Systemtheorie am Beispiel der Organisation
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sonja Heckmann
- Abgabedatum: März 2002
- Umfang: 153 Seiten
- Dateigröße: 2,7 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abt. Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5525-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5525-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5525-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heckmann, Sonja März 2002: Systemtheorie am Beispiel der Organisation, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Luhmann, Organisationsanalyse, Systemanalyse, Management, Kommunikation
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Diplomarbeit von Sonja Heckmann
Einleitung:
Organisationen werden in der Systemtheorie als Systeme verstanden, die sich von ihrer Umwelt differenzieren und die durch diese Differenz beobachtbar werden. Wie sie das tun und warum, wie sie funktionieren und kommunizieren, welche Funktionen und Aufgaben dabei verschiedene Subsysteme in der Organisation, wie zum Beispiel die Hierarchieebenen, die Arbeitsbereiche oder aber auch das Management erfüllen, soll in dieser Arbeit differenziert geklärt werden. Dazu werden die Grundlagen des Konstruktivismus als Basis der Systemtheorie ebenso dargestellt wie die Grundannahmen der Systemtheorie selbst und die Theorie sozialer Systeme nach Luhmann. Dies ist notwendig um Organisationen als das verstehen zu können, was sie aus systemtheoretischer Perspektive sind: Systeme die sich durch die kontinuierliche Reproduktion von Entscheidungen und somit Kommunikation reproduzieren und aufrecht erhalten. Dies ist der Grund weswegen insbesondere den Kommunikations- und Entscheidungsprozessen ein großer Stellenwert innerhalb der vorliegenden Arbeit eingeräumt wird.
Um die praktische Nutzung und Umsetzung der dargestellten theoretischen Kenntnisse deutlich zu machen wurden für diese Arbeit Daten aus qualitativen Interviews von MitarbeiterInnen einer Dienstleistungsorganisation erhoben und systemtheoretisch analysiert, um sie für die entsprechende Organisation nutzbar machen zu können. Auch hier wird der Fokus auf die Kommunikations- und Entscheidungsstruktur der entsprechenden Organisation gerichtet.
Abschließend soll die These aufgestellt und begründet werden, dass insbesondere SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen befähigt sind in und für Organisationen, sei es im Bereich der Organisationsentwicklung und -beratung oder der Personalentwicklung und -beratung, tätig zu sein und welche Aufgaben sie dabei ausfüllen können.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | I | |
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Grundlagen | 5 |
| 1.1 | Positivistische und konstruktivistische Theorie | 6 |
| 1.2 | Drei theoretische Richtungen innerhalb des Konstruktivismus | 8 |
| 1.2.1 | Sozial-konstruktivistische Theorie | 9 |
| 1.2.2 | Kognitiv-konstruktivistische Theorie | 11 |
| 1.2.3 | Systemtheorie oder radikal-konstruktivistische Theorie | 13 |
| 1.3 | Grundlagen der Systemtheorie | 15 |
| 1.3.1 | Das Autopoiese - Konzept in der Systemtheorie | 16 |
| 1.3.2 | Grundbegriffe der Systemtheorie | 21 |
| 2. | Luhmanns Theorie sozialer Systeme | 32 |
| 2.1 | Soziale Systeme | 32 |
| 2.2 | Funktion sozialer Systeme | 41 |
| 2.3 | Das Autopoiese-Konzept in der Theorie sozialer Systeme | 46 |
| 2.4 | Kommunikation | 49 |
| 2.4.1 | Kommunikation als autopoietisches Element sozialer Systeme | 50 |
| 2.4.2 | Die Elemente der Kommunikation: Information, Mitteilung, Verstehen | 52 |
| 2.4.3 | Exkurs: Die Kommunikationstheorie nach Watzlawick | 61 |
| 3. | Organisationen | 66 |
| 3.1 | Das soziale System: Organisation | 66 |
| 3.2 | Die formale Struktur von Organisationen | 79 |
| 3.2.1 | Hierarchie | 83 |
| 3.2.2 | Arbeitsbereiche | 87 |
| 3.2.3 | Kopplung | 90 |
| 3.2.4 | Die Aufgaben des Managements aus systemtheoretischer Perspektive | 94 |
| 4. | Systemtheoretisch orientierte Befragung von Mitgliedern einer Dienstleistungsorganisation | 102 |
| 4.1 | Forschungsstrategie, Untersuchungsdesign und Datenerhebungsmethode | 104 |
| 4.2 | Stichprobe | 107 |
| 4.3 | Durchführung | 108 |
| 4.4 | Auswertungsmethoden | 110 |
| 4.5 | Interpretation der erhobenen Daten | 112 |
| 4.6 | Ausblick | 124 |
| 5. | Diskussion | 128 |
| 6. | Zusammenfassung | 131 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 133 |
| 8. | Abbildungsverzeichnis | 143 |
Unter Kommunikation versteht Watzlawick Verhalten im weitesten Sinn. Er bezieht damit neben Worten auch explizit sogenannte paralinguistische Phänomene wie Körperhaltung, Körpersprache und vieles mehr in seine Analysen mit ein. Seiner Meinung nach hat Verhalten eine Eigenschaft, die von ausschlaggebender Bedeutung ist: sie hat kein Gegenteil. Dies bedeutet, man kann sich nicht nicht verhalten, man kann nicht nicht kommunizieren. So bekommt auch ein vermeintliches Nichthandeln oder Schweigen per se Mitteilungscharakter und wird zur Kommunikation.252. Der Versuch, sich aus einer zwischenmenschlichen Auseinandersetzung herauszuhalten, ist folglich von vornherein zum Scheitern verurteilt, wird aber immer dort gemacht, wo der Wunsch besteht, sich einer Stellungnahme zu entziehen. Hier lassen sich verschiedene, mehr oder weniger problematische, Reaktionsweisen beobachten: a) Abweisung des Gespräches. b) Annahme des eigentlich unerwünschten Gesprächs.253 c) Entwertung eigener Aussagen oder der Aussagen des Partners, indem man sie einer klaren Bedeutung beraubt. Dies kann durch Widersprüchlichkeiten, Themenwechsel, Ungereimtheiten, unvollständige Sätze, absichtliches Missverstehen, unklare Sprachformen, Konkretisierung von Metaphern und vieles mehr geschehen.254 [...]
61 Die dritte Schwierigkeit des Gelingens einer Kommunikation sehen Bardmann und Lamprecht darin, dass die Kommunikation Erfolg hat, dass sie Anschluss findet, denn selbst wenn die Kommunikation verstanden wurde, so kann sie statt angenommen auch abgelehnt werden. Erfolg hat Kommunikation nur dann, wenn der Adressat das Kommunizierte als Prämisse für sein eigenes Verhalten übernimmt.244 Die Grenzen des Kommunizierbaren liegen also nicht nur in den begrenzten Möglichkeiten der Beteiligten, sondern immer auch in den Grenzen der Kommunikationssysteme selbst.245 Für eine gelingende Kommunikation ist es also unerlässlich, dass es zu einer Synthese von Information, Mitteilung und Verstehen kommt und somit Anschlussmöglichkeiten für eine Kommunikation vorhanden sind. Watzlawick geht nun, im Gegensatz zu Luhmann, davon aus, dass auch das Subjekt, das in der Luhmannschen Theorie explizit als Umwelt sozialer Systeme von der Kommunikation ausgeschlossen ist246, diesen Kommunikationsprozess fördern beziehungsweise stören kann, überhaupt am Kommunikationsprozess beteiligt ist. Da Luhmann selbst von einem interpenetrierenden247 Verhältnis zwischen sozialen, organischen und psychischen Systemen (Menschen) ausgeht, zeigt sich hier eventuell ein möglicher Verknüpfungspunkt beider Kommunikationstheorien, denn nun wäre zu prüfen ob vermittelt durch die Interpenetration, Subjekte Einfluss auf den Kommunikationsprozess ausüben, ihn stören aber auch fördern können. Diese Überlegungen sind der Grund, weswegen im Folgenden die Axiome der Kommunikationstheorie nach Watzlawick als kurzer Exkurs skizziert werden.248 2. 4. 3 Exkurs: Die Kommunikationstheorie nach Watzlawick Im Folgenden werden die Axiome menschlicher Kommunikation nach Watzlawick249 dargestellt, da die Elemente seiner Kommunikationstheorie, so die These, Einfluss auf [...]
Betrachtet man den Kommunikationsprozess aber, wie in unserem Fall, als Selektionsprozess so erscheint es als wenig wahrscheinlich, dass Kommunikation überhaupt zustande kommen kann. Bardmann & Lamprecht sprechen hier sogar von der „dreifachen Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation“241 und meinen damit zunächst die Unwahrscheinlichkeit, dass die Kommunikation verstanden wird. Sehen wir Kommunikation als Selektion, im Falle sozialer Systeme als Selektion von Sinn, so ist es fast unmöglich davon auszugehen, dass unabhängige Systeme den selben Sinnhorizont meinen. Zudem schließt Verstehen immer auch Missverstehen mit ein. Diese Komponente kann, bezieht man den dreistelligen Selektionsprozess von Information, Mitteilung, Verstehen mit ein, so hoch sein, dass Kommunikation nahezu unmöglich wird. Die zweite Unwahrscheinlichkeit sehen sie im Erreichen des Adressaten, das heißt dass die Nachricht dort angelangt, wo sie anlangen soll. Diese Unwahrscheinlichkeit wächst, je mehr Adressaten die Kommunikation erreichen soll, vor allem aber wenn sie mehr Adressaten erreichen soll als anwesend sind. Stellt man an die Weitergabe der Kommunikation noch die Anforderung, dies in unveränderter Form zu tun, hat man es schnell mit dem sogenannten „Stillen-Post-Effekt“ zu tun. Aber auch wenn die Information auch in genau der selben Form weitergegeben werden könnte, stellt sich die Frage, ob sie in einem anderen Kontext auch Aufmerksamkeit erhalten würde. Vielleicht wäre sie dort völlig unwichtig und irrelevant. So könnte es zum Beispiel sein, dass eine Kommunikation über die Beschaffenheit von Mikrochips in der einen Abteilung einer Organisation auf großes Interesse und Aufmerksamkeit stößt, in einer anderen jedoch völlig unbeachtet bleibt, weil sie für diese nicht relevant ist,242 denn wie Luhmann treffend sagt: [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832455255
Arbeit zitieren:
Heckmann, Sonja März 2002: Systemtheorie am Beispiel der Organisation, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Luhmann, Organisationsanalyse, Systemanalyse, Management, Kommunikation



