Das System der Arbeitslosenversicherungskonten am Beispiel Chiles
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jenny Gößling
- Abgabedatum: April 2004
- Umfang: 70 Seiten
- Dateigröße: 613,7 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8157-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8157-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8157-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gößling, Jenny April 2004: Das System der Arbeitslosenversicherungskonten am Beispiel Chiles, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Umemployment Accounts, Alternative Arbeitslosenversicherung, Kapitalgedeckte Arbeitslosenversicherung, UISA
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Diplomarbeit von Jenny Gößling
Zusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich insbesondere am Beispiel Chiles mit Arbeitslosenversicherungskonten (Unemployment Insurance Savings Accounts) als einer Form kapitalgedeckter Arbeitslosenversicherung. Dabei handelt es sich um ein System mit persönlichen Konten, auf die die Versicherten ihre Beiträge einzahlen und von denen sie im Falle der Arbeitslosigkeit Leistungen beziehen können. Das angesparte Guthaben wird am Ende des Erwerbslebens an den Versicherten vollständig ausgezahlt. Durch diese Internalisierung der Kosten der Arbeitslosigkeit werden diejenigen Versicherten finanziell belohnt, die selten oder gar nicht arbeitslos sind. Die Finanzierung der Arbeitslosigkeit aus den eigenen Ersparnissen schafft den Anreiz, sich um schnelle Wiedereinstellung zu bemühen und damit persönliche Ressourcen zu schonen.
Die bisherige Literatur zum Thema beschäftigt sich hauptsächlich mit der Darstellung von theoretischen Modellen und fiktiven Berechnungen, ob sich eine Umstellung auf UISA aus einem bisherigen System lohne. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es hingegen, anhand einer umfassenden Diskussion der wichtigsten theoretischen Modellansätze, sowie der Charakteristika des 2002 in Chile in der Praxis eingeführten Systems, einen Überblick über diese Form der Arbeitslosenversicherung zu geben. Mit Hilfe von Praxisdaten der staatlichen chilenischen Aufsichtsbehörde über die Arbeitslosenversicherung (SAFP), die eine Auswertung der Einführungsphase ermöglichen, soll hier eine Bewertung des Systems bezüglich der Realisierbarkeit in der Praxis vorgenommen werden.
Die Arbeit beginnt mit einer Diskussion der Notwendigkeit staatlicher Arbeitslosenversicherung im Vergleich zu freiwilliger Vorsorge und privater Absicherung. Daran schließt sich eine Darstellung der Behandlung der Unemployment Insurance Savings Accounts (UISA) in der wichtigsten Literatur an, wobei neben einer ausführlichen Diskussion der Vor- und Nachteile Rentabilitätsberechnungen erläutert werden. Der folgende Praxisteil beschäftigt sich mit der Umsetzung des Systems der UISA in Chile. Ausgehend von der bisherigen Form der Arbeitslosenunterstützung werden die Charakteristika der neuen UISA aufgezeigt und die Daten des ersten Laufzeitjahres ausgewertet. Unterschiede zwischen den theoretischen Modellen und dem chilenischen System werden aufgezeigt und mögliche Gründe dargestellt. Das letzte Kapitel fasst die Kernpunkte noch einmal zusammen und geht auf die Möglichkeiten der Umsetzung in Deutschland als Alternative zum bisherigen umlagefinanzierten System ein. Eine persönliche Einschätzung beendet die Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Ziel der Arbeit | 2 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Notwendigkeit staatlicher Arbeitslosenversicherung | 3 |
| 2.1 | Argumente für staatliche Arbeitslosenversicherung | 3 |
| 2.2 | Probleme durch staatliche Arbeitslosenversicherung | 5 |
| 2.3 | Bewertung | 7 |
| 2.4 | Optimale Arbeitslosenversicherung nach Hopenhayn | 8 |
| 3. | Unemployment Insurance Savings Accounts in der Theorie | 9 |
| 3.1 | Definition | 10 |
| 3.2 | Modell zum Vergleich der UISA mit umlagefinanzierterArbeitslosenversicherung | 11 |
| 3.3 | Vorteile der UISA | 13 |
| 3.4 | Probleme bei UISA | 14 |
| 3.5 | Effizienzberechnungen | 15 |
| 3.5.1 | Rentabilität der UISA | 16 |
| 3.5.2 | Umverteilungseffekte der UISA | 19 |
| 3.6 | Sind UISA optimal? | 20 |
| 3.7 | Severance Payments Savings Accounts in Kolumbien | 21 |
| 3.8 | Integrated Unemployment Insurance System | 23 |
| 4. | Praktische Umsetzung der UISA in Chile | 23 |
| 4.1 | Politische und wirtschaftliche Situation in Chile | 24 |
| 4.2 | Bisherige Arbeitslosenunterstützung | 25 |
| 4.2.1 | Unemployment Subsidy | 25 |
| 4.2.2 | Severance Payments | 25 |
| 4.2.3 | Sonstige Programme | 26 |
| 4.3 | UISA in Chile | 27 |
| 4.3.1 | Entstehungsgeschichte | 27 |
| 4.3.2 | Das neue System | 28 |
| 4.3.2.1 | Persönliche Konten | 28 |
| 4.3.2.2 | Degressive Leistungen | 29 |
| 4.3.2.3 | Umverteilender Solidaritätsfonds | 30 |
| 4.3.2.4 | Privates Management | 31 |
| 4.3.2.5 | Sonderbehandlung von Zeitverträgen | 33 |
| 4.3.3 | Auswertung der ersten sechzehn Laufzeitmonate | 34 |
| 4.3.4 | Unterschiede zu den theoretischen Modellen | 36 |
| 4.3.5 | Probleme bei der Umsetzung | 37 |
| 5. | Schlussbemerkung unter dem Aspekt der Übertragbarkeit auf Deutschland | 38 |
| 6 | Anhang | 41 |
| 7 | Literaturverzeichnis | 51 |
Hugo A. Hopenhayn hat sich in verschiedenen Studien mit unterschiedlichen CoAutoren mit optimaler Arbeitslosenversicherung und UISA auseinander gesetzt. Ausgehend von seinem Modell für optimale Arbeitslosenversicherung37 untersucht er in „Unemployment Insurance Savings Accounts: Optimal?“(2000), ob UISA nach diesem Modell optimal sind. Dabei kommt es seiner Auffassung nach besonders auf die Ausgestaltung der UISA an, die sich auf den trade-off von Versicherung und Anreizen richten muss. Bei Verzicht auf Versicherung, also ausschließlich eigenverantwortliche Vorsorge, sind die Anreize zur Aufnahme von Arbeit maximal. Diese Form ist dann optimal, wenn das Arbeitslosigkeitsrisiko gering ist und Moral Hazard eine große Rolle spielt. Eine Ausgestaltungsmöglichkeit der UISA, die von Hopenhayn vorgeschlagen wird, ist das Prinzip der Bereitstellung eines Anfangsguthabens (liquidity provision). Das bedeutet, dass der Beschäftigte bei Eintritt in das Berufsleben einen Grundstock an Kapital in sein persönliches Konto eingestellt bekommt, das durch monatliche Einzahlungen aufgestockt wird. Damit kann er im Fall der Arbeitslosigkeit Einkommensverluste ausgleichen und somit intertemporalen Konsumausgleich betreiben. Allerdings sind hier Grenzen gesetzt, sobald die Arbeitslosigkeit zu lange dauert, da Kontoüberziehungen nicht vorgesehen sind. Das andere Extrem ergibt sich im Fall vollständig umlagefinanzierter Versicherung, bei der die Leistungen unabhängig von eingezahlten Beiträgen sind. Dabei wird der Versicherungsaspekt zu Lasten der Anreize maximiert.38 Dies ist dann optimal, wenn Moral Hazard keine Rolle spielt und das Arbeitslosigkeitsrisiko hoch ist. Allerdings ist eine Gesellschaft ohne Moral Hazard nur in der Theorie vorhanden. [...]
Das Prinzip der UISA impliziert eine Reduzierung der Umverteilung, da im Extremfall (wenn keiner einen negativen Saldo im persönlichen Konto hat) überhaupt keine Umverteilung stattfindet. Durch die Möglichkeit, im Bedarfsfall sein Konto überziehen zu können, kann allerdings die Situation auftreten, dass Konten am Ende des Erwerbslebens des Versicherten einen negativen Saldo aufweisen, der erlassen wird. Durch diese Regelung kann also eine gewisse Umverteilung stattfinden. Den Grad der Umverteilung im System der UISA haben sowohl Feldstein und Altmann (1998) als auch Vodopivec und Rejec (2001) in ihren Arbeiten untersucht. Feldstein und Altman haben sich besonders mit der Veränderung der Umverteilung beim Übergang vom rein steuerfinanzierten System zu UISA beschäftigt. Die Leistungen sind bei beiden Systemen gleich und der Sparbeitrag im System der UISA liegt höher als die Verringerung der Steuerlast zur Finanzierung der Leistungen im alten System. Daraus ergibt sich ein relativer Nachteil für diejenigen Arbeitnehmer, die einen negativen Endsaldo in ihrem Konto aufweisen. Diejenigen Versicherten, die nie Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen mussten, bekommen ihren gesamten Sparbeitrag samt Zinsen beim Eintritt in den Ruhestand ausgezahlt und profitieren so von der Verringerung der Steuerlast. Für die Personen mit negativem Saldo am Ende der Lebensarbeitszeit ändert sich nichts. Allerdings haben die Autoren in ihren Berechnungen festgestellt, dass dieser relative Verlust in der untersten Einkommensquintile fast vernachlässigbar klein ist und der Gewinn in der Topquintile ebenfalls – in Relation zum Einkommen - gering ausfällt.35 Auch Vodopivec und Rejec (2001) kommen zu dem Ergebnis, dass im System der UISA weniger Umverteilung stattfindet als im traditionellen System. Beim Vergleich der Szenarien mit hoher bzw. niedriger Arbeitslosenquote zeigt sich, dass wie erwartet die Umverteilung bei hoher Arbeitslosigkeit höher ist. Der Grund dafür liegt in der [...]
18 selbst finanzieren. Auch wenn fast die Hälfte der Versicherten zwischenzeitlich wenigstens einmal einen negativen Saldo auf ihrem persönlichen Konto hat, kann die Hälfte diesen im Laufe des weiteren Erwerbslebens wieder ausgleichen und ist damit der Gemeinschaft nicht zur Last gefallen. Auch Feldstein und Altman kommen zu dem Ergebnis, dass nur ein geringer Prozentsatz der Versicherten bei Eintritt in den Ruhestand einen negativen Saldo auf dem Konto hat. Sie unterscheiden ebenfalls verschiedene Situationen, allerdings nicht nach Arbeitslosenquote, sondern nach unterschiedlicher Ausgestaltung der Versicherung.32 Der Prozentsatz derjenigen Versicherten, die ihr Erwerbsleben mit einem negativen Saldo abschließen, liegt bei den verschiedenen Anlagestrategien zwischen 5,2% und 7,0%. Auch die Anzahl derjenigen, die wenigstens einmal in ihrem Erwerbsleben einen negativen Saldo in ihrem Konto haben, ist mit 6,8% bis 9,4% recht gering. Hier bedeutet ein einmaliges Hineinrutschen in die roten Zahlen nicht, dass der Versicherte nicht mehr herauskommt. Im Vergleich der Ergebnisse der beiden Arbeiten zeigt sich, dass die Zahlen für Estland deutlich schlechter sind als die für die Vereinigten Staaten. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass die Ausgestaltung der Versicherung nicht genau gleich ist.33 Hier treten die – für das Gesamtergebnis unerheblichen - Details wieder in den Vordergrund. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Bedingungen des Arbeitsmarktes in einem Industrieland wie den USA können nicht mit denen eines baltischen Schwellenlandes verglichen werden. Dennoch: das Ergebnis, dass ein durch UISA finanziertes Arbeitslosenversicherungssystem – wenigstens theoretisch - sowohl in einem Industrieland als auch in einem Schwellenland funktionieren kann, zeigt, dass diese Lösung als eine ernstzunehmende Alternative zur traditionellen Umlagefinanzierung betrachtet werden muss. Im Vergleich zu einer rein durch Steuern finanzierten Lösung34 arbeitet ein System in Form von UISA bei gleichen Leistungen kostengünstiger. Nach Berechnungen von Feldstein und Altmann (1998) müssen maximal 39,3% der vorher benötigten Steuermittel aufgebracht werden, um die gleichen Leistungen zu garantieren. Diese Summe geht an Versicherte, die am Ende der Lebensarbeitszeit einen negativen [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832481575
Arbeit zitieren:
Gößling, Jenny April 2004: Das System der Arbeitslosenversicherungskonten am Beispiel Chiles, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Umemployment Accounts, Alternative Arbeitslosenversicherung, Kapitalgedeckte Arbeitslosenversicherung, UISA



