das Pfund Sterling und in Frankreich 1926 für den Franc wieder eingeführt. Niederlande, Belgien und Schweiz hielten ebenso am Goldstandard fest.
Nach Phasen von Währungsmanipulationen, dem Börsenkrach von 1929 und der darauf folgenden Weltwirtschaftskrise gingen immer mehr Länder zu einer autonomen Konjunkturpolitik ohne Rücksicht auf den Wert der Währungen über.
Am 06. März 1933 wurde in den USA der Privatbesitz von Gold verboten, da viele Amerikaner bereits Gold von den amerikanischen Banken abgezogen hatten. Bis 1944 (Bretton Woods) gab es faktisch kein geordnetes Währungssystem mehr. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde deshalb 1944 in Bretton Woods wieder die Einführung eines neuen Golddollarstandards beschlossen. Während des Krieges verlangten die USA für die Bezahlung von Rüstungsgütern Gold von den kriegführenden Nationen. Deutschland musste Gold als Kriegsbeute abgegeben. So haben sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 30.000 t Gold allein in den USA angesammelt. Dieses Gold diente der Deckung für den Dollar. Da aber immer mehr US-Dollar von anderen Zentralbanken der Welt als Reservewährung gehalten wurden, konnten die USA mehr Dollar ausgeben als Gold vorhanden war. Damit wurde neben dem Gold nun der Dollar zunehmend zur Hauptwährungsreserve.
Nach dem 2. Weltkrieg lag der Goldpreis sehr lange bei $ 35,-. Um den Preis von Gold zu deckeln, wurde 1961 von den westlichen Banken der sogenannte Goldpool gegründet. 1968 gaben die führenden westlichen Industrieländer schon nach der ersten Spekulationswelle die Bemühungen auf, den Goldpreis gemeinsam zu stabilisieren. Zwar rechneten Zentralbanken ihre internationalen Transaktionen weiter mit $ 35 die Feinunze ab;da sich ein freier Goldpreis herausbildete, wichen Privatleute aber davon ab. Die Folge war, dass US-Präsident Nixon 1971 die Einlösepflicht des Dollars gegen Gold aufgrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit aufheben musste – womit das Ende von Bretton Woods und der Gold- $- Parität besiegelt war. Der Goldpreis explodierte, weil nach 1971 kein Vertrauen mehr in das internationale Währungssystem bestand.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842806917
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Stamer, Ralf März 2010: Szenarien für ein neues Weltwährungssystem, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Währungssystem, Bretton Woods, Bankenkrise, Währungskrise, Komplementärwährung



