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Systemische Familientherapie

Ein Vergleich der Wirksamkeit verschiedener Therapiemethoden bei verhaltensauffälligen Jugendlichen

Systemische Familientherapie
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Judith Wölfel
  • Abgabedatum: August 2010
  • Umfang: 44 Seiten
  • Dateigröße: 239,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Regensburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 27
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0412-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wölfel, Judith August 2010: Systemische Familientherapie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Systemische Therapie, Familientherapie, Wirksamkeit, Jugendliche, Verhaltensauffälligkeit

Bachelorarbeit von Judith Wölfel

Einleitung:

Spätestens seit den allgemein bekannten TV-Formaten wie ‘Die Super Nanny’ oder ‘Die Ausreißer’ wird deutlich, was viele Pädagogen schon seit langem befürchteten: Verhaltensauffällige Kinder scheinen immer häufiger und in immer größeren Ausmaßen zum Alltag dazu zu gehören. 20 bis 25% der Kindergarten- und Schulkinder gelten als verhaltensauffällig oder gar psychisch gestört. Dies äußert sich beispielsweise in Form von Schlaf- oder Essstörungen, depressivem oder aggressivem Verhalten, im Jugendalter zudem in Form von Drogenmissbrauch oder Zerstörungswut. Die Ursachen dieser Verhaltensweisen liegen meist in der frühen Kindheit. Denn erst durch Interaktionen mit der Umwelt, insbesondere den anderen Familienmitgliedern oder Freunden, kann sich das Kind entwickeln. Treten Verhaltensauffälligkeiten auf, muss daher die Familie als Ganzes als auch die Beziehungen der einzelnen Mitglieder untereinander bei der Ursachenforschung einbezogen werden.

Es gibt für die Vielzahl an Verhaltensauffälligkeiten jedoch kein Wundermittel. Die pädagogische Praxis versucht daher mit Hilfe verschiedener Beratungsstrategien, Defizite der Kinder bzw. Jugendlichen auszugleichen. Ein Beispiel hierfür ist die systemische Beratung. Da aber in schwerwiegenden Fällen, wie beispielsweise bei psychischen Störungen, Beratung allein nicht ausreicht, ist oftmals eine spezielle Therapie des Kindes unumgänglich. In der vorliegenden Arbeit soll daher untersucht werden, wie wirksam die systemische Familientherapie (SFT) verhaltensauffälliger bzw. –gestörter Jugendlicher ist. Hierzu wird die SFT mit anderen Therapieformen verglichen, um herauszufinden inwiefern die systemische Therapie bei verhaltensauffälligen Jugendlichen wirksamer als andere Therapiemethoden ist. Da allerdings keine allgemeine Form der Verhaltensauffälligkeit existiert, wurden drei Formen zur Veranschaulichung ausgewählt. Dazu gehören Essstörungen, aggressives Verhalten sowie Substanzmissbrauch bei Jugendlichen. Anhand der Analyse verschiedener empirischer Arbeiten soll die Wirksamkeit der unterschiedlichen Therapieformen bei diesen Störbildern miteinander verglichen werden. Zunächst wird auf den Vorgang der Literaturbeschaffung eingegangen und im Anschluss die Geschichte der systemischen Therapie aufgezeigt. Im Hauptteil der vorliegenden Arbeit werden je drei Studien zu einer Verhaltensauffälligkeit ausgewertet und miteinander verglichen. Abschließend werden weitere Möglichkeiten für die Forschung auf diesem Gebiet aufgezeigt sowie das eigene Vorgehen reflektiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Suche nach einer effektiven Therapie für verhaltensauffällige Jugendliche 5
2. Literaturrecherche 8
3. Die Entstehungsgeschichte der systemischen Therapie 8
3.1 Was heißt ‘systemisch’? 8
3.2 Die Anfänge der systemischen Therapie 9
3.3 Systemische Therapie heute 11
4. Vorgehen bei einem familientherapeutischen Setting 12
5. Wie lässt sich die Wirksamkeit einer Therapieform empirisch nachweisen? 13
6. Verhaltensauffälligkeiten bei Jugendlichen und deren Behandlung 14
6.1 Unterschied zwischen Verhaltensauffälligkeiten und – Störungen 14
6.2 Essstörungen 18
6.3 Anorexie und Bulimie 18
6.3.1 Empirische Nachweise zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemodelle 19
6.3.2 Vergleich der Ergebnisse 24
6.4 Aggression und Delinquenz 26
6.4.1 Formen der Aggression bei Jugendlichen 26
6.4.2 Empirische Nachweise zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemodelle 26
6.4.3 Vergleich der Ergebnisse 30
6.5 Substanzmissbrauch 31
6.5.1 Substanzmissbrauch im Jugendalter 31
6.5.2 Empirische Nachweise zur Wirksamkeit verschiedener Therapiemodelle 32
6.5.3 Vergleich der Ergebnisse 37
7. Wie wirksam ist nun die systemische Therapie? 38
8. Reflexion und Anregungen für weitere Forschung 39
9. Literaturverzeichnis 41

Textprobe:

Kapitel 4, Vorgehen bei einem familientherapeutischen Setting:

Die Familientherapie zeichnet sich dadurch aus, dass die beteiligten Familienmitglieder gemeinsam mit Hilfe des Therapeuten nach Lösungen für ein sie betreffendes Problem suchen. Dies erfolgt in mehreren aufeinander folgenden Schritten. Zunächst lädt der Therapeut möglichst viele Familienmitglieder und andere involvierte Personen ein und versucht mit Hilfe der verschiedenen Sichtweisen das Problem zu definieren. Im Anschluss werden einzelne Ziele genau benannt und Schwerpunkte gebildet. Dabei ist die Neutralität des Therapeuten von großer Wichtigkeit. Schuldzuweisungen müssen abgewiesen und das geschilderte Problem als Problem der gesamten Familie, nicht eines Einzelnen dargestellt werden. In den folgenden Sitzungen werden verschiedene Szenarien einer problemfreien Umwelt erarbeitet. Ziel ist es, die Familie zu stabilisieren und falls keine Verbesserung möglich ist, den Umgang mit dem Problem zu erlernen. Desweiteren soll die Autonomie und der Selbstwert jedes Familienmitgliedes gestärkt, der Zusammenhalt untereinander gefestigt, die Kommunikation verbessert und schädigende Beziehungsmuster verändert werden. Der Therapeut gibt dem Klienten keine Lösung vor, vielmehr stellt er diesem verschiedene Fragen, welche ihm ermöglichen sollen, Lösungen seines Problems aufzudecken. Die Betonung liegt hierbei immer auf den bisher erreichten Zielen, nicht auf mögliche Folgeschwierigkeiten.

Wie lässt sich die Wirksamkeit empirisch messen?

Die systemische Familientherapie zeichnet sich dadurch aus, dass mehr als eine Person an der Behandlung beteiligt ist. Dies wirft jedoch die Frage auf, was letzten Endes gemessen werden soll bzw. woran sich der Erfolg der Therapie erkennen lässt. Zum einen können Veränderungen des Patienten, der Geschwister oder der Eltern gemessen werden. Zum anderen kann die Veränderung der Symptome oder die Zufriedenheit mit der Therapie untersucht werden. Auch kann eine niedrige Abbrecherquote für die Güte einer Therapieform sprechen, ebenso die Dauer, in der die behandelten Symptome nicht mehr auftreten. Die meisten Studien befassen sich mit der Verringerung der auftretenden Symptome, nur wenige erforschen die Auswirkung der Veränderung eines Symptoms auf die anderen Familienmitglieder.

Markus, Lange und Pettrigrew verglichen in einer Metaanalyse 19 Studien miteinander und untersuchten die Effektstärke der Studien anhand von Cohen’s d. Dies errechnet sich aus der Differenz der Punktzahl, die die Experimentalgruppe und die Kontrollgruppe erreichte, geteilt durch die zusammengefasste Standardabweichung. Ein Wert von d < .020 bedeutete einen kleinen Effekt, also eine geringe Wirksamkeit, ein Wert zwischen .020 und .080 einen mäßigen Effekt und ein Wert von d > .080 einen großen Effekt. Zusammenfassend für alle untersuchten Studien kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Familientherapie einen mäßigen Effekt (d = .070) erzielte, was im Vergleich zu den Kontrollgruppen auf eine höhere Effektivität hinweist.

Ebenfalls anhand des Cohen’s d untersuchten Shadish, Ragsdale, Glaser und Montgomery 163 Studien, davon 101 Studien zur Familientherapie sowie 14 zur systemischen Therapie. Ihr Ergebnis war, dass Klienten der Familientherapien besser abschnitten, als Kontrollgruppen ohne Behandlung. Desweiteren stellten sie fest, dass Studien, die genaue Ziele definierten, bessere Ergebnisse erzielten, als andere, die beispielsweise allgemeinen Fragen zur Zufriedenheit nachgingen.

Arbeit zitieren:
Wölfel, Judith August 2010: Systemische Familientherapie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Systemische Therapie, Familientherapie, Wirksamkeit, Jugendliche, Verhaltensauffälligkeit

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